Laktose-modifizierte Kost

Mögliche Indikationen

Eine Laktose-modifizierte Kost im Sinne einer eingeschränkten Zufuhr kann bei verschiedenen Erkrankungen des Darms sowie bei einem Enzymmangel angezeigt sein. Für eine erhöhte Zufuhr sind derzeit keine Indikationen bekannt. Lediglich bei der hepatischen Enzephalopathie wird die Gabe von Laktulose (synthetischer herstellter Zucker) unterstützend in der Therapie eingesetzt.

eingeschränkte Zufuhr

  • angeborene Laktoseintoleranz
  • primär erworbene Laktoseintoleranz
  • sekundär erworbene Laktoseintoleranz (Morbus Crohn, Zöliakie u.a.)

erhöhte Zufuhr

  • nicht bekannt

Definitionen/ Mengenempfehlungen

Um den Laktosegehalt in der Ernährung an die individuellen Bedürfnisse bzw. eine vorliegende Erkrankung anzupassen, kann sich einerseits an dem Laktosegehalt von Lebensmitteln und andererseits an der verträglichen Laktosemenge in der Tageskost orientiert werden.

Laktosegehalt in Lebensmitteln

  • niedriger Laktosegehalt: <1 g/100 g Lebensmittel
  • mittlerer Laktosegehalt: 1-4,5 g/100 g Lebensmittel
  • hoher Laktosegehalt: >4,5 g/100 g Lebensmittel

Laktosemenge in der Tageskost

  • laktosefreie/ streng laktosearme Ernährung: <1 g Laktose/d
  • laktosearme Ernährung: 6-8 g Laktose/d

Mögliche Umsetzungsschritte für eine laktosereduzierte Kost

In einem ersten Schritt wird die Aufnahme laktosereicher und/oder -haltiger Lebensmittel eingeschränkt. Das bezieht sich vorrangig auf Milch und Milchprodukte sowie auf industriell gefertigte Erzeugnisse, denen Laktose zugesetzt wurde. Hierbei ist gerade für den Anfang eine Liste mit laktosefreien, -armen bzw. -reichen Lebensmitteln nützlich.

In einem weiteren Schritt gilt es, sich mit Zutatenlisten auf Verpackungen und den möglichen Bezeichnungen für Laktose vertraut zu machen.

Für den Außer-Haus-Verzehr (Restaurant-Besuche, Feierlichkeiten etc.) kann die vorherige Einnahme von Lactase-Tabletten in Betracht gezogen werden.

Um langfristig die bedarfsgerechte Zufuhr an essenziellen Nährstoffen zu gewährleisten, kann das Erstellen von laktosearmen oder -freien Wochenplänen hilfreich sein.

Lebensmittel- und Getränkeauswahl

Milch und Milchprodukte

Milch und daraus hergestellte Produkte enthalten von Natur aus Laktose. Verhältnismäßig laktosearm darunter sind Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Quark, Sauermilch und einige Käsesorten. Bei deren Herstellung werden Bakterien eingesetzt, die den Milchzucker vergären. Je nach Dauer der Gärung enthält das Produkt kaum noch oder gar keine Laktose mehr.

Mediterrane Milchprodukte wie griechischer Joghurt, Ziegenkäse oder Mozzarella sind relativ laktosearm, da die Herstellungsverfahren an den hohen Bevölkerungsanteil laktoseintoleranter Menschen angepasst wurden. Deutsche Produkte, besonders Joghurt, können hingegen laktosereicher sein.

Bei Hart- und Schnittkäse gilt: Je länger die Reifung, umso geringer der Laktosegehalt. Hartkäse ist weitgehend frei von Milchzucker.

Auch vollfette Milch wird besser vertragen als fettarme, da das Fett die Transitzeit im Darm und somit die Zeit, in der das Enzym Lactase wirken kann, verlängert. Inzwischen gibt es zudem spezielle laktosereduzierte bzw. laktosefreie Milch und Milchprodukte im Handel zu kaufen.

Wichtig: Milch und Milchprodukte sind kalziumreiche Lebensmittel. Bei einem Verzicht ist eine bedarfsdeckende Zufuhr an Kalzium über pflanzliche Quellen sicherzustellen.

Industriell gefertigte Erzeugnisse

Laktose besitzt gute nahrungsmitteltechnologische Eigenschaften und wird daher bei der Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt. Dadurch enthalten auch verarbeitete Produkte, die nicht aus Milch gewonnen werden, Milchzucker. Hierzu gehören unter anderen Fertiggerichte und Instantprodukte, Fleisch- bzw. Wurstwaren und Pökelfleisch, Backwaren, Milchschokolade, Würzmischungen und Süßigkeiten.

Aspekte zur Lebensmittelkennzeichnung

Laktose kann sich in einem Produkt hinter zahlreichen Begriffen verbergen. In der Zutatenliste eines Lebensmittels sind die Zutaten der Menge nach abwärts aufgeführt. Die mengenmäßig größte Zutat steht an erster Stelle. So kann der Laktosegehalt eines Produkts, je nachdem an welcher Stelle die Zutat erscheint, mit etwas Übung ungefähr abgeschätzt werden.

Hinter folgenden Zutaten (Liste nicht vollständig) kann sich beispielsweise Laktose verstecken:

  • Milchzucker
  • Milch, entrahmte Milch, Rahm, Sahne, Butter, Milchzucker, Molke, Quark, Joghurt
  • Molkenpulver, Milchpulver, Sahnepulver, Milchserumpulver, Vollmilchpulver, Süßmolkenpulver, Trockenmilchpulver, Magermilchpulver
  • Laktosemonohydrat, Milchelemente, Milchserum, Molkereistoffe, Natriumcasein, Kasein, Kaseinate, Milcheiweiß, aufgespaltene Milcheiweiße, Milchfette, Laktalbumin, Laktglobulin/Laktoglobulin

Gängige Produktbezeichnungen (Liste nicht vollständig) sind auch: Milcherzeugnis, Milchmischerzeugnis, Trockenmilcherzeugnis u.a.

Milchsäure (E270) oder deren Salze (Laktate: E325 bis E327) verursachen hingegen keine Beschwerden bei Laktoseintoleranz.

Aspekte zu Lactase-Präparaten

Lactase-Präparate ersetzen das im Dünndarm fehlende Enzym und werden im Handel als Kautabletten, Kapseln oder Pillen sowie in flüssiger Form oder als Pulver angeboten. Bei der Auswahl empfiehlt es sich, Produkte mit wenig Süß- oder Zusatzstoffen zu bevorzugen.

Die Präparate werden kurz vor einer bevorstehenden Mahlzeit eingenommen. Eine vorbeugende Einnahme beispielsweise am Morgen ist nicht möglich. Da das Enzym hitzeempfindlich ist, sollten Präparate nicht in Speisen über 50°C eingerührt werden. Zudem wirkt es nur für die Dauer einer üblichen Mahlzeiteneinnahme.

Der Enzymbedarf ist individuell unterschiedlich und quasi im Selbsttest zu ermitteln. Nebenwirkungen sind selten, sodass auch höhere Dosierungen ohne Schäden möglich sind.

Tipps und Tricks im Alltag

Laktosehaltige Nahrungsmittel sind verträglicher, wenn diese mit anderen Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Hierdurch verlängert sich die Passagezeit im Darm und die Einwirkzeit des Enzyms auf Laktose.

Weiterhin sollten laktosehaltige Produkte in kleinen Mengen über den Tag verteilt und nicht auf einmal verzehrt werden, um die zu verdauende Menge Milchzucker relativ gering zu halten.

Austauschmöglichkeiten

Cremesuppen, angedickte Suppen

gegen

klare Suppen und Eintöpfe

Kartoffelbrei mit Milch

gegen

Kartoffelbrei mit Sahne und/oder Wasser

Dips mit Milch, Quark oder Joghurt

gegen

Relishes, Chutneys

Dressings mit Joghurt

gegen

Kräuter-Öl-Dressing, Senf-Dressing