Monitoring und Evaluation – Beratungsabschluss

Monitoring und Evaluation dienen der Erfolgsbeurteilung der vereinbarten Ziele und Maßnahmen. Dies ermöglicht eine Aussage zur Wirksamkeit der ernährungstherapeutischen Begleitung.

Monitoring und Evaluation sind elementare Bestandteile im Nutrition Care Process, der zudem aus den Elementen

  • Ernährungsassessment
  • Ernährungsdiagnosen sowie
  • Ernährungsinterventionen

besteht.

Definitionen und Begrifflichkeiten

Das Monitoring findet nicht unmittelbar nach dem Festlegen der Interventionen statt, sondern erst nach einer gewissen Umsetzungsphase. Die vereinbarten Maßnahmen werden im Hinblick auf die Zielerreichung beurteilt. Eine Therapie kann nur dann als wirksam eingestuft werden, wenn diese auch überprüft wurde. Der Soll-Ist-Vergleich bildet dabei die Grundlage für Entscheidungen zum weiteren Vorgehen (z. B. weitere Maßnahmen, Abschluss).

Monitoring ist dabei das laufende Beobachten von Umsetzung und Zielerreichung im Ist-Zustand.

Evaluation hingegen ist Beurteilen des Erfolgs der ernährungstherapeutischen Begleitung inklusive Ermitteln der erreichten Ergebnisse, der Qualität und der nachhaltigen Wirkung.

Dabei fließt insbesondere auch Beurteilung durch den Patienten/Klienten mit ein.

Abgrenzung zum Assessment: Indikatoren dienen im Assessment dem Erkennen von Ernährungsproblemen; im Monitoring und der Evaluation hingegen der Beurteilung des Ernährungsproblems (behoben, verbessert, besteht weiterhin).

Zweck und Ziele des Monitorings

Monitoring und Evaluation sind definiert als die „routinemäßige, kontinuierliche und systematische Sammlung von Daten für die zukünftige Steuerung des Prozesses sowie als Vergleich und Bewertung im Voraus festgelegter Werte eines Indikators“ (Quelle). Dies dient den im folgenden aufgeführten Zielen.

Befähigen des Klienten

  • Einbinden in den Prozessschritt
  • Befähigen und Beteiligen
  • Motivationserhalt und -förderung

Steuern der weiterführenden ernährungstherapeutischen Begleitung

  • Zielüberwachung
  • Beurteilen der Wirksamkeit der ausgewählten Interventionen
  • Steuern im Sinne einer Entscheidung, ob ernährungstherapeutische Begleitung abgeschlossen oder weitergeführt wird

Qualitätsentwicklung des Berufsfeldes, Etablierung von „Best Practices“

  • Belegen der Wirksamkeit der ernährungstherapeutischen Begleitung

Monitoring und Evaluation finden auf der Ebene Prozess und auf der Ebene Ergebnis statt. Es beinhaltet die Reflexion des gesamten Beratungsprozesses. findet kontinuierlich statt und kann in einen erneuten Durchlauf der ersten 4 Phasen führen. Die ernährungstherapeutischen Endpunkte (Outcomes) entsprechen den Kategorien im Assessment (Quelle).

Outcomes der Ernährungsbezogenen Anamnese

  • Aufnahme von Lebensmitteln und Nährstoffen
  • Versorgung mit Lebensmitteln und Nährstoffen
  • Arzneimittel
  • Komplementär- und Alternativmedizin
  • Kenntnis/ Überzeugung
  • Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Zubehör
  • körperliche Aktivität
  • ernährungsbezogene Lebensqualität

Outcomes anthropometrischer Messungen

  • Größe, Gewicht, Body Mass Index (BMI)
  • Indizes/ Perzentile für Wachstumsverlauf sowie Gewichtsverlauf

Outcomes biochemischer Daten, medizinischer Tests und Verfahren

  • Labordaten (z. B. Elektrolyte, Glukose)
  • Untersuchungen (z. B. Magenentleerungszeit, Ruheumsatz)

Outcomes ernährungsbezogener körperlicher Befunde

  • körperliche Erscheinung
  • Verlust von Muskel und Fett
  • Schluckfunktion
  • Appetit und Gemütszustand

Tätigkeiten und Umsetzung

Häufigkeit und Intensität bzw. Engmaschigkeit des Monitorings und der Evaluation hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Setting (ambulant/stationär)
  • Nebendiagnosen (Art, Anzahl)
  • medizinische bzw. ernährungstherapeutische Therapie
  • Zeitraum, bis Veränderung eines Indikators nachgewiesen werden kann
  • empfohlene Zeitabstände in Leitlinien

Diese beinhalten verschiedene aufeinander aufbauende Tätigkeiten.

Überwachen

  • Es wird geprüft, ob der Klient/ Patient alle vereinbarten Maßnahmen umgesetzt hat und in welchem Ausmaß diese umgesetzt wurden. Erwähnenswert ist auch, was die Umsetzung gefördert und erleichtert hat.
  • Ferner wird festgehalten, welche Maßnahmen nicht umgesetzt wurden, warum diese nicht umgesetzt wurden und was die Umsetzung verhindert hat.
  • Zu berücksichtigen sind ebenso beeinflussende Rahmenfaktoren wie Bewegung und Lebensstil (zum Beispiel im Hinblick auf Energiezufuhr und Energieverbrauch).
  • Voraussetzung: Es sind alle Ziele, Schritte, Erfolge und Umsetzungsmaßnahmen zu dokumentieren.

Datensammeln

  • Die Angaben und Dokumentationen zum Überwachen werden durch Daten ergänzt.
  • Hierbei handelt es sich insbesondere um Daten aus dem Assessment, die sich als Verlaufsparameter eignen.
  • Die Parameter werden danach beurteilt, ob diese geeignet sind, den Ist- und Soll-Zustand zu vergleichen.
  • Dabei sollten sich subjektive und objektive Daten ergänzen.
  • Es gilt dabei Unterschiede zwischen stationärem und ambulantem Bereich zu beachten (Häufigkeit Datensammlung, Art und Weise Datensammlung, Arten ernährungstherapeutischer Ziele).
  • Die geeigneten Parameter werden erneut erfasst.

Vergleich zwischen Ist- und Soll-Zustand

  • Nachdem eruiert wurde, ob und wie Maßnahmen umgesetzt und Verlaufsparameter erfasst wurden, steht der Ist-Soll-Vergleich an.
  • Damit wird überprüft, ob die Ernährungsempfehlungen und die vereinbarten Ziele erreicht wurden und wie sich die Indikatoren verändert haben.
  • Damit wird es möglich, die Wirksamkeit der ernährungstherapeutischen Begleitung einzuschätzen.
  • Die Messwerte der Verlaufsindikatoren werden miteinander verglichen. Wichtig ist, nur die Parameter zu vergleichen, die für die Zielerreichung eine Rolle spielen und diese beschreiben können.
  • In einem nächsten Schritt wird beurteilt, ob und wie die Ziele erreicht wurden (Ziel wurde erreicht, Ziel wurde teilweise erreicht, Ziel wurde nicht erreicht, Zielerreichung wurde übertroffen).
  • Ebenso wird der Klient/ Patient dazu befragt, wie sich die Ziele bzw. die Zielerreichung auf ihn und sein Wohlbefinden auswirken. Es ist gut möglich, dass ein nur teilweise erreichtes Ziel dennoch zu einer grundlegenden Besserung des Wohlbefindens geführt hat und der Klient/ Patient damit durchaus zufrieden ist.

Erkennen von Ressourcen und Hindernissen

  • Konnten die vereinbarten Ziele nicht oder nur unzureichend erreicht werden, ist eine Überprüfung der Gründe notwendig.
  • Damit sind in erster Linie fehlende Ressourcen und Hindernisse gemeint.
  • Vor dieser Überprüfung ist es jedoch wichtig, sich zu vergewissern, dass die ernährungstherapeutischen Diagnosen richtig gestellt und sich die daraus ableitenden Interventionen richtig getroffen wurden.
  • Bewusst gemachte Hindernisse können die Fachkraft darin unterstützen, den weiteren Prozess zu planen und zu steuern (z. B. Können Hindernisse aus dem Weg geräumt und Ziele doch noch erreicht werden?). Dies kann sich positiv auf den weiteren Prozess auswirken.
  • Mögliche unterstützende Fragen sind dabei:
    • Was hat sich positiv auf die Zielerreichung ausgewirkt?
    • Was hat die Umsetzung der Maßnahmen erleichtert und unterstützt?
    • Was hat die Zielerreichung verhindert?
    • Was hat sich negativ auf die Umsetzung der Maßnahmen ausgewirkt und diese erschwert?

Entscheiden über das weitere Vorgehen

  • Sind die Schritte Überwachen, Datensammeln, Soll-Ist-Vergleich sowie Ressourcen und Hindernisse erkennen vollzogen, kann eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden.
  • Dies kann mithilfe eines Entscheidungsbaumes vollzogen werden. Ein Beispiel hierzu findet sich im Buch „Der ernährungstherapeutische Prozess“ auf S. 369.
  • Die Entscheidung hängt davon ab, inwieweit Ziele erreicht, teilweise erreicht oder nicht erreicht wurden.
  • Ist das Ernährungsproblem vollständig gelöst, wird überprüft, ob weitere Ernährungsprobleme zu lösen sind. Dann kann der Prozess erneut begonnen werden.
  • Wurden zwar die Ziele erreicht, das Problem aber nicht gelöst, gilt es, erneut Daten zu sammeln und die ernährungstherapeutische Diagnose zu überprüfen und ggf. anzupassen. Können sich daraus neue Interventionen ergeben, beginnt der Prozess ab hier erneut.
  • Wurden die Ziele teilweise erreicht, wird anhand der bewusst gemachten Hindernisse über das weitere Vorgehen entschieden. Können diese mittels neuen Umsetzungsmaßnahmen behoben werden, beginnt der Prozess ab hier erneut. Wurden keine Hindernisse erkannt, können z. B. zusätzliche Überprüfungstermine (Klient/ Patient bekommt mehr Zeit) festgelegt werden.
  • Wurden die Ziele nicht erreicht, ist in Abhängigkeit der hierfür vorliegenden Gründe zu entscheiden, ob der Prozess von vorn begonnen oder die ernährungstherapeutische Begleitung als erfolglos beendet wird.

Abschluss

  • Bei gelösten Ernährungsproblemen oder aber Hindernissen, die das Zielerreichen verhindert haben, aber nicht überwunden werden können, kommt es zum Abschluss.
  • Die Ernährungsfachkraft dokumentiert alle Ergebnisse (für sich oder für ihre Auftraggeber) und verfasst darüber einen Abschlussbericht. Dieser kann an andere beteiligte Berufsgruppen weitergeleitet werden.
  • Das schriftliche Erfassen in einem Abschlussbericht hat folgende Vorteile.
    • Alle Ergebnisse stehen allen zur Verfügung.
    • Ergebnisse gehen nicht verloren und können jederzeit für weitere Behandlungs- oder Begleitungsschritte herangezogen werden.
    • Informationen wurden bewusst ausgewählt und formuliert.
    • Die ernährungstherapeutische Begleitung ist in sich schlüssig und sichtbar.

Zudem gilt aus rechtlicher Sicht: Was nicht dokumentiert wurde, wurde nicht getan.

  • Weitere mögliche Abschlussschritte:
    • Weiterleiten der Abschlussdokumentation an andere involvierte Berufsgruppen (Ärzte, Physiotherapeuten etc.)
    • Beschreiben des weiteren Vorgehens
    • Reflexion und kritische Würdigung des eigenen Vorgehens
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