FETeV Newsletter 2026-35

28.09.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Metaanalyse: Darmmikrobiota als Ansatz bei Arthrose

Kann eine gezielte Veränderung der Darmmikrobiota Schmerzen bei Arthrose lindern? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit untersuchte diese Frage anhand von 18 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 2.080 Teilnehmenden. Verglichen wurden Probiotika, Präbiotika, Synbiotika und verschiedene Ernährungsinterventionen mit Placebo, Standardversorgung oder Kontrolldiäten.

Die Interventionen verbesserten mehrere klinische Endpunkte. Die standardisierte Mittelwertdifferenz, kurz SMD, beschreibt die Größe eines Effekts über unterschiedlich skalierte Studien hinweg. Sie betrug −0,66 für Schmerzen auf der visuellen Analogskala und −0,62 für den WOMAC-Schmerzscore. Das entspricht einem mittelgroßen Effekt. Der WOMAC-Index erfasst Schmerzen, Steifigkeit und körperliche Funktion bei Arthrose. Auch die WOMAC-Funktion und der Gesamtscore verbesserten sich. Zudem sanken hs-CRP, Blutsenkungsgeschwindigkeit und Interleukin-1β. Während hs-CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit unspezifisch entzündliche Prozesse im Körper anzeigen, ist Interleukin-1β als entzündungsfördernder Botenstoff an der Gelenkentzündung und dem Knorpelabbau beteiligt. Probiotika zeigten tendenziell größere Effekte als reine Ernährungsinterventionen.

Keine statistisch signifikanten Unterschiede ergaben sich indes bei Steifigkeit, Körpergewicht, Kniebeugewinkel, Interleukin-6 und dem Knorpelmarker COMP. Wie verlässlich die Ergebnisse sind, unterscheidet sich deutlich. Am zuverlässigsten waren die Ergebnisse zur körperlichen Funktion, am unsichersten jene zur allgemeinen Schmerzbewertung. Nur für Schmerzen und körperliche Funktion im WOMAC-Fragebogen lagen genügend Daten für eine belastbare Einschätzung vor.

Einordnung: Die Ergebnisse sprechen für einen möglichen symptomatischen Nutzen, besonders von Probiotika. Eine knorpelschützende oder krankheitsmodifizierende Wirkung ist nicht belegt. Unterschiedliche Präparate, Ernährungsformen und Studiendesigns begrenzen zudem die allgemeinen Empfehlungen.


Kolumne: Vorsicht, wissenschaftlich bewiesen!

Eine Person lehnt lässig an einer Wand, Arme verschränkt, wissender Blick in die Kamera. Darüber in fetten Lettern: „Was die Lebensmittelindustrie über Zucker verschweigt.“ Darunter, deutlich kleiner, der Verweis auf eine einzelne, kleine Studie.

Wer beruflich mit Ernährung zu tun hat, scrollt täglich an solchen Beiträgen vorbei. Genau dort setzt die Kolumne der Essener Neurologin Dagny Holle-Lee an, die uns mehrere Tage beschäftigt hat. Ihre Beobachtung: Der Zugang zu Studien steht heute allen offen. Das Verständnis wächst deshalb aber nicht automatisch mit. Wie reichlich der Stoff für solche Beiträge ist, zeigt eine Analyse im American Journal of Clinical Nutrition. Zu 40 von 50 zufällig aus einem Kochbuch gezogenen Zutaten fanden sich Studien zum Krebsrisiko.

Holle-Lee trennt statistische Signifikanz von klinischer Relevanz. Statistische Signifikanz bedeutet lediglich, dass ein Unterschied wahrscheinlich nicht durch Zufall entstanden ist. Über die Größe eines Effekts sagt sie indes nichts aus. Eine Zusammenfassung randomisierter Studien zur Frage, ob Frühstücken beim Abnehmen hilft, fand einen Unterschied von 0,44 Kilogramm, und zwar zugunsten derer, die das Frühstück ausließen. Nachweisbar, im Beratungsalltag aber eher bedeutungslos. Auch Metaanalysen gelten der Autorin als Momentaufnahmen, und auch Leitlinien spiegeln nur den aktuellen Stand wider. So galten Magengeschwüre lange als Folge von Stress und Magensäure, bis sich Helicobacter pylori als Ursache und die antibiotische Behandlung durchsetzten.

Hinzu kommt die Darstellung. Verarbeitetes Fleisch erhöhe das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent: Dieselben Daten lassen sich auch so ausdrücken, dass von 100 Menschen statt etwa fünf künftig etwa sechs erkranken. Beobachtungsdaten wiederum belegen keine Ursache. Weil Karotten und Grünkohl in Beobachtungsstudien mit weniger Lungenkrebs einhergingen, gab man Rauchern Beta-Carotin als Kapsel. In der Studie mit 29.133 Männern erkrankte die Kapselgruppe dann häufiger als die Vergleichsgruppe. Heute raten Fachgesellschaften von Beta-Carotin-Präparaten zur Krebsvorbeugung ab. Das Gemüse selbst gilt unverändert als empfehlenswert.

Holle-Lees Fazit richtet sich nicht gegen die Wissenschaft, sondern gegen ihre Verkürzung. Ihre Stärke liege nicht darin, niemals zu irren, sondern darin, Irrtümer immer wieder zu korrigieren. Unsicherheit auszuhalten gehört zu dieser Haltung dazu, im Fachgespräch ebenso wie in der Kommentarspalte und in Posts auf Social-Media-Plattformen.


Good Practice: Bewährte Techniken der Verhaltensänderung bei Gewichtsabnahme und Gewichtserhalt

Informationen über Ernährung und Bewegung reichen häufig nicht aus, um Veränderungen dauerhaft in den Alltag zu übertragen. Beratung kann deshalb konkrete Techniken einsetzen, die Zielbildung, Selbststeuerung und praktische Umsetzung unterstützen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Methoden zu kombinieren. Die gewählten Techniken sollten zum Veränderungsziel, zur Alltagssituation und zur jeweiligen Beratungsphase passen.

Eine aktuelle Metaanalyse stützt dieses Vorgehen. Verhaltensbezogene Interventionen führten langfristig zu durchschnittlich etwa 3,25 Kilogramm zusätzlicher Gewichtsabnahme gegenüber Kontrollbedingungen. Besonders relevant waren Zielsetzung, Selbstbeobachtung, Rückmeldung, praktische Anleitung und die Entlastung mentaler Ressourcen.

  • Konkrete Ziele vereinbaren: Beobachtbare Verhaltensziele erleichtern die Planung und spätere Überprüfung.
  • Verhalten dokumentieren: Ernährungsweise, Bewegung oder Routinen werden regelmäßig und möglichst alltagsnah erfasst.
  • Ergebnisse beobachten: Gewichtsverlauf und weitere vereinbarte Zielgrößen werden getrennt vom Verhalten ausgewertet.
  • Gezielt Rückmeldung geben: Feedback verbindet dokumentiertes Verhalten mit Fortschritten, Schwierigkeiten und möglichen Anpassungen.
  • Verhalten praktisch demonstrieren: Übungen, Mahlzeitenplanung oder Portionsgestaltung werden nicht nur erklärt, sondern gemeinsam erprobt.
  • Mentale Belastung reduzieren: Vereinfachte Abläufe, vorbereitete Entscheidungen und passende Anreize entlasten die Selbststeuerung.

Cave: Die Techniken unterstützen vor allem den Aufbau veränderter Verhaltensweisen während einer aktiven Intervention. Für die Zeit danach ist kein zusätzlicher Effekt gegenüber Kontrollbedingungen belegt. Der bereits erreichte Gewichtsvorteil blieb jedoch bestehen. Einzelne Techniken und ihre Kombinationen lassen sich anhand der bisherigen Daten nicht abschließend bewerten.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

ADHS – Beratungsmaterialien: Hier finden sich Arbeitshilfen rund um Ernährung bei ADHS, vom Kurzportrait zum Krankheitsbild und den möglichen Ernährungsoptionen über Folien und Miniposter bis zu Handouts. Sie helfen, Fragen zu Zucker, Zusatzstoffen, Omega-3-Fettsäuren oder dem verminderten Appetit unter Stimulanzien fundiert zu beantworten.

Pollenassoziierte Kreuzallergien kompakt: Pollenassoziierte Kreuzallergien sind sekundäre Sofortreaktionen auf pflanzliche Lebensmittel nach einer Pollenallergie und äußern sich meist als Jucken oder Kribbeln im Mund. Der Steckbrief erklärt die entscheidenden Proteinfamilien, typische Auslöserpaare und warum gekochtes Obst oft vertragen wird. Er zeigt außerdem, welche Ausnahmen gefährlich bleiben und wann das Notfallset nötig ist.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Ernährung bei Multipler Sklerose – evidenzbasiert begleiten, sicher beraten

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 28.10.2026
Veranstaltet von: diaeata-Akademie
Referierende: Dr. Petra Goergens
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 159 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Die Fortbildung vermittelt praxisnah die Grundlagen der Ernährungstherapie bei Multipler Sklerose. Die Teilnehmer*innen erhalten einen Überblick über Krankheitsbild, Symptome und aktuelle Therapieansätze sowie über die Bedeutung der Ernährung bei MS.

Im Fokus stehen evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen, der Umgang mit unterschiedlichen Ernährungsstilen und Nahrungsergänzungsmitteln sowie häufige Fragen und Unsicherheiten von Betroffenen.

Ziel ist es, eine sichere Grundlage für eine individuelle und kompetente ernährungstherapeutische Beratung zu schaffen.