26.01.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Studie: Planetary Health Diet in der Schwangerschaft – Ernährungsmuster erfordern individuelle Betrachtung
Die Planetary Health Diet gilt als wissenschaftlich fundiertes Ernährungsmuster, das Gesundheit und Umweltschutz verbindet. Eine aktuelle Kohortenstudie mit 1.464 Schwangeren zeigt jedoch, dass eine hohe Adhärenz während der Schwangerschaft mit Veränderungen der fetalen Körperzusammensetzung assoziiert war: höheres Fetalgewicht, größerer Kopfumfang, höheres Fettvolumen und geringere Magermasse ab dem zweiten Trimester [Cla 2025].
Expertinnen und Experten bewerten die Ergebnisse differenziert. Katie Dalrymple vom King’s College London weist auf methodische Limitationen hin und empfiehlt schwangeren Frauen explizit, bewährte gesunde Ernährungsgewohnheiten auf pflanzlicher Basis nicht aufgrund dieser einzelnen Beobachtungsstudie zu ändern. Tom Sanders betont, dass eine normale fetale Fettansammlung physiologische Vorteile hat: Sie dient als Wärmeisolierung, Energiereserve und liefert wichtige Fettsäuren für die Entwicklung von Gehirn und Sehvermögen. Unklar bleibt jedoch, ob die in der Studie beobachtete erhöhte Fettakkumulation noch im physiologischen Bereich liegt oder bereits als exzessiv einzustufen ist.
Die Studie verdeutlicht, dass selbst wissenschaftlich fundierte Ernährungsmuster nicht für alle Lebensphasen und Personengruppen gleichermaßen optimal sein müssen. In der Schwangerschaft spielen spezifische metabolische Anforderungen und individuelle Ausgangsbedingungen eine zentrale Rolle.
Vorgestellt
Politische Initiative: SPD-Aktionsplan zu hohen Lebensmittelpreisen
Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind seit 2020 um mehr als 35 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung betrifft besonders Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen und beeinflusst zunehmend die Ernährungsqualität vulnerabler Gruppen. Die SPD-Bundestagsfraktion hat im Januar 2026 einen Aktionsplan vorgelegt, der mehrere Maßnahmen zur Preissenkung und Transparenz vorsieht.
Der Plan sieht die Einführung eines freiwilligen „Deutschland-Korbs“ nach griechischem Vorbild vor. Handelsketten sollen demnach Grundnahrungsmittel aus deutscher Produktion preisstabil und günstiger anbieten. Weitere Maßnahmen umfassen eine staatliche Preisbeobachtungsstelle, die Preisentwicklungen vom Erzeuger bis zum Verkauf transparent macht, sowie eine Kennzeichnungspflicht für sogenannte Mogelpackungen. Diese entstehen, wenn Hersteller Verpackungen verkleinern, ohne den Preis entsprechend anzupassen.
Kernpunkte des Aktionsplans
- Deutschland-Korb: Freiwilliges Angebot preisreduzierter Grundnahrungsmittel durch Handelsketten
- Preisbeobachtungsstelle: Transparente Darstellung der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette
- Kennzeichnungspflicht: Klarstellung bei versteckten Preiserhöhungen durch Mengenreduktion
- Schutz für Erzeuger: Sicherung fairer Preise für landwirtschaftliche Betriebe
Aktuelle Befragungen des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigen, dass 68 Prozent der Befragten Preissteigerungen vor allem im Lebensmittelbereich spüren. 45 Prozent müssen sich beim Einkauf einschränken. Für die Ernährungsberatung wird dieser Aspekt zunehmend relevant, da finanzielle Einschränkungen die Umsetzung ernährungstherapeutischer Empfehlungen erschweren können.
Beratungspraxis
Best Practices: Fundierte Strategien für ein nachhaltiges Gewichtsmanagement
Das Gewichtsmanagement gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Ernährungstherapie. Die Praxis zeigt, dass kurzfristige Diäten selten zu dauerhaften Erfolgen führen. Die aktuelle Evidenz spricht klar für schrittweise, konsequente Veränderungen, die nicht nur die Gewichtsstabilität fördern, sondern auch die körperliche und psychische Gesundheit schützen. Ein auf der Website foodfacts.org vorgestellter wissenschaftlich fundierter Ansatz verzichtet auf Verbote und setzt stattdessen auf nachhaltige Verhaltensänderungen in 7 Strategien.
7 zentrale Strategien
- Ernährungsmuster statt Einzellebensmittel: Mediterrane Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Obst, Nüssen und Olivenöl senkt kardiovaskuläres Risiko und verbessert die Stoffwechselgesundheit nachweislich.
- Energiebilanz ohne Extremreduktion: Bewusstsein für Energiedichte und Lebensmittelkennzeichnung entwickeln, ohne zu zwanghaftem Tracking anzuregen; achtsames Essen und Ernährungstagebücher fördern natürliche Mäßigung.
- Protein, Ballaststoffe und Pflanzenvielfalt: Proteinreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Fisch und Tofu fördern Sättigung und Muskelerhalt; Ballaststoffe stabilisieren den Blutzuckerspiegel; mindestens 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche unterstützen die Darmmikrobiom-Diversität.
- Bewegung als Grundpfeiler: Kombination aus Krafttraining zur Muskelerhaltung und aerobem Training zur Steigerung des Energieverbrauchs; entscheidend für langfristigen Erfolg und Stoffwechselgesundheit.
- Schlaf und Stress beachten: Schlafmangel reduziert Leptin und erhöht Ghrelin, was zu verstärktem Appetit auf energiedichte Lebensmittel führt; chronischer Stress erhöht Cortisol und fördert Fettspeicherung.
- Verhaltensstrategien einsetzen: Zielsetzung, Selbstbeobachtung, Problemlösung und professionelle Begleitung helfen, neue Gewohnheiten dauerhaft zu etablieren und Rückfälle zu vermeiden.
- Messwerte differenziert betrachten: Die Waage unterscheidet nicht zwischen Fett-, Muskel- und Wassermasse; zusätzliche Parameter wie Taillenumfang, Körperzusammensetzung, Kraftzuwachs und subjektives Wohlbefinden liefern aussagekräftigere Verlaufskontrollen.
Diese Strategien bilden bereits ein solides Fundament. In der Beratungspraxis zeigen sich jedoch weitere entscheidende Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg mitentscheiden und individuell berücksichtigt werden sollten.
- Esspsychologische Faktoren erkennen: Emotionales Essen, Stress-Eating und restriktive Essmuster sind häufig die eigentlichen Barrieren für nachhaltigen Erfolg; therapeutische Begleitung, die diese Muster identifiziert und bearbeitet, ist oft unverzichtbar.
- Soziale Unterstützung nutzen: Gewichtsmanagement findet nicht isoliert statt; Unterstützung durch Familie, Freunde oder Selbsthilfegruppen erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich und hilft, Motivation langfristig aufrechtzuerhalten.
- Hormonelle und genetische Faktoren berücksichtigen: PCOS, Schilddrüsenstörungen, Wechseljahre oder genetische Prädispositionen können den Stoffwechsel verlangsamen und Gewichtsmanagement erschweren; individuelle Anpassungen sind notwendig, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden.
- Praktische Barrieren realistisch einbeziehen: Begrenzte Zeit, finanzielle Ressourcen, eingeschränkter Zugang zu frischen Lebensmitteln oder körperliche Einschränkungen erfordern anpassbare Empfehlungen, die sich an den individuellen Möglichkeiten orientieren.
- Medikamentöse Optionen erwägen: Bei ausgeprägter Adipositas können GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid oder Semaglutid evidenzbasiert unterstützen, insbesondere wenn Lebensstilmaßnahmen allein nicht ausreichen; Einsatz erfolgt stets ergänzend.
- Langfristige Begleitung sicherstellen: Die meisten Rückfälle treten nach 6 bis 12 Monaten auf; kontinuierliche, empathische Unterstützung hilft, Gewohnheiten zu festigen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und Rückfälle frühzeitig abzufangen.
Nachhaltiges Gewichtsmanagement bedeutet nicht, dem neuesten Trend zu folgen, sondern bewährte Grundlagen konsequent anzuwenden. Kleine, konstante Schritte summieren sich zu bedeutsamen Ergebnissen.
Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Arthrose: Unser neuer Grundlagenartikel zeigt die Kernziele der Ernährungstherapie: Reduzieren von Entzündungen, Gewichtsnormalisierung und den Schutz des Gelenkknorpels und wie diese erreicht bzw. umgesetzt werden können.
Arthrose: Das Handout zeigt Definition und Verbreitung, Ursachen und Risikofaktoren, verschiedene Formen der Erkrankung, Entstehung, Symptome, Folgen und Komplikationen, Diagnostik sowie die relevanten Therapiesäulen zur Arthrose.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Ernährungstherapie in der Gynäkologie – das hat Potenzial
Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 02.–03.03.2026
Kooperation mit: –
Referierende: Diane Faude (B. Sc.)
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 90,00 EUR / 75,00 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Prävention ist ein zentrales Element der gynäkologischen Versorgung, von Schwangerschaftsvorsorge bis Krebsvorsorge.
Die Ernährungstherapie wird bislang vor allem beim Gestationsdiabetes genutzt.
Dabei liegt ihr Potenzial deutlich breiter. Frühe Lebensstilinterventionen können das Risiko späterer Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder kardiovaskulärer Erkrankungen relevant senken. Das Seminar zeigt, wie Ernährungstherapie in der Gynäkologie gezielt und präventiv eingesetzt werden kann.
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