FETeV Newsletter 2026-10

09.03.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Fachbeitrag: Zusammenhang zwischen Milch und Parkinson – Evidenz, Erklärungsansätze, Einordnung

Der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milchprodukten und einem erhöhten Parkinson-Risiko wurde in mehreren großen prospektiven Kohortenstudien wiederholt beobachtet. In den ausgewerteten Datensätzen zeigte sich bei Personen mit dem höchsten Milchkonsum im Vergleich zu Personen mit dem niedrigsten Konsum ein ungefähr 50 % höheres Erkrankungsrisiko. In der Interpretation ist wichtig, dass es sich dabei um beobachtende Studiendesigns handelt, die Zusammenhänge offenlegen, jedoch keine Kausalität beweisen.

Der Fachbeitrag diskutiert daher zwei plausible mechanistische Erklärungsansätze. Erstens wird eine mögliche Rolle von Pestizidrückständen (Heptachlor-Epoxid) beschrieben. In Autopsiestudien wurden Rückstände häufiger in Gehirnen von Personen mit hohem Milchkonsum gefunden. Dies wird als Hypothese herangezogen, um neurotoxische Effekte als potenziellen Vermittlungsweg zu erklären. Zweitens wird Galaktose als möglicher Faktor diskutiert. Galaktose entsteht beim Abbau von Laktose und wird in experimentellen Modellen genutzt, um Alterungsprozesse im Gehirn zu simulieren. Der Beitrag argumentiert, dass relevante Aufnahmemengen über den regelmäßigen Milchkonsum erreicht werden könnten und dopaminerge Neuronen aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber oxidativem Stress potenziell vulnerabler sind.

Für die Beratungspraxis ergibt sich daraus vor allem ein Einordnungsbedarf: Der beobachtete Zusammenhang ist wiederholt beschrieben, die kausale Erklärung bleibt jedoch unsicher. Bei Personen mit hohem Milchkonsum und gleichzeitigem Interesse an neuroprotektiver Prävention kann eine kritische Reflexion der Milchproduktmenge sinnvoll sein. Parallel bleibt der Ansatz, insgesamt evidenzbasierte Ernährungsmuster (pflanzenbetont, nährstoffreich, wenig ultraverarbeitet) in den Vordergrund zu stellen.


Leitlinie: Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung

Mit der S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ liegt eine aktualisierte, evidenzbasierte Orientierung zur Stillberatung und Stillförderung in Deutschland vor. Hintergrund ist unter anderem, dass die nationale Empfehlung zur Dauer des ausschließlichen Stillens von der WHO-Empfehlung abweicht und die Evidenzlage hierzu wiederholt diskutiert wurde.

Die S3-Leitlinie empfiehlt für reifgeborene Säuglinge Vollstillen bis zum vollendeten 6. Lebensmonat sowie eine Gesamtstilldauer von mindestens 12 Monaten. Fachlich wird die Empfehlung kontrovers diskutiert. Der BVKJ kritisiert unter anderem die aus seiner Sicht unzureichende Evidenzbasis für eine so klare Neuausrichtung und verweist auf ein alternatives Vorgehen in Anlehnung an die Allergieprävention (Kinder- und Jugendärzte im Netz). Weitere Kritikpunkte betreffen den Beikostzeitpunkt im Verhältnis zur Allergieprävention sowie mögliche praktische Risiken wie Nährstofflücken bei verzögert relevanter Beikostmenge und psychosozialer Druck auf Familien (Apotheken Umschau).

Für Ernährungsfachkräfte ist damit vor allem entscheidend, die Leitlinie als Beratungsrahmen zu nutzen und gleichzeitig Beikostreife, Allergieprävention und Nährstoffversorgung (z. B. Eisen, Jod, Vitamin B12) früh mitzudenken. Ein Überblick zur Leitlinie und den Sondervoten findet sich auch im Deutschen Ärzteblatt.


Cave: Nahrungsergänzung bei Typ-2-Diabetes nur gezielt und nach Status

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes interessieren sich für Nahrungsergänzungsmittel. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt jedoch, den Nährstoffbedarf grundsätzlich über eine ausgewogene Ernährung zu decken. Eine Routine-Supplementation mit Mikronährstoffen wird nicht empfohlen. Evidenzbasierte Ausnahmen betreffen vor allem Vitamin D und Vitamin B12, die in aktuellen Empfehlungen explizit berücksichtigt werden.

Im Praxisalltag ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge: Zuerst Ernährungsqualität und mögliche Risikofaktoren prüfen, anschließend gezielt Laborwerte und Medikation berücksichtigen. Besonders relevant ist Vitamin B12 bei der Langzeittherapie mit Metformin, da Metformin die intestinale Resorption hemmen kann und ein relevanter Anteil der Langzeitanwendenden einen Mangel entwickelt. Empfohlen wird eine Serum-B12-Kontrolle in mehrjährigen Abständen, bei Symptomen oder in höherem Alter auch früher.

Kernpunkte für die Beratungspraxis

  • Keine Routine-Supplementation: Mikronährstoffe nur bei Indikation und nach Status.
  • Vitamin D: Bei Mangel kann eine Korrektur metabolisch relevant sein. Niedrige bis mittlere Dosierungen wurden in Studien mit Effekten auf Stoffwechselparameter diskutiert.
  • Vitamin B12 bei Metformin: Langzeit-Metformin als typischer Risikofaktor, Monitoring und bedarfsorientierte Substitution einplanen.
  • Selen: Ergänzung nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. Eine Überversorgung kann ungünstig sein.

Supplemente werden als therapeutisches Instrument verstanden, nicht als Standard. Entscheidungsgrundlage bleiben Ernährungsanalyse, klinischer Kontext (Medikation, Symptome) und laborbasierte Statusbestimmung, um Unterversorgung zu behandeln sowie eine Überversorgung zu vermeiden. Das schließt auch die umfassende Aufklärung der Patienten mit ein.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

ADHS – 15 Ernährungsoptionen: Ernährungsinterventionen sind bei ADHS in der Regel adjuvant zu Psychoedukation, Verhaltenstherapie und ggf. Pharmakotherapie. Die Effekte sind insgesamt eher klein bis moderat und oft auf Subgruppen (z. B. Mangelstatus, Zusatzstoff-Sensitivität, Responder auf Eliminationsdiät) beschränkt. Mögliche Optionen sind mediterrane Ernährung, Mahlzeitenstruktur zur Blutzuckerregulation oder gezielte Ergänzungen bei Nährstoffmängeln.

Ballaststoffe – Folienset: Das Folienset beinhaltet Powerpoint-Folien mit leicht verständlichen Aspekten zu Ballaststoffen in der täglichen Ernährung. Geeignet für die Beratung mit dem Patienten/ Klienten.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Expedition durch den Dschungel der Allergologie: Grundlagen, Diagnostik und Therapie primärer und sekundärer Nahrungsmittelallergien

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 26.–27.03.2026
Veranstaltet von: essakademie – essteam
Referierende: Dr. Anja Waßmann-Otto
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 250 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Viele Menschen vermuten, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Der Anteil diagnostisch gesicherter Nahrungsmittelallergien ist jedoch deutlich geringer. Bereits in der Anamnese eine erste Differenzierung zwischen allergischen und nicht-allergischen Ursachen von Beschwerden und Symptomen vorzunehmen, ist daher entscheidend für den weiteren Verlauf der Ernährungstherapie. Dazu sind fundierte Kenntnisse über allergische Reaktionen, typische Symptomkomplexe, mögliche Auslöser sowie eine valide Diagnostik erforderlich.

Ziel der allergologischen Ernährungstherapie ist es, individuelle Karenzempfehlungen zu entwickeln und gleichzeitig eine adäquate Nährstoffversorgung sowie Lebensqualität sicherzustellen. Pauschale Karenzempfehlungen haben auch in der Allergologie keinen Platz mehr.