Lebensmittelverschwendung vs. Resteküche

Neben Küchenabfällen landen Unmengen verzehrstauglicher Lebensmittel in der häuslichen Biotonne, denn nicht immer entscheiden nur Verderbnisanzeichen über den Weg in den Abfall.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum taugt nicht mehr

Schätzungen zufolge landet jede fünfte Einkaufstüte mit Lebensmitteln im häuslichen Müll. Viele der Waren sind noch original verpackt. Doch wie war die Qualität bei ungeöffneter Verpackung überhaupt ersichtlich? Für viele ist die Antwort klar: ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist Hinweis genug. Dabei gibt diese Frist nicht etwa den Tag an, ab wann eine Ware ungenießbar ist. Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum sichern Hersteller dem Käufer lediglich eine gleichbleibende Qualität bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu. Danach können eventuell Veränderungen beispielsweise der Konsistenz, der Farbe oder des Aromas auftreten. Einige Produkte wie etwa Naturjoghurt können ungeöffnet noch Wochen später verzehrstauglich sein. Ob ein Lebensmittel tatsächlich ungenießbar ist, zeigt eine kurze Qualitätsprüfung: Sind Farbe und Konsistenz noch akzeptabel? Ist der Geruch wie gewohnt oder bereits säuerlich beziehungsweise faulig? Den letzten Zweifel kann eine kleine Kostprobe beseitigen. Besonders bei angebrochenen Produkten sind anschauen, riechen und probieren der einzige Weg über „Tisch oder Tonne“ zu entscheiden.

Supermärkte sind ein Teil des Problems

Die meisten Produkte aber wie Joghurts, Fertiggerichte, Milch, Käse, Quark, Öle, Knabbereien, Alkohol oder Mineralwasser – und die Liste ließe sich unendlich fortsetzen – sind wesentlich länger haltbar als es ihr MHD anzeigt. Der Grund hierfür ist ganz einfach: was im Supermarkt früher weggeworfen wird, muss früher nachgekauft werden und kurbelt damit den Umsatz für den Hersteller an. Entgegen der weit verbreiteten Meinung in der Bevölkerung wird das MHD vom Hersteller nämlich selbst festgelegt und somit immer weiter verkürzt. Während Mineralwasser früher noch 18 Monate haltbar war, sind es heute nur noch 6 Monate. Und dies hat nicht ausschließlich Vorsorgegründe. So verwundert es nicht, dass allein in Österreich jede Lebensmittelfiliale pro Tag über 45 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel auf den Müll schmeißt. Und das, was auf den Müll wandert, ist letztendlich heute schon im Normalpreis eingerechnet, denn auch diese zu produzieren kostet Geld und kann nur zum Teil durch billigere technische Hilfs- und Zusatzstoffe kompensiert werden.

Verbrauchsdatum sollten wir ernst nehmen

Ein Verbrauchsdatum hingegen ist ernst zu nehmen. Dieses gibt den Tag an, bis wann die Ware verbraucht sein sollte. Es findet sich auf abgepacktem rohem Fleisch, Fisch sowie Rohmilch, die im frischen Zustand schnell verderben und zu gesundheitlichen Problemen führen können. Passt das gekaufte Hackfleisch oder das Bratenfleisch bis zum Ablauf des Verbrauchsdatums nicht in den Menüplan, sollten diese trotzdem zubereitet und später bei Bedarf wieder aufgewärmt werden. Einmal gut durcherhitzt ist die Keimbelastung geringer und Fleisch oder Fisch halten sich etwas länger.

Was uns Schimmel sagt

Gehören angeschimmelte Waren sofort in den Müll? Handelt es sich um weiche Lebensmittel mit einem hohen Wasseranteil wie etwa Obst, Frischkäse, Jogurt oder Säfte, lautet die Antwort eindeutig ja. Der sichtbare Schimmelrasen ist quasi nur die Spitze des Eisbergs, denn der Pilz ragt mit dünnen Fäden tief in das Lebensmittel. Zahlreiche Schimmelpilze produzieren Toxine, die sich gerade in weichen oder flüssigen Lebensmitteln gut verteilen können. Den kleinen grünen Fleck vom Pfirsich wegzuschneiden hilft folglich wenig. Besonders Nüsse, Samen, Gewürze und Getreidekörner sind bei ersten Verderbniszeichen zu entsorgen, denn hier nistet sich besonders gerne der Schimmelpilz Aspergillus flavus ein, der ein ausgesprochen leberschädigendes Toxin bildet. Befällt der Schimmel allerdings nur die oberflächliche Kruste beispielsweise von Brot, Salami oder Hartkäse, reicht es, diesen großzügig wegzuschneiden. Ein kritischer Blick lohnt sich, denn in Anbetracht der Tatsache, dass jede Familie geschätzte 400 Euro pro Jahr an Lebensmitteln wegwirft, lässt sich so auch noch Geld sparen.

Dokumentarfilm „Taste the waste“ löste Sensibilitätswelle aus

Doch können wir uns im Hinblick auf die hungernden Völker einen solch verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln überhaupt leisten? Oder verlieren wir bei allem Wohlstand die Wertschätzung für das, was uns neben Luft am Leben hält: unsere Nahrungsmittel? Fragen, die wir uns spätestens nach dem bewegenden Dokumentarfilm „Taste the Waste“ stellen werden. Vier Jahre recherchierte Regisseur Valentin Thurn auf den Feldern, Plantagen, Supermärkten, Restaurants und Märkten rund um den Erdball, um ein dichtes Netz globaler Lebensmittelverschwendung zu dokumentieren. Und diese zeigt sich vielerorts: sei es beim Bauern, der die Hälfte seiner Kartoffelernte auf dem Acker zurücklassen muss, da sie nicht den Handelsnormen entspricht; oder bei der Angestellten, die bei der Pariser Tafel Bananen aufgrund von Druckstellen aussortieren muss, während sich ihre Verwandten in Kamerun trotz riesiger Plantagen die gelben Früchte kaum leisten können. 90 Minuten lang präsentieren sich dem Zuschauer nachdenklich stimmende Bilder, Geschichten und Interviews, die wohl jeden am Ende bewegen, sich die Frage zu stellen „Was kann ich tun?“

Jeder schmeißt weg

Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit zwei vollbepackten Einkaufstüten aus dem Supermarkt und werfen zu Hause eine davon direkt in den Müll. Ist das unvorstellbar für Sie? Dabei gelangt in Deutschland und anderen Industriestaaten etwa die Hälfte aller produzierten Lebensmittel gar nicht erst bis zum Kunden, sondern landet bereits vorher im Abfall. Schon bei der Ernte durchlaufen Gemüse und Obst ein regelrechtes Casting um einen Platz in die Stiege Richtung Supermarkt. Was nicht der EU-genormten Größe und Form entspricht oder optische Mängel aufweist, bleibt hier zurück. Dieses Schicksal ereilt fast jeden zweiten Kopfsalat und jede zweite Kartoffel.

Im Laden findet dann das zweite Auswahlverfahren statt. Dort trifft die weniger schönen Waren schnell das Schicksal des Ladenhüters. Welcher Käufer greift schon gern zum Apfel mit braunem Fleck oder zum Salatkopf mit den leicht angewelkten Blättern? Um dem Kunden eine bis kurz vor Ladenschluss prächtig gefüllte Auslage präsentieren zu können, platzieren Händler dort zudem Mengen, die sie gar nicht an die Frau bekommen. Schließlich wünscht der konsumverwöhnte Kunde auch kurz vor Feierabend noch die komplette Auswahl. Kurzlebige Lebensmittel wie Brot, Gemüse, Obst und Fisch wandern nach Geschäftsschluss häufig in den Abfall und werden durch frischere Waren ersetzt.

Resteküche spart bares Geld

„Schocknachricht für Verbraucher: Lebensmittel bis zu 43% teurer!“ Auch wenn Medienberichte seltener so dramatisch formuliert sind, wie der einer bekannten Boulevardzeitung, begleiten uns Meldungen zu steigenden Lebensmittelpreisen durch das ganze Jahr. Sind Lebensmittel mittlerweile ein teures Gut? Der Blick in deutsche Biotonnen scheint eine andere Sprache zu sprechen. Hier sammeln sich über das Jahr in jedem Haushalt durchschnittlich Waren im Wert von etwa 500 Euro an. Dabei handelt es sich nicht nur um Knochen, die Innereien von Paprika oder Apfelgriebse. Auch genießbare Lebensmittel finden den Weg in den Müll: Bananen mit braunen Flecken, altbackene Brötchen und übrig gebliebene Nudeln vom Mittag. Sind Lebensmittel folglich noch zu preiswert, dass wir diese blindlings wegwerfen?

Es braucht keine große Kochkunst, sondern lediglich etwas Fantasie, um auch aus weniger frischen Nahrungsmitteln noch etwas Leckeres zu zaubern. So ist die braunbefleckte Banane die Grundlage für süße Bananenmilch oder mit anderen nicht mehr so knackigen Früchten für einen saftigen Smoothie. Trockenes Brot oder Brötchen fallen in den meisten Haushalten fast wöchentlich an. Hier gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten zum „sinnvollen Aufbrauchen“ – seien es Klassiker wie Arme Ritter, Serviettenknödel und Toast Hawaii oder Neukompositionen wie Falsche Pizza und Brotpfanne. Im Zweifelsfalle und bei Ideenmangel eignen sich die meisten Lebensmittel immer noch für Suppen oder bunte Restepfannen. Häufig bieten die kulinarischen Überbleibsel der Woche genug Zutaten für ein komplettes Tagesmenü, so dass es sich auch heute noch lohnt, einen Restetag wie früher bei Muttern einzulegen. Weitere Möglichkeiten der sinnvollen Resteverwertung verrät das Buch „Reste-essen reloaded„.

Downloads

Es stehen einige Unterlagen zum Thema als Download zur Verfügung. Diese sind zum Teil auch in unserem Medienshop erhältlich.

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