Ernährungstherapie der Laktoseintoleranz

Ziele

Oberstes Ziel bei einer bestehenden Laktoseintoleranz ist das Erreichen der Beschwerdefreiheit oder zumindest eine Reduktion der Beschwerden. Es gilt herauszufinden, welche Laktosemenge gut vertragen wird. Laut Studien werden in aller Regel 10-12 g Milchzucker täglich gut vertragen. Gleichzeitig ist die bedarfsdeckende Zufuhr an essenziellen Nährstoffen wie zum Beispiel Kalzium wichtig.

Hinweis: Angaben zum ernährungstherapeutischen Assessment sind im Handout „Laktoseintoleranz-Ernährungstherapie“ aufgeführt, das in unserem Medienshop heruntergeladen werden kann.

Diätetische Prinzipien

  1. Begrenzen der Laktosezufuhr
  2. Austesten der individuell verträglichen Laktosemenge
  3. Gewährleisten einer ausgewogenen Kost mit Fokus auf die bedarfsdeckende Zufuhr an Kalzium und Protein

Umsetzungsformen

Je nach Beschwerdebild kann die Ernährung bei einer Unverträglichkeit laktosearm oder laktosefrei gestaltet werden.

laktosearme Ernährung

Bei dieser Form werden täglich zwischen 6 und 8 (bis maximal 10) Gramm Laktose in den Speiseplan eingebaut. Diese Mengen sind bei milderen Symptomen und Beschwerdebildern verträglich.

laktosefreie Ernährung

Bei schweren Verlaufsformen ist die tägliche Zufuhr auf maximal 1 bis 2 Gramm beschränkt. Bei Säuglingen mit einem angeborenen Lactasemangel dürfen weder Muttermilch, noch laktosehaltige Ersatzmilch gegeben werden, da sonst schwerwiegende Entwicklungsstörungen auftreten können.

Aspekte zur Nährstoffzufuhr

Hinweis: Mögliche Ernährungsdiagnosen und -interventionen sind im Handout „Laktoseintoleranz – Ernährungstherapie“ enthalten, das in unserem Medienshop erworben bzw. heruntergeladen werden kann.

Energie

Angestrebt wird eine bedarfsgerechte Energiezufuhr. Auf Wunsch bzw. Bedarf kann die Energiezufuhr gedrosselt (z. B. zur Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht) oder erhöht (z. B. zur Gewichtszunahme bei bestehendem Untergewicht) werden.

Kohlenhydrate: Laktose

Ob eine laktosearme oder -freie Kost umgesetzt wird, ist von der tolerierten Menge und vom Beschwerdebild abhängig. Wie viel der Patient beschwerdefrei verträgt, ist dabei individuell verschieden. Laut Literaturquellen können bei einigen Betroffenen bereits ab 16 mg Laktose erste Symptome auftreten. Andere tolerieren hingegen bis zu 18 g am Tag. Die 12 g Milchzucker in einem Glas Milch (250 ml) verursachen nach allgemeiner Meinung bei den meisten Betroffenen Beschwerden [Har 2008]. Hier bringt nur ein individuelles Austesten die gewünschte Klarheit (siehe Stufenschema).

Protein (Eiweiß)

Da bei einer laktosefreien oder -armen Ernährung häufig auf eiweißreiche Lebensmittel verzichtet wird, ist auf eine ausreichende Zufuhr an Nahrungsprotein zu achten. Liegt eine Mangelernährung vor oder besteht Untergewicht bzw. ist die Muskelmasse zu gering, sollte die Proteinmenge angehoben werden. Insbesondere in Kombination mit einer vegetarischen Ernährung ist die Eiweißzufuhr häufig unzureichend.

Mineralstoffe: Kalzium

Werden Milch und Milchprodukte weggelassen, kann die Kalziumzufuhr ungenügend sein. Das ist langfristig insbesondere in Bezug auf die Knochengesundheit und das Osteoporose-Risiko problematisch. Es sollten verschiedene Joghurt- und Käsesorten auf deren Bekömmlichkeit getestet werden, um einige Milchprodukte auch weiterhin als Kalziumquelle nutzen zu können. Zu empfehlen sind zudem kalziumreiche Mineralwässer.

Vorgehensweise: Stufenschema

Um das Beschwerdebild zu bessern und die individuelle Verträglichkeit an Milchzucker sowie langfristig eine bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr zu gewährleisten, empfiehlt sich eine stufenweise Ernährungsumstellung.

Phase 1: Karenz (maximal 2 Wochen)

  • Reduktion der Beschwerden
  • Sichern der Diagnose

Für diese Zeit empfiehlt sich die Umsetzung einer streng laktosearmen Kost von maximal 1 bis 2 g Milchzucker täglich. Bei starken Beschwerden sollten ebenso unverträgliche Lebensmittel wie z. B. blähende Gemüse weggelassen werden.

Phase 2: Testphase (bis zu 6 Wochen)

  • Erweitern der Nahrungsmittel-auswahl
  • Erhöhen der Laktosemenge bis zur Toleranzschwelle

In dieser Phase wird die tägliche Laktosemenge um etwa 1 g gesteigert, um die individuelle Toleranz zu ermitteln. Bei einer schwach ausgeprägten Milchzuckerunverträglichkeit, wie es bei den meisten Betroffenen der Fall ist, gewöhnt sich die Darmflora durch langsames Steigern der täglichen Zufuhr an Laktose, sodass mit der Zeit größere Mengen toleriert werden. Zu Beginn eignen sich besonders fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Hartkäse. Anschließend können weitere Produkte getestet und Mengen erhöht werden. Ebenfalls empfehlenswert ist das Führen eines Tagebuchs mit Notizen zu verzehrten Nahrungsmitteln, Mengen und eventuell dabei auftretenden Beschwerden. Je nach Schweregrad des Lactasemangels empfiehlt sich eine laktosearme oder eine laktosefreie Diät einzuhalten.

Phase 3: Dauerernährung

  • bedarfsdeckende Ernährung

Nun wird die individuelle, an die Verträglichkeit und Nährstoffdeckung angepasste Lebensmittelauswahl und Mahlzeitengestaltung für die Dauer angelegt.

Aspekte zu speziellen Produkten und Lebensmitteln

Lebensmittel: Laktose-freie Milchprodukte

Auf dem Markt sind zahlreiche Laktose-freie Milchprodukte erhältlich. Durch den Zusatz des Enzyms Lactase während des Herstellungsprozesses wird der Milchzucker bereits gespalten (sprich vorverdaut) und ist im Endprodukt nicht mehr enthalten. Die Produkte schmecken dann in aller Regel etwas süßer.

Nahrungs-Ergänzungsmittel: Lactase-Präparate

Lactase-Präparate gibt es von verschiedenen Anbietern. Diese ersetzen zwar keine laktoseangepasste Ernährung, können vor Restaurant-Besuchen, beim Außer-Haus-Verzehr allgemein sowie bei Feierlichkeiten jedoch hilfreich sein. Lactase kann in Form von Tabletten vor den Mahlzeiten eingenommen oder in flüssiger Form Milch bzw. dem Milchprodukt zugegeben. Die Dosierung richtet sich nach dem Ausmaß der Laktoseintoleranz und der verzehrten Laktosemenge. Für Lactase-Präparate wurde zudem ein Health Claim zugelassen: „Bei Personen, die Probleme mit der Verdauung von Lactose haben, verbessert Lactase die Lactoseverdauung.“

Sonstige Aspekte

Viele Betroffene mit unspezifischen Darmproblemen verzichten kategorisch auf sämtliche Lebensmittel und Produkte, die Laktose enthalten (könnten). Dies ist nicht notwendig und kann zur ungenügenden Aufnahme an wichtigen Nährstoffen führen (z. B. Kalzium). Liegt eine sekundär erworbene Laktoseintoleranz vor, ist oftmals nur ein vorübergehender Verzicht auf laktosereiche Produkte nötig. Ist die sekundäre Ursache behoben, kann sich der Betroffene langsam wieder an laktosehaltige Produkte gewöhnen. In der Regel werden portionsübliche Mengen dann wieder vertragen.