FETeV Newsletter 2025-17

12.05.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Diabetesrisiko durch Lebensmittelzusatzstoffe?

Industriell verarbeitete Lebensmittel sind bequem, günstig und überall erhältlich. Viele dieser Produkte enthalten eine Mischung aus Zusatzstoffen – Farbstoffe, Emulgatoren, Konservierungs- und Süßungsmittel –, die den Geschmack verbessern und die Haltbarkeit verlängern. Eine neue Studie aus Frankreich legt nun nahe, dass bestimmte Kombinationen dieser Zusatzstoffe langfristig das Risiko erhöhen könnten, an Typ-2-Diabetes zu erkranken [Pay 2025].

Die Ergebnisse stammen aus einer groß angelegten Beobachtungsstudie mit über 100.000 Erwachsenen, die über mehrere Jahre hinweg regelmäßig Angaben zu ihrer Ernährung und Gesundheit machten. Besonders auffällig: Zwei spezifische Mischungen von Zusatzstoffen, wie sie häufig in Fertiggerichten und Light-Getränken vorkommen, standen in einem Zusammenhang mit einer späteren Diabetesdiagnose. Diese Daten ergänzen bisherige Hinweise aus Labor- und Tierversuchen, die ebenfalls auf ungünstige Wirkungen einzelner Stoffe deuten.

Auch wenn die Zahlen statistisch bedeutsam sind, bleiben Unsicherheiten. Die Studie kann nicht beweisen, dass die Zusatzstoffe allein für die Erkrankungen verantwortlich sind. Doch sie verdeutlicht, wie wenig über die langfristigen Folgen solcher Stoffe bekannt ist – vor allem im Zusammenspiel. Die Forschenden fordern deshalb, die Auswirkungen solcher Stoffgruppen systematisch zu untersuchen, um gesundheitliche Risiken besser abschätzen zu können.


App: Polldi – Der Gesundheitslotse

Atemwegsallergien zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen – mit deutlichen Folgen für das persönliche Wohlbefinden und die Gesellschaft. Die App PollDi wurde entwickelt, um Menschen mit Gräserpollenallergie durch die belastende Pollenzeit zu begleiten. In zwei Studien in Augsburg und Bad Hindelang zeigte sich: Wer die App in der Vollversion nutzte, berichtete über weniger Beschwerden und eine spürbar höhere Lebensqualität [Uni Augsburg]. Besonders die Kombination aus Symptomtagebuch, aktuellen Luftwerten und Pollenprognosen machte den Unterschied.

Die App liefert aktuelle Messdaten zu Pollenflug und Luftschadstoffen direkt aufs Smartphone – und das nahezu in Echtzeit. Die zugrunde liegenden Prognosen basieren nicht auf traditionellen Pollenfallen, sondern auf modernen, automatischen Messstationen und einem eigens entwickelten Vorhersagemodell. Dieses berücksichtigt neben historischen Daten auch Wetterdaten und wird derzeit für ganz Bayern ausgebaut. Die App stellt nicht nur den aktuellen Zustand dar, sondern liefert auch präzise Zweitagesprognosen zu Pollen- und Schadstoffbelastungen – ein Alleinstellungsmerkmal unter den Allergie-Apps.

Die intuitive Bedienung, informative Inhalte und der personalisierte Ansatz machen die App zu einem wirkungsvollen Begleiter im Alltag. Durch maschinelles Lernen können individuelle Vorhersagen für Symptome erstellt werden – mit dem Ziel, rechtzeitig gegenzusteuern. Die erfassten Daten sollen künftig genutzt werden, um personalisierte Empfehlungen zu entwickeln. So kann die App nicht nur helfen, Beschwerden zu lindern, sondern auch die individuelle Widerstandskraft gegenüber Umweltfaktoren stärken.


Praxismanagement: Elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) für zugelassene Fachkräfte der Ernährungstherapie

Seit dem 30. April 2025 können auch Diätassistent:innen sowie zugelassene Fachkräfte der Ernährungstherapie einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) beantragen. Damit erhalten sie Zugang zu wichtigen digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen, wie etwa der elektronischen Patientenakte. Der eHBA erleichtert die sichere Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und anderen Gesundheitsberufen – und markiert zugleich einen Meilenstein für mehr Sichtbarkeit und Vernetzung von Ernährungstherapie im Gesundheitswesen.

Was der Ausweis ermöglicht – und für wen er gedacht ist

Der eHBA dient als persönlicher Schlüssel zur Telematikinfrastruktur, der digitalen Plattform des Gesundheitswesens. Er erlaubt elektronische Signaturen und stellt sicher, dass nur berechtigte Fachkräfte Zugang zu sensiblen Patientendaten erhalten. Antragsberechtigt sind derzeit staatlich anerkannte Diätassistent:innen sowie bestimmte zugelassene Fachkräfte, die im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung tätig sind – etwa bei der Therapie von Mukoviszidose oder seltenen Stoffwechselstörungen.

Perspektive: Gleichstellung aller qualifizierten Ernährungsfachkräfte

Noch bleibt der eHBA vielen gut ausgebildeten Studienabsolvent:innen verschlossen – obwohl sie ebenfalls Ernährungstherapie leisten. Verbände wie der VFED setzen sich für eine gesetzliche Anerkennung dieser Qualifikationen ein, etwa durch Übergangsregelungen oder einheitliche europäische Standards. Ziel ist es, langfristig allen qualifizierten Fachkräften den Zugang zum eHBA zu ermöglichen – und so auch die Ernährungstherapie auf Augenhöhe in der digitalen Gesundheitsversorgung zu verankern.


Beratungsmethodik: Konkrete Gesprächseinstiege bei schwierigen Themen

Schwierige Themen in der Ernährungsberatung – wie Gewichtsakzeptanz, emotionale Essmuster oder die belastende Diätvergangenheit – lassen sich nicht mit Belehrungen klären. Der Einstieg entscheidet oft darüber, ob Ratsuchende sich öffnen und Veränderungen als Chance begreifen. Einfühlsame Gesprächsöffnungen helfen, Vertrauen zu schaffen und Scham abzubauen, ohne Probleme zu verharmlosen.

Eine bewährte Technik ist der Einsatz von „Ich-Botschaften“ und offenen Fragen. Statt direkt nach Problemen zu fragen, eröffnen sie Raum für eine persönliche Perspektive. Solche Einstiege nehmen den Druck, sofort Lösungen präsentieren zu müssen und lenken den Fokus auf das Erleben der Klient:innen.

Besonders bei Themen wie Gewichtsakzeptanz ist es wichtig, wertschätzend und neutral zu bleiben. Offene Fragen fördern Selbstreflexion und helfen, negative Denkmuster sanft zu hinterfragen, ohne direkt zu konfrontieren. Im Folgenden sind 10 Beispiele genannt.

  • Gewichtsakzeptanz: „Viele Menschen erleben Phasen, in denen sie mit ihrem Körper unzufrieden sind. Wie geht es Ihnen damit aktuell?“
  • Diätvergangenheit: „Sie haben bestimmt schon einiges ausprobiert, um Ihr Wohlbefinden zu verbessern. Was sind Ihre Erfahrungen mit Diäten?“
  • Emotionales Essen: „Manchmal essen wir nicht nur, weil wir hungrig sind, sondern weil uns etwas belastet. Kennen Sie solche Situationen bei sich?“
  • Selbstkritik und Schuldgefühle: „Viele Menschen machen sich Vorwürfe, wenn es mit der Ernährung nicht wie geplant klappt. Wie gehen Sie mit solchen Gedanken um?“
  • Verzicht und Verbote: „Es gibt unzählige Regeln und Verbote rund um Ernährung. Wie erleben Sie diese für sich persönlich?“
  • Sozialer Druck und Erwartungen: „Gerade in sozialen Situationen kann es schwierig sein, eigene Bedürfnisse zu wahren. Wie gehen Sie damit um?“
  • Essanfälle und Kontrollverlust: „Manchmal gibt es Phasen, in denen wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Kennen Sie das auch?“
  • Perfektionismus in der Ernährung: „Viele meiner Klient:innen haben das Gefühl, alles richtig machen zu müssen. Wie sieht das bei Ihnen aus?“
  • Vergleiche mit anderen: „Oft vergleichen wir uns mit anderen, gerade wenn es um Körper und Ernährung geht. Wie wirkt sich das auf Sie aus?“
  • Angst vor Gewichtszunahme: „Es ist verständlich, dass das Thema Gewicht Sorgen auslösen kann. Welche Gedanken gehen Ihnen da durch den Kopf?

Online-Tool für Mitglieder: Allergie- und Unverträglichkeitstabellen

In diesem Recherche-Tabellentool sind mögliche Allergene in Lebensmitteln sowie die Gehalte an Fruktose, Laktose, Sorbit und Zuckeralkoholen gesamt von 1000 (Grund-)Nahrungsmitteln enthalten. Das Tool kann durchsucht sowie nach Oberkategorie (z.B. Fische-Meerestiere) und/oder Unterkategorie (z.B. Muscheln) gefiltert werden. Die Nährstoffgehalte pro 100 g oder pro Portion können ebenfalls in jeder Ansicht gefiltert (z.B. < 500 µg, > 280 µg) werden.


Online-Seminar: Intuitive Ernährung – ein gewichtsneutraler Therapieansatz (2 Termine)

Kategorie: Online-Seminar
Datum: 14.06. und 16.06.2025
Veranstaltet von: IBE-Institut
Referierende: Andrea Zarfl, BSc MSc
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 5 % auf 440 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Dieses Seminar richtet sich an Ernährungsfachkräfte, die ihre Klient:innen auf dem Weg zu einem nachhaltig gesunden Essverhalten ohne Diätkultur begleiten möchten. Im Fokus steht die Vermittlung eines vorurteilsbewussten und diskriminierungssensiblen Therapieansatzes, der auf den Prinzipien der intuitiven Ernährung nach Tribole & Resch und Health At Every Size® basiert.

Seminarinhalte:

  • Gewichtsneutrale Konzepte: Lernen Sie die Grundlagen von Intuitive Eating und Health At Every Size® kennen, um die Gesundheit Ihrer Klient:innen unabhängig vom Körpergewicht zu unterstützen.
  • Hunger- und Sättigungsregulation: Fördern Sie das Verständnis und die Wiederherstellung der natürlichen Hunger- und Sättigungsregulation Ihrer Klient:innen.
  • Glaubenssätze erkennen und lösen: Helfen Sie Ihren Klient:innen, einschränkende Glaubenssätze in Bezug auf Ernährung, Körper und Bewegung zu identifizieren und aufzulösen.
  • Emotionsregulierendes Essen: Erkennen Sie gemeinsam mit Ihren Klient:innen Muster des emotionsregulierenden Essens und entwickeln Sie alternative Bewältigungsstrategien.