FETeV Newsletter 2025-27

28.07.2025

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Wir machen eine kleine Sommerpause! Der nächste Newsletter erscheint am 18. August 2025.


Studien-Krimi: Studie zur ketogenen Ernährung mit falschen Aussagen, Berechnungen, Verweisen und Schlussfolgerungen

In einem YouTube-Video analysieren die Ernährungswissenschaftlerinnen Julia Tulipan und Ulrike Gonder eine aktuelle Publikation, die einen Zusammenhang zwischen ketogener Ernährung und erhöhtem Krebsrisiko herstellt [Liu 2025]. Die beiden decken auf: Die Studie verwendet falsche Definitionen, gravierende Rechenfehler und sogar Quellen, die nicht existieren. Der Fall zeigt exemplarisch, wie fehlerhafte Forschung den Blick auf Ernährungsthemen verzerren kann.

Die im Video analysierte Studie basiert auf US-amerikanischen Querschnittsdaten. Tulipan und Gonder betonen, dass daraus keine Rückschlüsse auf Krankheitsverläufe gezogen werden können – dennoch wird genau das suggeriert. Auch die Datengrundlage ist fragwürdig: Die angeblich ketogene Gruppe nahm bis zu 245 g Kohlenhydrate pro Tag zu sich – ein Wert, der mit ketogener Ernährung unvereinbar ist.

Besonders brisant: Die beiden Expertinnen zeigen, dass die eigenen Daten der Studie der zentralen Aussage widersprechen. Ab einem bestimmten Schwellenwert ist kein erhöhtes Risiko mehr erkennbar. Zudem stimmen zentrale Zahlen nicht, Zitate fehlen oder führen ins Leere. Für Tulipan und Gonder ein Beispiel dafür, wie unkritisch publizierte Studien das Vertrauen in Wissenschaft untergraben – mit potenziell weitreichenden Folgen.


Dokumentation: Rewe, Edeka & Co – Wer verdient an unseren Lebensmitteln?

Lebensmittel in Deutschland sind in den letzten fünf Jahren rund 40 % teurer geworden. Besonders auffällig: Produkte wie Butter, Milch oder Tiefkühlpizza kosten in allen großen Supermärkten oft exakt gleich viel. Aldi, Lidl, Rewe und Edeka dominieren den Markt. Sie bieten günstige Eigenmarken an und unterbieten sich mit Angeboten. Das betrifft vor allem sogenannte „Eckprodukte”. Der Wettbewerb wirkt auf den ersten Blick hart, doch tatsächlich scheinen Preisabsprachen wahrscheinlicher als echter Preiskampf.

Viele Landwirte stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Ein Beispiel: Für Butter wird Milch von Biohöfen verarbeitet. Doch bei einem Verkaufspreis von 2,99 EUR bleiben den Erzeugern oft nur Centbeträge. Während Produktionskosten steigen, sinkt der Anteil der Bauern an den Erlösen. Auch bei Gemüse zeigt sich: Wenn Blumenkohl im Laden 99 Cent kostet, reicht das nicht für eine kostendeckende Ernte. Zwischen Molkereien, Produzenten und Handel herrscht ein ungleiches Kräfteverhältnis. Das hat Folgen für die gesamte Lieferkette und wirkt sich letztlich auch auf das Sortiment und die Preisgestaltung im Handel aus.

Das lässt sich an den Eigenmarken veranschaulichen. Denn der Handel verdient daran oft mehr als bei Markenprodukten. Für Konsument:innen ist das verlockend. Es gibt die gleiche Qualität zu einem günstigeren Preis. Doch zugleich steigt die Intransparenz. Verpackungsgrößen verändern sich, Inhalte schrumpfen, Preise bleiben gleich. Große Konzerne wie Coca-Cola erhöhen regelmäßig Preise. Und das auch bei sinkenden Rohstoffkosten. Die Verbraucherzentrale kritisiert: Viele dieser Praktiken untergraben die Preiswahrheit und erschweren einen fairen Vergleich.

Relevanz: Preisbewusstsein und Konsumkompetenz werden immer wichtiger. Wer auf Qualität, Herkunft und faire Bedingungen achten will, braucht Orientierung. Auch gesundheitlich ist der Preis kein verlässlicher Qualitätsindikator. Günstige Produkte sind nicht automatisch schlecht, teure nicht automatisch gut. Beratung kann helfen, Produkte kritisch zu hinterfragen, Alternativen aufzuzeigen und bewusste Entscheidungen zu fördern.


Weitreichende G-BA-Entscheidung: Liposuktion zur Behandlung des Lipödems in den regulären Leistungskatalog aufgenommen

Ab 2026 übernehmen die Krankenkassen in Deutschland die Kosten für eine Fettabsaugung (Liposuktion) bei Lipödem in allen Stadien. Bislang war das nur für schwere Fälle im Stadium III möglich. Voraussetzung bleibt, dass vorher mindestens sechs Monate lang konservative Maßnahmen wie Kompression und Bewegung ausgeschöpft wurden. Zusätzlich gelten klare Regeln für die Diagnostik und für die Qualifikation der behandelnden Fachärzt:innen und Kliniken.

Eine Gewichtsreduktion ist nicht in jedem Fall erforderlich – wohl aber dann, wenn starkes Übergewicht vorliegt. Ab einem bestimmten BMI-Wert ist eine Operation ausgeschlossen. In diesen Fällen muss zunächst eine nachweisbare Gewichtsstabilisierung über sechs Monate erreicht werden. Hier kann ein individuell angepasstes Ernährungskonzept entscheidend zur Behandlungsplanung beitragen.

Auch wenn es kein offizielles MMK-Programm wie bei der Adipositas gibt, wird zunehmend ein vergleichbares Vorgehen erwartet. Viele Krankenkassen prüfen genau, ob alle konservativen Möglichkeiten dokumentiert und ausgeschöpft wurden. Deshalb ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit – etwa mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und spezialisierten Kliniken – besonders wichtig.

Für die Ernährungstherapie eröffnet sich hier ein konkreter Handlungsraum: Sie kann die konservative Vorbehandlung strukturieren, dokumentieren und medizinisch ergänzen. Durch gezielte Ernährung, Gewichtsstabilisierung und edukative Begleitung lassen sich Operationshindernisse, zum Beispiel bei bestehender Adipositas, abbauen. Auch unabhängig von einer OP bietet Beratung Stabilität, Alltagsentlastung und emotionale Unterstützung.

Hilfestellung für die Begleitung/ Beratung von Betroffenen (im interdisziplinären Team) [Apotheke Adhoc]:

  • Betroffene frühzeitig über G-BA-Regelung und Behandlungsoptionen informieren.
  • Verlauf der konservativen Behandlung (Bewegung, Kompression, Ernährung) strukturiert begleiten und dokumentieren.
  • Beschwerden, Einschränkungen und schriftliche Befunde systematisch erfassen.
  • Ernährung gezielt auf Entzündungshemmung, Gewichtsstabilität und Alltagstauglichkeit abstimmen.
  • Bei starkem Übergewicht: langfristige Gewichtsstabilität fördern und Rückschläge auffangen.
  • Rolle der Ernährung vor und nach Liposuktion vermitteln; Therapie auch unabhängig von OP anbieten.
  • Antragstellung aktiv unterstützen: Formulare, Arztberichte und Protokolle gemeinsam vorbereiten.
  • Kliniken mit Lipödem-Expertise empfehlen; Kontakte und Infos bereitstellen.
  • Emotionale Stabilität und Selbstwirksamkeit gezielt stärken.

Download: Beratungsvorlagen im Powerpoint-Format

Sie benötigen verlässliche Vorlagen für Ihre Beratung – flexibel, anpassbar und professionell? Ab sofort stehen Ihnen unsere Beratungsvorlagen im PowerPoint-Format zur Verfügung.

Enthalten sind editierbare Formulare wie Kostenvoranschlag, Antrag auf Kostenerstattung, Beratungsvereinbarung, ein beispielhafter Beratungsablauf und ein Evaluationsbericht. Auch der Anamnesebogen und eine vollständige Beratungsdokumentation inklusive Abschlussbericht sind integriert – kompakt und übersichtlich gestaltet.

Die Dateien lassen sich mühelos an Ihr Design anpassen und sowohl digital als auch ausgedruckt verwenden.


Online-Seminar: Gluten im Brennpunkt: Aktuelles von der Zöliakie als Chamäleon der Gastroenterologie

Typ: Online Seminar
Datum: 12.09.2025
Veranstaltet von: essakademie, essteam GbR
Referierende: Dr. rer. biol. hum. Anja Waßmann-Otto
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 10 % auf 219 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:

Die Zöliakie ist eine immunologisch vermittelte Systemerkrankung mit vielen Gesichtern: Sie kann durch eine Vielzahl an gastrointestinalen und extraintestinalen Symptomen in Erscheinung treten, die Erkrankung kann aber auch gänzlich subklinisch verlaufen. Dieses breite Manifestationsspektrum macht die Zöliakie zu einem Chamäleon der Gastroenterologie und zu einer interdisziplinären Herausforderung. Denn nur mit dem erforderlichen Wissen um die Symptomvielfalt, können die Betroffenen überhaupt erkannt, sauber diagnostiziert und nach ärztlich gesicherter Diagnose einer glutenfreien Ernährung zugeführt werden. Die Ernährungstherapeut*Innen können bereits im diagnostischen Prozess eine Schlüsselrolle einnehmen: Denn im Rahmen der zunehmenden Popularität kohlenhydratreduzierter Ernährungsformen und selbst auferlegter glutenbeschränkter Diäten stellt die Sicherung einer ausreichenden Glutenbelastung vor der Diagnostik ein zentrales Element für eine aussagekräftige Zöliakie-Ausschlussdiagnostik dar. Eine adäquate Glutenbelastung zu erreichen kann durchaus herausfordernd sein – insbesondere bei bereits eingeleiteter glutenfreier Diät. Die ernährungstherapeutische Planung einer solchen Glutenbelastung mit geeigneten Rezepten kann daher wichtiger Bestandteil der Ernährungstherapie auf dem Weg zur gesicherten Diagnose sein.

Die alternativlose Therapie der Zöliakie besteht bekanntermaßen in der konsequenten Einhaltung einer glutenfreien Diät. Jedoch erfordert diese weit mehr als die reine Karenzempfehlung oder den Kauf glutenfreier Ersatzprodukte. Eine fundierte Ernährungstherapie sollte die Kenntnis über das Vorkommen von Gluten vermitteln, die Kennzeichnung trainieren sowie den Umgang mit Alltagssituationen, wie Einkauf, Reisen und Außer-Haus-Verzehr schulen. Die Anforderungen an eine ausgewogene glutenfreie Kost sind hoch: Denn die glutenfreie Kost birgt auch Risiken und die Deckung kritischer Nährstoffe muss sorgfältig geprüft werden.

Das praxisnahe Seminar gibt ein Update zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und soll gleichzeitig den Blick der Seminarteilnehmer*innen für das vielfältige Beschwerdespektrum der Zöliakie schärfen, das Wissen über das diagnostische Vorgehen mit all seinen potentiellen Fallstricken festigen und die Herausforderungen einer glutenfreien Ernährung aufzeigen.

Inhalte:

Grundlagen der Zöliakie

  • Ursachen, Prävalenz, Pathophysiologie und Komorbiditäten
    Diagnostik bei Verdacht auf eine Zöliakie:
  • Praktische Aspekte zur Sicherung der Glutenbelastung vor Diagnostik mit geeigneten Rezepten
  • Sinnvolle und unsinnige Laborparameter und Endoskopie
  • Monitoring – Oft vernachlässigt: Diagnostik bei Risikogruppen: Wer, was, wie oft?
  • Monitoring der Laborwerte und der diätetischen Adhärenz bei Patienten mit gesicherter Zöliakie

Therapie

  • Risiken einer glutfreien Ernährung
  • Deckung kritischer Nährstoffe
  • To eat or not to eat? Kennzeichnung glutenhaltiger Getreide und praktische Aspekte des Einkaufs
  • Gestaltung des glutenfreien Alltags: Worauf kommt es wirklich an?