01.06.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Meta-Analyse: Digitale Abnehmprogramme ohne persönliche Betreuung — was bringen sie wirklich?
Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat 19 randomisierte Studien mit insgesamt 3.556 Teilnehmenden ausgewertet. Untersucht wurde, wie gut digitale Abnehmprogramme funktionieren, die vollständig über App, Website oder SMS laufen — ohne persönliche Beratungsgespräche oder Präsenztreffen.
Die Programme erzielten im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Intervention einen messbaren Effekt: Teilnehmende verloren je nach Ausgangslage etwa 2,6 bis 6,6 kg mehr als die Vergleichsgruppe. Auch Ernährungsgewohnheiten verbesserten sich im Mittel, allerdings mit großen Schwankungen zwischen den Studien. Das bedeutet: Das Programm selbst garantiert keinen Erfolg, der Kontext (Motivation, Ausgangslage, Programmqualität) spielt eine entscheidende Rolle.
Ein wichtiger Befund: Gegenüber strukturierten Präsenzprogrammen oder geführten Ernährungstagebüchern zeigte sich kein klarer Vorteil. Digitale Programme können also bestehende Angebote ergänzen, aber nicht ohne Weiteres ersetzen.
Für die Praxis legt die Analyse nahe, digitale Tools als niedrigschwelligen Einstieg zu nutzen: skalierbar, ortsunabhängig und gut geeignet, wenn persönliche Betreuungskapazitäten begrenzt sind. Wer jedoch wenig Erfahrung mit Selbstorganisation hat oder eine intensivere Ernährungsumstellung braucht, profitiert wahrscheinlich weiterhin von ergänzender persönlicher Unterstützung. Auffällig war zudem: Je höher die Verbleibraten im Programm, desto größer der Effekt. Dabeibleiben ist also zentral.
Vorgestellt
Anfrage: Expert:innen für Interviewstudie zur Ernährungstherapie bei Reizdarmsyndrom gesucht
Im Rahmen einer Masterarbeit werden Ernährungsfachkräfte und Ärzt:innen aus dem deutschsprachigen Raum für ein Expert:inneninterview zur Ernährungstherapie bei Reizdarmsyndrom (RDS) gesucht. Ziel der Studie ist es, praxisnahe Einblicke in die Umsetzung der Ernährungstherapie im Berufsalltag sowie den Umgang mit bestehenden Leitlinien zu gewinnen. Im Fokus stehen individuelle Erfahrungen, praktische Vorgehensweisen und Herausforderungen in der Betreuung von Patient:innen mit RDS.
Gesucht werden:
- Diätolog:innen
- Ökotropholog:innen
- Ernährungsberater:innen
- Ärzt:innen
mit mehrjähriger praktischer Erfahrung in der Betreuung von Patient:innen mit RDS.
Das Interview dauert ca. 60 Minuten und findet online statt. Alle Angaben werden vertraulich behandelt und pseudonymisiert ausgewertet. Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur praxisnahen Forschung und zur Weiterentwicklung der Ernährungstherapie bei RDS.
Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich bitte an:
Ing. Evelyn Weiler BSc.
Klinische Ernährungsmedizin, Universität für Weiterbildung Krems
evelyn.weiler@edu.donau-uni.ac.at
Beratungspraxis
Gastbeitrag: GLP-1 allein wird das Problem Adipositas nicht lösen!
„Es ist ein Irrtum zu glauben, wir könnten uns mit Medikamenten aus der Adipositas-Krise befreien,“ sagt mit Blick auf den Siegeszug der GLP-1 Agonisten kein geringerer als Prof. Dr. Manfred Müller, ehemaliger Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft und über viele Jahre hinweg eine der prägenden Figuren der deutschen Ernährungswissenschaft. Im Rahmen des aktuellen Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin betonte er, die wichtigste Voraussetzung für „Sicheres Abnehmen“ werde auch in Zeiten von GLP-1 & Co. die Ernährungsbildung sein.Eine medikamentöse Therapie der Adipositas, so Müller ersetze nicht die ernährungsmedizinische Behandlung.
Dabei betont er, man müsse sich um die Patientinnen und Patienten „kümmern“, z.B. über ein Monitoring von Ernährung, Bewegung und Gewicht, ebenso über individuelle Ernährungspläne und Motivation zu Ausdauer- und Krafttraining. Die Prävention von Adipositas biete wirtschaftliche und gesundheitliche Vorteile. Sie könne vermeiden, Menschen mit Adipositas zu Operationen und/oder lebenslanger Medikamenteneinnahme zu treiben.
Müller setzte damit ein starkes Zeichen für die Notwendigkeit der Ernährungsberatung in der Prävention und Therapie des Diabetes. Damit blieb er leider weitgehend allein. Unter „500 Referierenden aus 15 Ländern“ hatten Ernährungswissenschaftler Seltenheitswert. Das zeugt einerseits vom Desinteresse der Mediziner am Ernährungsaspekt, andererseits von einem fehlenden Engagement der Ernährungswissenschaft, sich in diesem wichtigen Handlungsbereich stärker einzubringen. Ernährung fand auf dem Kongress als ‚leichter Nieselregen‘ statt, verteilt auf hunderte von Vorträgen, immer wieder erwähnt, aber allenfalls als begleitende Randnotiz.
Das eigentliche Drama besteht darin, dass Ernährung bei Prädiabetes, Adipositas und Typ-2-Diabetes zwar als zentrale Ursache anerkannt wird, Ernährungsfachkräfte im Versorgungssystem aber weiterhin nur eine Nebenrolle spielen. Während Milliarden in Medikamente investiert werden, fehlen vielerorts niedrigschwellige, qualitätsgesicherte Angebote zur Ernährungsbildung und Ernährungstherapie. Dabei können Gewichtsreduktion und verändertes Ernährungsverhalten gerade im Prädiabetes-Stadium entscheidend dafür sein, ob sich ein Diabetes manifestiert. Was wir brauchen, sind nicht nur bessere Medikamente, sondern vor allem mehr Ernährungskompetenz, mehr qualifizierte Ernährungsberatung und eine Prävention, die ihren Namen tatsächlich verdient.
Das wirft eine unbequeme Frage auf: Inwieweit ist Ernährung überhaupt Aufgabe der Ärzteschaft? Auffällig ist: Sobald andere Berufsgruppen den ärztlichen Tätigkeitsbereich berühren, wird dieser mit Klauen und Zähnen verteidigt. Gelöst werden Probleme wie Adipositas und Diabetes damit aber nicht – und das liegt nicht an fehlenden Medikamenten.
Dr. Friedhelm Mühleib, Vorstandsmitglied FETeV
Hinterfragt: Lebensstil-Dissonanz – Was uns davon abhält, gesund zu leben
Viele Menschen wissen, was ihnen guttäte, handeln aber im Alltag anders. Dieses Muster wird häufig als fehlende Willenskraft interpretiert. Tatsächlich beschreibt die Forschung dafür einen eigenen Begriff: die Intentions-Verhaltens-Lücke (der Abstand zwischen Vorsatz und tatsächlichem Verhalten). Sie lässt sich neurobiologisch erklären und ist kein Zeichen von Schwäche.
Der Kern der Dynamik: Kurzfristig belohnende Handlungen wie energiereiches Essen, Bewegungsvermeidung oder abendliches Prokrastinieren sind evolutionär begünstigt, weil das Gehirn auf unmittelbare Belohnung ausgerichtet ist. Dazu kommen individuelle Lernmuster aus der Kindheit, etwa wenn gesundes Verhalten früh mit Süßem belohnt wurde, was die Verknüpfung von Essen und Wohlgefühl fest einschreibt. Bei Stress und Schlafmangel verstärkt sich das Problem: Erschöpfung schwächt die Fähigkeit zur Selbststeuerung (also das bewusste Abwägen zwischen kurzfristiger und langfristiger Belohnung) und lässt impulsive Reize stärker wirken. Es entstehen Rückkopplungsschleifen, in denen Erschöpfung und ungünstige Verhaltensweisen sich gegenseitig verstärken.
Praktische Ansatzpunkte für die Beratung:
- Rückschläge normalisieren: Rückfälle gehören zum Veränderungsprozess dazu und sollten nicht moralisch bewertet werden.
- Mechanismen sichtbar machen: Individuelle Auslöser benennen, etwa Stress, Müdigkeit oder bestimmte Belohnungsrituale.
- Vorausplanen statt improvisieren: Einkaufslisten, Bewegungspläne oder Schlafroutinen in ruhigen Phasen festlegen, nicht in belasteten.
Für die Praxis ergeben sich daraus drei zentrale Haltungen. Erstens kann das Erklären dieser Mechanismen (Psychoedukation) Scham und Selbstvorwürfe abbauen und die Zusammenarbeit stabilisieren. Zweitens lassen sich Interventionen besser als Aufbau neuer, hilfreicher Gewohnheitsschleifen verstehen statt als Appell an die Vernunft. Drittens gilt: Entscheidungen und Strukturen sollten in ruhigen Phasen getroffen werden, damit sie in belastenden Situationen tragen.
🔒 Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
🔒 ADHS: Das dynamische Folienset stellt beratungstaugliche Informationen zum Krankheitsbild und zur Ernährungstherapie bei ADHS bei Erwachsenen im Powerpoint-Format bereit.
Hypothyreose: Hypothyreose: Der Grundlagenartikel stellt die zentralen Ernährungshebel mit Praxisstrategien und Stolpersteinen im Alltag umfassend dar. Für Mitglieder sind wesentliche Paradigmenwechsel der letzten Jahre ergänzt.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Qualifikationskurs: Zertifikat Integrative Onkologie
Veranstaltungstyp: Kurs mit Qualifikation
Datum: Start zum 01.04.2027
Veranstaltet von: FSU Jena
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 1550 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Das Zertifikat richtet sich an Berufstätige im Gesundheitssystem, beispielsweise aus Medizin, Psychologie, Pharmazie, Ernährungs-, Sport-, Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie Ergo- oder Physiotherapie.
Vermittelt werden vertiefte Kenntnisse zur Rolle der Ernährung im onkologischen Gesamtkonzept. Inhalte sind unter anderem Grundlagen von Physiologie, Pathophysiologie und Biochemie, der Energiestoffwechsel mit seinen Besonderheiten in der Onkologie sowie Nutzen und Risiken verschiedener Ernährungsformen und Krebsdiäten. Darüber hinaus werden Aspekte der Mangelernährung sowie die Bedeutung der Ernährung in Prävention, Rehabilitation und onkologischer Therapie behandelt.
Der Bewerbungszeitraum läuft vom 01.06. bis 01.09.2026.
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