FETeV Newsletter 2026-16

27.04.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studienbericht: Wie Instagram-Influencer Ernährungs-Fehlinformationen verbreiten

Soziale Medien prägen Ernährungsentscheidungen zunehmend. Gleichzeitig zirkulieren dort Inhalte, die etablierten Ernährungsempfehlungen widersprechen. Der Bericht von Rooted Research analysiert über eine Million Instagram-Posts und beschreibt Muster, über welche Hashtags und Narrative Fehlinformationen verbreitet werden, unter anderem rund um Carnivore-Ernährung, “toxische” Lebensmittel oder pauschale Warnungen vor Pflanzenölen. Grundlage der Einordnung sind internationale und nationale Ernährungsempfehlungen, darunter WHO und EAT-Lancet, ergänzt durch eine manuelle Prüfung besonders reichweitenstarker Inhalte.

Auffällig ist die Rolle einzelner reichweitenstarker Accounts mit einem hohen Engagement, die häufig mit Autoritätsinszenierung, emotionalisierenden Botschaften und kommerziellen Interessen arbeiten. Der Bericht beschreibt, dass viele dieser Accounts keine einschlägige Qualifikation im Ernährungsbereich haben, aber über Storytelling, Identität und Dramatisierung Vertrauen erzeugen und so extreme oder restriktive Ernährungsmuster als überlegen darstellen. Für die Praxis ergibt sich daraus vor allem die Relevanz, Medienkompetenz und Quellenkritik stärker mitzudenken und Ratsuchende gezielt dabei zu unterstützen, Unterschiede zwischen evidenzbasierten Empfehlungen und Marketing-getriebenen Ernährungsnarrativen zu erkennen.


S3-Leitlinie: Konsulationsfassung zu „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ verfügbar

Die Konsultationsfassung der S3-Leitlinie „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ wurde am 15.04.2026 veröffentlicht und ist bis zum 16.06.2026 gültig. Zur Verfügung stehen die Langfassung der Leitlinie, ein Leitlinienreport sowie der Kommentierungsbogen.

Fachpersonen haben die Möglichkeit, die Leitlinie aktiv zu kommentieren und mitzugestalten. Hinweise und Verbesserungsvorschläge können bis zum 15.06.2026 mithilfe des Kommentierungsbogens per E-Mail eingereicht werden.


Cave: CGM-Sensoren bei Gesunden mit Fehlinterpretationen verbunden

Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) wird zunehmend auch von Gesunden als Lifestyle-Tool genutzt, häufig mit dem Versprechen von „mehr Energie“, „weniger Heißhunger“ oder „besserer Leistung“ durch einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel.

Problematisch ist, dass CGM-Daten bei Stoffwechselgesunden ohne klare Referenzwerte und ohne klinische Leitlinien leicht überinterpretiert werden, obwohl viele Schwankungen physiologisch sind. Zusätzlich misst CGM in der Zwischenzellflüssigkeit (nicht im Blut), wodurch zeitliche Verzögerungen und Abweichungen entstehen können und einzelne „Peaks“ fälschlich als Warnsignal gelesen werden.

CGM ist primär kein Tool für Gesunde, sondern ein therapeutisches Hilfsmittel für Betroffene, z. B. im Diabetesmanagement. CGM-Nutzende sollten strukturiert über Messprinzip, Grenzen und Interpretationsrisiken aufgeklärt werden, um Fehlinterpretationen und unnötige Verunsicherungen zu vermeiden.

Cave: Mehr Knochenbrüche durch intravenöse Eisenpräparate?

Intravenöse Eisenpräparate werden bei Eisenmangel teils als schnelle, praktische Alternative zu Tabletten eingesetzt –besonders, wenn orale Präparate schlecht vertragen werden oder sehr lange Einnahmezeiträume erforderlich sind.

Das birgt Risiken, die sich je nach Wirkstoff deutlich unterscheiden können: In einer Auswertung mit über 20.000 behandelten Personen war Eisencarboxymaltose im Vergleich zu Eisenderisomaltose mit einem mehr als verdoppelten Frakturrisiko assoziiert, teils erst Wochen bis Monate nach der Gabe. Als plausible Erklärung werden unter anderem eine

  • Hypophosphatämie durch eine verminderte Aufnahme und eine erhöhte renale Ausscheidung sowie
  • potenzielle direkte Effekte am Knochen diskutiert, was die Knochenneubildung beeinträchtigen kann.

Intravenöse Eisengaben sind daher keine „neutrale Abkürzung“, sondern eine Therapieentscheidung, bei der Präparatwahl und Sicherheitsprofil zentral sind. Bei wiederholten Gaben bzw. erhöhtem Risiko ist eine strukturierte Aufklärung über mögliche Spätfolgen sowie ein gezielter Blick auf Phosphatstatus und Knochengesundheit nötig.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

🔒 Folienset Blähungen: Das Folienset enthält 35 Folien zum Krankheits- bzw. Symptombild sowie zur Ernährungstherapie.

Ernährungsoptionen beim Reizdarmsyndrom: Übersicht über die größten Ernährungshebel beim Reizdarmsyndrom. Als Handout druckbar. Als Gesprächsgrundlage nutzbar.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Ohne Selbstfürsorge geht auf Dauer nix!

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 08.–09.06.2026
Veranstaltet von: utta Kamensky
Referierende: Jutta Kamensky
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 289 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Selbstfürsorge ist ein zentraler Hebel, wenn Klient:innen ihr Essverhalten nachhaltig verändern sollen, zugleich aber oft eine der größten Hürden in der Beratung. Das Seminar zeigt, wie Beratende ihre Klient:innen dabei unterstützen können, eigene Bedürfnisse besser wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und Stress sowie emotionales Essen wirksam zu bearbeiten.

Im Fokus stehen Strategien, um mangelnde Selbstfürsorge als Motivationsbremse zu erkennen und durch gezielte Übungen, passende Fragetechniken und alltagstaugliche Rituale zu überwinden. Thematisiert werden unter anderem der Zusammenhang von Selbstfürsorge und Essverhalten, innere Hürden, Achtsamkeit und kleine, praktikable Strategien zum Dranbleiben. Zudem wird auch die Selbstfürsorge der Beratenden selbst reflektiert, um langfristig mit mehr Freude und Gelassenheit arbeiten zu können.