Ernährung bei Neurodermitis

Eine allgemeingültige Ernährungstherapie, die jedem Neurodermitiker gleichermaßen hilft, gibt es nicht. Ob es bestimmte auslösende Umweltfaktoren gibt und wenn ja, welche das sind, ist von Patient zu Patient verschieden. In Ratgebern sowie im Internet kursieren eine Reihe von mehr oder weniger plausiblen Ernährungstipps für Betroffene sowie zur Prävention im Mutterleib.

Einige hiervon haben sicherlich ihre Berechtigung, andere sind jedoch rein spekulativ. Wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit einzelner Empfehlungen fehlen zumeist. Teilweise ist dies jedoch auch der Tatsache geschuldet, dass die untersuchte Therapie nicht bei jedem Betroffenen anschlägt und die Studienergebnisse so zu keinem statistisch eindeutigen Rückschluss kommen. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Behandlungsmethode beim Einzelnen nicht zu Erfolgen führen kann. So muss jeder Betroffene oft selbst testen, welche ernährungstherapeutischen Mittel ihm Linderung verschaffen und welche nicht.

Flüssigkeit

Wasser ist unentbehrlich, um Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten, das Blutvolumen und die Zellflüssigkeit konstant zu halten und die Ausscheidung von Abbauprodukten und Giftstoffen zu gewährleisten. Für diese Aufgaben benötigt der Körper täglich etwa 30 ml Flüssigkeit pro kg Körpergewicht, die sowohl über Getränke als auch über wasserreiche Lebensmittel zugeführt werden müssen. Zu beachten ist, dass Flüssigkeitsverluste etwa bei hoher körperlicher Aktivität, bei hohen Außentemperaturen, bei Fieber oder bei Durchfall eine zusätzliche Menge Wasser erfordern.

Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien

Etwa ein Drittel aller an Neurodermitis erkrankten Kinder reagiert überempfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel [Hau 2008]. In den ersten Lebensjahren sind bei etwa 90% dieser IgE-positiven Betroffenen Allergien gegen Kuhmilch, Hühnereier, Soja, Weizen, Fisch, Erdnüsse und Baumnüsse anzutreffen [Suh 2010]. Während Kuhmilch-, Hühnerei-, Weizen- und Sojaallergien im späteren Verlauf der Kindheit gänzlich verschwinden können, bleiben Allergien gegen Meeresfrüchte, Erd- und Baumnüsse oftmals erhalten [Lac 2008].

Lebensmittelallergien bestehen allgemein häufig gegen:

  • Eier
  • Fisch
  • Geflügel
  • Kuhmilch
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse/ Erdnüsse
  • Paprika
  • Soja
  • Tomaten
  • Weizen
  • Zitrusfrüchte

Bei Verdacht auf eine Lebensmittelallergie sollte diese in jedem Fall von einem Allergologen bestätigt werden. Ein eigenmächtiger und womöglich grundloser Verzicht auf mögliche Allergene schränkt die Lebensmittelauswahl unnötig ein und trägt unter Umständen zu einer Unterversorgung an gerade bei Neurodermitis wichtigen Nährstoffen bei. Grundvoraussetzung für das Weglassen bestimmter Lebensmittel sollte ein positiver Provokationstest sein, der den Einfluss des Allergens auf die Symptomatik bestätigt. Erschwerend für die Diagnose ist jedoch, dass Symptom-verstärkende allergische Reaktionen nicht nur akut, sondern in manchen Fällen erst nach bis zu 48 Stunden auftreten können. Besteht der Verdacht auf eine solche Spätreaktion, hilft oftmals das Führen eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs, um mögliche Auslöser zu identifizieren.

Bestätigt sich der Verdacht auf eine Lebensmittelallergie, sind die Auslöser vorerst zu meiden. Besonders im Falle einer Kuhmilch-, Hühnerei-, Weizen- oder Sojaallergie kann die Verträglichkeit in der späteren Kindheit oder Jugend noch einmal überprüft werden.

Da sich viele Allergien in der Kindheit im Laufe des Erwachsenwerdens zurück entwickeln, spielen Lebensmittelallergien ab dem 25. Lebensjahr eine zunehmend untergeordnete Rolle für die Ausprägung der Neurodermitis. Aussagekräftige Untersuchungsergebnisse hierzu sind allerdings rar. Unter 1.739 befragten Patienten der Berliner Charité gaben zum Beispiel 23,5% an, an Neurodermitis zu leiden, wobei lediglich bei 28 (1,8%) tatsächlich eine solche diagnostiziert werden konnte. Bei 9 der Betroffenen bestand der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, die sich im weiteren Untersuchungsverlauf aber nur bei 3 Teilnehmern bestätigen ließ [Wor 2006]. Bei einigen wenigen erwachsenen Neurodermitis-Patienten wurden unter anderem mit Birkenpollen assoziierte Lebensmittelallergien (z.B. gegen Äpfel, Haselnüsse, Sellerie, Möhren) identifiziert [Ree 1999].

Auch Pseudoallergien können bei Neurodermitikern zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen. In diesem Fall sollte eine pseudoallergenfreie Kost erfolgen. Auslöser solcher Reaktionen sind z.B. Lebensmittelfarbstoffe, Konservierungsmittel oder Antioxidantien. Aber auch scharfe Gewürze und Geschmacksverstärker können Hautreizungen auslösen.

Histaminreiche Nahrungsmittel wie Fisch, Käse, Sauerkraut, Tomaten, Wein und Bier können zudem den Juckreiz fördern. Histamin stimuliert den Juckreiz-vermittelnde Nerven und verstärkt die Durchblutung, so dass Hautrötungen entstehen.

Auch Käsesorten wie Camembert und Roquefort, bei deren Herstellung Schimmelpilze zum Einsatz kommen, können unter Umständen zu Symptomen führen.

Besteht der Verdacht, dass einige Nahrungsmittel die Erkrankungsschübe verschlimmern, sollten diese etwa eine Woche komplett gemieden werden. Verschlechtert sich das Hautbild bei erneutem Kontakt, liegt höchstwahrscheinlich eine Unverträglichkeit auf das jeweilige Nahrungsmittel vor. Wie im Falle einer vorliegenden Lebensmittelallergie ist es auch in Bezug auf Pseudoallergien wichtig, dass Lebensmittel nur bei einem durch orale Provokation bestätigten Einfluss auf die Krankheitsausprägung weggelassen werden.

Ernährung vor und nach der Geburt

Schwangerschaft

Eine allergenarme Ernährung während der Schwangerschaft nimmt keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko des Nachwuchses. Die Gefahr ist größer, dass es durch striktes Meiden bestimmter Nahrungsmittel zur Unterversorgung von Mutter und Fötus kommt [Kra 2006]. Wollen Mütter dennoch potenzielle Allergieauslöser meiden, sollten alternative Nahrungsmittel gesucht werden, um eine abwechslungsreiche, nährstoffdeckende Ernährung während der Schwangerschaft zu gewährleisten.

Stillzeit und Milchersatznahrung

Die Wirksamkeit einer allergenarmen Ernährung genetisch vorbelasteter Mütter während der Stillzeit zur Prävention der Neurodermitis beim Kind ließ sich bislang wissenschaftlich nicht belegen [Kra 2012]. Möchte eine Mutter dennoch aus Sicherheitsgründen auf potenzielle Allergieauslöser verzichten, ist auch hier auf alternative Nahrungsmittel zu achten, um den Nährstoffbedarf des Kindes zu decken.

Inwiefern eine allergenarme Ernährung während der Stillzeit die Beschwerden bereits neurodermitischer Kinder lindert, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Allerdings können Mütter testen, ob das Meiden bestimmter Nahrungsmittel auf die Erkrankung ihres Kindes einen Einfluss ausübt.

Da viele betroffene Kinder gleichzeitig eine Kuhmilcheiweißallergie vorweisen, werden bei nicht- oder teilgestillten Kindern hydrolysierte Formulaprodukte empfohlen [Osb 2006a]. Diese schützen Säuglinge, die ein hohes Risiko besitzen [Ber 2013]. Produkte auf Sojamilchbasis zeigten in wissenschaftlichen Produkten keine Vorteile [Osb 2006b]. Wenn es keine Gegenanzeigen gibt, ist Stillen jedoch in jedem Fall vorzuziehen.

Zufütterung von Beikost

Es gibt Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der frühzeitigen Gewöhnung an feste Nahrung und dem Auftreten von atopischen Ekzemen beobachten konnten. Allerdings ist auch hier die Beweislage dürftig [ Tar 2006]. Da die Enzyme im kindlichen Verdauungstrakt erst nach ein paar Monaten die volle Aktivität entwickeln, ist von Beikost vor Beginn des 5. Monats gänzlich abzuraten. Vorsichtshalber sollte wenn möglich bei vorbelasteten Säuglingen mit dem Zufüttern erst ab dem 6. Monat begonnen werden.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA)

Eine seit vielen Jahren diskutierte Therapieoption ist die Behandlung mit Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Da insbesondere die Bildung der Omega-6-Fettsäure Gamma-Linolensäure gestört ist, soll diese verstärkt zugeführt werden. Besonders reich an dieser Fettsäure sind:

  • Nachtkerzenöl und Borretschöl
  • Hanföl und Granatapfelsamenöl

Zudem enthalten Lein-, Walnuss- und Rapsöl reichlich Alpha-Linolensäure, eine entzündungshemmende Omega-3-Fettsäure. Neuere Auswertungen der verfügbaren Studien konnten zwar bislang keine eindeutigen Effekte von Omega-6- bzw. Omega-3-Fettsäuren auf die Vorbeugung oder Therapie von Neurodermitis feststellen [Ana 2009]. Allerdings können diese beim Einzelnen dennoch zu Erfolgen führen. Zudem gehören gerade Omega-3-Fettsäuren-reiche Öle ohnehin zu einer gesunden Ernährung.

Auch die vielfach angepriesene Wirkung von Nachtkerzenöl konnte bislang nicht eindeutig belegt werden [Sto 2008]; [Bam 2013]. Bei einigen Patienten verbesserte sich zwar das Hautbild, andere bemerkten hingegen keinen Effekt oder reagierten sogar mit verstärkten Ekzemen. Es ist daher jedem Betroffenen selbst überlassen, ob er die Behandlung mit bestimmten Ölen ausprobieren möchte.

Probiotika

Da bei vielen Betroffenen das Krankheitsbild durch Nahrungsmittelallergene ausgelöst oder verschlimmert wird, liegt eine häufig empfohlene Therapieoption in der Kräftigung des Darms. Durch die gezielte Gabe von Probiotika wie Milchsäure- und Bifidobakterien soll die Darmflora gestärkt und das darmeigene Abwehrsystem unterstützt werden. Eine Metaanalyse belegt einen mäßigen Effekt bei Kindern mit stark ausgeprägtem Krankheitsbild [Mic 2008]. Eine weitere Studie bestätigte die positive Wirkung von Probiotika sowohl bei Säuglingen als auch vorbeugend während der Schwangerschaft [Pan 2015]. Von der Zufuhr von Präbiotika profitierten besonders Säuglinge, die mit Muttermilchersatz ernährt wurden [Grü 2010].

Einige Patienten berichten von guten Erfolgen, wenn sie täglich höhere Mengen Naturjoghurt (etwa 500 ml) konsumierten. Wer empfindlich auf Kuhmilcheieiweiß reagiert, kann alternativ auch Ziegen- oder Schafsmilchprodukte probieren.

Vitamin D

Kinder mit Neurodermitis weisen im Vergleich zu Nicht-Erkrankten tendenziell einen niedrigeren Vitamin D-Spiegel auf. Gleichzeitig scheint die Erkrankung umso stärker ausgeprägt zu sein, je niedriger der Blutspiegel an 1,25-Vitamin D? ist [Che 2015]. Es gibt zudem Hinweise, dass ein Vitamin D-Mangel die Empfindlichkeit gegenüber Lebensmittelallergenen insbesondere aus Milch und Weizen verstärkt [Bae 2014].

Einige kleinere Studien weisen zudem darauf hin, dass eine erhöhte Vitamin D-Zufuhr in Form von Nahrungsergänzungsmitteln positiv auf den Schweregrad der Neurodermitis wirken kann [Sam 2013]; [Di 2015]. Doch für eine allgemeingültige Empfehlung zur Vitamin D-Supplementation sind die bisherigen Daten unzureichend.

Zink

Zink ist für die normale Funktion der Haut unerlässlich und spielt eine wichtige Rolle bei der Zellteilung. Der Einfluss des Mineralstoffs auf eine Neurodermitis-Erkrankung ist derzeit noch umstritten. Einige Patienten wiesen einen niedrigen Zinkspiegel auf, wobei sich nach der Supplementation mit Zink die Symptome besserten [Kim 2014].

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