Ernährung bei Morbus Crohn

Da die genaue Ätiologie nach wie vor schleierhaft ist, gibt es momentan keine Ernährungsempfehlungen, die direkt an den Krankheitsursachen ansetzen. Die Ernährungstherapie konzentriert sich daher in erster Linie auf die Gewährleistung einer ausreichenden Nährstoffversorgung, auf die Reduktion von Beschwerden sowie auf die Minimierung von Neben- bzw. Wechselwirkungen der Medikation.

Betroffene klagen häufig über Appetitlosigkeit und Übelkeit. Des Weiteren führen Durchfälle und Erbrechen zu einer Unterversorgung mit Energie. Da ebenso die enteralen Eiweißverluste erhöht sind, ist auf eine ausreichende Makronährstoffversorgung an Eiweißen und Fetten zu achten. Fett als Energielieferant steht hier in Diskrepanz zu den häufig auftretenden Fettstühlen. Auch Stenosen indizieren eine verringerte Fettzufuhr. Um hier Abhilfe zu schaffen, ist der Einsatz von MCT-Fetten sinnvoll. Ferner ist auf eine adäquate Zufuhr an Mikronährstoffen zu achten. Häufig tritt ein Mangel an Zink, Vitamin B12, Biotin und Kalzium auf. Zink wird vermutlich schlechter resorbiert. Die genauen Mechanismen hierfür sind bislang unklar. Aufgrund der darmeigenen Synthese von Biotin kann eventuell auch hier eine Unterversorgung auftreten. Allerdings herrscht bis heute keine Einigkeit darüber, inwieweit die endogene Synthese von Biotin für die Versorgung von Bedeutung ist.

Ernährung in den jeweiligen Phasen

Akutphase

Die Ernährung in der Akutphase richtet sich nach der Schwere des entzündlichen Schubs. Bei milden Verläufen kann es ausreichend sein, eine leichte Vollkost zu sich zu nehmen, bei der schlecht verträgliche Lebensmittel vermieden werden. Kann mit dieser keine ausreichende Nährstoffversorgung gewährleistet werden bzw. kommt es trotz regelmäßiger Nahrungszufuhr zur Gewichtsabnahme, kann im Zeitraum des Schubs eine enterale oder parenterale Ernährung notwendig werden. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen kann es aufgrund des erhöhten Nährstoffbedarfs zu einer ausgeprägten Mangelversorgung kommen, die sich in einem verringerten Längenwachstum sowie in einer später eintretenden Pubertät äußert. Hier kann eine unterstützende künstliche Ernährung zu einer deutlichen Besserung des Entwicklungszustandes führen.

Die enterale Ernährung schließt polymere Diäten (intakte Proteine), semielementare oder Peptid-Diäten (partielle Hydrolysate) sowie Elementardiäten (Aminosäuren) ein. Als Applikation kommen Trinknahrung oder die Zufuhr über Sonden (Geschmack, Patientencompliance) in Betracht. Elementardiäten dagegen eignen sich zur Induktion und Erhaltung einer Remissionsphase. Zwar bieten diese gegenüber der medikamentösen Therapie keine Vorteile, waren bei Placebo-Versuchen jedoch im Vorteil [Bur 1998]. Verfechter von Elementardiäten führen an, dass infolge der antigenfreien Nahrung ein Rückgang der Crohn-Aktivität zu erwarten wäre. Da diese jedoch wenig schmackhaft sind (Compliance) und zudem aufgrund der hohen Osmolarität Durchfälle auslösen können, sollten Elementardiäten in erster Linie bei Patienten angewendet werden, bei denen beispielsweise infolge der schweren Kortisontherapie eine Wachstumsretardierung eingetreten ist [Mah 2001].

Eine parenterale Ernährung ist hingegen nur bei schweren Komplikationen wie Darmverengungen oder Fisteln angezeigt. Da hier keine nennenswerten Vorzüge gegenüber der enteralen Ernährung belegt sind und zudem häufiger Komplikationen auftreten, sollte eine parenterale Ernährung nur bei einem toxischen Megakolon, bei einem Ileus, einem Subileus oder hochgradigen Stenosen angewendet werden.

Remissionsphase

Mit den heute auf dem Markt erhältlichen Medikamenten können gute Remissionsphasen erzielt werden. Inwiefern die Einhaltung einer speziellen Diät eine direkte Auswirkung auf die Länge der Ruhephase haben könnte, ist bislang nicht erwiesen. Primäres Ziel ist demzufolge die Vermeidung einer Mangelernährung sowie die Abschwächung von medikamentösen Nebenwirkungen bzw. eine Erhöhung der Verträglichkeit. Bei Betrachtung der häufigsten Nebenwirkungen fallen vor allem Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust und Durchfallerkrankungen auf.

Da es momentan keine Hinweise auf eine spezielle „Crohn-Diät“ gibt, ist es ratsam, sich bei der Ernährung an einer leichten Vollkost zu orientieren und diese auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Zwar gibt es Lebensmittel, die erfahrungsgemäß häufiger zu Beschwerden führen, um keine potenziellen Nährstofflieferanten unnötig zu meiden, sollten allerdings auch diese auf deren Verträglichkeit getestet werden. Besonders bei einem weitgehenden Abklingen der Beschwerden, sinkt meist die Sensibilität gegenüber Lebensmitteln, die in der Akutphase oder zu Beginn der Remissionsphase noch unverträglich waren. Zudem können sich gerade in der Akutphase sekundäre Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption entwickeln, die sich häufig in der Remissionsphase zurückbilden. Generelle Verbote für bestimmte Lebensmittel können daher nicht ausgesprochen werden. Beim Austesten kann ein Ernährungstagebuch in Kombination mit einem Symptomtagebuch hilfreich sein.

Besonderheiten der Ernährungstherapie bei Komplikationen

Verschiedene Komplikationen des Morbus Crohns bedürfen spezieller Anforderungen an die Ernährung.

Stenosen (Darmverengungen)

Stenosen treten bei Morbus Crohn im Mittel bei 20 bis 30% der Patienten auf und sind eine der häufigsten Gründe für Darmresektionen. Um einen völligen Verschluss des betroffenen Darmabschnitts zu vermeiden, ist eine ballaststoffarme Kost indiziert. Ballaststoffe erhöhen das Stuhlvolumen, wodurch die Gefahr des Festsetzens von Stuhl an der Engstelle besteht. Ebenso können schwerer verdauliche, faserreiche Lebensmittel sowie Nüsse und Kerne die Stenose noch weiter verengen oder komplett verschließen. Zu meiden sind daher:

  • ballaststoffreiche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Kohlsorten),
  • faserreiche Lebensmittel (Rhabarber, Spargel, Fenchel, grüne Bohnen, Blattspinat),
  • Hartschalenfrüchte (Nüsse)
  • Gemüse und Obst mit fester, schwer verdaulicher Schale (Tomaten, Paprika, Pflaumen, ungeschälte Äpfel und Birnen)
  • kernreiches und saures Obst (Zitrusfrüchte, Trauben),
  • zähes Fleisch

Wo es möglich ist, sollte die Schale vor dem Verzehr entfernt werden. Handelt es sich um eine sehr enge Stenose, bei der die Gefahr eines Verschlusses besonders hoch ist, sollte die Kost püriert oder gegebenenfalls auf ballaststoffarme Formulanahrung zurückgegriffen werden.

Resektionen

Oberstes Ziel sind die prä- und postoperative Optimierung des Ernährungszustandes und die Verbesserung der Restdarmfunktion.

Nach einer Darmresektion von mehr als 75% ist eine anschließende Ernährungstherapie notwendig, die anfangs vom Krankenhauspersonal begleitet und überwacht wird. Die Patienten leiden aufgrund der eingeschränkten Resorptionsfläche häufig unter Nährstoffverlusten. Diese zeigen sich u.a. in Symptomen wie Diarrhoen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Haut- und Schleimhautveränderungen. Für das Ausmaß der Symptome und Komplikationen ist entscheidend, welcher Abschnitt des Darmes und in welchem Umfang dieser entfernt wurde. Die Therapie beläuft sich in der Regel auf eine parallel aufbauende parenterale, enterale und orale Ernährung, die im Idealfall möglichst kurz nach dem Eingriff begonnen wird. Diese wird anschließend ambulant weiter geführt.

Resektionen des terminalen Ileums

Das terminale Ileum ist Resorptionsort für Vitamin B12, Zink, Eisen, Magnesium, Kalzium sowie Gallensäuren. Für diese Substanzen sind Mangelzustände auf der einen (Vitamine und Mineralstoffe) und Stoffwechselzusammenhänge (Gallensäuren) auf der anderen Seite zu überprüfen bzw. zu berücksichtigen. Liegen Unterversorgungen vor, ist eine Substitution mit den betreffenden Stoffen unter medizinischer Durchführungs- und Verlaufskontrolle ratsam. Bei Vorliegen eines Gallensäureverlustsyndroms kann eine Colestyramintherapie sinnvoll sein.

Steatorrhoe (Fettstuhl)

Die im Zuge der Fettverdauung in den Darm abgegebenen Gallensäuren werden im terminalen Ileum fast vollständig in Form von Mizellen wieder resorbiert. Ist die Schleimhaut in diesem Darmabschnitt durch Entzündungen geschädigt bzw. wurde dieser Abschnitt operativ entfernt, kommt es zu einer Störung der Gallensäure- sowie der Fettresorption. Die Folge sind wässrige, lehmfarbene, übelriechende Durchfälle bedingt durch nichtresorbierte Gallensäuren (chologene Diarrhoe) sowie unverdautes Fett (Steatorrhoe).

Neben der medikamentösen Therapie steht hier vor allem eine fettarme Ernährung mit Bevorzugung sowohl von fettarmen Lebensmitteln wie auch von fettsparenden Zubereitungsmethoden im Vordergrund. Das Augenmerk liegt hierbei vor allem auf hochwertigen Ölen, von denen geringere Mengen ausreichen, um den Körper mit essenziellen Fettsäuren zu versorgen (z.B. Leinöl, Hanföl, Walnussöl). Bei unzureichender Energieaufnahme kann ein Teil der Nahrungsfette durch mittelkettige Triglyzeride (MCT-Fette) ersetzt werden. Diese werden vom Körper direkt, ohne Beihilfe von Gallensäuren aufgenommen. Während langkettige Fettsäuren die Remissionserhaltung in Untersuchungen negativ beeinflussten, erzielten mittelkettige Fette (MCT) eine Verlängerung der Remissionsphase [Sha 2007]. Darüber hinaus kann individuell entschieden werden, ob eine zusätzliche Gabe von Fischölkapseln zur besseren Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren erfolgen soll.

Hyperoxalurie/ Oxalatnephrolithiasis

Bedingt durch eine Resektion des Ileums besteht ein erhöhtes Risiko für renale Oxalatsteine. Oxalsäure wird unter physiologischen Bedingungen nur in geringem Umfang resorbiert (etwa 5%). Grund hierfür ist die Komplexbildung mit Kalzium und anschließende Ausscheidung.

Bei einer Fettverdauungsstörung bilden nicht-resorbierte Fettsäuren im Darm mit Kalzium bevorzugt Kalkseifen. Freie Oxalsäure wird nun vermehrt im Kolon resorbiert, was durch die gallensäurebedingt erhöhte Durchlässigkeit der Schleimhaut noch begünstigt wird. Die vermehrte Oxalataufnahme im Darm führt in den Nieren zu einer vermehrten Oxalatausscheidung (Hyperoxalurie) und bei Überschreitung des Löslichkeitsgleichgewichts zum Ausfall von Oxalatsteinen (Oxalatnephrolithiasis).

Bei gestörter Fettverdauung sollte die Zufuhr von Oxalsäure über die Nahrung möglichst gering gehalten werden. Eine oxalsäurearme Kost ist in der Praxis erfahrungsgemäß leicht umsetzbar. Allgemein ist eine tägliche Zufuhr von nicht mehr als 50 mg anzustreben. Bei Berechnung der Oxalatmengen sollten die tatsächlichen Portionsmengen berücksichtigt werden. Gleichzeitig empfiehlt es sich, vermehrt Kalzium über die Nahrung zuzuführen, um die Oxalatbindung im Darm zu fördern. Soweit es die Verträglichkeit zulässt, sind hier besonders fettarme Milchprodukte hilfreich. Unterstützend kann ein Mineralwasser mit hohem Kalziumgehalt gewählt werden.

Oxalsäurereiche Lebensmittel

  • Rhabarber
  • Spinat
  • Mangold
  • Rote Rüben
  • Kakaoprodukte (Kakaopulver/ Schokolade)
  • Sauerampfer

Eine Behandlung mit Kalziumkarbonat, Kalium-Magnesium-Zitrat oder Colestyramin ist in der Regel bei Einschränken des Oxalatkonsums nicht erforderlich.

Wachstumsretardierung

Wird bei Kindern oder Jugendlichen eine Wachstumsretardierung mit oder ohne Entwicklungsverzögerung festgestellt, ist eine enterale Ernährung angezeigt. Auch Remissionsphasen lassen sich mit enteraler Ernährung erzielen. In schweren Fällen können Wachstumshormone einem weiteren Wachstumsstillstand entgegenwirken.

Ileostomie/ Kolostomie (künstlicher Darmausgang)

Primäres Ziel der Ileostomie- bzw. Kolostomie-Ernährungstherapie ist die Kompensation bestehender Wasser- und Elektrolytverluste sowie die Vermeidung einer speisenbedingten Reizung des Stomas.

Da die eindickende Funktion des Dickdarms entfällt bzw. beeinträchtigt ist, kommt es anfangs zu sehr flüssigen Stühlen mit einer hohen Stuhlfrequenz. Zur Eindickung des Stuhls eignen sich in erster Linie quellende Lebensmittel wie etwas Obst mit einem hohen Pektinanteil (z.B. geriebener Apfel). Auch stopfende Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis, Haferflocken oder gedünstete Möhren sind hilfreich. Darüber hinaus können flüssigkeitsbindende Präparate wie Pektine oder andere flüssige Ballaststoffe eingesetzt werden.

Zusätzlich ist auf eine adäquate Flüssigkeitsaufnahme zu achten (etwa 3 l/ Tag), da ein geringerer Anteil als unter physiologischen Bedingungen aufgenommen wird. Besonders geeignet sind stille Mineralwässer, Tees und stark verdünnte Saftschorlen. Zur Kontrolle sollte das Urinvolumen hin und wieder überprüft werden (mindestens 1 l/ Tag). Als grober Indikator für den Alltag dient die Urinfarbe. Während heller Urin auf eine ausreichende Trinkmenge verweist, färbt sich dieser bei Flüssigkeitsmangel gelblich bis braunorange. Gleichzeitig besteht ein erhöhter Kochsalzbedarf, der mit einer Aufnahme von etwa 6 bis 9 g Kochsalz pro Tag ausgeglichen werden kann.

Bei erhöhter Stuhlfrequenz bzw. hohen Stomaverlusten sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • ballaststoffreiche Ernährung (Gemüse, pektinreiches Obst) bzw. Substitution in Form von Leinsamen oder Flohsamenschalen
  • Verzicht auf scharfe Gewürze (Chili, Ingwer, Pfeffer)
  • Meiden stark säurehaltiger Lebensmittel
  • bei starken Beschwerden Trinknahrung mit löslichen Ballaststoffen
  • Verwendung von MCT-Fetten
  • Verzehr von gedünstetem Gemüse (Möhren), gekochtem Reis und Haferschleim

Laktoseintoleranz

Insbesondere in der Akutphase entwickeln Crohn-Patienten häufig eine sekundäre Laktoseintoleranz. In der Remissionsphase unterscheidet sich die Häufigkeit hingegen nicht von der der Normalbevölkerung [Han 1999]. Während im entzündlichen Schub eine laktosearme Kost notwendig ist, sollten Milchprodukte nach Abklingen der Entzündungen langsam wieder in den Speiseplan eingebaut werden. Milch- und Milchprodukte stellen eine wichtige Kalziumquelle dar, die einen entscheidenden Beitrag zur Osteoporoseprävention und zur Vermeidung einer renalen Hyperoxalurie leistet. Besteht die Laktoseintoleranz auch in der Ruhephase weiter bzw. erschwert eine Fettverdauungsstörung die Verträglichkeit fetthaltiger Milchprodukte, sollte zur Unterstützung der Kalziumversorgung sehr kalziumreiches Mineralwasser bevorzugt werden. Eine Substitution von Kalzium bzw. gegebenenfalls von Laktasepräparaten kann ebenfalls erwogen werden.

Glutenunverträglichkeit/ Zöliakie

Aus noch unbekannter Ursache entwickeln einige Morbus Crohn-Patienten eine Glutenunverträglichkeit. Analog zur Zöliakiebehandlung erfordert diese Folgeerscheinung eine lebenslange Abstinenz von glutenhaltigen Lebensmitteln.

Osteoporose/ Osteopenie

Crohn-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Osteoporoserisiko. Die verminderte Resorptionsleistung des Darms kann je nach betroffenem Darmabschnitt zu einem Mangel wichtiger Nährstoffe für den Aufbau und Erhalt des Knochengewebes führen. Hierzu zählen vor allem Kalzium, Vitamin D, Vitamin K, Eiweiß, Zink und Kupfer. Die Kalziumunterversorgung wird häufig durch eine Unverträglichkeit von Milchprodukten verstärkt, insbesondere wenn diese auch in der Ruhephase aus Angst vor Beschwerden weiter vermieden werden. Wesentliche Vitamin D-Quellen sind fettiger Fisch sowie Pilze. Diese stehen Crohn-Patienten aufgrund des Fettgehaltes bzw. der schweren Verdaulichkeit unter Umständen aber als Vitamin D-Lieferanten nicht zur Verfügung. Gleichzeitig meiden Betroffene bei bestehenden Beschwerden häufig den Gang ins Freie, so dass die körpereigene Vitamin D-Bildung ebenfalls nicht ausreichend ist, um den Bedarf zu decken.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein langandauernde Steroidtherapie den Knochenstoffwechsel empfindlich stört und bereits bei jungen Erwachsenen eine stark verringerte Knochenmasse begünstigt.

Die Verträglichkeit wichtiger Kalziumquellen sollte daher ausgiebig getestet werden. Reichen diese nicht aus, kann auch eine prophylaktische Substitution von Kalzium und Vitamin D erwogen werden. Auch Bisphosphonate können bei manifester Osteopenie angezeigt sein. Zudem sollten Patienten ermuntert werden, sich zumindest in der Ruhephase verstärkt im Freien aufzuhalten.

Eisenmangelanämie

Sowohl der Blutverlust über die geschädigte Darmschleimhaut als auch eine verminderte Eisenresorption können im Laufe der Erkrankung zu einer Eisenmangelanämie führen. Besteht eine verminderte Vitamin B12-Resorption kann sich auch eine perniziöse Anämie entwickeln. Bei ausgeprägter Blutarmut kann dem Mangel meist nur mit entsprechenden Präparaten begegnet werden.

Bei der Gabe von Eisentabletten sollte möglichst eine gleichzeitige Gabe von Vitamin E erfolgen. Eisen ist ein wirkungsvoller Katalysator der sogenannten Fenton-Reaktion, bei der hochreaktive Radikale entstehen. Die Reaktion wird stark mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Nicht-resorbiertes Eisen kann im Darm daher unter Umständen zu einer vermehrten Radikalbildung und folglich zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko führen. Vitamin E-Gaben wirkten diesem Effekt im Experiment entgegen [Car 2002].

Spezielle Ernährungsfaktoren

Kohlenhydrate

Patientenberichten zufolge, kann eine kohlenhydratarme Ernährung eine Linderung der Symptome herbeiführen. Allgemein finden sich bei akuten Entzündungen des Darms jedoch nur Empfehlungen, nach denen der Zuckerverzehr eingeschränkt werden soll. Da jedoch ebenso Stärke zu Zucker abgebaut wird, sollte die Gesamtkohlenhydratzufuhr insbesondere in Schüben akuter Entzündungen eingeschränkt werden. Mangelerscheinungen oder Nebenwirkungen sind hierbei nicht zu erwarten.

Gleichzeitig sollte der Ballaststoffkonsum über Gemüse erhöht werden. Hierbei sind Gemüse zu bevorzugen, die gut verträglich sind. Auch hier ist individuell auszutesten, was gut vertragen wird.

Ballaststoffe

Der derzeitige Kenntnisstand reicht nicht aus, um einen Ballaststoffverzehr bei Morbus Crohn-Patienten anzuordnen, der die derzeitigen Empfehlungen für die gesunde Bevölkerung übersteigt.

Ballaststoffen aus Gemüse und Obst sollte gegenüber Vollkornprodukten der Vorrang gegeben werden, da insbesondere Weizenvollkornprodukte entzündliche Prozesse im Darm fördern können. Des Weiteren sind Leinsamen oder Weizenkleie empfehlenswert (auf Flüssigkeitszufuhr achten).

Fett

Fettarme Diäten sowie ein weitgehender Austausch von herkömmlichen Nahrungsfetten durch MCT-Fette zeigten sich in Bezug auf Einleitung und Erhalt der Remissionsphase gegenüber fettreicheren Kostformen deutlich überlegen [Sha 2007].

Omega-3-Fettsäuren

Während Omega-6-Fettsäuren als entzündungsfördernde Mediatoren mit einer erhöhten Morbus Crohn-Aktivität verbunden sind, sinkt diese bei einem erhöhten Verzehr an entzündungshemmend wirkenden Omega-3-Fettsäuren [Sha 2007]. Die Gabe von Fischölkapseln kann daher individuell in Betracht gezogen werden.

Probiotika

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen weisen im Vergleich zu Gesunden häufig eine veränderte Intestinalflora auf. In der Pathogenese sind vermutlich TLR- und NOD2-Rezeptoren beteiligt, die bakterielle Oberflächenstrukturen erkennen können.

Bei einer genetischen Veranlagung kommt es nach Bindung pathologischer Keime an diese Rezeptoren zu einer Überstimulation des Transkriptionsfaktors NF- κB, was zur Synthese entzündungsfördernder Zytokine (TNF-alpha, INF-gamma, IL-1, IL-6, IL-12) und damit zu Entzündungsreaktionen führt. Während in Tierversuchen mit der Gabe von Lactobacillus reuteri und L. plantarum Entzündungen verhindert werden konnten, sind die Daten in Humanstudien widersprüchlich. Einige doppelblind durchgeführte Versuche mit Saccharomyces boulardii zeigten eine signifikante Reduktion der Stuhlfrequenz und der Entzündungsaktivität [Ple 1993]. In anderen Untersuchungen konnte eine Verbesserung der Symptomatik und des Verlaufs sowie eine verminderte Rezidivhäufigkeit beobachtet werden, indem entzündliche Gewebereaktionen vermindert und die lokale Immunität gesteigert wurde.

Glutamin

Glutamin ist eine nicht essenzielle Aminosäure, deren Rolle in Entzündungsreaktionen immer wieder diskutiert wird. So soll Glutamin eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Darmbarriere spielen. Während in einigen Studien protektive Effekte einer „Glutamin“-Diät bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beobachtet wurden, wiesen die Wissenschaftler Akobeng und Mitarbeiter in einer doppelblinden, randomisierten und placebo-kontrollierten Studie das Gegenteil nach. Demnach aktiviert Glutamin in höheren Dosen das Immunsystem und fungiert als Vorläufersubstanz des Stickstoffmonoxids (NO), das seinerseits ein wichtiger Entzündungsmediator ist [Ako 2000]. Ob sich Glutamin hemmend oder fördernd auf die Morbus Crohn-Aktivität auswirkt, scheint eine Frage der Dosis zu sein, so dass für Therapieempfehlungen genauere Untersuchungen notwendig sind.

Kartoffel-Alkaloide

Epidemiologische Beobachtungen zeigten eine Korrelation zwischen dem Auftreten von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und dem Verzehr von gebratenen Kartoffelgerichten [Sha 2007]. In einem Mausmodell zeigte sich, dass die in Kartoffeln enthaltenen Alkaloide (z.B. Alpha-Solanin) zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut führten. Allerdings war dieser Effekt nur bei Mäusen ausgeprägt, die unter einem Mangel an Interleukin 1 (IL-1) litten, nicht aber bei normalen Mäusen [Pat 2002]. Eine ähnliche genetische Veranlagung wäre auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen denkbar. In gebratenen Kartoffeln ist der Alkaloidgehalt höher als in gekochten Kartoffeln.

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