Leberspezifische Laborwerte: Ein Überblick

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Eine kranke Leber schmerzt nicht und verursacht nur selten oder erst spät eindeutige Beschwerden. Deshalb wird eine Lebererkrankung häufig beiläufig diagnostiziert. Dies geschieht meist im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung, durch Bestimmung spezifischer Leberwerte im Blut und, bei bestehendem Verdacht, anhand entnommener Gewebeproben. Wir haben im Folgenden die Leber-relevanten Laborwerte zusammengefasst und erklären, warum besonders bei einer Fettlebererkrankung die Ernährungstherapie entscheidend zur Heilung beiträgt.

Die Leber übernimmt vielfältige Aufgaben im Körper

Das etwa 1,5 Kilogramm schwere Organ ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen und dem Energiehaushalt beteiligt. Die Leber reguliert den Zucker- und Fettstoffwechsel, speichert Nährstoffe und produziert Gallensaft. Darüber hinaus bildet die Leber lebenswichtige Eiweiße, die an der Blutgerinnung, der Immunabwehr und dem Transport von Nährstoffen in unseren Zellen beteiligt sind. Eine weitere wichtige Funktion ist die Entgiftung. Stoffwechselendprodukte und toxische Substanzen (Medikamente) werden mit der Galle über den Darm ausgeschieden.

Die Leber hat eine hohe Selbstheilungskraft. Allerdings belastet der heutige Lebensstil das Organ zunehmend. Krankheitserreger, toxische Substanzen, Medikamente und Fehlernährung führen immer häufiger zu teilweise lebensgefährlichen Lebererkrankungen bzw. -schäden.

Bestimmung der Leberwerte im Blut

Das Bestimmen spezifischer Leberwerte im Blut ermöglicht es, Rückschlüsse auf die Leberleistung und gegebenenfalls Leberzellschäden zu ziehen und den Krankheitsverlauf zu überwachen.

Aktuelles Labordiagnostik Leberspezifische Laborwerte: Ein Überblick

Die Enzyme ALT und AST werden ins Blut freigesetzt, wenn Leberzellen abgebaut werden. Besonders gut geeignet, um selbst leichte Leberzellschädigungen anzuzeigen, ist die ausschließlich in der Leber vorkommende ALT. AST kommt in nahezu allen Körperzellen vor und ist daher weniger spezifisch. Neben hohen Konzentrationen in der Leber ist das Enzym auch im Muskelgewebe vorhanden. Eine Erhöhung des AST-Wertes kann also ebenso auf muskuläre Erkrankungen, Muskelentzündungen oder einen Herzinfarkt hindeuten. Das Verhältnis der beiden Enzyme (AST/ ALT-Quotient), die GLDH-Aktivität sowie der (AST+ALT)/ GLDH – Quotient liefern weitere Informationen über die Schwere eines möglichen Leberschadens.

Das Enzym Gamma-GT wird in der Leber, aber auch in den Nieren, der Bauchspeicheldrüse, der Milz und im Dünndarm gebildet. Es wandelt Schadstoffe im Körper wie Gifte oder Alkohol in andere, für den Organismus unschädliche Stoffe um. Erhöhte Gamma-GT-Werte deuten auf einen möglicherweise gestörten Abbau von Schadstoffen im Körper hin. Selbst bei geringen Leberschäden sind erhöhte Werte im Blut messbar. Neben Lebererkrankungen können diese auch aus chronischem Alkoholmissbrauch, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase sowie einem Stau der Gallenflüssigkeit resultieren.

Das Enzym AP kommt in zahlreichen Organen vor. Der Großteil der im Blutserum gemessenen Aktivität stammt von Enzymen aus Leber oder Knochen. Folglich lassen sich erhöhte Werte sowohl bei Leber- als auch bei Knochenerkrankungen nachweisen. Am häufigsten jedoch sind diese bei Störungen des Gallenflusses zu beobachten. Auch nach der Nahrungsaufnahme, im letzten Schwangerschaftsdrittel und bei Kindern, die sich im Wachstum befinden, sind im Blut höhere Werte zu finden.

Bilirubin entsteht beim Abbau der roten Blutkörperchen. Der Gallenfarbstoff wird über die Galle in den Darm abgegeben und letztlich über Stuhl und Urin ausgeschieden. Ist die Abbau- sowie Ausscheidungsfunktion der Leber eingeschränkt, tritt vermehrt Bilirubin ins Blut über. Ein erhöhter Wert kann jedoch viele Ursachen haben und ist nicht nur in der Leber zu suchen.

Cholinesterase ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Enzymen. In der Leber-Diagnostik ist insbesondere die im Blut vorhandene Serum- oder Pseudocholinesterase interessant. Diese wird in der Leber gebildet und ans Blut abgegeben. Ist die Funktion des Organs eingeschränkt, finden sich folglich erniedrigte Werte. Allerdings ist der Wert zur Verlaufskontrolle fortdauernder Erkrankungen besser geeignet, als zur Diagnose akuter Krankheiten.

Albumin wird in der Leber gebildet und macht den mengenmäßig höchsten Anteil der Bluteiweiße aus. Es dient vor allem dem Transport von schwer löslichen Substanzen und erhält den kolloidosmotischen Druck im Blut. Niedrige Serumalbumin-Werte können eine verminderte Syntheseleistung des Organs anzeigen. Zudem kann es durch Erkrankungen der Niere, des Darms oder großer Wundflächen zu Albuminverlusten kommen.

Der Quick-Wert gibt an, wie schnell die Blutflüssigkeit gerinnt. Der Gerinnungstest erfasst vor allem die in der Leber gebildeten Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren. Ist die Funktion der Leber aufgrund von Krankheit oder Leberschäden eingeschränkt, gerinnt das Blut langsamer. In diesem Fall ist der Quick-Wert erniedrigt.

Haptoglobin wird überwiegend in der Leber gebildet und bindet freies Hämoglobin (Blutfarbstoff). Das zu den alpha-Globulinen gehörende Transporteiweiß gilt als sensibelster Marker einer Hämolyse und ist im Falle dieser stark erniedrigt. Das Zieve-Syndrom, eine akute und schwer verlaufende Form der alkoholischen Fettleberentzündung, kann Ursache des vermehrten Untergangs roter Blutkörperchen sein. Begleitend dazu finden sich häufig erhöhte Retikulozyten. Haptoglobin zählt zu den „Akute-Phase-Protein“. Ist der Wert erhöht, zeigt das eine akute Entzündung an.

MCV und MCH werden routinemäßig im kleinen Blutbild bestimmt. Der MCV-Wert gibt Aufschluss über die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen, während der MCH-Wert den Hämoglobingehalt eines roten Blutkörperchens angibt. Beide Werte dienen dazu, verschiedene Formen der Blutarmut zu differenzieren. In der Leber-Diagnostik sind diese interessant, um einen möglichen Alkoholmissbrauch und dadurch bedingte Leberschäden abzuklären.

Die Eisenwerte dienen zum einen, um die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose zu diagnostizieren und zum anderen, um Formen der Blutarmut festzustellen. Einige davon sind ursächlich an der Eisenüberladung beteiligt. Erhöhte Serumeisen-Werte können ein Hinweis auf eine Hämolyse oder Leberzellschäden sein. Um jedoch eine geeignete Einschätzung des Eisenstoffwechsels zu bekommen, sollten neben dem Serum-Eisen immer auch Ferritin und Transferrin bestimmt werden. Im Falle einer Eisenüberladung sind auch diese erhöht. Das sogenannte Carbohydrat-defiziente Transferrin (CDT) dient in der Leber-Diagnostik zudem als Marker für Alkoholmissbrauch.

Ernährungstherapeutische Relevanz: Lebererkrankungen frühzeitig erkennen

Laut der Deutschen Leberstiftung ist bereits jeder vierte Bundesbürger über 40 von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen. Schätzungsweise 5 Millionen Bundesbürger haben eine Fettleber und wissen nichts davon.

Falsche Ernährungsgewohnheiten wie ein Überangebot an Zucker und Kohlenhydraten sowie Fetten in Kombination mit zu wenig Bewegung sind die häufigsten Ursachen. Auch bestimmte Medikamente, einige Erkrankungen sowie Alkohol schädigen die Leber. Das kann schwere Folgen haben. Zirkulieren dauerhaft zu viele Fettsäuren im Blut, werden diese in der Leber eingelagert. Es entsteht eine Fettleber.

Ändern sich an der Ernährungs- und der Lebensweise nichts, sterben die verfetteten Leberzellen mit der Zeit ab. Entzündungsprozesse schädigen die Leber mehr und mehr. In der Folge können vernarbte Strukturen zurückbleiben – die Leber kann nicht mehr richtig arbeiten. Im ungünstigsten Fall entwickelt sich daraus eine Leberzirrhose oder Leberkrebs. Umso wichtiger ist es, Leberschäden möglichst frühzeitig zu erkennen.

Mit einer leberfreundlichen Ernährung sind anfängliche Schäden und Fetteinlagerungen reversibel – das zentrale Stoffwechselorgan erholt sich. Leberkrebs und Leberzirrhose aber sind irreversibel und damit nicht mehr heilbar.

 

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