Multiple Sklerose – Ernährungstherapie

Obwohl MS-Patienten häufiger spezielle Diätformen angeraten werden, existiert keine wissenschaftlich fundierte MS-Diät. Vermutungen, wonach bestimmte Ernährungsweisen an der Entstehung und Entwicklung der Multiplen Sklerose beteiligt sind, konnten bislang nicht bestätigt werden. Folglich fehlen derzeit die wissenschaftlichen Grundlagen, um eine gezielt auf die degenerativen Prozesse wirkende Diät zu konzipieren.

Die momentanen Ernährungsempfehlungen konzentrieren sich in Analogie zu anderen entzündlichen Erkrankungen vorrangig auf die Beeinflussung des Entzündungsgeschehens. Der grundlegende Gedanke hierbei ist, durch Bevorzugung oder Meidung bestimmter Nahrungsmittel das Fettsäurespektrum der aufgenommenen Fette zu modifizieren. Daneben existieren einige Wirkstoffe, die sich möglicherweise positiv auf die Entzündungs- und Immunprozesse auswirken können. Entsprechende Beweise am Patienten stehen noch aus.

Fette und Fettsäuren

Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren spielen eine wesentliche Rolle bei Entzündungsprozessen. Aus der Fettsäure Arachidonsäure entstehen verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe wie Prostaglandine der 2. Serie und Leukotriene. Arachidonsäure wird entweder mit der Nahrung direkt aufgenommen oder im Körper aus Linolsäure gebildet. Omega-3-Fettsäuren fördern hingegen die Bildung entzündungshemmender Stoffe wie Prostaglandine der 3. Serie.

Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure wie auch die Omega-3-Fettsäuren Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind essenzielle Fettsäuren, die dem Körper über die Nahrung zugeführt werden müssen. Während aus Linolsäure über Gamma-Linolensäure sowohl die entzündungshemmende Dihomo-gamma-Linolensäure als auch Arachidonsäure entsteht, wird aus Alpha-Linolensäure EPA und DHA gebildet. Für den ersten Schritt beider Synthesewege ist das Enzym Delta-6-Desaturase verantwortlich. Zwar wandelt dieses bevorzugt Alpha-Linolensäure um. Bei einer hohen Zufuhr an Linolsäure, wie es für eine westliche Ernährung typisch ist, wird allerdings deren Umbauweg favorisiert (Literatur in [Sim 2008]). So lassen sich bei einem hohen Omega-6-/ Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis im Plasma höhere Gehalte an entzündungsfördernden Botenstoffen finden, während bei einem niedrigen Verhältnis entzündungshemmende Botenstoffe überwiegen [Fer 2006].

Ernährungsempfehlungen bei Multipler Sklerose beruhen daher auf dem Grundgedanken arachidon- und linolsäurereiche Nahrungsmittel zu reduzieren und Omega-3-Fettsäuren-reiche Lebensmittel als Fettlieferanten zu bevorzugen.

Wissenschaftliche Beweise zur Wirksamkeit einer solchen Fettmodifikation konnten bislang nicht erbracht werden. Die wenigen verfügbaren aussagekräftigen Studien konnten weder für mehrfach ungesättigte Fettsäuren allgemein, noch für Omega-6-Fettsäuren, Linolsäure oder Omega-3-Fettsäuren einen positiven Effekt feststellen [Far 2007]. Auch bei einer dänische Studie, die über 2 Jahre hinweg die Wirkung von Fischölkapseln an 49 Patienten untersuchte, verbesserte sich die Krankheitsaktivität im Vergleich zur Placebogruppe nicht [Tor 2012]. Zu bedenken ist jedoch, dass es sich hier häufig um kleine Probandengruppen handelte. Repräsentative großangelegte Studien fehlen. Somit besteht die Gefahr, dass Verbesserungen bei einzelnen Studienteilnehmern infolge der statistischen Auswertung unbeachtet bleiben. Auf der anderen Seite ließen sich auch keine negativen Auswirkungen oder Wechselwirkungen mit der herkömmlichen Therapie feststellen.

Eine Ernährung nach den folgenden Prinzipien ist für MS-Patienten folglich nicht zwingend notwendig. Da der Verlauf und die Schwere der Erkrankung von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sind, sind positive Auswirkungen auf das Krankheitsbild allerdings nicht auszuschließen. Da eine vegetabil- und ölbetonte Ernährungsweise mit regelmäßigen Fischmahlzeiten nebenwirkungsfrei und auch zur Vermeidung von Übergewicht beitragen kann, ist eine solche Ernährungsweise für Patienten durchaus empfehlenswert.

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