FETeV Newsletter 2026-31

31.08.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Übersichtsartikel: Ernährungsinterventionen bei PMOS wirken, die Wahl der Kostform bleibt individuell

Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS), ehemals PCOS, ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Internationale Leitlinien sehen eine Anpassung der Lebensweise als erste therapeutische Stufe. Eine systematische Übersichtsarbeit im European Journal of Nutrition hat 38 Studien aus den Jahren 2015 bis 2025 ausgewertet. Untersucht wurden nur eigenständige Ernährungsinterventionen, ohne Bewegung, Medikamente oder Nahrungsergänzung.

Die meisten Kostformen senkten Körpergewicht, Body-Mass-Index und Taillenumfang. Zugleich verbesserten sich die Insulinsensitivität (Wirkung des Hormons Insulin), die Regulation der Sexualhormone und die Regelmäßigkeit der Menstruation. Befunde zu Blutfetten, Entzündungswerten und oxidativem Stress blieben uneinheitlich. Die methodische Qualität der randomisierten Studien war überwiegend mittelmäßig. Direkte Vergleiche zwischen den Kostformen fehlten.

Die ketogene Kost (sehr kohlenhydratarm und fettreich) und Kostformen mit niedrigem glykämischem Index zeigten häufiger Vorteile bei Körpermaßen und reproduktiven Parametern. Die DASH-Kost, eine obst- und gemüsereiche Kostform mit wenig Salz, und kalorienreduzierte Kostformen verbesserten häufiger glykämische Marker und Blutfette. Intervallfasten lieferte je nach Dauer und Ausgangslage unterschiedliche Ergebnisse. Die Autorinnen empfehlen deshalb keine einzelne Idealform, sondern eine an Body-Mass-Index, Insulinresistenz und Alltagsgewohnheiten angepasste Ernährung.

Für die Ernährungspraxis bleibt der Kern: Eine tragfähige Ernährungsumstellung kann metabolische und hormonelle Parameter bei PMOS verbessern. Eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent ist mit besserer Ovulation (Eisprung) und niedrigeren Insulin- sowie Androgenspiegeln verbunden. Langfristige, große randomisierte Studien zu reinen Ernährungsinterventionen fehlen jedoch. Die Wahl der Kostform richtet sich daher nach Verträglichkeit, Alltagstauglichkeit und dem individuellen Risikoprofil, nicht nach einem festen Schema.

Hinweis: Das PCOS wurde international in PMOS umbenannt.


App: Velto dokumentiert Dosis, Ernährung und Verlauf unter GLP-1-Therapie

Velto ist eine Smartphone-App zur Dokumentation von Therapien mit GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Medikamente ahmen das Darmhormon Glucagon-like Peptide-1 nach und werden bei Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt. Die App stammt von der Berliner MoneyCoach UG und ist für iOS verfügbar. Injektionen und Tabletten lassen sich mit individueller Dosis und Intervallen von drei bis 30 Tagen protokollieren.

Erfasst werden außerdem Mahlzeiten, Gewicht, Stimmung, Nebenwirkungen, Trinkmenge und Schritte. Erinnerungen richten sich nach dem hinterlegten Behandlungsintervall. Eine Tabellendatei der Behandlungshistorie steht im Premium-Abo für Auswertungen und Arztgespräche bereit. Auf der Website stehen zusätzlich kostenfreie Planungshilfen bereit, etwa ein Rechner für den Body-Mass-Index, ein Nebenwirkungsprotokoll und ein Verlaufstracker. Die Tools geben keine Dosierungs- oder Therapieempfehlung.

Die strukturierte Verlaufsdokumentation über Einnahmetreue, Nebenwirkungen und Ernährungsanpassung kann die Begleitung durch Therapeuten und Ärzte unterstützen. Die App ist kein Medizinprodukt und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern von Ozempic, Wegovy, Mounjaro oder Zepbound. Die App ersetzt keine eigenständige therapeutische Bewertung.

Transparenzhinweis: Wir stellen diese App aus redaktionellem Interesse vor. FETeV erhält dafür keine Vergütung und steht in keiner geschäftlichen Beziehung zum Anbieter.


DAK-Report: Mehr ADHS-Fälle bei Kindern – und was das mit Ernährung zu tun hat

Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen wird ADHS neu diagnostiziert, wie der DAK-Kinder- und Jugendreport auf Basis der Daten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen ergab. Danach stieg die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei den 3- bis 17-Jährigen von 14,6 je 1.000 im Jahr 2023 auf 17,0 je 1.000 im Jahr 2024 – ein Plus von 16 Prozent. Gegenüber 2020 beträgt der Anstieg sogar 28 Prozent. Hochgerechnet erhielten 2024 bundesweit etwa 202.000 Kinder und Jugendliche erstmals eine ADHS-Diagnose.

Was hat das mit Ernährungstherapie und -beratung zu tun? Kinder mit ADHS und ihre Familien stehen im Ernährungsalltag häufig vor besonderen Herausforderungen. Betroffene Familien benötigen deshalb eine qualifizierte Begleitung, die individuelle Esssituationen und familiäre Belastungen berücksichtigt. Ernährungsfachkräfte können dabei helfen, eine bedarfsgerechte Ernährung im Alltag zu sichern, Mahlzeiten praktikabel zu strukturieren und Veränderungen von Appetit und Essverhalten im Blick zu behalten, insbesondere bei medikamentös behandelten Kindern. Ernährungstherapie sollte dabei nicht als alternative ADHS-Behandlung verstanden werden, sondern als möglicher Baustein einer multiprofessionellen Versorgung, wie sie der DAK-Report mit Blick auf Familien und Schulen anmahnt.

Monika Rahimi, Oecotrophologin aus dem niedersächsischen Bippen mit langjähriger Praxiserfahrung in der Betreuung von Kita- und Grundschulkindern, kommentiert die Entwicklung: „ADHS sitzt in den betroffenen Familien immer mit am Tisch – und beeinflusst Appetit, Körperwahrnehmung, Impulskontrolle, Mahlzeitenstruktur und Lebensmittelauswahl oft stärker, als auf den ersten Blick erkennbar ist. ADHS tritt häufig als Nebendiagnose auf und muss dann im Beratungsprozess mitgedacht werden – insbesondere dann, wenn Herausforderungen bei Planung, Organisation und Umsetzung eine Rolle spielen. Das Thema ADHS bei Kindern gehört in den Werkzeugkoffer jeder Ernährungsfachkraft.“

Dr. Friedhelm Mühleib
(Mitglied FET-Vorstand)

Mehr zum Thema bietet das freiraum-Webinar „ADHS ganzheitlich betrachtet – die Rolle der Ernährung im Therapieprozess“ mit Monika Rahimi (Dipl. oec. troph. und Diätassistentin) und der Dipl.-Psychologin und Ernährungstherapeutin (M.Sc.) Ulrike Piske.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Adipositas – Grundlagen: Der Grundlagenbeitrag ordnet die zentralen Ernährungshebel der Adipositastherapie ein und zeigt Strategien für die langfristige Gewichtsstabilisierung. Behandelt werden moderates Energiedefizit, Getränkeauswahl, Energiedichte und Sättigung, hochverarbeitete Lebensmittel sowie Mahlzeitenstruktur und Selbstbeobachtung. Typische Hürden wie Heißhunger, Zeitmangel und soziale Anlässe sind entlang der Hebel eingeordnet.

Rheumatoide Arthritis – 12 Ernährungsoptionen: Die Übersicht ordnet zwölf Ernährungsoptionen nach ihrer Hebelwirkung – zuerst die breit auf Entzündung und Begleiterkrankungen wirkenden Maßnahmen, danach die an Beschwerden, Laborwerte oder Medikamente gebundenen. Zu jeder Option sind Wirkprinzip, Umsetzung und Einsatzsituation ausgewiesen. Mitglieder können sie als Handout drucken/ speichern.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Essstörungen ernährungspsychologisch beraten und begleiten (2 Blöcke, 7 Tage)

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 25.–28.9.2026 (Block 1) und 3.-5.10.2026 (Block 2)
Veranstaltet von: prof.e.a.t.-Akademie
Referierende: Sonja Mannhardt und Anja Schneider
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 1.100 EUR zzgl. MwSt. / 10 % Rabatt (auf Anfrage)
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Die Beratung und Begleitung von Menschen mit manifesten Essstörungen oder gestörtem Essverhalten fordert von qualifizierten Ernährungsfachkräften hohe fachliche, beratungsmethodische und psychologische Kompetenzen.

Der Qualifikationskurs befähigt Ernährungsfachkräfte theoretisch und praktisch, diese spezifische Patientengruppe kennenzulernen sowie kompetent zu beraten und zu begleiten.

In zwei Blöcken mit insgesamt 6 Modulen und 7 Fortbildungstagen sowie 2 ECTS lernen die Teilnehmenden verschiedene Krankheitsbilder kennen. Im Mittelpunkt stehen das Verständnis für Essstörungen sowie die Frage, was Betroffene in der ernährungstherapeutischen Begleitung benötigen und von Fachkräften erwarten.

Die Fortbildung findet vollständig online statt und schließt mit einem Zertifikat ab.