22.06.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Review: Hashimoto – warum Ernährung mehr ist als „nur gut essen“
Das frei zugängliche Review von Morasiewicz-Jeziorek et al. aus 2026 zeigt, warum Hashimoto nicht nur eine Frage der Hormone ist, sondern auch von Dauerentzündung und oxidativem Stress mitbestimmt wird. In der Schilddrüse entstehen physiologisch reaktive Sauerstoffverbindungen für die Hormonproduktion. Körpereigene Schutzsysteme halten sie dabei in Schach. Bei Hashimoto gerät diese Balance leichter aus dem Takt: Der Autoimmunprozess treibt die oxidative Last zusätzlich hoch, die Schutzkapazität wird überfordert, das Gewebe bleibt dauerhaft entzündet und reizbar. Die Beschwerden verstärken sich. Die gute Nachricht: Ernährung heilt die Erkrankung zwar nicht, kann aber die Rahmenbedingungen so verbessern, dass die Schilddrüse weniger unter Dauerstress steht. Beleuchten wir ein paar Punkte genauer:
- Omega-3-Fettsäuren gelten oft pauschal als entzündungshemmend. Bei Hashimoto liefern sie die Ausgangsstoffe für körpereigene Botenstoffe, die eine Entzündung nicht nur dämpfen, sondern aktiv beim Abklingen helfen. Das ist wichtig, da sich Entzündungsprozesse bei der Erkrankung oft verfestigen.
- Ein neuerer Punkt im Review ist das Molkenprotein (Whey). Es kann die körpereigene Abwehr gegen oxidativen Stress stärken, vor allem über Glutathion, eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien. In einer Studie stieg der Glutathionspiegel in Immunzellen unter Whey deutlich an. Das ist kein Freifahrtschein für Supplemente, aber ein Hinweis, dass die Proteinqualität mindestens genauso wichtig ist wie die Proteinmenge.
- Soja hat in der Hashimoto-Beratung oft einen schlechten Ruf. Tatsächlich kann es abhängig von Menge, Situation und Timing auch entzündungsberuhigend wirken. Für die Praxis heißt das: weniger Schwarz-Weiß, mehr Blick auf den Gesamtkontext wie Medikation, Verträglichkeit und Ernährungsqualität.
- Sekundäre Pflanzenstoffe (v.a. Polyphenole) aus Gemüse, Beeren und Kräutern werden nicht nur als Antioxidantien beschrieben, sondern als Substanzen, die entzündliche Signalwege regulieren können. Ingwer wird als Beispiel mit dämpfender Wirkung auf überschießende Entzündungsreaktionen genannt.
- Für die Praxis interessant: Das Review nennt Blutmarker für oxidativen Stress, die bei pflanzenreicher, vielfältiger Ernährung tendenziell günstiger ausfallen. Die Wirkung der Ernährungstherapie lässt sich so zunehmend objektiv abbilden.
Insgesamt liefert die wissenschaftliche Arbeit eine fundierte Begründung, warum die bewährten Basics bei Hashimoto sinnvoll sind – pflanzenbetont, entzündungsarm, nährstoffreich, mit guten Fetten und ausreichend Protein. Es handelt sich um eine Strategie, um die chronische Entzündung zu beruhigen und den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Vorgestellt
Sachbuch: Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels
Wenn Energie, Belastbarkeit und Regeneration im Alltag nachlassen, wird oft nach schnellen Erklärungen gesucht – ein Nährstoffmangel hier, zu wenig Schlaf dort. „Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels“ verschiebt den Blick: weg von einzelnen Symptomen, hin zu den biologischen Steuerzentren im Hintergrund, den Mitochondrien. Lange galten sie nur als „Kraftwerke der Zelle“. Stephan Barth zeigt, dass sie weit mehr sind: Sie steuern Nerven, Hormone und Gene und entscheiden so über Energie, Stressresistenz, Heilungstempo und eine lange, gesunde Lebensspanne. Seine zentrale These: Gesundheit ist eine Systemleistung – vom Alltag bis auf Zellebene.
Das Buch verbindet fundiertes Hintergrundwissen mit einem klar anwendungsorientierten Teil. Typische Beschwerden wie Erschöpfung, Leistungsknick oder Heißhunger werden in größere Stoffwechselzusammenhänge eingeordnet. Ein Selbsttest hilft, den eigenen Status einzuschätzen. Ein konkreter Wochenplan, gestaffelt für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis, liefert alltagstaugliche Routinen zu mitochondrienfreundlicher Ernährung, Bewegung, Stressmanagement sowie Schlaf. Comic-Illustrationen von Lea Hümbs machen auch komplexe Zellbiologie anschaulich und ein umfangreiches Quellenverzeichnis sorgt für wissenschaftliche Fundierung. Wer nach „Energie-Strategien“ sucht und gleichzeitig einen realistischen, nicht verkürzten Rahmen für Lebensstilveränderungen braucht, findet hier eine fundierte und gut umsetzbare Orientierung.
Dr. Stephan Barth ist promovierter Mediziner, habilitierter Toxikologe sowie Zell- und Molekularbiologe und Ernährungswissenschaftler. Er forschte über 20 Jahre am Max-Planck- und am Max-Rubner-Institut und arbeitet seitdem interdisziplinär an der Schnittstelle von Zellbiologie, Physiologie und Ernährungsforschung – mit Schwerpunkt auf lebensstilbasierter Prävention, etwa bei Darmkrebs, Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettleber.
Barth, Stephan: Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels. Superpower Mitochondrien – Wie unsere Zellkraftwerke die Gesundheit revolutionieren. Kneipp Verlag, Mai 2026, 248 S., EAN 9783708808901, EUR 24,00 (inkl. MwSt.)
Beratungspraxis
Pro und Kontra: Zwischen Skepsis und Chance – GLP-1-Agonisten in der Ernährungsberatung
Dem Einsatz von GLP-1-Agonisten skeptisch gegenüberzustehen ist verständlich und nachvollziehbar, denn die langfristige Gewichtsabnahme und -stabilisierung basiert auf der nachhaltigen Verhaltensänderung, nicht auf medikamentösen Abkürzungen. Unbegleitet bergen die Medikamente reale Risiken. Gleichzeitig sind sie für viele Betroffene bereits Realität und auch eine Chance. Die folgende Übersicht zeigt deshalb beide Seiten und warum eine fachliche Begleitung gerade hier so wichtig ist.
Pro – Die Chancen für Betroffene
- Leichterer Einstieg: Die Medikamente dämpfen Hunger und Heißhunger und sorgen für eine rasche Sättigung. Der oft schwierigste erste Schritt in eine kalorienreduzierte Ernährung fällt leichter.
- Veränderte Präferenzen: Viele Anwender und Anwenderinnen verlangen weniger nach hochverarbeiteten, fett- sowie zuckerreichen Lebensmitteln und greifen eher zu frischen Produkten. Das erleichtert die Ernährungsumstellung.
- Hohe Motivation: Gewichtsverluste von bis zu 15 bis 20 % und spürbare Verbesserungen bei Begleiterkrankungen steigern die Motivation, langfristig dranzubleiben.
- Achtsames Essen statt Verzicht: Beratung kann sich von reiner Reduktionsdiät hin zu einer achtsamem Essverhalten verschieben. Der Fokus liegt auf Sättigungssignalen und Nährstoffversorgung trotz kleinerer Portionen.
Kontra – Die Risiken für Betroffene
- 17.07.2025
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GLP-1-Agonisten sind enorm wirksam, ersetzen aber keine Ernährungstherapie. Im Gegenteil: Sie machen die begleitende Betreuung erst recht unverzichtbar, um Muskelabbau und Mangelernährung zu vermeiden, Nebenwirkungen zu lindern und Erfolge langfristig zu sichern. Die Medikamente eröffnen damit ein neues Tätigkeitsfeld. Da die unbegleitete Therapie Risiken wie Muskelabbau oder Rebound birgt, werden Fachkräfte zum unverzichtbaren Sicherheitsnetz für den nachhaltigen Erfolg, auch mit neuen Anknüpfungspunkten zu Ärzten und Kliniken.
FETeV-Redaktion
🔒 Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Parkinson Krankheit: Die Ernährungstherapie bei der Parkinson-Krankheit fokussiert zentrale Hebel, die den Alltag unmittelbar beeinflussen: die Abstimmung von Eiweiß und Medikamenten, die Stabilisierung von Verdauung und Flüssigkeitshaushalt, das Vermeiden von ungewolltem Gewichtsverlust, eine entzündungsarme Ernährungsweise sowie das sichere Essen bei Schluckproblemen. Neben den Grundlagen folgen konkrete Strategien und typische Hürden, die bei der Umsetzung häufig auftreten.
🔒 Blähungen: Das Download-Paket bündelt praxistaugliche Materialien zu chronischen Blähungen – von der Klinik über Ernährungsoptionen bis zu Minipostern, Folien, Handouts und Arbeitsvorlagen. Die Materialien eignen sich zur Information, zur Weitergabe im Alltag und als Unterstützung im Beratungsprozess.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Eosinophile Kolitis – Schluckbeschwerden – Ernährungstherapie bei EoE
Veranstaltungstyp: Online-Seminar/ Vortrag
Datum: 01.07.2026
Veranstaltet von: EoNet (Netzwerk Eosinophile Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes e.V.)
Referierende: Prof. Martin Storr, Dr. Ulrike von Arnim, Annette Simon
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: kostenfrei
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Eosinophile Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (EGID) zeigen sich häufig mit unspezifischen Symptomen, was die Diagnosestellung erschweren kann. Im Webinar werden die Eosinophile Kolitis und die Eosinophile Ösophagitis (EoE) aus diagnostischer und ernährungstherapeutischer Perspektive beleuchtet.
Der Vortrag zur Eosinophilen Kolitis stellt typische Symptome, das diagnostische Vorgehen und mögliche Differenzialdiagnosen vor. Darüber hinaus werden verschiedene Ursachen von Schluckbeschwerden sowie deren Abgrenzung zur Eosinophilen Ösophagitis erläutert. Für die EoE werden typische Symptome und die diagnostische Vorgehensweise dargestellt.
Da die Ernährungstherapie die wichtigste Säule der Behandlung bei EoE darstellt, wird die praktische Umsetzung der Lebensmittelauswahl praxisnah erläutert. Während des Webinars besteht zudem die Möglichkeit, live Fragen zu stellen.
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