Ernährung bei Laktoseintoleranz

Milch und Milchprodukte lösen bei laktoseintoleranten Personen Beschwerden aus und sind daher nur begrenzt zu verzehren. Da diese jedoch wichtige Kalziumquellen darstellen, sollte wenn möglich nicht völlig darauf verzichtet werden. Die meisten Betroffenen tolerieren kleine Mengen an Laktose (Milchzucker), so dass deren Zufuhr lediglich eingeschränkt werden muss.

Wie viel der Patient beschwerdefrei verträgt, ist individuell verschieden. Laut Literatur können bei einigen bereits ab 16 mg Laktose Symptome auftreten, andere tolerieren hingegen bis zu 18 g. Die 12 g Milchzucker in einem Glas Milch (250 ml) verursachen nach allgemeiner Meinung bei den meisten Betroffenen Beschwerden [Har 2008]. Ein individuelles Austesten bringt jedoch schnell Klarheit.

In den ersten 4 bis 6 Wochen sollte eine laktosefreie Diät erfolgen, um die Beschwerden abschwellen zu lassen. Anschließend wird durch langsame Steigerung um 1 g Laktose pro Tag die individuelle Toleranz ermittelt. Zu Beginn eignen sich besonders fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Hartkäse. Anschließend können weitere Produkte getestet und Mengen erhöht werden. Ebenfalls empfehlenswert ist das Führen eines Tagebuchs mit Notizen zu verzehrten Nahrungsmitteln, Mengen und eventuell dabei auftretenden Beschwerden. Je nach Schweregrad des Laktasemangels empfiehlt sich eine laktosearme oder eine laktosefreie Diät einzuhalten.

Laktosearme Diät

In den meisten Fällen werden kleine Mengen (etwa 8 bis 10 g) Laktose am Tag vertragen. Durch individuelles Austesten kann die Laktosemenge ermittelt werden, die noch keine Beschwerden verursacht.

Laktosefreie Diät

In seltenen Fällen werden auch kleinste Mengen Laktose nicht vertragen. Hier sollte die tägliche Aufnahme bei höchstens 1 g liegen. Besonders Säuglingen mit angeborenem Laktasemangel darf keine Muttermilch oder laktosehaltige Ersatzmilch gegeben werden, da sonst schwerwiegende Entwicklungsstörungen auftreten können.

Milch und Milchprodukte

Insbesondere Milch und daraus hergestellte Produkte enthalten Laktose und sollten daher vermieden werden. Eine Ausnahme hierbei sind Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Quark, Sauermilch und einige Käsesorten. Bei der Herstellung werden Bakterien eingesetzt, die Milchzucker vergären. Je nach Dauer der Gärung enthält das Produkt kaum oder keine Laktose mehr. Allerdings gibt es hier große Schwankungen. Insbesondere mediterrane Milchprodukte wie griechischer Joghurt, Ziegenkäse oder Mozzarella sind relativ laktosearm, da die Herstellungsverfahren an den hohen Bevölkerungsanteil laktoseintoleranter Menschen angepasst wurden. Deutsche Produkte, besonders Joghurt, können hingegen laktosereicher sein.

Bei Hart- und Schnittkäse gilt: Je länger die Reifung, umso geringer der Laktosegehalt. Hartkäse ist weitgehend frei von Milchzucker. Auch vollfette Milch wird besser vertragen als fettarme, da das Fett die Transitzeit im Darm und somit die Zeit, in der das Laktaseenzym wirken kann, verlängert.

Inzwischen gibt es auch spezielle laktosereduzierte bzw. laktosefreie Milch und Milchprodukte im Handel zu kaufen.

Industriell verarbeitete Produkte

Laktose besitzt gute nahrungsmitteltechnologische Eigenschaften und wird daher gern bei der Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt. Dadurch enthalten auch verarbeitete Produkte, die nicht aus Milch gewonnen werden, Milchzucker. Hierzu gehören unter anderen:

  • Fertiggerichte und Instantprodukte
  • Fleisch- bzw. Wurstwaren und Pökelfleisch
  • Backwaren
  • Milchschokolade
  • Würzmischungen
  • Süßigkeiten

Seit dem 25.11.2005 müssen Nahrungsmittelallergien- oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten-auslösende Zutaten auf dem Etikett von verpackten Nahrungsmitteln gekennzeichnet werden. Hinter folgenden Zutaten kann sich beispielsweise Laktose verstecken:

  • Laktose, Milchzucker
  • Milch (Vollmilch/ Magermilch), entrahmte Milch, Milchpulver, Molke, Molkepulver, Sahne, Sahnepulver, Rahm
  • Butter, Quark
  • Milchfette, Milchelemente, Milchserum, Milchserumpulver, Molkereistoffe
  • Milcheiweiß, Kasein, Natriumkasein, Kaseinate
  • Laktalbumin, Laktglobulin, Laktosemonohydrat

Milchsäure (E270) oder deren Salze (Laktate: E325 bis E327) verursachen hingegen keine Beschwerden bei Laktoseintoleranz.

Auch bei verschiedenen Medikamenten wird Laktose als Bindemittel eingesetzt. Entsprechende Hinweise finden sich im Beipackzettel.

Weitere Maßnahmen

Laktosehaltige Nahrungsmittel sind verträglicher, wenn diese mit anderen Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Hierdurch verlängert sich die Passagezeit im Darm und Einwirkzeit des Enzyms auf Laktose. Weiterhin sollten laktosehaltige Produkte in kleinen Mengen über den Tag verteilt und nicht auf einmal verzehrt werden, um die zu verdauende Menge Milchzucker relativ gering zu halten.

Bei schwach ausgeprägter Milchzuckerunverträglichkeit, wie es bei den meisten Betroffenen der Fall ist, gewöhnt sich die Darmflora durch langsames Steigern der täglichen Zufuhr an Milchzucker, so dass mit der Zeit größere Mengen toleriert werden.

Kalzium

Wird weitgehend auf Milchprodukte verzichtet, ist auf eine ausreichende Kalziumversorgung durch andere Nahrungsmittel zu achten. Grüne Gemüse wie Grünkohl, Brokkoli und Spinat sind zu bevorzugen. Mineralwässer, deren Kalziumgehalt weit über dem Sulfatgehalt liegt (bzw. bei denen mehr positiv geladene als negativ geladene Ionen enthalten sind), tragen ebenfalls zur Kalziumversorgung bei. Dennoch sollten verschiedene Joghurt- und Käsesorten auf deren Bekömmlichkeit getestet werden, um zumindest einige Milchprodukte als Kalziumquelle nutzen zu können. Besonders südländische Joghurt- und Käsesorten, aber auch Hartkäse sind gut verträglich.

Enzympräparate

In einigen Fällen ist der Einsatz spezieller Enzympräparate möglich. Diese enthalten das Enzym Laktase und werden vor den Mahlzeiten eingenommen oder in flüssiger Form Milch bzw. dem Milchprodukt zugegeben. Die Dosierung richtet sich nach dem Ausmaß der Laktoseintoleranz und der verzehrten Laktosemenge.

Diese Präparate eignen sich besonders für den Außer-Haus-Verzehr, wenn die Zutaten nicht genau bekannt sind (z.B. bei Feierlichkeiten, Restaurantbesuchen und Reisen). Allerdings sind die Produkte relativ teuer und nicht für den Dauergebrauch zu empfehlen. Viele Betroffene vertragen die Tabletten zudem nicht. Insbesondere wenn zusätzlich eine Fruktoseunverträglichkeit vorliegt, kann der Zusatz von Sorbit bzw. Xylit in den Präparaten zusätzliche Beschwerden verursachen.

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  Vortrag Laktoseintoleranz
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  Ratgeber Milchzuckerunverträglichkeit
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