Das Krankheitsbild des Morbus Parkinson

Morbus Parkinson zählt zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei der es zu Störungen der Gesamtkoordination kommt. Der Londoner Arzt James Parkinson beschrieb 1817 die Erkrankung in ihrem Verlauf das erste Mal. Zu diesem Zeitpunkt wurde Morbus Parkinson als Schüttellähmung bezeichnet. Erst 1884 führte der französische Nervenarzt Prof. Charcot den Namen Morbus Parkinson bzw. Parkinson Krankheit ein.

Derzeit sind etwa 3% der deutschen Bevölkerung an Morbus Parkinson erkrankt, dies entspricht etwa 250.000 Menschen. Typischerweise tritt die Erkrankung zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf. Etwa 10% der Parkinson-Betroffenen sind jünger als 40 Jahre.

Ursachen und Risikofaktoren

Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung von Nervenzellen, die verschiedenste Bewegungen wie Gehen, Laufen, Springen, Schwimmen und die aufrechte Körperhaltung steuern. Hierbei findet ein fortschreitender Untergang von melaninhaltigen dopaminproduzierenden Nervenzellen (Neuronen) in der Substantia nigra (schwarze Substanz) statt.

Beim Gesunden werden unbewusste Prozesse des Ablaufs und der Koordination von Bewegungen durch bestimmte Bereiche des Gehirns übernommen, zu denen auch die Substantia nigra zählt. Die Nervenzellen dieses Gehirnbereichs geben beim Gesunden den Neurotransmitter (Signalstoff) Dopamin ab, der im Gehirn stimulierend auf Bewegungsabläufe wirkt.

Beim Morbus Parkinson sterben die Dopamin-freisetzenden Nerven der Sustantia nigra ab. Dieser Untergang hat einen Dopaminmangel in den Stammganglien zur Folge. Dadurch kommt es zu einem Azetylcholinüberschuss und in einigen Regionen des Hirnstammes zu einem Noradrenalin- und Serotoninmangel. Noradrenalin und Serotonin sind Botenstoffe, die für die Reizleitung in Nerven verantwortlich sind. Bei einem Mangel kommt es zu starken Veränderungen in der Motorik, in psychischen, sensorischen und vegetativen Bereichen.

Pathophysiologie

Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung der Basalganglien im Gehirn, die Bewegungen wie Gehen, Laufen, Springen, Schwimmen oder die aufrechte Körperhaltung steuern. Die Erkrankung kann genetisch bedingt sein, aber ebenso durch vaskuläre, toxische oder entzündliche Schädigungen ausgelöst werden.

Kennzeichnend für den Krankheitsverlauf ist der fortschreitende Untergang dopaminhaltiger Nervenzellen in der Substantia nigra (schwarze Substanz). Die schwarze Färbung dieser Substanz entsteht durch die Anreicherung der vitalen Zellen mit Neuromelamin. Mit dem Verschwinden der Nervenzellpopulationen geht der Gehalt an Neuromelamin zurück. Verbliebene Nervenzellen der Substantia nigra und andere melaminhaltige Hirnstammkerne enthalten typische eosinophile, zytoplasmatische Einschlüsse, die sogenannten Lewy-Lörperchen.

Durch den beim Morbus Parkinson vorherrschenden Dopaminmangel sind die Nervenzellen im Stratium (Streifenkörper) des Gehirns, die für die Bewegungskontrolle von Bedeutung sind, nicht ausreichend erregt. Dies führt zur Parkinson typischen Akinese. Der Mangel an Dopamin führt gleichzeitig zu einer Enthemmung der cholinergen Neurone und damit zu einem Überschuss der Botenstoffe Azetylcholin und Glutamat. Hierdurch kommt es zum typischen Zittern (Tremor) sowie zur Muskelsteifheit (Rigor). Ebenso folgt aus dem Dopaminmangel in einigen Regionen des Hirnstammes ein Noradrenalin- und Serotoninmangel, der für starke Veränderungen in der Motorik und in psychischen, sensorischen sowie vegetativen Bereichen verantwortlich ist.

Symptomatik

Allgemeine Müdigkeit, depressive Verstimmungen, plötzliche Schweißausbrüche, Verstopfungen oder innere Unruhe machen sich häufig vor den ersten Bewegungsstörungen bemerkbar. Ein charakteristisches Frühsymptom des Morbus Parkinson sind Riechstörungen.  Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf fallen den Betroffenen feinmotorische Tätigkeiten wie Kämmen und Zähne putzen sowie Abstimmungen von Bewegungsabläufen schwerer.  Des Weiteren kommt es zur Verarmung von Mimik und Gestik, die Handschrift wird zunehmend kleiner und schlechter leserlich. Eine gebückte Haltung und ein kleinschrittiger, zum Teil schlurfender Gang, zählen zu den ersten Anzeichen.

Später gehen mit einer Morbus-Parkinson-Erkrankung parkinsontypische Veränderungen einher, die sich zunächst in einer Verlangsamung von Körperbewegungen äußern. Später kann dies bis in Bewegungsarmut und völlige Bewegungslosigkeit (Akinese) münden. Durch das Ungleichgewicht der Überträgerstoffe kommt es zu einem „cholinergen“ Überschuss, der für das meist starke Zittern (Tremor) und die Muskelsteifheit (Rigor) verantwortlich ist.

Komplikationen und Begleiterkrankungen

Bei Morbus Parkinson werden 5 Gruppen an Komplikationen unterschieden. Hierzu zählen motorische Komplikationen, Stürze, Störungen des unwillkürlichen Nervensystems, neuropsychiatrische Probleme sowie Schlafstörungen.

Bei den motorischen Komplikationen wird zwischen motorische Wirkungsschwankungen und vermehrten unwillkürlichen Bewegungen differenziert. Eines der Hauptprobleme von Parkinsonpatienten sind Stürze. Diese nehmen mit steigendem Lebensalter zu und werden in Gleichgewichtsstörungen und Freezing (Bewegungsverharren) unterschieden. Zu den unwillkürlichen Störungen des Nervensystems zählen Blutdruckregulationsstörungen, die sich durch Schwindel in aufrechter Position bemerkbar machen. Zudem treten häufig Verstopfungen, vermehrter nächtlicher Harndrang, und Erregungsstörungen auf, die durch die Behandlung des Zitterns mit Betablockern entstehen. Auch eine gestörte Wärmeregulation, unspezifische Schmerzen und Schluckstörungen zählen zu den unwillkürlichen Komplikationen.

Neuropsychiatrische Probleme äußern sich in Depressionen, Halluzinationen, Gedächtnisstörungen und Verhaltensstörungen wie Ängstlichkeit, Panikattacken und innere Anspannung. Schlafstörungen zählen mit 75% zu den häufigsten Problemen der Morbus Parkinson-Patienten. Die Betroffenen sterben meist an den Folgen schwerer Schluckstörungen, Infektionen sowie Stürzen.

Diagnostik

Die Diagnose Morbus Parkinson wird durch den Arzt aufgrund der sichtbaren Symptome und der geschilderten Beschwerden des Patienten gestellt. Die Abnahme der Substantia nigra und der damit verbundene Dopaminmangel lässt sich mit den gängigen neurologischen Verfahren wie CT (Computertomografie) und MRT (Magnetresonanztomografie) nicht nachweisen. Diese dienen lediglich dem Ausschluss eines Hirntumors.

Ein aufschlussgebendes Verfahren ist hingegen der Levodopa-Test (L-Dopa-Test), bei dem die Patienten L-Dopa, eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, unter medizinischer Aufsicht bekommen. Tritt eine Verbesserung der Symptome ein, handelt es sich vermutlich um Morbus Parkinson.

Weitere Möglichkeiten der Identifikation sind der Ultraschall-Test und nuklearmedizinische Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren wie Fluorodopa-PET (Positronen-Emissions-Computertomographie) und SPECT (Single-Photonen-Emissions-Computertomographie). Der Ultraschalltest gibt mit 70- bis 80-prozentiger Genauigkeit den Zustand der Substantia nigra wieder.  Bei der Fluorodopa-PET werden die dopaminergen Zellen radioaktiv markiert, während bei der SPECT-Methode die Dopaminrezeptoren im Gehirn markiert werden.

Therapieoptionen

Neben der Beachtung bestimmter Ernährungsaspekte und der medikamentösen Therapie sollten sich Betroffene insbesondere regelmäßig bewegen. Bereits leichtes Gehen bzw. Laufen wirkt sich positiv auf Psyche und Motorik aus. Mittels der Ergotherapie kann zudem die Feinmotorik zur Bewältigung alltagspraktischer Fähigkeiten trainiert werden. Mit regelmäßigem Sprachtraining und Atemübungen kann der Steifigkeit der Atemmuskulatur entgegengewirkt werden. Auch regelmäßiges Gehirntraining hilft den Patienten, ihre Erkrankung erträglicher zu gestalten.