FETeV Newsletter 2026-6

09.02.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Meta-Analyse: Nach Stopp von Abnehmmedikamenten steigt Gewicht rasch wieder an

Eine im BMJ publizierte Meta-Analyse von 37 Studien mit insgesamt 9.341 Teilnehmenden bestätigt: Nach dem Absetzen von Medikamenten zur Gewichtsreduktion kommt es meist rasch zu einer erneuten Zunahme. Auch die günstigen Effekte auf kardiometabolische Risikofaktoren wie Blutzucker, Lipide und Blutdruck gehen verloren [Wes 2026].

Die Forschungsgruppe um Sam West von der University of Oxford wertete Studien zu zugelassenen Medikamenten aus. Darunter waren GLP-1-Rezeptoragonisten, aber auch ältere Substanzen wie Orlistat. Die Teilnehmenden nahmen nach Therapieende etwa 0,4 kg pro Monat zu und erreichten ihr Ausgangsgewicht hochgerechnet nach rund 1,7 Jahren. Nach Absetzen der medikamentösen Therapie erfolgte die Gewichtszunahme um 0,3 kg pro Monat schneller als nach strukturierten Ernährungs- und Bewegungsprogrammen.

Ein begleitendes Editorial betont, dass die Daten die Vorstellung infrage stellen, GLP-1-Rezeptoragonisten seien eine perfekte Lösung für Adipositas. Patientinnen und Patienten sollten über die hohen Abbruchraten und die Konsequenzen eines Therapieendes aufgeklärt werden. Eine gesunde Ernährung und ein aktiver Lebensstil müssen die Grundlage der Adipositasbehandlung bilden, Medikamente können dies allenfalls ergänzen.


Report: Nutrition-Hub stellt „Science meets Social Media“ vor

Warum setzen sich einfache Ernährungsbotschaften in sozialen Netzwerken oft durch, während differenzierte Fachinhalte kaum Reichweite erzielen? Der Report „Science meets Social Media“ von Nutrition Hub untersucht, wie Aufmerksamkeit entsteht und nach welchen Mustern Nutzerinnen und Nutzer digitale Gesundheitsinformationen bewerten. Deutlich wird, dass Plattformen längst eine zentrale Rolle für die Orientierung im Ernährungsalltag spielen.

Parallel wächst die Herausforderung, verlässliche Informationen von irreführenden Inhalten zu trennen. Verzerrte Darstellungen und gezielte Desinformation wirken sich auf Einstellungen, Vertrauen in Expertise und konkrete Entscheidungen aus. Für Ernährungsfachkräfte bedeutet das eine neue kommunikative Verantwortung, aber auch die Chance, evidenzbasierte Perspektiven sichtbar zu machen.

Das Paper entstand im Kontext einer Fachveranstaltung von Yakult Science for Health und wurde von Nutrition Hub konzipiert und redaktionell aufbereitet. In die Auswertung flossen Beiträge aus Wissenschaft, Kommunikationspraxis, Marketing, PR sowie Perspektiven von Fachgesellschaften und Influencer:innen ein. Der vollständige Report steht als PDF-Datei kostenfrei zur Verfügung.

Leitfaden: Kennzeichnung Künstliche Intelligenz

Die Wettbewerbszentrale hat einen Leitfaden zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte veröffentlicht. Er ordnet ein, wann und wie KI-Inhalte in Werbung, Website und Kundenkommunikation gekennzeichnet werden müssen. Auch wenn die KI-Verordnung erst im August 2026 greift, ergeben sich daraus schon heute klare Leitplanken für die Praxis.

Für Soloselbstständige ist das ebenfalls relevant. Marketing, Texte, Bilder und Tools werden oft selbst erstellt oder eingebunden. Rechtlich gelten Sie dabei als Betreiber, sobald Sie KI beruflich nutzen. Verantwortung und Haftung liegen damit bei ihnen, nicht beim KI-Anbieter.

Überblick: Wo entstehen Pflichten?

  • KI-Bilder im Marketing: Realistisch wirkende KI-Bilder, die als echte Fotos verstanden werden könnten, sollten gekennzeichnet werden. Stilisierte Grafiken sind meist unkritisch. Maßgeblich ist, wie Ihre Zielgruppe das Motiv wahrnimmt.
  • KI-Texte für Blog, Newsletter und Ratgeber: Eine Kennzeichnung ist nur bei Texten von öffentlichem Interesse relevant. Mit menschlicher redaktioneller Kontrolle entfällt die Pflicht in der Regel. Reine Werbetexte sind meist nicht betroffen.
  • Chatbots auf der Website: Nutzende müssen zu Beginn klar erkennen, dass sie mit einer KI sprechen. „Von KI unterstützt“ reicht nicht aus.
  • Keine Schein-KI bewerben: Wer KI verspricht, muss auch KI einsetzen. Falsche KI-Werbung gilt als Irreführung und ist abmahnfähig.
  • Form der Kennzeichnung: Hinweise müssen klar, verständlich und barrierefrei sein. Auf dem deutschen Markt ist eine deutschsprachige Kennzeichnung rechtlich sicherer.

Wer KI nutzt, sollte Kennzeichnung, redaktionelle Kontrolle und eigene Aussagen sauber prüfen, bevor daraus unnötige Rechtsrisiken entstehen. Der Leitfaden steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.


Fallbericht: Leberschaden durch Apfelessig?

Apfelessig gilt als gesundes Hausmittel mit positiven Effekten auf Blutzucker und Blutfette. Ein aktueller Fallbericht aus Jerusalem zeigt jedoch, dass auch moderater, langfristiger Konsum ernsthafte Leberschäden verursachen kann. Ein 60-jähriger Patient entwickelte nach vierjähriger wöchentlicher Einnahme von 90 ml Apfelessig einen hepatozellulären Leberschaden mit Ikterus und erhöhten Leberwerten.

Die Diagnose erfolgte nach umfangreicher Ausschlussdiagnostik, da virale, autoimmune und tumoröse Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Eine Leberbiopsie bestätigte eine hepatozelluläre Hepatitis mit Fibrose im Stadium 2. Der Mechanismus ist noch nicht vollständig verstanden. Diskutiert werden Thrombosen in den Leberarterien oder der Pfortader sowie direkte toxische Effekte auf die Hepatozyten. Unter Therapie mit Ursodeoxycholsäure besserten sich Beschwerden und Laborwerte.

Zentrale Erkenntnisse für die Ernährungsanamnese

  • An Ernährungsanamnese denken: Regelmäßige Einnahme scheinbar harmloser Hausmittel wie Apfelessig kann langfristig Organe schädigen, auch in handelsüblicher Konzentration (5 Prozent Säure).
  • Arzneimittelinduzierte Leberschädigung ist Ausschlussdiagnose: Systematische Erfassung aller konsumierten Substanzen, einschließlich rezeptfreier Mittel und Hausmittel, ist entscheidend.
  • Akute Intoxikation bei hochprozentiger Essigsäure: Essigsäure in Konzentrationen über 60 Prozent kann binnen Stunden zu Hämolyse, metabolischer Azidose, disseminierter intravaskulärer Koagulation und Leberversagen führen.

Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer strukturierten Ernährungsanamnese, die auch unkonventionelle Nahrungsergänzungen und Hausmittel einbezieht. Bei unklaren Leberwerterhöhungen sollten Ernährungsfachkräfte gezielt nach regelmäßigem Konsum von Essig, Supplementen oder anderen vermeintlich unbedenklichen Substanzen fragen.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Antioxidantien in der Ernährung: Der Artikel behandelt die Rolle von Antioxidantien in der Ernährung, deren Schutzwirkung gegen oxidativen Stress sowie die Wichtigkeit einer pflanzenbasierten Ernährung und schonender Zubereitung, um die antioxidative Kapazität des Körpers zu stärken und mögliche Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel zu vermeiden.

Arthrose: Das aktuelle dynamische Folienset liefert praxistaugliche Slides zum Krankheitsbild und zur Ernährungstherapie bei Arthrose, geeignet für das Beratungsgespräch mit dem Patienten/ Klienten.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Webinar: Psychologie des Fastens

Veranstaltungstyp: Online-Seminar
Datum: Freitag, 27. Februar 2026
Veranstaltet von: freiraum-Seminare
Referierende: Alexandra Prüß
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 98 statt 115 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Zum Start der Fastenzeit beleuchtet das Webinar im neuen Kurzformat die psychologischen Dimensionen des Fastens. Im Fokus stehen Motivation, Emotionsregulation und Veränderungen des Essverhaltens. Thematisiert werden typische mentale und emotionale Dynamiken, psychologische Hungerformen sowie Grenzen und Risiken des Fastens. Fachlicher Input, moderierter Austausch und eine Gruppenarbeit unterstützen Ernährungsfachkräfte bei der reflektierten Begleitung von Klient:innen.

Hinweis: Das Online-Seminar wird exklusiv für freiraum angeboten.