19.01.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Studie: Konservierungsstoffe und Krebsrisiko – Assoziation ohne Kausalität
Eine französische Kohortenstudie der Université Sorbonne Paris Nord deutet auf mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Konservierungsstoffen und einer erhöhten Krebsinzidenz hin. Die Untersuchung analysierte Daten von über 105.000 Erwachsenen der NutriNet-Santé-Kohorte über durchschnittlich 7,5 Jahre [Has 2025]. Von 58 geprüften Konservierungsstoffen wurden 17 von mindestens 10 % der Teilnehmenden konsumiert, darunter Zitronensäure (E 330), Natriumnitrit (E 250), Kaliumsorbat (E 202) oder auch verschiedene Sulfite.
Zentrale Befunde: Während die Gesamtgruppe der Zusatzstoffe keine Assoziation zeigte, fanden sich bei Einzelsubstanzen moderate Risikoerhöhungen. Beispielsweise war ein hoher Konsum von Kaliumsorbat mit einem um 14 % erhöhten Gesamtkrebsrisiko und um 26 % erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert. Natriumnitrit zeigte eine Assoziation mit Prostatakrebs; Kaliummetabisulfit mit Brust- und Gesamtkrebs. Die absoluten Risikoerhöhungen bewegten sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Einordnung: Die Limitationen der Studie sind erheblich. Wie das begleitende Editorial von Wang und Giovannucci (Harvard T.H. Chan School of Public Health) betont, lässt sich aufgrund der nur moderat erhöhten Risikoschätzungen kein kausaler Zusammenhang ableiten. Zentral ist das Problem nicht berücksichtigter Störfaktoren: Nitrite und Nitrate wurden überwiegend über verarbeitetes Fleisch aufgenommen, Sulfite hauptsächlich durch alkoholische Getränke. Beide sind Lebensmittelgruppen mit eigenem krebserregenden Potenzial. Die beobachteten Assoziationen könnten daher auf andere Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel zurückzuführen sein, etwa heterozyklische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder auch Acetaldehyd.
Praktische Relevanz: Die Studie liefert Hinweise, jedoch keine belastbaren Beweise für einen kausalen Zusammenhang. Eine Neubewertung von Grenzwerten und Kennzeichnungspflichten durch Regulierungsbehörden erscheint sinnvoll. Die allgemeine Empfehlung zu frisch zubereiteten, möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln bleibt valide: Nicht primär wegen einzelner Konservierungsstoffe, sondern aufgrund der Gesamtzusammensetzung hochverarbeiteter Produkte. Weitere Studien mit verbesserter Kontrolle von Hintergrundfaktoren sind notwendig, um kausale Schlüsse zu ermöglichen.
Vorgestellt
Umfrage: Visualisierungen von Ernährungsempfehlungen
Wie lassen sich Visualisierungen lebensmittelbezogener Ernährungsempfehlungen so gestalten, dass sie bestmöglich verstanden werden? Um diese Frage geht es in einer Studie, die das ife Institut für Ernährung und Ernährungswirtschaft e.V. in Kooperation mit der Universität Erfurt im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durchführt. Ihre Perspektive ist dabei von großer Bedeutung: Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um Visualisierungen in Deutschland wissenschaftlich weiterzuentwickeln.
Die Befragung richtet sich an Ernährungsberater*innen und Lehrkräfte, die Ernährungsthemen unterrichten. Die Dauer der Umfrage beträgt ca. 15 Minuten.
Bericht: Konzernatlas 2026 für Deutschland
Der Konzernatlas 2026 wird von der Heinrich Böll Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Organisation Oxfam herausgegeben. Er bündelt aktuelle Daten und Analysen zur wachsenden Marktmacht großer Agrar- und Lebensmittelkonzerne, von Saatgut über Landwirtschaft bis zum Einzelhandel. Der Atlas zeigt, wie wenige Unternehmen Märkte dominieren, Preise beeinflussen und Produktionsbedingungen prägen. Deutlich wird auch, wie politische Einflussnahme, internationale Verflechtungen und digitale Steuerungssysteme bestehende Abhängigkeiten verstärken.
Ein Schwerpunkt liegt auf den Folgen für Lebensmittelqualität, Umwelt und Gesundheit. Der Rückgang handwerklicher Betriebe, steigende Emissionen in der Fleisch- und Milchwirtschaft, die Privatisierung von Wasser sowie das gezielte Vermarkten stark verarbeiteter Produkte werden ebenso beleuchtet wie der weltweite Handel mit Saatgut, Futtermitteln sowie verbotenen Pflanzenschutzmitteln. Der Atlas verdeutlicht, dass Preisbildung selten durch echte Konkurrenz entsteht, sondern durch Machtverhältnisse entlang der Lieferketten bestimmt wird.
Neben der Analyse zeigt der aktuelle Konzernatlas auch Wege zur Veränderung. Diskutiert werden stärkere Regeln für Märkte, neue Formen gemeinschaftlicher Organisation, öffentliche Vorräte zur Stabilisierung von Preisen und mehr Mitsprache bei der Gestaltung regionaler Ernährungssysteme. Ergänzt wird der Atlas durch Podcasts und thematische Beiträge, die Hintergründe vertiefen und aktuelle Entwicklungen einordnen. Der Konzernatlas ist für alle kostenfrei als PDF-Download verfügbar.
Beratungspraxis
Beratungsansätze: Wie frühe Erfahrungen Essverhalten prägen
Belastende Erlebnisse in der Kindheit können die körperliche und seelische Entwicklung langfristig beeinflussen. Dazu zählen unter anderem Vernachlässigung, Gewalt, instabile Familienverhältnisse oder dauerhafte Unsicherheit. Solche Erfahrungen wirken oft über viele Jahre nach und prägen, wie Menschen mit Stress, Gefühlen oder Beziehungen umgehen. Studien zeigen, dass diese frühen Belastungen mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme im Erwachsenenalter verbunden sind. Je mehr solcher Erfahrungen zusammenkommen, desto stärker können sich die Auswirkungen zeigen.
Auch das Essverhalten kann von diesen frühen Prägungen beeinflusst werden. Wenn der Umgang mit schwierigen Gefühlen nicht ausreichend erlernt wurde, kann Essen eine regulierende Funktion übernehmen. Es dient dann nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern auch der Beruhigung, Ablenkung oder kurzfristigen Entlastung. In diesem Zusammenhang sind ein höheres Körpergewicht oder wechselnde Essmuster häufig eher Ausdruck tieferliegender Belastungen als deren Ursache. Die reine Kontrolle von Portionsgrößen oder das Gewicht greift daher oft zu kurz.
Ein wirksamer Ansatz setzt stattdessen auf Sicherheit, Vertrauen und das Stärken der Selbstwahrnehmung. Ziel ist es, wieder besser auf körperliche Signale zu achten, Genuss zuzulassen und Gefühle bewusst wahrzunehmen sowie einzuordnen. Schrittweise entsteht so ein respektvollerer Umgang mit dem eigenen Körper und den eigenen Bedürfnissen. Bewegung wird dabei nicht als Pflicht verstanden, sondern als Form der Selbstfürsorge. Langfristig kann dies zu einem stabileren, entspannteren Essverhalten beitragen.
Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue und aktualisierte Veröffentlichungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Food Noise: Unser neuer Grundlagenartikel „Food Noise: Wenn Essensgedanken keine Ruhe lassen“ behandelt das psychologische Konzept des Food Noise, das durch anhaltende, belastende Gedanken ans Essen gekennzeichnet ist. Diese Gedanken werden als unkontrollierbar wahrgenommen und können erheblich die Lebensqualität sowie das Gewichtsmanagement beeinträchtigen, was die Relevanz für die Ernährungsberatung unterstreicht.
Refluxkrankheit: Unser neues dynamisches Folienset liefert praxistaugliche Slides zum Krankheitsbild und zur Ernährungstherapie der Refluxkrankheit – angelegt für das Beratungsgespräch mit dem Patienten.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Zyklusfood – Den weiblichen Zyklus mit Ernährung optimal begleiten
Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 21.02.2026
Veranstaltet von: freiraum Seminare
Referierende: Melanie Dell Oro
Kosten / Rabatt: 135 EUR statt 155 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Das Webinar bündelt aktuelle Forschung zur Rolle der Ernährung im weiblichen Zyklus.
Im Fokus stehen Studien zum Zusammenhang zwischen Ernährungszusammensetzung und hormoneller Balance.
Auf dieser Basis wird eine zyklusoptimierte Ernährung vorgestellt, angepasst an die Stoffwechselbesonderheiten der einzelnen Zyklusphasen. Die sogenannte hormongesunde Ernährung ist überwiegend pflanzenbasiert, abwechslungsreich und vollwertig. Sie zielt darauf ab, Hormonschwankungen auszugleichen und zyklusbedingte Beschwerden zu lindern.
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