FETeV Newsletter 2025-42

01.12.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Pflanzliche Proteinhydrolysate beeinflussen Sättigungsgefühl unterschiedlich

Proteinhydrolysate aus pflanzlichen Quellen werden in der Lebensmittelentwicklung immer wichtiger. Sie entstehen, wenn Proteine in kleinere Bausteine zerlegt werden und schmecken häufig bitter. Genau diese Bitterstoffe sowie der Grad der Aufspaltung könnten das Sättigungsgefühl beeinflussen.

Eine neue Untersuchung zeigt: Zwei unterschiedlich hergestellte Erbsenproteinhydrolysate wirken über zwei verschiedene Mechanismen auf die Sättigung.

  • Ergebnis 1: Das bitterere und weniger stark aufgespaltene Hydrolysat machte schneller satt. Es verzögerte die Magenentleerung und führte dazu, dass die Teilnehmenden beim nächsten Essen deutlich weniger Energie aufnahmen.
  • Ergebnis 2: Das stärker aufgespaltene, mildere Hydrolysat beeinflusste hormonelle Signale im Körper. Es senkte Hungerhormone und verlängerte die Wirkung von Sättigungshormonen, ohne die direkte Energieaufnahme zu verringern. Vermutlich unterstützt es ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl zwischen den Mahlzeiten.

Unterschiedliche pflanzliche Proteinhydrolysate können also auf ganz verschiedenen Wegen zur Sättigung beitragen, entweder schnell über den Magen oder zeitverzögert über hormonelle Mechanismen. Diese Erkenntnisse bieten neue Ansatzpunkte für die Entwicklung funktioneller Lebensmittel, die bei der Gewichtsregulation unterstützen können.

Kommentar der FETeV-Redaktion: Fraglich bleibt, ob Lebensmittelhersteller ein Interesse an der Erzeugung derartiger Lebensmittel zeigen. Ihnen wird eher nachgesagt, dass sie Lebensmittel produzieren, die den Appetit steigern und von denen man mehr und nicht weniger konsumieren möchte.


Toolbox: Ernährungsmanagement mit clinicalnutrition.science

Clinicalnutrition.science ist eine unabhängige Plattform für ein strukturiertes, evidenzbasiertes Ernährungsmanagement. Sie überträgt Ergebnisse großer klinischer Studien in praxistaugliche, digitale Werkzeuge. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse im Ernährungsmanagement klarer, schneller und nachvollziehbarer zu machen. Die Website bündelt unterschiedliche Funktionen in einer zentralen Toolbox und unterstützt so den Transfer von Wissen in den Versorgungsalltag.

Verfügbare Tools im Überblick

  • NutriScreen: Screening Werkzeuge zur Erkennung von Mangelernährung
  • NutriCalc: Berechnung von Energie und Proteinbedarf
  • NutriGo: Praxisnahe Empfehlungen für verschiedene klinische Situationen
  • NutriPro: Datenbank für Trinknahrung sowie enterale und parenterale Produkte
  • NutriPlate: Digitales Tellermodell zur Visualisierung ausgewogener Mahlzeiten
  • NutriRisk: Darstellung von Ursachen, Folgen und Risikoreduktion bei Mangelernährung
  • NutriBib: Literaturübersicht mit Abstracts und Verlinkungen

Für die Beratung entsteht damit ein klar strukturierter Werkzeugkasten, der Orientierung bietet und Arbeitsprozesse vereinfacht. Die Tools ergänzen fachliches Wissen durch visuelle, rechnerische und strukturierende Elemente. Inhalte werden schneller zugänglich, Entscheidungen transparenter. Das Ergebnis ist eine praxistaugliche Unterstützung für eine systematische und qualitativ hochwertige ernährungstherapeutische Arbeit.


Ernährungsinterventionen: Die 5 Ebenen

Essverhalten ist mehr als eine reine Nahrungsaufnahme. Es entsteht im Zusammenspiel von Wissen, Alltag, Emotionen und Lebenserfahrungen. Viele Ansätze greifen zu kurz, wenn sie sich nur auf Empfehlungen konzentrieren. Nachhaltige Veränderung braucht Struktur, Verständnis und eine klare Einordnung der Einflussfaktoren. Genau hier setzen Modelle an, die Verhalten nicht vereinfachen, sondern systematisch sichtbar machen.

Ein praxisnahes Strukturmodell unterscheidet fünf Ebenen, auf denen Veränderung ansetzen kann. Diese Ebenen spiegeln wider, wo Unterstützung sinnvoll ist und warum ähnliche Empfehlungen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken. Die Ebenen reichen von sachlicher Informationsvermittlung bis hin zu tief verankerten persönlichen Prägungen. Dadurch entsteht ein klarer Rahmen, der Komplexität reduziert und gleichzeitig der Realität menschlichen Verhaltens gerecht wird.

Die fünf Ebenen der beraterischen Intervention

  1. Wissen, Edukation, Integration und Umsetzung: Hier geht es darum, Wissenslücken zu schließen und Orientierung zu geben. Inhalte werden nicht nur erklärt, sondern mit Alltag, sozialem Umfeld und Selbstbild verknüpft. Durch konkrete Absprachen und ressourcenorientierte Planung wird Selbstwirksamkeit gestärkt. Diese Ebene ist unverzichtbar, reicht allein aber meist nicht aus.
  2. Kompetenzen: Auf dieser Ebene werden konkrete Fertigkeiten aufgebaut, die im Alltag handlungsfähig machen. Dazu gehören Planen von Mahlzeiten, Einkaufen, Zubereiten und Strukturieren von Essensabläufen. Auch spezielle Anforderungen wie Texturmodifikation oder unterstützte Nahrungsaufnahme können hier relevant sein. Ziel ist praktische Sicherheit im täglichen Umgang mit Ernährung.
  3. Gewohnheiten (Muster): Hier stehen eingeübte Routinen im Fokus. Es wird analysiert, ob Verhalten automatisierte Muster sind oder eine psychische Funktion erfüllen. Typisch ist die Arbeit mit Selbstbeobachtung, Auslösern, Reizkontrolle und Rückfallprophylaxe. Ziel ist, alte Muster bewusst zu machen und schrittweise durch tragfähige Alternativen zu ersetzen, ohne die Person zu entwerten.
  4. Emotionen und Bedürfnisse: Diese Ebene betrachtet Essen als möglichen Umgang mit Gefühlen oder innerer Leere. Emotionen werden wahrnehmbar gemacht und mit dem Essverhalten in Verbindung gebracht. Es geht um Emotionsregulation, Stressbewältigung und das Erkennen unerfüllter Bedürfnisse. Relevant wird diese Ebene vor allem, wenn Veränderungen auf Gewohnheitsebene nicht greifen.
  5. Persönlichkeit und Prägungen: Hier werden tief verankerte Lebenserfahrungen, Werte und unbewusste Motive sichtbar. Diese Ebene wird wichtig, wenn Wille und Handlung dauerhaft nicht zusammenpassen. Die Beratung schafft einen sicheren Rahmen für Selbstkonfrontation und neue Erfahrungen. Die Grenzen zur Psychotherapie sind hier fließend, weshalb Fachkompetenz und Rollenbewusstsein besonders wichtig sind.

Für die praktische Beratung bedeutet dieses Modell mehr Klarheit im Vorgehen. Es hilft, Interventionen gezielt auszuwählen und nicht vorschnell auf reine Wissensvermittlung zu setzen. Schwierigkeiten lassen sich besser einordnen, Rückschritte realistischer bewerten. Die Ebenen bieten damit eine fachliche Orientierung, ohne die Individualität eines Menschen zu verlieren.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen auf der Website

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Plattform hin.

Diabetes mellitus Typ 2 – Personalisierte Therapieempfehlungen ableiten: Das Handout umfasst Handlungsoptionen zur Stabilisierung des Blutzuckers in den 4 Kategorien Beratungslogik, Nährstofffokus, Auswahl von Lebensmitteln sowie Alltag und Werkzeug.

Wiederkehrende Blasenentzündung: Das Kurzportrait beschreibt Definition, Ursachen, Entstehung, Symptome, Diagnostik und elementare Behandlungsmöglichkeiten.

Infografik zur Entstehung der Insulinresistenz: Das Miniposter stellt die verschiedenen Stufen einer entstehenden Insulinresistenz dar.

Wünschen Sie mehr Infografiken in diesem Stil? Dann lassen Sie es uns mit einem Klick auf den folgenden Button gern wissen.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Ernährung und Training – so geht Muskelaufbau

Veranstaltungstyp: Online-Seminar
Datum: 16.01.2026
Veranstaltet von: essakademie – essteam
Referierende: Dr. Georg Abel
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 Prozent auf 159 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Das Seminar zeigt, wie Ernährung und Training zusammenwirken, um Muskelmasse effektiv aufzubauen und zu erhalten. Im Fokus stehen die Wechselwirkungen zwischen Körperzusammensetzung, muskulärer Regeneration und der Muskelproteinsynthese als zentralem Mechanismus für Anpassung und Wachstum. Teilnehmende erhalten einen Überblick über relevante Einflussfaktoren, altersbedingte Veränderungen und die praktische Kombination aus Trainingsreizen und gezielter Ernährung. Der Vortrag richtet sich an Fachkräfte und Interessierte, die wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Empfehlungen für unterschiedliche Zielgruppen suchen.