Laborwerte der Bauchspeicheldrüse: ein Überblick

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Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse machen sich in erster Linie durch akute Bauchschmerzen im Oberbauch bemerkbar und nehmen mitunter einen dramatischen Verlauf. Mögliche Ursachen der Erkrankung werden durch Anamnese und weitere körperliche Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren ermittelt. Darüber hinaus ermöglicht das Bestimmen spezifischer Pankreaswerte im Blut Rückschlüsse auf die Organfunktion.

Wir haben im Folgenden die relevanten Laborwerte zusammengefasst und erklären, welchen Stellenwert die Ernährung bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen – insbesondere der Pankreatitis – einnimmt.

Die Bauchspeicheldrüse: Wichtige Funktion für Verdauung und Blutzuckerregulation

Die etwa 100 Gramm schwere und 15 Zentimeter lange Bauchspeicheldrüse liegt im hinteren Teil der Bauchhöhle und steht in enger Beziehung zum Zwölffingerdarm und der Gallenblase. Das Drüsenorgan produziert eine Reihe wichtiger Verdauungsenzyme bzw. Enzymvorstufen (exokrine Funktion), die der Spaltung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen dienen. Über den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse gelangen die sogenannten Pankreasenzyme in den Darm und werden erst dort aktiviert, um eine „Selbstverdauung“ des Organs zu verhindern. In den Inselzellen produziert die Drüse zudem Insulin und dessen Gegenspieler Glukagon (endokrine Funktion). Beide Hormone sind für die Regulation des Blutzuckerspiegels von großer Bedeutung.

Erkrankt das Organ, ist die Funktion entsprechend beeinträchtigt und es kommt zu Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Fettstühlen. Infolge der eingeschränkten Insulinproduktion gerät zudem der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht und erhöht das Risiko für Diabetes mellitus. Entzündungen der Bauchspeicheldrüse werden durch eine vorzeitige Enzymaktivierung hervorgerufen, die zu einer schmerzhaften Schädigung des Pankreasgewebes führen. Nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf, schreitet der Abbau von Drüsengewebe immer weiter fort. Dadurch verschlechtert sich die exokrine und endokrine Funktion des Organs zunehmend und es treten verschiedene charakteristische Komplikationen auf.

Labor: Bestimmung von Pankreasenzymen, Entzündungsmarkern & Co

Neben dem großen Blutbild konzentriert sich die Laboranalyse besonders auf die Aktivität der Pankreasenzyme, der Entzündungsmarker sowie der Leber- und Blutzuckerwerte.

Enzymaktivität

Bei einer Schädigung des Pankreasgewebes treten vermehrt Pankreasenzyme ins Blut über, wodurch im Serum erhöhte Enzymaktivitäten feststellbar sind. Die Bestimmung der Enzyme erfolgt in der Regel bei Verdacht auf eine akute Pankreatitis oder einen akuten Schub einer chronischen Pankreatitis. Ein Anstieg um mindestens das 3-fache (oberhalb des Referenzwertes) spricht mit großer Wahrscheinlichkeit für eine Entzündung des Organs. Allerdings werden auch bei anderen Erkrankungen erhöhte Werte beobachtet. Zudem können bei langjährigem Alkoholmissbrauch oder vorausgehender chronischer Pankreatitis derartige Veränderungen fehlen, da die Enzymproduktion in der Drüse bereits erschöpft ist.

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Die Bestimmung der Amylase zählt im Rahmen der Diagnostik von Pankreaserkrankungen zu den wohl häufigsten Enzymanalysen. Nach Meinung einiger Fachleute ist diese aufgrund der geringen Spezifität jedoch verzichtbar. Der Amylase-Wert steigt meist wenige Stunden nach Einsetzen der Schmerzen stark an, erreicht nach etwa 20 Stunden den Höhepunkt und normalisiert sich innerhalb weniger Tage. Durch die geringe Halbwertszeit kann es daher vorkommen, dass die Werte trotz klinischer Befunde im Normbereich liegen.

Die Lipase hingegen ist deutlich länger nachweisbar und ermöglicht so, auch länger zurückliegende Schädigungen der Bauchspeicheldrüse zu erfassen. Insbesondere bei alkoholinduzierten Formen der Pankreatitis gilt die Bestimmung der Lipase-Serumkonzentration als besser geeignet, da in diesen Fällen der Amylase-Anstieg häufig geringer ausfällt oder fehlt. Allerdings ist die Lipase ebenfalls nicht pankreasspezifisch und erhöhte Werte können auch auf andere Erkrankungen hinweisen.

Die Elastase gilt als spezifischer Marker, da das Enzym (fast) ausschließlich in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Die Bestimmung der Elastase im Stuhl liefert verlässliche Hinweise auf eine chronische Pankreatitis und dient der Beurteilung der exokrinen Pankreasfunktion. Erniedrigte Werte weisen darauf hin, dass die Produktion von Verdauungsenzymen in der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt ist. Erhöhte Konzentrationen im Serum sprechen für eine akute Entzündung des Organs. Im Vergleich zu Amylase und Lipase ist die Elastase, bedingt durch eine längere Halbwertszeit, einige Tage länger nachweisbar.

Die Bestimmung anderer Pankreasenzyme wie Trypsin und Chymotrypsin ist aufgrund der vergleichsweise begrenzten Aussagekraft eher unbedeutend.

Verlauf und Prognose

Die Bestimmung der Pankreasenzyme erlaubt nur in Teilen eine Einschätzung über die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Über das Ausmaß oder den Schweregrad der Erkrankung sagt die Enzymaktivität jedoch nichts aus.

Das C-reaktive Protein (CRP) dient als nützlicher Marker für Entzündungsreaktionen aller Art. Wie alle anderen Entzündungsmarker ist jedoch auch CRP nicht pankreasspezifisch. Im Rahmen der Pankreas-Diagnostik gibt der Grad der Erhöhung Auskunft über das Ausmaß und den Verlauf des Entzündungsgeschehens.

Die Bestimmung der Leberwerte kann weitere Hinweise zur Ursache der Erkrankung liefern. Erhöhte GGT-, AST– und ALT– Werte können beispielsweise auf einen alkoholbedingten Leberschaden hinweisen. Eine Erhöhung von GGT, AP und Bilirubin deutet auf eine biliäre Ursache hin – also ein mögliches Gallensteinleiden, das die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft zieht. Die Bestimmung von CDT (Carbohydrat-defizientes Transferrin) kann mitunter hilfreich sein, um den Verdacht auf eine alkoholinduzierte Pankreatitis abzuklären.

Neben den bereits erwähnten Werten gibt zahlreiche laborchemische Parameter, die im Rahmen der Pankreatitis-Diagnostik regelmäßig kontrolliert werden. Dies dient vor allem dem frühzeitigen Erkennen typischer Komplikationen, die mit der Erkrankung einhergehen. Zu den Verlaufsparametern zählen unter anderem das Blutbild, die Elektrolyte, der Quick-Wert, der Blutzucker und die arterielle Blutgasanalyse sowie Nierenwerte und Tumormarker.

Zudem wurden spezielle Scores entwickelt, die klinische und laborchemische Parameter kombinieren und so eine Einschätzung des Schweregrads ermöglichen sollen. Zu den am häufigsten verwendeten prognostischen Scores zählen der Ranson-Score, die Glasgow-Prognosekriterien (Imrie-Score) [Bla 1984] sowie das APACHE-II-Klassifizierungssystem [Kna 1985] und der Balthazar-Score [Leu 2005].

Ernährungstherapeutische Relevanz: Beschwerden lindern und erneute Entzündung vermeiden

Ausgehend von den Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE-Bund) wurden im Jahr 2016 circa 56.000 Patienten wegen einer akuten Pankreatitis stationär behandelt. Die häufigsten Ursachen für eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse sind übermäßiger Genuss von Alkohol und Gallensteine. In den meisten Fällen nimmt die Erkrankung einen gutenartigen Verlauf und klingt nach stationärer Therapie innerhalb einiger Tage oder Wochen ab.

Im Anschluss sollten Betroffene auf eine gesunde Lebensweise achten, um eine neue Entzündung zu vermeiden. Denn bei wiederkehrenden Entzündungsschüben kommt es zu irreversiblen Gewebeschäden, die einen zunehmenden Funktionsverlust des Organs nach sich ziehen. Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen wie Diabetes mellitus, Pankreasinsuffizienz oder schlimmstenfalls Krebs. Die Erkrankung geht zudem mit einer verminderten Lebenserwartung einher. Die Anzahl der stationär behandelten Patienten mit alkoholinduzierter chronischer Pankreatitis lag laut GBE-Bund im Jahr 2016 bei etwa 6.200. Hinzu kommen etwa 7.600 Fälle weitere Fälle, die nicht auf einen Alkoholmissbrauch zurückgehen.

Ist die exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse stark vermindert oder fehlt aufgrund eines operativen Eingriffs völlig, ist eine orale Substitution von Verdauungsenzymen notwendig. Wird der Mangel an Verdauungsenzymen nicht ausreichend ausgeglichen, kann es zu ausgeprägten Nährstoffmängeln und ernsten Störungen kommen. In den meisten Fällen ist zudem eine Insulintherapie nötig, da auch die endokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt ist.

Die Pankreatitis ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, deren Verlauf durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten positiv beeinflusst werden kann. Neben dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol kann eine Ernährungsumstellung einen wichtigen Beitrag zur Genesung leisten und die Beschwerden lindern.

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