FETeV Newsletter 2026-11

16.03.2026

|

Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Fachartikel: Wie Fruktose den Nieren schadet

Ein hoher Zuckerkonsum kann die Nieren langfristig belasten und das Risiko für eine chronische Nierenkrankheit erhöhen. Besonders relevant ist dabei Fruktose (Fruchtzucker), die industriell zugesetzt wird, zum Beispiel in Softdrinks, Energydrinks, Säften und zahlreichen Fertigprodukten. In Situationen mit Hitze und Flüssigkeitsmangel kann die Belastung zusätzlich zunehmen.

Fruktose wird nicht wie Glukose verstoffwechselt, sondern überwiegend in Leber und Nieren abgebaut. Ein hoher Konsum fördert Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz, die wiederum zentrale Treiber für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes sind. Zudem kann Fruktose den Harnsäurespiegel erhöhen und entzündliche Prozesse begünstigen. Aus medizinischer Sicht sind mehrere Mechanismen beschrieben, über die Fruktose die Nieren schädigen kann.

  • Harnsäureproduktion: Der Abbau von Fruktose lässt die Harnsäurebildung ansteigen. Ein chronisch erhöhter Harnsäurespiegel gilt als Risikofaktor für Nierenschäden, Nierensteine oder auch Entzündungen.
  • Entzündung und Fibrose: Langfristig hohe Fruchtzuckermengen können entzündliche Prozesse fördern und eine Verhärtung des Nierengewebes (Fibrose) begünstigen.
  • Hoher Energieverbrauch in der Niere: Der Fruktoseabbau verbraucht viel ATP (zelluläre Energie). Der Energiemangel kann oxidativen Stress, Endotheldysfunktion und eine ungünstige Gefäßregulation fördern.
  • Indirekte Stoffwechseleffekte: Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber können die Nierenfunktion zusätzlich verschlechtern.

Für die Ernährungstherapie ist die Differenzierung wesentlich. Problematisch ist vor allem zugesetzter Fruchtzucker in hochverarbeiteten Lebensmitteln und Getränken, nicht etwa Fruktose aus frischem Obst. Präventiv relevant sind die Reduktion zuckerhaltiger Getränke, das Prüfen von Zutatenlisten auf Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup sowie Maßnahmen zur Normalisierung des Körpergewichts.


Sachbuch: Das große Kochbuch für die Leber

Die steatotische Lebererkrankung (SLD, früher Fettleber) ist in Deutschland sehr häufig. Ernährung gilt als ein zentraler beeinflussbarer Faktor, sowohl zur Prävention als auch zur Therapieunterstützung. Das Sachbuch „Das große Kochbuch für die Leber“ der Deutschen Leberstiftung liegt nun in einer aktualisierten zweiten Auflage vor und verbindet medizinische Grundlagen mit konkreter Küchenpraxis.

Der Ratgeberteil erklärt Aufbau und Funktionen der Leber sowie wichtige Laborwerte, die bei der Diagnostik eine Rolle spielen. Im Anschluss werden die Grundlagen der lebergesunden Ernährung systematisch dargestellt, inklusive der Rolle von Makro- und Mikronährstoffen, Ballaststoffen sowie Probiotika. Ein Schwerpunkt liegt auf der Einordnung verschiedener Lebererkrankungen und ihrer ernährungstherapeutischen Relevanz, darunter SLD, Leberzirrhose, Hämochromatose oder Morbus Wilson. Auch cholestatische Erkrankungen wie die Primär Biliäre Cholangitis (PBC) und die Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC) werden mit Blick auf die Ernährung erläutert.

Der Praxisteil umfasst 122 Rezepte mit Nährwertangaben, ergänzt durch Küchentipps, Menüpläne sowie ein Rezept- und Stichwortregister. Jedes Rezept ist so aufbereitet, dass eine alltagstaugliche Umsetzung möglich ist. Zusätzlich erleichtern Symbole die Orientierung, für welche Erkrankungen einzelne Rezepte geeignet sind. Damit ist das Buch sowohl als Informationsgrundlage als auch als strukturierte Umsetzungshilfe in der Beratung gut einsetzbar.

Produktdetails

  • Herausgeber: Deutsche Leberstiftung
  • Titel: Das große Kochbuch für die Leber
  • Auflage: 2., aktualisierte Auflage (2026)
  • ISBN: 978-3-8426-3100-7
  • Preis: 28,00 EUR

Neue Ansätze: Mikrobiom der Harnblase ernährungstherapeutisch einordnen

Lange wurde der Harntrakt als steril betrachtet. Mit sensitiveren Methoden wie der 16S-rRNA-Sequenzierung und erweiterten Kulturverfahren (EQUC) lässt sich jedoch ein eigenes Mikrobiom der Harnblase nachweisen. In aktuellen Übersichtsarbeiten wird diskutiert, ob dieses urogene Mikrobiom bei funktionellen Beschwerden wie dem überaktiven Blasensyndrom (OAB) eine Rolle spielen könnte und perspektivisch diagnostische oder auch therapeutische Ansätze beeinflusst.

Bei gesunden Frauen zeigt sich häufig eine eher niedrige Diversität mit Dominanz von Lactobacillus-Arten, die mit einem stabilen, gesundheitsfördernden Milieu assoziiert werden. Bei OAB werden dagegen häufiger Verschiebungen in Richtung höherer Diversität und geringerer Lactobacillus-Dominanz beschrieben, teils mit vermehrtem Nachweis potenziell problematischer Keime. Diese Muster werden als mögliche Dysbiose interpretiert. Gleichzeitig bleibt offen, ob die Mikrobiomveränderungen Ursache, Folge oder Begleitphänomen der Symptomatik sind.

Für die Beratungspraxis ist die ernährungstherapeutische Konsequenz derzeit vor allem eine strukturierte Einordnung. Die Modulation des Mikrobioms wird als potenzielles Therapieziel diskutiert, ist aber noch nicht leitlinienreif. Sinnvoll ist daher ein Vorgehen, das beeinflussbare Faktoren stärkt, ohne ungesicherte Versprechen zu machen.

Ernährungsrelevante Ansatzpunkte und Einflussmöglichkeiten

  • Ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost: Unterstützung eines günstigen Darmmikrobioms als möglicher indirekter Einflussfaktor über die Darm-Blasen-Achse, insbesondere bei gleichzeitigen gastrointestinalen Beschwerden.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Reduktion von hochkonzentriertem Urin als potenziell irritierendem Faktor. Praktisch relevant ist eine gleichmäßige Verteilung über den Tag.
  • Zucker und stark verarbeitete Produkte reduzieren: Plausibler Ansatz zur Senkung proinflammatorischer Stoffwechsellasten und zur Unterstützung metabolischer Risikofaktoren, die häufig mit urogenitalen Beschwerden koexistieren.
  • Probiotika zurückhaltend einordnen: Lactobacillus-basierte Interventionen werden untersucht. Der Evidenzstand ist heterogen und die optimale Spezies, Dosierung und Applikationsform sind nicht geklärt.
  • Trigger systematisch erfassen: Koffein, Alkohol, sehr scharfe Speisen, stark kohlensäurehaltige Getränke und individuelle Unverträglichkeiten können Symptome verstärken. Ein Symptom-Ernährungsprotokoll kann helfen, Muster zu erkennen.

In der Praxis kann das Thema Mikrobiom der Harnblase als Brücke genutzt werden, um Verhaltenstherapie, Trinkmanagement und eine entzündungsärmere Ernährungsweise zu begründen. Gleichzeitig sollte klar bleiben, dass mikrobiombasierte Diagnostik und gezielte Mikrobiomtherapien bei OAB bisher überwiegend Forschungsgegenstand sind und belastbare Standards noch fehlen.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Kohlenhydrate – Folienset: Das Folienset beinhaltet Powerpoint-Folien mit leicht verständlichen Aspekten zu Kohlenhydraten in der täglichen Ernährung. Geeignet für die Beratung mit dem Patienten/ Klienten.

Fette – Folienset: Das Folienset beinhaltet Powerpoint-Folien mit leicht verständlichen Aspekten zu Fetten und Fettsäuren in der täglichen Ernährung. Geeignet für die Beratung mit dem Patienten/ Klienten.

Proteine – Folienset: Das Folienset beinhaltet Powerpoint-Folien mit leicht verständlichen Aspekten zu Proteinen und Proteinqualität in der täglichen Ernährung. Geeignet für die Beratung mit dem Patienten/ Klienten.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Zwischen Fake und Fakten – Getreide in der Ernährungsberatung

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 13.04.2026
Veranstaltet von: freiraum Seminare
Referierende: Dr. Karin Bergmann
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 135 statt 155 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Im Webinar wirft die Diplom-Ökotrophologin Dr. Karin Bergmann einen kritischen, wissenschaftlich fundierten Blick auf Getreide und Getreideprodukte. Im Mittelpunkt stehen verbreitete Mythen wie „Weizen macht krank“, „Brot macht dick“ oder „Nur Vollkorn ist gesund“ sowie deren Einordnung anhand aktueller ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse.

Neben der Warenkunde werden der gesundheitliche Wert von Getreide sowie zentrale Funktionsmechanismen erläutert, etwa die Rolle von Gluten, FODMAP oder ATIs. Auch mögliche Risiken werden thematisiert, etwa bei freiwilligem Getreideverzicht oder im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Zöliakie, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Darüber hinaus werden Nachhaltigkeitsaspekte, Fragen zu Pestiziden und Belastungen sowie praktische Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche und therapiebegleitende Ernährung mit Getreide diskutiert. Ziel ist es, Ernährungsfachkräften eine differenzierte, praxisnahe Einordnung des Themas zu ermöglichen.