FETeV Newsletter 2025-41

24.11.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Meta-Analyse: Fettarten und Darmkrebs – können gesättigte Fettsäuren sogar schützen?

Fette stehen seit Jahrzehnten im Verdacht, das Dickdarmkrebsrisiko zu erhöhen. Besonders gesättigte Fettsäuren galten als problematisch, da sie in Fleischwaren vorkommen und diese wiederum als Risikofaktor diskutiert werden. Eine neue Meta-Analyse mit über 2,3 Millionen Teilnehmenden und mehr als 21.000 Krebsfällen zeigt jedoch ein überraschendes Bild.

Die Forschenden werteten 21 prospektive Kohortenstudien aus und untersuchten den Zusammenhang zwischen verschiedenen Fettarten (Gesamtfett, tierische und pflanzliche Fette, gesättigte, einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren) und dem Vorkommen von Dickdarmkrebs. Das Ergebnis widerspricht der gängigen Vorstellung: Weder beim Gesamtfett noch bei pflanzlichen oder tierischen Fetten zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang mit Dickdarmkrebs. Bei gesättigten Fettsäuren ergab sich sogar ein inverser Zusammenhang.

Zentrale Erkenntnisse

  • Kein genereller Zusammenhang: Gesamtfett, tierische und pflanzliche Fette sowie einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren zeigten keinen signifikanten Zusammenhang mit Dickdarmkrebs.
  • Gesättigte Fettsäuren invers assoziiert: Beim höchsten Konsum an gesättigten Fettsäuren war das Risiko für Dickdarmkrebs um etwa neun Prozent geringer als beim niedrigsten Konsum.
  • Dosis-Wirkungs-Beziehung: Der protektive Effekt trat nur bei moderaten Mengen von bis zu 40 Gramm gesättigten Fettsäuren pro Tag auf. Höhere Mengen ließen diesen Vorteil verschwinden.
  • Bestätigung früherer Kritik: Die Ergebnisse bestätigen die jahrzehntelange Kritik an der pauschalen Aussage, Fleisch und Fleischwaren würden das Risiko für Dickdarmkrebs erhöhen.

Die Meta-Analyse zeigt erneut, dass eine reduktionistische und pauschale Beurteilung einzelner Nährstoffe nicht sinnvoll ist. Es geht nicht um die isoliert betrachtete Menge einzelner Nährstoffe, sondern um die gesamte Ernährungsweise mit all ihren Interaktionen zwischen den Lebensmitteln einerseits und dem Lebensstil der Person anderseits, die sich entsprechend ernährt.


Zeitschrift/ Sonderheft: Mangelernährung (Ernährungs Umschau)

In deutschen Krankenhäusern ist jede vierte bis fünfte Person von Mangelernährung betroffen. Unerkannt und unbehandelt erhöht sich die Sterblichkeit dieser Patientinnen und Patienten um das Dreifache. Das 96-seitige Sonderheft Mangelernährung der Ernährungs Umschau benennt Ursachen, beschreibt Risikogruppen und stellt ernährungstherapeutische Maßnahmen im Detail vor.

Die zusammengestellten Beiträge wurden für die Veröffentlichung durchgesehen und teilweise aktualisiert. Das Sonderheft richtet sich an Ernährungsfachkräfte und bietet fundiertes Grundlagenwissen sowie Handlungs- und Reflexionsempfehlungen für den Berufsalltag. Es eignet sich zugleich als Nachschlagewerk in Ausbildung und Studium.

Die wichtigsten Themenschwerpunkte

  • Mangelernährung im Krankenhaus: Ernährungstherapie bei mangelernährten Patienten, Exkurs Dysphagie, DoMAP-Modell zur Entstehung von Mangelernährung im Alter, ernährungsmedizinische Komplexbehandlung nach OPS Code 8-98j, Refeeding-Syndrom bei Risikopatienten
  • Mangelernährung nach Operationen: Enhanced Recovery After Surgery (ERAS), postoperative Ernährung mit oraler, enteraler und parenteraler Therapie bei verschiedenen Indikationen
  • Mangelernährung in der Onkologie: Kommunikation zum Thema Ernährung bei Krebs, praktische Empfehlungen für die Ernährungsberatung onkologischer Patienten, Barrieren für Ernährungstherapie in der stationären Hämatologie und Onkologie, Mangelernährung und Sarkopenie bei Tumorpatienten

Als Ergänzung wurden zwei zertifizierte Fortbildungsbeiträge zur bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) aus der Ernährungs Umschau 8/2019 für alle Leserinnen und Leser freigeschaltet. Das Sonderheft ist ab sofort zum Einführungspreis von 16,90 Euro im Online-Shop der Ernährungs Umschau erhältlich.


Fakten statt Mythen: Nahrungsergänzungsmittel und Phytozeutika bei psychischen Störungen

Die World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) und die Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments (CANMAT) haben 2022 evidenzbasierte Leitlinien für den Einsatz von Nutri- und Phytozeutika bei psychischen Erkrankungen veröffentlicht. Die Substanzen sind primär als Ergänzung zur Standardbehandlung anzusehen.

Zentrale Erkenntnisse für die Beratungspraxis

  • Depression – adjunktive Therapie: Omega-3-Fettsäuren (1-2 g täglich) empfohlen. Vorläufig empfohlen: Zink (25 mg täglich), Probiotika (1-10 Milliarden Einheiten täglich), Methylfolat (15 mg täglich). Schwach empfohlen: Vitamin D (1.500-4.000 IE täglich).
  • Depression – pflanzliche Monotherapie: Johanniskraut (600-1.800 mg täglich) empfohlen bei leichter bis mittelschwerer Depression. Vorsicht wegen Wechselwirkungen. Vorläufig empfohlen: Kurkuma (500-1.000 mg täglich) und Safran (30 mg täglich).
  • Schizophrenie – adjunktive Therapie: Vorläufig empfohlen: N-Acetylcystein (1-3 g täglich) und Methylfolat (1-15 mg täglich, insbesondere bei Negativsymptomen). Schwach empfohlen: Ginkgo (120-360 mg täglich).
  • Angststörungen: Vorläufig empfohlen als Mono- oder adjunktive Therapie: Ashwagandha (300-600 mg täglich) und Lavendel (80-160 mg ätherisches Öl täglich).
  • Zwangsstörungen: N-Acetylcystein (2-3 g täglich) schwach empfohlen als adjunktive Therapie.
  • Nicht empfohlen: Vitamin C, Magnesium, Folsäure, Inositol, Kreatin, Tryptophan. Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D bei Schizophrenie nicht empfohlen.

Die Evidenzlage ermöglicht differenzierte Empfehlungen, jedoch sind weitere Langzeitstudien notwendig. In der Beratung geht es primär darum, einen Überblick über die aktuelle Empfehlungslage zu haben, um evidenzbasiert für oder gegen bestimmte Produkte argumentieren zu können. Die Verordnung der Substanzen selbst sollte durch den behandelnden medizinischen Therapeuten erfolgen.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen auf der Website

Ernährungsempfehlungen bei Long-COVID-assoziierter Dysautonomie: Das Handout beschreibt 15 Ernährungsoptionen zur Unterstützung von Regulationsmechanismen und zur Abmilderung von Symptomen.

Pro und Kontra zur Verwendung von Süßstoffen zur Gewichtsregulation: Die übersichtliche Ausarbeitung beleuchtet 10 Aspekte auf ihr Für und Wider und versucht sich an personalisierbaren Kompromissempfehlungen.


Online-Seminar: Abnehmen mit Fett – Wie fettreiche Lebensmittel auf unseren Stoffwechsel wirken

Veranstaltungstyp: Online-Seminar
Datum: 14.01.2026, 18:00–19:00 Uhr
Veranstaltet von: NORSAN
Referierende: Dr. Christina Steinbach
Kosten / Rabatt für Mitglieder: kostenfrei
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Der verbreitete Mythos, dass Fettreduktion automatisch zur Gewichtsabnahme führt, hält sich hartnäckig. Gleichzeitig zeigt die Forschung zunehmend differenzierte Zusammenhänge zwischen Fettsäuremustern, Stoffwechselprozessen und Körpergewicht. Im Online-Seminar erläutert Dr. Christina Steinbach, wie Lebensmittel mit unterschiedlichen Fettqualitäten – etwa aus Fisch, Avocado, Nüssen oder Eiern – den Stoffwechsel beeinflussen und wie eine gezielte Auswahl die Fettverbrennung unterstützen kann. Sie verbindet ernährungswissenschaftliche Grundlagen mit ihrer langjährigen Beratungserfahrung und gibt praxisnahe Empfehlungen für den Einsatz fettreicher Lebensmittel im Rahmen einer nachhaltigen Gewichtsregulation.