FETeV Newsletter 2025-29

25.08.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Scoping-Review: Milchprodukte – Risiko oder Schutzfaktor?

Eine neue Übersichtsarbeit wertete fast 100 Studien zu Milchprodukten und Gesundheit aus. Das Ergebnis überrascht: In knapp der Hälfte der untersuchten Zusammenhänge zeigten sich keine Effekte, in mehr als einem Drittel sogar Vorteile. Nur ein sehr kleiner Teil deutete auf mögliche Risiken hin. Insgesamt spricht die Evidenz dafür, dass Milchprodukte weder das Risiko für chronische Krankheiten noch die Sterblichkeit erhöhen.

Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zeigen sich neutrale bis leicht schützende Effekte. Auffällig ist der positive Einfluss von Joghurt und fermentierten Milchprodukten wie Kefir: Sie standen häufiger in Verbindung mit geringeren Krankheitsrisiken, auch bei bestimmten Krebsarten. Käse zeigte ein uneinheitlicheres Bild, wurde aber insgesamt nicht mit negativen Auswirkungen verknüpft.

Wichtig sind die Ergebnisse auch für die oft verzerrte Diskussion, Milchprodukte seien grundsätzlich ungesund. Die Daten zeigen klar, dass gesundheitliche Risiken nicht belegt sind. Wer sich aus ethischen oder ökologischen Gründen für eine rein pflanzliche Ernährung entscheidet, hat dafür nachvollziehbare Argumente. Diese sollten aber von gesundheitlichen Fragen getrennt betrachtet werden. Eine respektvolle Kommunikation gelingt dann, wenn klar zwischen wissenschaftlicher Evidenz und persönlichen Wertvorstellungen unterschieden wird.

Zur Studie: Die Analyse umfasst 95 systematische Reviews und Meta-Analysen, die zusammen Daten aus über 150 Primärstudien mit teils Millionen Teilnehmenden auswerteten. Berücksichtigt wurden randomisierte kontrollierte Studien, prospektive Kohorten, Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien. Damit bietet die Arbeit einen breiten Überblick über den Zusammenhang von Milchprodukten und 29 verschiedenen Gesundheits­outcomes. Als Scoping-Review zeichnet sie ein klares Bild: überwiegend neutrale bis positive Effekte, kaum Hinweise auf Risiken. Allerdings bewertet sie die Qualität der eingeschlossenen Studien nicht im Detail und fasst auch heterogene Definitionen von Milchprodukten zusammen. Damit eignet sie sich vor allem zur Einordnung der Diskussion, liefert aber keine endgültigen Antworten. Für konkrete Empfehlungen bleiben hochwertige Einzelstudien und gezielte Meta-Analysen entscheidend.


S3-Leitlinie: Ernährung und Ernährungsmedizin in der Onkologie (Konsultationsfassung)

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Ernährung in der Onkologie betont die entscheidende Rolle des Ernährungszustands für den Krankheitsverlauf. Mangelernährung verschlechtert Lebensqualität, Therapieerfolg und Überleben. Daher wird ein frühzeitiges Screening bei allen Patienten empfohlen. Vorrang hat immer die normale orale Ernährung, gegebenenfalls ergänzt durch energiereiche Speisen oder Trinknahrung. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen enterale oder parenterale Verfahren zum Einsatz.

Die Leitlinie macht klar: Es gibt keine spezielle Krebsdiät mit gesichertem Nutzen. Alternative Ernährungsformen wie ketogene Kost oder Fastenkuren werden nicht empfohlen. Der Nährstoffbedarf entspricht weitgehend dem gesunder Menschen, mit einer erhöhten Proteinversorgung von etwa 1,2–1,5 g/kg Körpergewicht. Mikronährstoffpräparate sollten nur bei nachgewiesenem Mangel eingesetzt werden. Ziel aller Maßnahmen ist es, Therapieabbrüche zu vermeiden, Komplikationen zu reduzieren und die Lebensqualität zu steigern.

Schlüsselempfehlungen (Auswahl):

  • Screening: Regelmäßig auf Mangelernährung prüfen.
  • Priorität: Normale orale Ernährung bevorzugen.
  • Unterstützung: Energie- und eiweißreiche Speisen oder Trinknahrung einsetzen, wenn nötig.
  • Alternative Wege: Enterale oder parenterale Ernährung nur bei unzureichender oraler Aufnahme.
  • Krebsdiäten: Keine spezielle Diät hat nachweisbaren Nutzen, alternative Kostformen werden nicht empfohlen.
  • Proteinbedarf: 1,2–1,5 g pro kg Körpergewicht täglich.
  • Mikronährstoffe: Nur bei gesichertem Mangel supplementieren.
  • Ziel: Ernährungszustand sichern, Lebensqualität und Therapieerfolg verbessern.

Hinweis: Die Leitlinie kann noch bis zum 21.09.2025 kommentiert werden.


Praxisrelevante Zusammenhänge: Gestörter Zuckerstoffwechsel und hormonelle Erkrankungen

Hormonelle Erkrankungen können den Zuckerstoffwechsel erheblich beeinflussen. Sie verändern, wie empfindlich der Körper auf Insulin reagiert, wie viel davon ausgeschüttet wird und wie stark die Leber Zucker freisetzt. Die Folge kann eine Über- oder Unterzuckerung sein, die das Krankheitsbild von Diabetes verschärft oder sogar auslöst. Eine sorgfältige Abklärung ist deshalb entscheidend, um die Ursache hinter schwankenden Werten zu erkennen und gezielt behandeln zu können.

Zu den relevanten Erkrankungen zählen vor allem Störungen der Schilddrüse, der Nebennieren, der Hirnanhangsdrüse und der Geschlechtsdrüsen. Sie können den Stoffwechsel entweder beschleunigen oder verlangsamen und dadurch das Gleichgewicht des Blutzuckers empfindlich stören. Auch seltene Tumoren mit Hormonproduktion spielen eine Rolle. Für Betroffene bedeutet das häufig eine komplexe Situation, in der nicht allein der Diabetes im Vordergrund steht, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Relevante hormonelle Störungen mit Einfluss auf den Blutzucker

  • Hyperthyreose: Steigert Zuckeraufnahme und -freisetzung, fördert Insulinresistenz → höhere Blutzuckerwerte.
  • Hypothyreose: Verlangsamt Stoffwechsel, senkt Zuckerfreisetzung → erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen.
  • Cushing-Syndrom (Kortisolüberschuss): Erhöht Insulinresistenz, steigert Leberzuckerproduktion → häufig Diabetes.
  • Nebennierenrindeninsuffizienz: Zu wenig Kortisol, dadurch gesteigerte Insulinsensitivität → Hypoglykämien möglich.
  • Primärer Hyperparathyreoidismus: Verändert Kalzium- und Phosphatstoffwechsel, fördert Insulinresistenz → gestörte Glukosetoleranz.
  • Phäochromozytom: Tumor mit Adrenalinüberschuss, hemmt Insulinfreisetzung → Blutzuckerschwankungen bis Ketoazidose.
  • Wachstumshormonexzess (Akromegalie, Gigantismus): Erhöht Insulinresistenz → häufig Glukosetoleranzstörung oder Diabetes.
  • Männlicher Hypogonadismus: Testosteronmangel begünstigt viszerales Fett und Insulinresistenz → höheres Diabetesrisiko.
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Führt zu Insulinresistenz, Übergewicht und erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes.
  • Insulinom: Seltene Tumoren, die Insulin übermäßig freisetzen → wiederholte Hypoglykämien.

Für die Ernährungsberatung und für gesundheitsbewusste Menschen ist dieses Wissen bedeutsam: Es verdeutlicht, dass Ernährung und Lebensstil zwar zentrale Bausteine bleiben, aber in manchen Fällen nur in Kombination mit einer medizinischen Abklärung wirksam sind.


Download: Powerpoint-Vorlagen zu Beratungsmodellen und allgemeinen Interventionsvorlagen

Unsere Sammlung bietet praxisnahe, flexibel einsetzbare Materialien für die Ernährungsberatung. Sie unterstützen bei Struktur, Motivation und Alltagsumsetzung – von grundlegenden Modellen bis hin zu individualisierbaren Tools.

Enthalten sind:

  • Beratungsmodelle & Interventionsvorlagen: Leitfaden Intervention, allgemeine Strukturen für Ernährungsumstellung und Reflexion.
  • Planungs- & Strukturhilfen: Wochenstrukturplan, Ernährungstagebuch, Ernährungstracker, Gewohnheitstracker.
  • Nährstoff- & Lebensmittellisten: Nährstoffgehalte, Lebensmittelliste, Einkaufsliste.
  • Visuelle Modelle: Ernährungspyramide, Tellermodell.
  • Reflexionsinstrumente: Zufriedenheitsbarometer Ernährung.

Alle Vorlagen sind minimalistisch gestaltet, leicht anpassbar und für unterschiedliche Beratungssituationen nutzbar.


Kongress: DAG-DGESS Kongress 2025

Kategorie: Kongress (Präsenz)
Veranstaltungsort: Haus der Wirtschaft Stuttgart
Datum: 08.-10.10.2025
Veranstaltet von: Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) und Deutsche Gesellschaft für Essstörungen (DGESS)
Referierende: diverse
Kosten/ Ermäßigung für Mitglieder: 355 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:

Unter dem Motto „Perspektive erweitern – Brücken bauen“ möchten wir in diesem Jahr den interdisziplinären Austausch zwischen unseren Fachbereichen intensivieren. Sowohl die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas als auch von Essstörungen nimmt in den letzten Jahren weiter zu – nicht zuletzt beschleunigt durch die Lebensumstände und Versorgungssituation in der COVID-Pandemie. Dieser Herausforderung zu begegnen und der Komplexität von Adipositas und Essstörungen gerecht zu werden, erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der verschiedene Perspektiven berücksichtigt und Verbindungen zwischen Forschung, Prävention und Therapie schafft.

Unser Ziel ist es, gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln, um die Versorgung von Betroffenen zu verbessern und das gesellschaftliche Bewusstsein für diese Erkrankungen zu schärfen. Ein besonderes Anliegen auf unserem gemeinsamen Kongress ist es, die Perspektiven von Menschen mit gelebter Erfahrung stärker sichtbar zu machen. Ebenso möchten wir einen Schwerpunkt auf attraktive Formate speziell für Early Career Scientists legen.