FETeV Newsletter 2025-32

15.09.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Empirische Studie: Kalorienaufnahme als Schlüsselfaktor bei Übergewicht

Die weltweite Zunahme von Übergewicht wird oft Bewegungsmangel zugeschrieben. Eine aktuelle internationale Analyse widerspricht: Menschen in industrialisierten Ländern verbrauchen im Schnitt sogar mehr Energie pro Tag als traditionelle Bevölkerungen, vor allem aufgrund größerer Körpermassen. Dennoch ist Übergewicht dort deutlich häufiger. Die Daten zeigen klar, dass die erhöhte Kalorienaufnahme, insbesondere durch hochverarbeitete Lebensmittel, weit stärker mit Adipositas verknüpft ist als ein vermeintlich gesunkener Energieverbrauch [McG 2025].

Robuste Studiendaten

Die zentrale Studie von McGrosky et al. stützt sich auf den weltweit größten Datensatz zur Energieumsatzmessung mit der doubly labeled water-Methode, dem Goldstandard der Stoffwechselforschung. Analysiert wurden 4.213 Erwachsene aus 34 Bevölkerungen von Jäger-Sammlern bis hin zu hochindustrialisierten Gesellschaften. Die statistischen Modelle berücksichtigten Alter, Geschlecht und Körperzusammensetzung. Trotz der Einschränkung, dass detaillierte Ernährungsdaten nur für Teilgruppen vorlagen, bietet die Arbeit sehr belastbare Evidenz. Die globale Adipositas-Epidemie breitet sich durch steigende Kalorienaufnahme, nicht Bewegungsmangel, aus.

Abnehmen: Ernährung und Bewegung im Zusammenspiel

Das gilt ebenso für die Gewichtsabnahme. Eine strenge(re) Kalorienreduktion erzielt die stärksten Effekte, zum Beispiel durch energiearme Kostformen oder Formuladiäten, die zweistellige prozentuale Gewichtsverluste ermöglichen [Mas 2019]. Bewegung allein führt meist nur zu geringen Veränderungen im Kalorienhaushalt. Dennoch bleibt körperliche Betätigung mitentscheidend, weil sie das Hungergefühl reguliert, Überessen vorbeugt und den langfristigen Gewichtserhalt unterstützen kann [Bea 2021]. Zusätzlich stärkt regelmäßiger Sport das Herz-Kreislauf-System, die Muskulatur und die Psyche. Am wirkungsvollsten ist daher die Kombination: Ernährung steuert die Bilanz, Bewegung stabilisiert die Ergebnisse.

Relevanz für die Beratung

Für Ernährungsfachkräfte ergibt sich ein klares Bild: Der Fokus sollte stark auf der Qualität und Energiedichte der Ernährung liegen, während Bewegung als ergänzender, gesundheitsfördernder Baustein integriert wird. Entscheidend ist aber, betroffenen Personen nicht nur „weniger essen, mehr bewegen“ zu empfehlen, sondern gezielt zu erklären, wie Lebensmittelwahl, Portionsgrößen und der Anteil verarbeiteter Produkte das Körpergewicht bestimmen. So wird Beratung praxisnah, evidenzbasiert und wirksam [Rob 2021].


Therapie-Tools: Motivierende Gesprächsführung

Wie motivieren wir Menschen, die sich nicht verändern möchten oder sich dazu nicht in der Lage fühlen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Motivierende Gesprächsführung, entwickelt von William Miller und Stephen Rollnick. Der Ansatz setzt auf empathisches Zuhören, offene Fragen und das Sichtbarmachen von Ambivalenzen. Ziel ist es, Widerstände abzubauen und Eigenmotivation zu fördern. Dabei handelt es sich um eine Methodik, die in Beratung und Therapie längst seinen festen Platz gefunden hat.

Das Buch Therapie-Tools Motivierende Gesprächsführung von Andreas Jähne und Cornelia Schulz übersetzt diese Methode in konkrete Materialien für den Praxisalltag. Es bietet Übungen, Checklisten und Beispielformulierungen, die direkt einsetzbar sind. Die Gliederung reicht von den Grundlagen über Beziehungsaufbau und Anliegenklärung bis hin zur Förderung von Selbstwirksamkeit, zur Begleitung von Veränderungsprozessen und zur nachhaltigen Umsetzung. Die Infoblätter und Arbeitsblätter sind praxisnah gestaltet und lassen sich sowohl in Gesprächen nutzen als auch für Ratsuchende zur Vertiefung mitgeben.

Das Buch bringt den Nutzen der Methode schnell auf den Punkt: „Wir verändern in unserem Alltag nur jene Dinge, von denen wir überzeugt sind, dass sie für uns wichtig sind und deren Umsetzung wir auch für möglich halten.“ Empfehlungen wirken also nur, wenn sie auf ein inneres Bedürfnis treffen.

Eine Rezensentin beschreibt die Texte des Bandes als gut zusammengefasst und hilfreich für die Einarbeitung in das Thema wie auch für die konkrete Anwendung in der Therapie. Besonders positiv bewertet sie die Übersichtlichkeit der Materialien, die sich sowohl zum schnellen Einlesen als auch zum Wiederholen eignen. Ihr Fazit: Die Inhalte sind vielseitig einsetzbar und stellen eine wertvolle Bereicherung für die Praxis dar.


Best Practices: Food Noise – wenn Gedanken ums Essen nicht zur Ruhe kommen

Gedanken, die ständig ums Essen kreisen, werden als „Food Noise“ bezeichnet. Für viele Betroffene bedeutet das eine dauerhafte innere Ablenkung, egal ob zu Hause, bei der Arbeit oder unterwegs. Besonders Menschen mit Adipositas oder Essstörungen erleben diesen mentalen Lärm oft als belastend. Das Problem: Selbst nach einer Mahlzeit beruhigt sich das Gedankenkarussell nicht, was Heißhunger, Essanfälle und langfristig auch eine stetige Gewichtszunahme begünstigen kann. Das beeinträchtigt die Lebensqualität und erschwert eine erfolgreiche Behandlung.

Forschungen zeigen, dass die Ursache in einer gestörten Balance zwischen Hunger- und Belohnungssystem im Gehirn liegt. Es gibt verschiedene Ansätze, die eine Linderung verschaffen können.

  1. Medikamente wie GLP-1-Agonisten (z. B. Semaglutid oder Tirzepatid) dämpfen die Reaktivität auf Essenssignale und mindern zwanghafte Essensgedanken [Hay 2023].
  2. Psychologische Strategien wie Achtsamkeit, die kognitive Neubewertung oder visuelle Ablenkungstechniken können das Verlangen kurzfristig senken [Viv 2013].
  3. Neben der medizinischen und psychologischen Perspektive spielen Alltagseinflüsse eine Rolle. Schlafmangel, Stress oder dauerhafte Reizüberflutung können das Essverhalten verstärken. Maßnahmen wie bessere Schlafhygiene, Pausen im Alltag oder eine strukturierte Ernährung helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen [Tro 2014].
  4. Ergänzend gewinnen neue Instrumente wie der Food Noise Questionnaire an Bedeutung, um das Phänomen systematisch zu erfassen [Dik 2025].

In der Ernährungsberatung ist das Thema wichtig, um Betroffene nicht allein mit Schuldgefühlen zurückzulassen, sondern konkrete Strategien bereitzustellen.

Praktische Tipps gegen Food Noise

  • Regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten mit viel Eiweiß und Ballaststoffen einplanen.
  • Ausreichend trinken, um das Sättigungsgefühl zu unterstützen.
  • Achtsamkeitsübungen nutzen, um Essensgedanken wahrzunehmen und zu relativieren.
  • Schlafhygiene verbessern und feste Schlafzeiten einhalten.
  • Stressoren identifizieren und durch Bewegung oder Entspannungstechniken abbauen.
  • Visuelle Ablenkungen ausprobieren, wenn Heißhunger aufkommt.
  • Medikamente nur in ärztlicher Absprache als ergänzende Option in Betracht ziehen.
  • Offene Gespräche mit Fachpersonen führen, um individuelle Strategien zu entwickeln.

Neue Handoutformate: Für Beratende und Ratsuchende

Wir arbeiten aktuell an einer Reihe neuer Formate, die Informationen klar und praxisnah vermitteln. Erste Beispiele sind bereits online:

  1. eine kompakte Übersicht zum Krankheitsbild ARFID,
  2. eine interaktive Ernährungspyramide (auf mobilen Geräten ohne Pyramidenform),
  3. eine Linkliste mit hilfreichen Adressen zum Thema Adipositas,
  4. ein übersichtlicher Steckbrief zu AGEs oder auch
  5. eine Übersicht zu den Kurzprofilen bekannter Zucker.

Alle Übersichten lassen sich nach dem Login auch direkt als Handout ausdrucken.

Nun interessiert uns Ihre Meinung: Welches Format wünschen Sie sich häufiger? Schreiben Sie uns gern eine E-Mail an info@fet-ev.eu.


Online-Seminar: Die kontrollierte Nährstoff- und Hormontherapie auf Basis von Krank-, Schlüssel- und Gesundmachwerten nach Labor

Typ: Online-Seminar
Datum: 26.11.2025
Veranstaltet von: IMD Labor Berlin
Refererierende: Dr. Helena Orfanos-Boeckel, Dr. Volker von Baehr
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: kostenfrei
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:

In dem Webinar diskutieren Frau Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel und Dr. med. Volker von Baehr über die Bedeutung von Laborergebnissen der Nähstoff- und Hormonmedizin für den individuellen Menschen und deren optimale therapeutische Unterstützung.

  • Was sind gute oder gesunde Laborwerte? – Das Konzept der Kategorisierung von Laborwerten in Krankwerte, Schlüsselwerte und Gesundmachwerte
  • Nährstoff-Mängel und hormonelle Erschöpfung & Dysbalance, Wechseljahre
  • Labordiagnostische Zeichen von Stress, Umweltbelastung und Funktionsstörungen
  • messbare Entwicklung von Krankheitsentstehung, z.B. Zucker-/Fett-Stoffwechsel-Krankheiten, Organinsuffizienzen, chronische Entzündung, Autoimmunität, Allergien, etc. und Abschätzung des individuellen Risikos in Zukunft an den Folgen bspw. Von Osteoporose und Arteriosklerose zu erkranken
  • Bedeutung der Individuellen Biochemischen Stoffwechsel-Empfindlichkeit (IBSE)
  • wie man mit Schlüssel und Gesundmach-Nährstoff- und Hormontherapie präventiv und kurativ die funktionelle Stoffwechsel-Gesundheit gestalten und bewahren kann, lange bevor es zu schweren Krankheiten kommt