10.08.2026
|
Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.
Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Systematisches Review: Kalzium und Vitamin D – kein klarer präventiver Schutz vor Knochenbrüchen
Kalzium und Vitamin D werden seit Jahrzehnten zur Frakturprävention (Schutz vor Knochenbrüchen) empfohlen. Ein aktuelles systematisches Review mit Metaanalyse aus Kanada stellt diesen routinemäßigen Einsatz nun erneut infrage. In die Auswertung gingen 69 randomisierte Studien mit mehr als 153.000 Teilnehmenden ein, überwiegend ältere, selbstständig lebende Erwachsene ohne eindeutig erhöhtes Frakturrisiko. Weder Kalzium noch Vitamin D zeigten isoliert einen klinisch relevanten Effekt auf Frakturen oder Stürze. Auch die Kombination beider Substanzen führte nur zu sehr geringen absoluten Risikoreduktionen, etwa bei Gesamt- und Hüftfrakturen sowie Brüchen außerhalb der Wirbelsäule.
Die Ergebnisse passen zu einem zunehmend zurückhaltenden Wissensstand zur Supplementierung in der Allgemeinbevölkerung. Für Personen ohne nachgewiesenen Mangel, ohne Osteoporosetherapie und ohne spezifisches Hochrisikoprofil lässt sich aus der aktuellen Evidenz kein belastbarer Nutzen einer routinemäßigen Einnahme ableiten. Gleichzeitig bleiben die Daten nicht auf alle Gruppen übertragbar: Menschen mit manifester Osteoporose, langfristiger Kortikosteroidtherapie, Malabsorption, hohem Sturzrisiko oder nachgewiesenem Vitamin-D- bzw. Kalziummangel wurden in der Analyse nicht ausreichend abgebildet. Auch die teilweise niedrigen Vitamin-D-Dosierungen und mögliche Supplementeinnahmen in Kontrollgruppen begrenzen die Aussagekraft für einzelne Versorgungssituationen.
Für die Praxis bedeutet das: Kalzium und Vitamin D sollten nicht pauschal als Frakturschutz vermittelt werden, sondern abhängig von Ernährungsstatus, Laborwerten, Knochengesundheit, Medikation, Sturzrisiko und Leitlinienkontext bewertet werden. Im Vordergrund bleiben eine ausreichende Versorgung über die Ernährung, die gezielte Nahrungsergänzung bei Bedarf sowie weitere wirksame Bausteine der Frakturprävention wie Krafttraining, Sturzprophylaxe, Osteoporosediagnostik sowie eine individuell abgestimmte Therapie.
Vorgestellt
Institutsbildung: Zusammenlegung von BfR, MRI und BZfE zu „Superinstitut“?
Bis 2029 sollen das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Max Rubner-Institut und das Bundeszentrum für Ernährung unter dem Dach eines neuen Bundesinstituts für Risikobewertung und Ernährung zusammengeführt werden. Ziel der Reform ist es, Zuständigkeiten im gesundheitlichen Verbraucherschutz klarer zu ordnen, wissenschaftliche Expertise enger zu vernetzen und Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Einrichtungen zu verkürzen.
Inhaltlich geht die Neuordnung über eine reine Verwaltungsreform hinaus. Lebensmittelqualität, Lebensmittelsicherheit, Ernährungssicherung, Ernährungsbildung sowie Ernährungs- und Risikokommunikation sollen künftig stärker zusammengeführt werden. Risikobewertungen sollen dabei auch ernährungsphysiologische und epidemiologische Aspekte stärker einbeziehen.
Für die Fachöffentlichkeit könnte das neue Institut verlässliche Informationen zu Ernährung und Lebensmittelsicherheit besser bündeln. Entscheidend bleibt jedoch, wie transparent die gesetzlichen Aufgaben definiert werden und ob wissenschaftliche Unabhängigkeit, ausreichende Ressourcen und klare Zuständigkeiten im Übergang bis 2029 gesichert bleiben.
Plattform: debinet 3.0
Viele Ernährungsfachkräfte kennen das Deutsche Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet) noch aus früheren Jahren. Seit November 2025 präsentiert sich das Portal unter ernaehrung.de nach einem umfassenden Relaunch mit modernem Design, verbesserter Navigation und einem deutlich erweiterten Angebot. Besonders erfreulich: Dank der Unterstützung der Stiftung Ernährung und Gesundheit ist das Portal nun vollständig werbefrei.
Das neue Angebot richtet sich an Fachkräfte ebenso wie an interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher. Neben übersichtlich aufbereiteten Patienteninformationen finden sich Beratungsmaterialien, Fachartikel, Rezepte, eine Nährwertdatenbank mit Berechnungsfunktionen sowie verschiedene Tools und Kompendien für die Ernährungsberatung und -therapie. Ergänzt wird das Angebot durch eine Expertensuche sowie Hinweise auf Fort- und Weiterbildungen.
Beratungspraxis
Leitlinien-Update: Zöliakie-Diagnostik wird biopsieärmer und stärker individualisiert
Die aktualisierte europäische Zöliakie-Leitlinie ändert vor allem eines: In bestimmten Fällen lässt sich die Diagnose künftig allein über das Blut stellen – ohne Magenspiegelung und Gewebeprobe (Biopsie). Das Vorgehen wird individueller, ohne an diagnostischer Sicherheit zu verlieren.
Wichtigster Test bleibt die Bestimmung bestimmter Antikörper im Blut (Anti-TG2-IgA – Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebstransglutaminase). Ein zweiter Antikörpertest (Endomysium-Antikörper) wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, kann bei unklaren Befunden aber ergänzend helfen. Bei Erwachsenen unter 45 Jahren ist eine Diagnose ohne Magenspiegelung und Biopsie möglich, wenn der Anti-TG2-Wert mindestens zehnmal so hoch ist wie der obere Normwert und eine zweite Blutprobe den Befund bestätigt.
Zentrale Neuerungen für die Beratungspraxis
- Diagnose ohne Biopsie in ausgewählten Fällen: Bei deutlich erhöhten Antikörperwerten kann unter klaren Bedingungen auf die Gewebeprobe verzichtet werden.
- Gentest nur gezielt: Die Bestimmung der Erbmerkmale HLA-DQ2/DQ8 wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, ist aber bei Risikogruppen oder unklaren Fällen hilfreich.
- Schnelltests immer absichern: Ein positiver Schnelltest (Point-of-care-Test) sollte stets durch die reguläre Labor-Serologie und gegebenenfalls eine Biopsie bestätigt werden.
- Strukturierte Nachsorge: Verlaufskontrollen sollen neben den Laborwerten auch Therapietreue, seelisches Wohlbefinden, Lebensqualität und das individuelle Risikoprofil berücksichtigen.
- Übergang begleiten: Ein „Zöliakie-Pass“ soll den Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin erleichtern.
Für die Ernährungstherapie bleibt die lebenslange, streng glutenfreie Ernährung die zentrale Maßnahme. Neu betont wird, was in der Beratung oft entscheidend ist: eine ausgewogene Lebensmittelauswahl, ein gesunder Stoffwechsel, das Vorbeugen von Nährstoffmängeln und eine verlässliche Lebensmittelkennzeichnung. Bestehen trotz abgeheilter Darmschleimhaut (histologische Remission) weiter Beschwerden, kann zeitweise eine FODMAP-arme Ernährung (Reduktion bestimmter schwer verdaulicher Kohlenhydrate) erwogen werden – gut begründet und fachlich begleitet, um unnötige Einschränkungen zu vermeiden.
Damit stärkt die Leitlinie ein Beratungskonzept, das über die reine Glutenvermeidung hinausgeht: diagnostische Klarheit, gemeinsame Entscheidungen mit den Betroffenen, Alltagstauglichkeit und langfristige Begleitung. Für Ernährungsfachkräfte heißt das, Menschen mit Zöliakie nicht nur bei der glutenfreien Ernährung zu unterstützen, sondern auch Nährstoffversorgung, Lebensqualität, Therapietreue und seelische Belastungen im Blick zu behalten.
Zur Leitlinie – Teil 1: Diagnostik (ESsCD 2025)
Zur Leitlinie – Teil 2: Management & Nachsorge
🔒 Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Fettleber: Die Ernährung ist bei der Fettleber einer der stärksten Hebel, weil sie das Leberfett, die Entzündungsaktivität und das Fortschreiten der Vernarbung beeinflusst. Im Mittelpunkt stehen wenige, klar priorisierte Stellschrauben. Die praktische Umsetzung wird im Beitrag entlang typischer Alltagshürden strukturiert.
Meal Prepping: Es stehen neue und praxistaugliche Materialien zum Thema Meal Prepping vom Folienset über einen Arbeitsbogen und einen Wochenbeispielplan bis zu Minipostern und Rezeptlinks zur Verfügung. Die Materialien eignen sich zur Information, zur Weitergabe im Alltag und als Unterstützung im Beratungsprozess.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Frauen – (Reiz-)Darm und Psyche
Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 17.11.2026
Veranstaltet von: FEM-Academy
Referierende: Beatrice Schilling, Ernährungsberaterin SVDE, BSc Ernährung und Diätetik, CAS
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 380 EUR netto
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Diese Fortbildung beleuchtet die enge Verbindung zwischen Darm, Psyche und Ernährung mit besonderem Fokus auf die weibliche Perspektive. Frauen sind deutlich häufiger von funktionellen Verdauungsstörungen wie dem Reizdarmsyndrom betroffen. Neben hormonellen und ernährungsphysiologischen Faktoren spielt auch die psychische Ebene eine zentrale Rolle.
Beatrice Schilling zeigt auf, wie Ernährungstherapie und Ernährungspsychologie ineinandergreifen, um Klientinnen und Klienten ganzheitlich und wirksam zu begleiten. Ziel ist es, das Zusammenspiel biologischer, psychischer und ernährungsbezogener Faktoren besser zu verstehen und dieses Wissen gezielt in die Beratungspraxis zu integrieren.
Zusätzlicher Hinweis: FEM FOCUS – kostenfreier Info-Abend
Am 17. August 2026 um 20:00 Uhr stellt die FEM-Academy online via Zoom das Programm FEM FOCUS vor. Der Info-Abend richtet sich an Fachkräfte, die Frauen mit Endometriose, PCOS, Kinderwunsch oder in den Wechseljahren beraten und mehr Sicherheit in der ernährungstherapeutischen Begleitung gewinnen möchten. Teilnehmende erhalten einen Überblick über Aufbau und Inhalte des 6-teiligen Programms und können eigene Fragen stellen. Die Anmeldung für das Programm ist nur noch bis zum 25. August 2026 möglich. Auch hier gibt es für Mitglieder 10 % Ermäßigung.
Newsletter abonnieren:
✓ aktuell, kompakt, kostenfrei
✓ Datenschutz-konform
✓ jederzeit kündbar