FETeV Newsletter 2026-13

30.03.2026

|

Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Hoher Nusskonsum ist mit geringerer Krankheitsaktivität bei Pemphigus vulgaris assoziiert

Pemphigus vulgaris ist eine seltene, autoimmune blasenbildende Hauterkrankung. Typisch sind schmerzhafte Blasen und Erosionen an Haut und Schleimhäuten, häufig zunächst im Mund. Die Erkrankung verläuft oft chronisch und wird in der Regel immunsuppressiv behandelt. Antientzündliche Inhaltsstoffe in Nüssen werden als möglicher Einflussfaktor bei Pemphigus vulgaris diskutiert. In einer Studie aus Teheran war ein hoher Nussverzehr mit einer deutlich geringeren Krankheitsaktivität verbunden [Fal 2026].

Untersucht wurden 138 Betroffene mit der Erkrankung. Die Teilnehmenden wurden zu ihrem Ernährungsverhalten im vergangenen Jahr befragt, darunter der Verzehr von Hasel- und Walnüssen, Mandeln, Pistazien sowie Erdnüssen. Die Krankheitsaktivität wurde mithilfe des Pemphigus Disease Area Index (PDAI) für Haut, Kopfhaut und Schleimhäute erfasst. In der Auswertung wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Energiezufuhr, Bildung, körperliche Aktivität, Rauchen und die Anwendung von Kortikosteroiden berücksichtigt. Im Ergebnis hatten die Personen mit einem hohen Nusskonsum im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Nusskonsum ein um 92 % geringeres Risiko für eine hohe Krankheitsaktivität.

Das weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Krankheitsaktivität. Aussagen zu Kausalität, optimalen Mengen oder konkreten Empfehlungen lassen sich daraus (noch) nicht ableiten. Der Befund kann jedoch Anlass sein, die Ernährungsgewohnheiten bei Betroffenen systematisch mitzuerheben und in die Therapieempfehlungen einzubeziehen.


Sachbuch: Runter mit dem Cholesterin – Der Plan für optimale Blutfettwerte und gesunde Gefäße

Erhöhte Cholesterinwerte sind in der Praxis oft erklärungsbedürftig, weil Laborbefunde, Risikoeinstufung und Therapieoptionen schnell unübersichtlich wirken. Der Ratgeber von Prof. Dr. Ulrich Laufs setzt genau hier an und führt strukturiert durch die wichtigsten Schritte, um erhöhte Blutfettwerte einzuordnen und das kardiovaskuläre Risiko pragmatisch zu adressieren.

Im Fokus steht ein klarer Plan: Laborwerte verstehen, den eigenen Risiko-Typ bestimmen und daraus passende Zielwerte ableiten. Ergänzend ordnet das Buch ein, welche Rolle Ernährung, Bewegung, Rauchstopp sowie die medikamentöse Therapie spielen. Ein Schwerpunkt ist die Einordnung von Statinen und anderen Lipidsenkern, inklusive der Botschaft, dass medikamentöse Optionen bei entsprechender Indikation durchaus sinnvoll und in der Regel sicher sind.

Der Ratgeber ist vor allem als niedrigschwellige Orientierungshilfe geeignet, um Betroffenen Sicherheit in der Befundlage zu geben und die Logik hinter Zielwerten und Therapieentscheidungen verständlich zu machen. Besonders hilfreich ist die klare Trennung zwischen Risikoabschätzung, Zielwertdefinition und Maßnahmenplanung.

Details

Titel: Runter mit dem Cholesterin
Autor/Herausgeber: Stiftung Warentest
Verlag: 1. Auflage März 2026
EAN: 9783747110461
Preis (aktuell): ca. 20,00 EUR


Gastbeitrag: DGE serviert zu Ostern Eiersalat

Pressemitteilungen sollten das Gelbe vom Ei präsentieren. Ziel sollte es sein, die Klarheit zu schaffen, die sich sowohl Journalisten als auch ihre Leser wünschen. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit ihrer aktuellen Pressemeldung unter dem nicht sehr subtilen Titel: ‚Eier zu Ostern – bunt und gesund?‘ versucht, ist aber leider daran gescheitert. Worum geht es? Inhaltlich arbeitet sich der Text   am Ein-Ei-pro-Woche-Desaster ab. Herausgekommen ist ein Text, der alles erklärt – und nichts eindeutig sagt.

„Ach du dickes Ei“- so der Aufschrei, der vor ziemlich genau zwei Jahren kurz vor Ostern durchs Land ging. Grund dafür waren die neuen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE. Stein des Anstoßes war die Empfehlung für den Verzehr von Eiern. Sie wurde deutlich gesenkt, von bisher zwei bis drei Eiern pro Woche auf nur noch ein Ei wöchentlich. Mit diesem ‚Überraschungsei“ erzielte die DGE ein bisher ungekanntes Medienecho – leider jedoch in Form großer Empörung und eines beachtlichen Shitstorms in Social Media.

Die aktuelle Pressemitteilung der DGE liest sich wie der Versuch einer Wiedergutmachung, die nicht wirklich gelingt: Die Ein-Ei-Empfehlung wird weichgespült. Damit versucht sie den perfekten Spagat, der wortreich misslingt:  Man will die Empfehlung nicht wirklich. Aber verunsicherte Verbraucher will man schon auch beruhigen. Zentraler Satz ist dabei immer noch: „Als Orientierungswert gibt die DGE ein Ei pro Woche an“. Punkt! Dann folgt eine für den Durchschnittsleser recht schwer verständliche Erklärung: Er erfährt, dass das Ein-Ei-Postulat aus einem Modell stammt, das vieles gleichzeitig sein will: gesund, nachhaltig, realistisch. Klingt gut. Nur leider auch wie die perfekte Ausrede für alles und nichts.

Die diplomatischste und zugleich richtige Botschaft wäre vor Ostern 2024 gewesen:  „Es bleibt bei zwei bis drei Eiern pro Woche – wem Nachhaltigkeit wichtig ist, der sollte auf ein Ei pro Woche reduzieren.“ Da man dahin nun nicht zurückkommt, könnte man immer noch wie der Jenaer Ernährungswissenschaftler Prof. Lorkowski – ehemals Vizepräsident der DGE – resümieren: „Wir sollten Eier nicht verteufeln, aber es gibt gute Gründe, sie auch nicht im Übermaß zu essen!“ – so zu lesen in seinem kürzlich erschienenen, sehr lesenswerten Übersichtsartikel zur Datenlage zum Nahrungscholesterin und dem Verzehr von Eiern.

Dr. Friedhelm Mühleib

Praxisimpuls: Vollkorn schrittweise integrieren, Akzeptanzhürden reduzieren, Ballaststoffzufuhr pragmatisch erhöhen

Vollkornprodukte sind ernährungsphysiologisch relevant, werden im Alltag aber oft gemieden. Häufige Gründe sind Gewohnheiten, fehlendes Wissen und geschmackliche Vorbehalte. Dabei gibt es praxisnahe Hebel für die tägliche Ernährung. Moderne Mahlverfahren können Vollkornmehle feiner machen und damit Produkte ermöglichen, die milder schmecken und eine angenehmere Konsistenz haben. Das senkt eine der wichtigsten Hürden bei der Umstellung.

Alltagstauglich ist vor allem ein schrittweises Vorgehen. Statt sofort komplett zu wechseln, kann man einzelne Standardprodukte austauschen und den Vollkornanteil nach und nach erhöhen. Als Zwischenstufe werden teils „Halbkorn“-Produkte genutzt. Gemeint sind Varianten mit einer Mischung aus Vollkorn und Weißmehl oder mit teilweise erhaltenen Randschichten. Sie schmecken oft milder als reines Vollkorn, liefern aber mehr Ballaststoffe als klassische Weißmehlprodukte.

Ballaststoffe sind der zentrale Vorteil von Vollkorn. Sie werden nicht verdaut, gelangen in den Dickdarm und dienen dort Darmbakterien als Substrat. Außerdem erhöhen sie das Stuhlvolumen, unterstützen die Darmtätigkeit und können die Sättigung verlängern. Praktisch ist, dass sich die Unterschiede zwischen Vollkorn und Weißmehl gut mit einfachen Zahlen verdeutlichen lassen: 100 g ungekochte Vollkornnudeln liefern rund 11,5 g Ballaststoffe, helle Nudeln etwa 5,1 g. Eine Scheibe Weißbrot liegt bei etwa 1,25 g, Weizenvollkornbrot bei etwa 3,5 g. Roggenbrot kann um 5,1 g Ballaststoffe pro Scheibe erreichen.

  • Akzeptanzhürde senken: Vollkornprodukte sind heute oft milder und texturbedingt „näher“ an Weißmehlvarianten
  • Schrittweise umstellen: Einzelne Standards austauschen, Vollkornanteil langsam steigern
  • Zwischenstufen nutzen: Halbkorn und Roggenbrot können den Einstieg erleichtern
  • Konkrete Orientierung: Ballaststoffvergleiche helfen, Unterschiede greifbar zu machen

Wer Vollkorn regelmäßig einbaut, erhöht damit meist automatisch die Ballaststoffzufuhr. Oft reichen wenige wiederkehrende Entscheidungen im Alltag, damit sich die Mengen über die Woche spürbar verschieben.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

🔒 Reizdarmsyndrom: Auf 33 Slides stellt unser dynamisches Folienset beratungstaugliche Informationen zum Krankheitsbild und zur Ernährungstherapie des Reizdarmsyndroms im Powerointformat bereit.

Verdauung: Der zweistufige Selbsttest enthält Fragen zu Beschwerden und Lebensstil, der eine erste Einschätzung ermöglicht, Auffälligkeiten sichtbar macht und Hinweise auf mögliche Einflussfaktoren sowie weiteren Klärungsbedarf gibt.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: ARFID – selektives Essen verstehen und beraten

Veranstaltungstyp: Online-Seminar/ Webinar
Datum: 24.–26.04.2026
Veranstaltet von: prof.e.a.t.-Akademie
Referierende: Sonja Mannhardt, Anja Schneider
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 398 EUR, 10 % Rabatt auf Anfrage
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

ARFID stellt betroffene Familien, Kinder, Erwachsene und auch Ernährungsfachkräfte oft vor große Herausforderungen. Wo gemeinsame Mahlzeiten entspannt und freudvoll sein sollten, prägen stattdessen Angst, Verunsicherung und Überforderung den Alltag. Die Fortbildung setzt genau hier an.

Im Seminar geht es um zentrale Fragen rund um das vermeintlich selektive Essen: Wann wird aus Picky Eating eine behandlungsbedürftige Essstörung? Wann wird ARFID gesundheitlich relevant? Und wie zeigt sich die Störung bei Erwachsenen oder auch bei Menschen mit Adipositas?

Vermittelt werden sowohl theoretische Grundlagen als auch konkrete Ansätze für die Beratung und Begleitung von Kindern, Erwachsenen und Angehörigen. Im Fokus stehen praxistaugliche Methoden, pädagogisch-ernährungspsychologische Kompetenzen und ein intensiver Transfer in den Beratungsalltag. Ziel ist es, mehr Sicherheit und Handwerkszeug für eine wirksame Begleitung von Betroffenen zu gewinnen.