08.09.2025
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Übersichtsarbeit: Eiweißreiche Ernährung im Fokus
Eine große, aktuelle Übersichtsarbeit zeigt: Eiweißreiche Ernährungsformen wirken sich nicht nur auf das Gewicht, sondern auch auf die Körperzusammensetzung aus. Im Vergleich zu einer durchschnittlichen Eiweißzufuhr führten sie zu weniger Körperfett, mehr Muskelmasse sowie einem geringeren Taillenumfang. Auch Blutdruck und Blutfette verbesserten sich teilweise. Besonders deutlich waren die Vorteile, wenn der Eiweißanteil mit einem moderaten Kohlenhydrat- und höheren Fettanteil kombiniert wurde.
Die Analyse verdeutlicht, dass nicht allein der Eiweißgehalt entscheidend ist. Auch die Zusammensetzung der restlichen Nährstoffe spielt eine Rolle. Ein mäßiger Kohlenhydratanteil scheint günstiger zu wirken als sehr niedrige Mengen. So lassen sich Fettabbau und Muskelerhalt besser kombinieren. Gleichzeitig können bestimmte Blutwerte positiv beeinflusst werden, darunter die Blutfette. Unterschiede im Fettanteil der Ernährung hatten dagegen einen geringeren Effekt.
Für die Praxis bedeutet das: Eiweißreiche Ernährung kann ein wertvolles Instrument zur Gewichtskontrolle und zur Verbesserung der Stoffwechselgesundheit sein. Gerade in der Ernährungsberatung lohnt sich der Blick auf die Gesamtzusammensetzung der Kost. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Eiweiß aufgenommen wird, sondern auch, wie Kohlenhydrate und Fette eingebunden sind. Wer langfristig Gewicht und Gesundheit im Blick behalten möchte, profitiert von einer ausgewogenen und individuell abgestimmten Gestaltung.
Zur Studie: Die Studie bündelt die Ergebnisse von 83 randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 6.500 Teilnehmenden. Positiv hervorzuheben sind die saubere Methodik (PRISMA, GRADE), die Vorab-Registrierung sowie die zuverlässige Messung der Körperzusammensetzung mittels DXA. Gleichzeitig bestehen Schwächen: Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich stark in Dauer, Energiezufuhr und Begleitfaktoren, zudem fehlen häufig Angaben zur Qualität der Eiweiß- und Fettquellen. Auch die Definitionen von „Low Carb“ oder „High Fat“ bleiben eher grob. Insgesamt liefert die Analyse eine breite und methodisch solide Datengrundlage, die sich jedoch nur eingeschränkt in konkrete Alltagsempfehlungen übersetzen lässt.
Vorgestellt
FAO-Report: Einfluss von Lebensmittelzusatzstoffen auf das Darmmikrobiom
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat einen umfassenden Bericht zu den Wechselwirkungen von Lebensmittelzusatzstoffen und dem Darmmikrobiom veröffentlicht. Analysiert wurden vor allem Süßstoffe, Emulgatoren und Farbstoffe. Die Ergebnisse zeigen: Zusatzstoffe können die Zusammensetzung der Mikroben im Darm verändern, doch die Befunde sind uneinheitlich. Manche Stoffe zeigen keine Effekte, andere führen zu widersprüchlichen Ergebnissen, abhängig von Dosierung, Studiendesign und individuellen Faktoren.
Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Verknüpfungen mit Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder chronischen Erkrankungen. Tier- und Zellversuche weisen auf Veränderungen in der Darmbarriere und bei Immunprozessen hin, während Humanstudien nur schwache oder kurzfristige Effekte zeigen. Die FAO betont, dass es an standardisierten Methoden fehlt und bestehende Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen. Forschungsbedarf besteht vor allem bei Langzeitwirkungen und realistischen Verzehrmengen.
Für den Alltag bedeutet der Bericht: Zusatzstoffe sind nicht per se riskant, gewinnen aber durch ihren hohen Anteil in verarbeiteten Lebensmitteln an Bedeutung. Ernährungsfachkräfte können die Erkenntnisse nutzen, um das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und Zusatzstoffen zu schärfen. Für gesundheitsbewusste Menschen zeigt der Report, dass ein ausgewogenes Ernährungsmuster mit frischen Lebensmitteln die beste Grundlage für ein stabiles Mikrobiom bleibt.
Beratungspraxis
Best Practices: Postbiotika für den Darm
Das Darmmikrobiom hat einen großen Einfluss auf Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel. Gerät es aus dem Gleichgewicht, können Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten entstehen. Neben Ballaststoffen (Präbiotika) und lebenden Mikroorganismen (Probiotika) rücken zunehmend Postbiotika in den Fokus. Dabei handelt es sich um Produkte aus inaktivierten Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukten, die das Mikrobiom und die Darmbarriere positiv beeinflussen können.
Wie Postbiotika wirken
Während Probiotika das Mikrobiom direkt durch lebende Keime beeinflussen, setzen Postbiotika bei deren Stoffwechselprodukten an. Besonders bedeutsam sind kurzkettige Fettsäuren, die als Energiequelle für Darmzellen dienen, die Schleimhaut stärken und entzündungshemmend wirken. Zudem können durch Fermentation sekundäre Pflanzenstoffe besser verfügbar gemacht und belastende Antinährstoffe abgebaut werden. Erste Studien weisen darauf hin, dass Postbiotika auch systemische Effekte haben, beispielsweise auf Blutdruck, Energiestoffwechsel oder Gehirnfunktion.
Postbiotika kommen in Nahrungsergänzungsmitteln und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut, Kimchi, Joghurt oder Kefir vor. Diese liefern Stoffwechselprodukte, die nachweislich die Darmgesundheit fördern. Als sinnvolle Ergänzung zu ballaststoffreicher Ernährung unterstützen sie die Darmbarriere.
Relevanz für Alltag und Beratung
Für die Ernährungsberatung sind Postbiotika ein interessantes Instrument, da sie auch für Menschen geeignet sind, die keine lebenden Keime aufnehmen möchten oder können. Für gesundheitsbewusste Menschen bieten sie die Möglichkeit, Darmbeschwerden vorzubeugen und die allgemeine Widerstandskraft zu stärken. Besonders wertvoll ist der kombinierte Ansatz: ballaststoffreiche Kost, regelmäßiger Verzehr fermentierter Lebensmittel und bei Bedarf gezielte Ergänzungen mit Prä-, Pro- sowie Postbiotika.
Praktische Tipps zur Umsetzung
- Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn regelmäßig einbauen.
- Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Joghurt oder Kefir öfter verzehren.
- Auf Vielfalt achten, um das Mikrobiom abwechslungsreich zu versorgen.
- Bei empfindlichem Darm schrittweise einführen, um die Verträglichkeit zu prüfen.
- Postbiotische Präparate können ergänzend genutzt werden.
- Stressabbau und ausreichend Bewegung berücksichtigen, da sie das Mikrobiom mit beeinflussen.
- Bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Abklärung suchen.
Mitgliederservice/ Interna
Blogbeitrag: Das Transtheoretische Modell (TTM) zur Veränderung des Ernährungsverhaltens
Das Transtheoretische Modell beschreibt, wie Verhaltensänderungen in klaren Stadien von der ersten Einsicht bis zur stabilen Routine verlaufen. Für die Ernährungsberatung eröffnet es die Möglichkeit, Interventionen gezielt an den jeweiligen Veränderungsgrad anzupassen. So lassen sich Motivation, Rückfallprophylaxe und nachhaltige Erfolge deutlich besser steuern.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Dünndarmfehlbesiedlung SIBO – verstehen, erkennen und therapieren
Kategorie: Online-Seminar
Datum: 28.-29.11.2025
Veranstaltet von: Weiterbildung Ernährung
Referierende: Margarete Nowag
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 10 % auf 449 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:
SIBO – Small Intestinal Bacterial Overgrowth- eine Dünndarmfehlbesiedlung, ist eine häufig nicht erkannte Ursache für starke Verdauungsprobleme, Müdigkeit, Nährstoffmängel und andere chronische Beschwerden. Seit 2023 sind drei Formen der Fehlbesiedlung als anerkannte Erkrankungen im ICD-10-Schlüssel bei der WHO erfasst. Studien zeigen, dass 60–80 % der Reizdarmpatientinnen an den Hauptformen SIBO bzw. IMO leiden sollen– aber es gibt kaum Ärztinnen und Ernährungsberaterinnen, die diesen vielen Patientinnen adäquat helfen können.
Diese Lücke will unser Expertenteam schließen. Dr. Fiedler und Dr. Georgi haben bereits vor 8 Jahren Reizdarm-SOS gegründet, um Aufklärung und Diagnosemöglichkeiten für SIBO zu schaffen. Unser Team wird das verfügbare Wissen sowie die praktischen Erfahrungen aus vielen Jahren SIBO-Behandlungen an Ernährungsfachkräfte weitergeben, damit Sie Ihre Patientinnen bestmöglich führen können. Seminarteilnehmerinnen lernen, bei welchen Symptomen Sie an eine Fehlbesiedlung denken sollen, welche Ernährungsdiagnosen einen hellhörig werden lassen dürfen und was bei der Vorbereitung, Durchführung und Interpretation der Atemtests zu beachten ist.
Neben bewährten Therapieansätzen lernen Sie die entscheidende Rolle von Ernährung, Präbiotika, Probiotika, medikamentösen Behandlungen und der positiven Beeinflussung des Nervensystems kennen – praxisnah und wissenschaftlich fundiert.
Inhalte:
- Das Krankheitsbild Dünndarmfehlbesiedlung SIBO/IMO – Ursachen und Risikofaktoren – Symptome – Zusammenhang mit anderen Erkrankungen
- Diagnostik und Testverfahren: Stuhlanalyse versus Atemtest
- Das 3-Säulen-Konzept in der Therapie:
- Verbesserung der Verdauung
- Antibakterielle Therapie
- Motilitätsverbesserung
- Medikamentöse Behandlung vs. Elementardiät
- Verschiedene Ernährungsstrategien
- Langzeitmanagement/Rezidiv-Prophylaxe
- SIBO und Essstörungen
- Bedeutung eines interdisziplinären Ansatzes
- Fallbeispiele und praktische Anwendungen
In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die Fallkonferenzen aufmerksam machen, die zu diesem Thema angeboten werden:
Fallkonferenz: SIBO – Experten helfen, wenn es schwierig wird
Kategorie: Fall-Konferenz
Datum: monatlich vorgesehen, beginnend am 8.10., 19.11. und 17.12.2025
Veranstaltet von: Weiterbildung Ernährung
Referierende: Annika Hochgürtel, Dr. Sven Georgi, Dr. Fiedler
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 10 % auf 229 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Was tun, wenn Präparate nicht vertragen werden, die Ernährungsumstellung nicht funktioniert oder die Therapie nicht greift?
Die SIBO/IMO stellt eine komplexe Herausforderung in der ernährungstherapeutischen Praxis dar. Vielschichtige Symptome, individuelle Verläufe und unterschiedliche Therapieansätze werfen ständig neue Fragen auf, sobald Sie diese Patienten begleiten. In dieser Fallkonferenz geht es darum, Klarheit zu schaffen – durch den Austausch aktueller Erkenntnisse, bewährter Strategien und praxisnaher Fallbeispiele. Ziel ist es, mehr Sicherheit im Umgang mit SIBO zu gewinnen, die Versorgung der Patient*innen zu verbessern und gemeinsam neue, wirksame Lösungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Ihre schwierigen Fälle, die Sie vorstellen und für die Sie Expertenrat bekommen!
Inhalte:
- Besprechung von komplexen Fällen
- eigene Fallbeispiele können eingebracht werden
- offene Fragen können gestellt und diskutiert werden
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