FETeV Newsletter 2026-1

05.01.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Urolithin A aus Granatäpfeln zur Immunmodulation

Die Alterung des Immunsystems führt zu einem Rückgang anpassungsfähiger T-Zellen und einer Zunahme chronisch aktivierter Immunzellen. Dieser als Immunalterung bezeichnete Prozess erhöht die Infektanfälligkeit und fördert chronische Entzündungen. Eine aktuelle Phase-1-Studie der Universitätsmedizin Frankfurt zeigt nun, dass Urolithin A, eine Substanz aus Granatäpfeln, diese Prozesse messbar beeinflussen kann.

In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung erhielten 50 gesunde Erwachsene zwischen 45 und 70 Jahren vier Wochen lang täglich 1.000 mg Urolithin A oder Placebo. Urolithin A induziert die Mitophagie, also den gezielten Abbau beschädigter Mitochondrien, und fördert deren Erneuerung in der Zelle. Die Substanz entsteht beim Abbau von Ellagitanninen aus Granatäpfeln durch Darmbakterien.

Die Forschungsgruppe untersucht bereits in einer Folgestudie, ob sich diese Effekte bei Krebspatientinnen und -patienten unter Immuntherapie reproduzieren lassen. Die Ergebnisse könnten künftig neue Ansätze zur Unterstützung der Immunfunktion im Alter und bei immungeschwächten Personen eröffnen. Ob eine ernährungsbasierte Zufuhr über Granatäpfel oder granatapfelreiche Kost vergleichbare Wirkungen erzielt, ist noch nicht geklärt, da die Umwandlungsrate durch Darmbakterien individuell stark variiert.


Rechtsnormen: Das ändert sich 2026 in Sachen Ernährung

Ab 2026 greifen mehrere neue Regeln, die Ernährung unmittelbar betreffen. Ziel ist mehr Transparenz, ein besserer gesundheitlicher Schutz und klarere Qualitätsstandards. Betroffen sind vor allem Lebensmittelkennzeichnung, Nahrungsergänzungsmittel und die Gastronomie. Die Änderungen sind politisch beschlossen und teilweise mit Übergangsfristen versehen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wird es dadurch einfacher, Produkte einzuordnen und bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Verbot bestimmter Stoffe in Verpackungen: Bestimmte chemische Stoffe dürfen künftig kaum noch in Lebensmittelverpackungen verwendet werden (z.B. Bisphenole, Innenlacke von Dosen).
  • Verbindliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel: Einheitliche Obergrenzen für Vitamine, Mineralstoffe und einige Pflanzenstoffe sollen Überdosierungen verhindern.
  • Mehr Klarheit bei Honig: Die Herkunftsländer müssen künftig eindeutig und nach Mengenanteil angegeben werden.
  • Neue Regeln für Marmelade: Höhere Fruchtanteile und eine einheitlichere Produktbezeichnung sorgen für bessere Vergleichbarkeit.
  • Steuersatz in der Gastronomie: Speisen bleiben dauerhaft niedriger besteuert, Getränke sind ausgenommen.

In Summe stärken die Neuerungen Transparenz und Verbraucherschutz im Ernährungsbereich. Sie reduzieren Spielräume bei Kennzeichnung und Zusammensetzung, ohne das Angebot grundlegend zu verändern.

Datensatz: Bundeslebensmittelschlüssel 4.0 jetzt frei zugänglich

Der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0 ist ab sofort kostenfrei verfügbar. Die bislang lizenzpflichtige Nährwertdatenbank des Max-Rubner-Institut umfasst 7.140 Lebensmittel und Gerichte. Neu aufgenommen wurden unter anderem Pflanzendrinks, Quinoa und Buchweizen. Pro Lebensmittel sind bis zu 138 Nährstoffe hinterlegt, inklusive neuer Vitaminformen.

Mit dem freien Zugang verfolgt das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat das Ziel, Transparenz und Open Science zu stärken. Die Datenbasis soll uneingeschränkt nutzbar sein: für Forschung, Ernährungsberatung, Behörden und Wirtschaft. Gleichzeitig erleichtert der offene Zugang den fachlichen Austausch und die langfristige Qualitätssicherung.


Best Practices: Ernährungsempfehlungen bei Hypertonie

Lebensstilinterventionen sind über alle Stadien der arteriellen Hypertonie hinweg empfohlen. Ernährungsanpassungen können dabei eine messbare Blutdrucksenkung erreichen und in einigen Fällen sogar eine medikamentöse Therapie hinauszögern oder die Medikamentendosis reduzieren. Die aktuellen Leitlinien der European Society of Hypertension (ESH 2023) sprechen klare Empfehlungen aus, die auf großen Interventionsstudien basieren.

Das DASH-Ernährungskonzept (Dietary Approaches to Stop Hypertension) hat in kontrollierten Studien bei hypertensiven Patientinnen und Patienten eine Blutdrucksenkung von bis zu 11,4/5,5 mm Hg erzielt. Die Kombination aus gesteigertem Obst- und Gemüsekonsum mit reduziertem Fettanteil zeigte dabei die stärksten Effekte. Auch eine vegetarische Lakto-Ovo-Diät konnte in Metaanalysen eine systolische Blutdrucksenkung von 5,5 mm Hg erreichen.

Neben der grundlegenden Ernährungsumstellung haben spezifische Anpassungen zusätzliche Wirkung gezeigt. Die Kochsalzreduktion auf unter 5 g pro Tag senkt den Blutdruck dosisabhängig, wobei der Effekt bei höherem Ausgangsblutdruck stärker ausfällt. Der Ersatz von natriumhaltigem Salz durch kaliumangereichertes Salz erreichte in einer großen chinesischen Studie mit über 20.000 Teilnehmenden eine signifikante Reduktion kardiovaskulärer Events. Auch die Reduktion des Alkoholkonsums zeigt selbst bei moderatem Ausgangskonsum positive Effekte auf den Blutdruck.

Praktische Ernährungsempfehlungen bei arterieller Hypertonie:

  • Pflanzenbasiert essen: DASH-Ernährungskonzept mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen sowie fettarmen Proteinquellen wie Fisch; bei konsequenter Umsetzung systolische Blutdrucksenkung bis 11 mm Hg möglich.
  • Kochsalz reduzieren: Ziel unter 5 g Natriumchlorid pro Tag; Fertigprodukte und hoch verarbeitete Lebensmittel meiden; beim Kochen und am Tisch weniger salzen; jeder Reduktionsschritt senkt den Blutdruck dosisabhängig.
  • Kaliumsalz einsetzen: Ersatz von natriumhaltigem durch kaliumangereichertes Salz (nur bei normaler Nierenfunktion und unter Beachtung von RAAS-Inhibitoren oder kaliumsparenden Diuretika); doppelter Effekt durch Natriumreduktion und Kaliumsteigerung.
  • Ballaststoffreich kosten: Zielwerte 28 g pro Tag für Frauen, 38 g für Männer; fermentierbare Ballaststoffe werden im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt, die immunmodulierend und blutdrucksenkend wirken.
  • Alkohol reduzieren: Auch bei moderatem Konsum zeigt weitere Reduktion positive Effekte; europäische Leitlinie empfiehlt unter 100 g Alkohol pro Woche (etwa eine 0,33-l-Flasche Bier pro Tag).
  • Verarbeitungsgrad beachten: Hoch verarbeitete Lebensmittel mit süßem Geschmack, weicher Konsistenz und geringem Sättigungsgefühl meiden; linearer Zusammenhang zwischen Menge und Hypertonie-Risiko.
  • Magnesium einbauen: Magnesiumreiche Kost aus Nüssen, Hülsenfrüchten, Vollkorn und grünem Gemüse; wirkt über Inhibition der Vasokonstriktion und Reduktion von oxidativem Stress leicht blutdrucksenkend.
  • Professionell begleiten lassen: Ernährungsberatung verbessert laut Metaanalysen nicht nur Blutdruck und Gewicht, sondern auch die Medikamentenadhärenz; Kostenzuschuss durch Krankenkassen meist vorhanden.

Richtig umgesetzt können Ernährungsmaßnahmen bei arterieller Hypertonie eine relevante Blutdrucksenkung erreichen. Sie ersetzen keine notwendige medikamentöse Therapie, stellen aber einen wichtigen Baustein dar. Patientinnen und Patienten sollten aktiv über den Effekt aufgeklärt und bei der Umsetzung unterstützt werden.


Allen, die hier kurz stoppen, um diese kleine Geschichte zu lesen, wünsche ich im Namen des FET viel Kraft, Energie, Tatendrang, gute Laune und vor allem Gesundheit fürs neue Jahr. Ein großes Dankeschön geht hier im Namen des Vorstands an Irina Baumbach, die als Motor und gleichzeitig Herz und Seele der Organisation auch im vergangenen Jahr ihre ganze Kraft und Leidenschaft in die Arbeit für den FET gesteckt hat. Vielen Dank für alles, liebe Irina!

Dr. Friedhelm Mühleib

Warum wir im neuen Jahr mehr Gesundheit brauchen

Wie geht’s eigentlich der Gesundheit zum Start des neuen Jahres? Kurz gesagt: Es geht ihr gar nicht gut! Das bestätigt ein kurzer Blick auf die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung: „Arbeitnehmer fehlen in der Bundesrepublik pro Jahr im Schnitt fast 21 Tage wegen Krankheit.“ (Quelle) – so eine der ersten Schlagzeilen, die ich nach knapp einer Woche feiertäglichen News-Fastens wahrnehme. Während im Netz und insbesondere auf Social Media alle von Longevity reden, sind im realen Leben scheinbar immer mehr Menschen immer öfter krank.

Die Wirtschaft weint. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verursachten Fehltage im Jahr 2024 Produktionsausfälle von insgesamt 134 Milliarden Euro. Nach Ansicht der Arbeitgeber wäre eine grundlegende Reform der Lohnfortzahlung – gemeint ist mit ‚Reform‘ eigentlich Abschaffung – die beste Medizin. „Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen“, kommentiert Rainer Dulger, Präsident des BDA (Bundesverband Deutscher Arbeitgeberverbände) die Lage und fordert von der Politik entschlossene Maßnahmen, u.a. das Ende der telefonischen Krankschreibung.

Vielleicht müssen die Zügel tatsächlich gestrafft werden, um Vollkaskomentalität und Missbrauch der Regelung zu stoppen. Geht es nach dem Wunschzettel der Arbeitgeber, sollen Verbote und Einschränkungen die Lage ändern. „Druck“ geht zwar immer, führt aber nur selten wirklich zum gewünschten Ergebnis. Kooperationsbereitschaft und Sympathie schafft man auf diesem Weg nicht. Dabei gäbe es durchaus konstruktive Ansätze. Wie wäre es mit einem Blick auf präventive Angebote im Arbeitsalltag, zum Beispiel durch Ausbau und Förderung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF)?

Hier kämen natürlich auch Ernährungsfachkräfte mit ihren Angeboten ins Spiel. Die könnten – um nur einige Beispiele zu nennen – von Maßnahmen der Adipositas- und Diabetesprävention über das große Thema Ernährung und Bewegung reichen bis hin zu niederschwelligen Angeboten im Rahmen von Gesundheitsaktionen und der Gestaltung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen im betrieblichen Ernährungsalltag, z.B. bei Snacks, Getränken, Pausengestaltung und in der Kantine. Das alles könnte es  geben: Grundlage dafür hat die letzte Novellierung des Präventionsgesetzes vor ziemlich genau zehn Jahren im Juli 2015 geschaffen. Die vielen Hoffnungen, die damit verbunden waren, sind zum großen Teil wie Seifenblasen zerplatzt.

Zehn Jahre nach dieser Novellierung könnten wir wesentlich weiter sein: mit gesünderen Arbeitswelten, resilienteren Beschäftigten und messbar weniger Ausfällen. Stattdessen diskutieren wir über Kürzungen, Kontrolle und Druck. Das ist nicht nur kurzsichtig, es ist fahrlässig. Wer heute Gesundheit spart, zahlt morgen doppelt – in Produktivitätsverlusten, Fachkräftemangel und wachsender Erschöpfung.

Die Hauptverantwortlichen dafür sind die Arbeitgeber, aber sie sind es eben nicht alleine. Die Interessenvertretungen der Ernährungsfachkräfte haben die Novellierung damals mit Trompeten und Fanfaren und vielen spekulativen Hoffnungen begrüßt. Nach dieser Begrüßung kam nicht mehr viel aus ihrer Richtung. Eine Handvoll Kolleg*innen hat es tatsächlich mit professionellem Auftreten, Profilbildung und Netzwerkbildung geschafft, sich einen festen Platz in Geschäftsfeld Prävention zu sichern. Leider allerdings viel zu wenige.

Das neue Jahr könnte angesichts der aktuellen Diskussion nochmals eine Chance bieten, Ideen, Angebote und Geld in das Thema zu investieren. Das wäre eine Investition, die sich natürlich nicht sofort in den Statistiken zeigt, dafür langfristig in mehr Stabilität, weniger Ausfällen und mehr sowie besserer Gesundheit.

Aber: Könnte, wäre, Preiselbeere!  Auf mich hört ja leider keiner!

Dr. Friedhelm Mühleib


Vortrag: Scheinfasten – die Wissenschaft hinter dem Fasten mit Essen

Veranstaltungstyp: Vortrag
Datum: 27.01.2026
Kooperation: essakademie, essteam
Referierende: Franca Mangiameli
Kosten: kostenfrei
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Fasten gilt seit Jahrhunderten als wirkungsvolle Strategie zur Gesundheitsförderung, scheitert jedoch häufig an der Alltagstauglichkeit. Das Scheinfasten setzt genau hier an und kombiniert Fastenmechanismen mit dem Verzehr ausgewählter Lebensmittel.

Das Konzept wurde vom Altersforscher Valter Longo an der University of Southern California entwickelt und umfassend wissenschaftlich untersucht. In Deutschland wurde die fastenimitierende Diät unter anderem durch das Buch Five days only – die Revolution des Fastens bekannt.

Im Fokus steht ein zeitlich begrenztes, kalorienreduziertes Ernährungsprogramm über fünf Tage mit anschließendem Re-Feeding-Tag. Durch gezielte Reduktion von Energie, Eiweiß und bestimmten Aminosäuren wird ein Fastenzustand simuliert, ohne vollständigen Nahrungsverzicht. Ziel ist die Aktivierung zentraler Fastenprozesse wie Autophagie, Zellreinigung und metabolische Anpassung.