Groß, Größer, XXL – Sind große Portionen ein Statussymbol?

Französische und amerikanische Wissenschaftler deuten mit verschiedenen Experimenten an, dass wir mit dem Griff zu Großpackungen und Riesenportionen unbewusst unseren sozialen Status aufzubessern versuchen.

Fast-Food-Restaurants verkaufen Cola im Ein-Liter-Becher, Kinokassen bieten Popcorn in Sechs-Liter-Eimern an, Gummibärchen sind in der Riesentüte zu Tausend Gramm erhältlich und einige Restaurants locken ihre Gäste mit Riesen-Schnitzeln. Sogenannte XXL-Portionen und Packungen sind mittlerweile fester Bestandteil der deutschen Supermarktregale und in der Gastronomie. In Hinblick auf die wachsende Zahl Übergewichtiger und Fettleibiger ist dies ein besorgniserregender Trend. Für viele Menschen heißt das Stoppsignal für die Nahrungsaufnahme nicht mehr „Sättigung“, sondern „leerer Teller“. So hören viele erst auf zu essen, wenn die Chips- oder Pommestüte aufgezehrt ist. Doch was sind die Gründe, Lebensmittel in Mengen zu kaufen, die den Bedarf weit übersteigen?

Mit dem Griff zur Riesenpackung demonstrieren wir Macht, so die Schlussfolgerung einer französisch-amerikanischen Studie, die damit einen verblüffenden Erklärungsansatz für das Phänomen liefert. So soll der bereits von Autos und Häusern bekannte Zusammenhang unterbewusst auch bei Lebensmitteln gelten: je größer die Portion, umso höher der Status. Die Studienteilnehmer nahmen an sechs verschiedenen Experimenten teil. So sollte sich beispielswiese eine Gruppe an eine Situation erinnern, in der sie sich besonders stark fühlten, während sich die andere Gruppe in einen Moment der Schwäche zurückversetzte. Im Anschluss standen drei verschiedene Größen an Smoothies zur Auswahl. Studienteilnehmer mit einem Gefühl der Machtlosigkeit griffen daraufhin verstärkt zur größten Portion, während die mental gestärkten keine deutliche Präferenz zeigten.

In einem weiteren Experiment wollten die Wissenschaftler wissen, ob die Wahl der größten Portion möglicherweise mit dem Preis zusammenhängt. In einem Hochhaus platzierten sie an drei verschiedenen Ausgängen unter dem Vorwand einer Café-Neueröffnung Tische mit kostenlosen Bagles. Am ersten Tisch verkündete das Werbeplakat „Wir fühlen uns alle kraftlos am Morgen. Gönnen Sie sich einen Gratis-Bagle“. An weiteren zwei Tischen hingen Plakate mit „Wir fühlen uns alle kraftvoll am Morgen“ und „Es ist Morgen“. An allen drei Tischen griffen die Hochhausbewohner zwar gleich oft zu, allerdings wählten sie am ersten Tisch deutlich größere Stücke.

Auch wenn die Experimente nur einen Teilaspekt wiederspiegeln, verdeutlichen diese einmal mehr den engen Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und psychosozialen Faktoren. Wann, was und wie viel wir essen ist in vielen Fällen losgelöst vom tatsächlichen Hunger- und Sättigungsgefühl. So greifen in der Ernährungsaufklärung Ermahnungen zu kleineren Portionen nur schwer, wenn die Wahl der Lebensmittel unbewusster und psychologischer Natur ist. Hier ist wohl Aufbauhilfe an anderer Stelle nötig.

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