Der German Nutrition Care Process (G-NCP)

Der German-Nutrition Care Process ist ein strukturierter Leitfaden in der Ernährungsberatung und -therapie aus 4-5 Teilschritten (Assessment, Diagnosen, Planen und Durchführung Interventionen, Monitoring und Evaluation) und dient der ganzheitlichen, wissenschaftsbasierten und ergebnisorientierten Ernährungsbetreuung von Patienten und Klienten.

Entstehung, Nutzen und Vorteile des Nutrition Care Process

Prinzip

Das Prinzip des Nutrition Care Process (NCP) stammt ursprünglich aus der Feder der Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.) in den USA. Dieser wurde aufgrund der Besonderheiten des Gesundheitssystems in Deutschland an die Verhältnisse hier angepasst. Die European Federation of the Associations of Dietitians (EFAD) empfiehlt den NCP als Modell für alle europäischen Mitgliedstaaten. In Deutschland hat sich der Verband der Diätassistenten (VDD) der Implementierung und Umsetzung des Modells angenommen. Damit werden erstmals die Rahmenbedingungen für eine individuelle Diättherapie und Ernährungsberatung definiert.

Methode

Diese Methode der systematischen Problemlösung soll von qualifizierten Ernährungsfachkräften in der Prävention und Therapie selbstständig und eigenverantwortlich angewendet werden. So wird eine laufende Qualitätskontrolle möglich. Zudem kann genau dokumentiert werden, welche Maßnahmen zu welchen Erfolgen führen, sodass einerseits eine standardisierte Beratung ermöglicht wird, andererseits aber auch genügend Raum für individuelle Maßnahmen bleibt.

Ziel

Als übergeordnetes Ziel ist somit das Generieren von Daten definiert, die den Nutzen von Interventionsmaßnahmen von Ernährungsproblemen belegen. Für den Berater ergibt sich daraus der Vorteil eines definierten und strukturierten Handlungsrahmens. Der Fokus liegt dabei auf Ressourcen statt wie häufig praktiziert auf Defiziten. Das Modell berücksichtigt zudem Arbeitsprozesse und Modelle verwandter Berufsgruppen und bezieht ebenso Angehörige und das Lebensumfeld der Nutzer (Patienten, Kunden, Klienten) mit ein.

Aufbau und Struktur des Nutrition Care Process

Im Zentrum des Modells steht die Verbindung zwischen dem Nutzer (Patient, Klient) und dem Berater (Ernährungsfachkraft).

In das Modell fließen die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Beraters. Hierzu gehören

  • diätetisches Fachwissen
  • kritisches Denken
  • kommunikative Fähigkeiten
  • interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Des Weiteren werden als eine Art äußerer Ring die Rahmenbedingungen und äußeren Faktoren sowie Ressourcen des Nutzers einbezogen.

Aufbauend auf diese Faktoren gliedert sich das Modell im inneren Ring in verschiedene Prozessstufen. Das sogenannte Screening bzw. die Überweisung des Nutzers ist diesen Stufen vorgeschaltet, da hier auch anderes Fachpersonal (z. B. in Kliniken) involviert sein kann. Es stellt damit keinen zentralen Bestandteil des NCP dar.

Der Prozess selbst beginnt mit der Kontaktaufnahme zwischen Nutzer und Berater oder durch die ärztliche Überweisung.

Prozessstufen im Nutrition Care Process

Ernährungsassessment (Weitere Informationen)

Beim Ernährungsassessment (Nutrition Assessment und Re-Assessment) werden systematisch Daten vom Patienten und seinem Umfeld (beruflicher Kontext, Familie, Freunde, Ärzte und Trainer sowie Pfleger etc.) gesammelt und interpretiert. Es fallen insbesondere Daten an aus

  • der Ernährungsanamnese
  • der Labordiagnostik
  • körperlichen Untersuchungen (physiologische Parameter, anthropometrische Daten)
  • weiteren Anamnesezweigen (u. a. Krankengeschichte, Eigen- und Sozialanamnese).

Anschließend werden diese Daten strukturiert analysiert und bewertet bzw. für die weiteren Prozessstufen als Verlaufsparameter ausgewählt.

Ernährungsdiagnosen (Weitere Informationen)

Die Ernährungsdiagnosen (auch Nutrition Diagnosis, Ernährungsbefund) stellen den elementaren Schritt zwischen dem Ernährungsassessment und den Ernährungsinterventionen dar. Auf Grundlage der erhobenen Daten kann festgestellt werden, ob Ernährungsprobleme bestehen und ob diesen durch eine entsprechende Intervention begegnet werden kann. Dieser Schritt obliegt eigenverantwortlich dem Berater. Die Ernährungsdiagnosen (z. B. zu geringe Aufnahme an Eiweiß) sind demnach nicht mit den medizinischen Befunden bzw. Diagnosen (Multiple Sklerose) zu verwechseln und von diesen unabhängig.

Ein weiteres einprägsames Unterscheidungsmerkmal zur medizinischen Diagnose ist die Tatsache, dass sich Ernährungsdiagnosen nach der Intervention verändern bzw. lösen sollten, während medizinische Diagnosen eher bestehen bleiben.

Die Ernährungsdiagnosen fußen auf der Problemerkennung P (Unterversorgung Eiweiß), dem Grund bzw. der Ursache U (ausgelöst durch Appetitverlust, Schmerzen, Übelkeit) sowie den objektiven Zeichen, Symptomen bzw. Indikatoren I (Blutwerte, Körperzusammensetzung, Muskelatrophie, Ernährungsprotokoll). Eine Ernährungsdiagnose ist damit einfach, klar, präzise und spezifisch und baut auf Ursachen sowie Symptomen auf. Lediglich die fehlende Handlungseinsicht bzw. der fehlende Wille des Nutzers zur Verhaltensänderung stellt einen limitierenden Faktor im Handlungsfeld dar.

Ernährungsinterventionen (Weitere Informationen)

Die Ernährungsinterventionen (Nutrition Intervention) beinhalten sowohl die Planung (3. Schritt) als auch die Umsetzung (4. Schritt) einer ernährungsbezogenen Intervention und zielen darauf ab, die identifizierten Ernährungsprobleme zu lösen (z. B. durch eine Diätberatung mit dem Ziel, Wissensdefizite beim Patienten zu beheben).

Die Planung und Umsetzung ernährungsbezogener Maßnahmen setzt voraus, dass eine Ernährungsdiagnose gestellt wurde, eine Zieldefinition erfolgte, die Entwicklung einer Strategie zur Umsetzung der notwendigen Maßnahmen stattgefunden hat, aktuelle Empfehlungen und Leitlinien (evidence based practice) berücksichtigt wurden und mit den involvierten Personen(-gruppen) wie dem Patienten (Klienten/Gruppe), dessen Angehörigen oder mit weiteren Berufsgruppen (Ernährungsmediziner, Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Medizinische Fachangestellte, Sozialarbeiter, Dienstleister) Rücksprache gehalten wurde.

Die Umsetzung beinhaltet weiterhin die Durchführung und Kommunikation aller ernährungsbezogenen Maßnahmen, das kontinuierliche Sammeln und die Dokumentation relevanter Daten sowie ggf. die Modifikation der festgelegten Maßnahmen in Abhängigkeit von deren Wirksamkeit.

Monitoring und Evaluation (Weitere Informationen)

Monitoring und Evaluation (Nutrition Evaluation) sollen die Veränderungen beim Patienten/Klienten oder der Gruppe, die auf die Ernährungsinterventionen zurückzuführen sind, messen und dokumentieren. Hierunter fällt ebenso die kritische Selbstreflexion des Beraters, in der beurteilt werden kann, ob die angewendeten Maßnahmen zielführend waren und korrekt umgesetzt wurden.

Die Ergebnisse werden evaluiert und verdeutlichen somit, welchen Beitrag die ernährungsbezogene Intervention zur Verbesserung eines Ernährungsproblems bzw. von Ernährungsproblemen geleistet hat. Je nachdem, ob das Ernährungsproblem weiterhin besteht, nicht mehr besteht oder sich verändert hat, kann der NCP erneut beginnen.

Die Parameter, die zur Evaluation des Erfolges herangezogen werden, werden im Vorfeld bzw. während des Ernährungsassessments festgelegt. Hierbei handelt es sich um Indikatoren, die relevant für

  • die Bedürfnisse und Ziele des Nutzers
  • die Ernährungsdiagnosen
  • die Therapieziele oder
  • das Krankheitsstadium sind (qualitative UND quantitative Indikatoren).
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