Obstipation: Schnelle diätetische Hilfe

Eine erfolgreiche Therapie der chronischen Obstipation ist nur möglich, wenn die zugrunde liegende Ursache bekannt ist. Gerade Darmverengungen, anorektale Fehlbildungen oder nervale Störungen sprechen kaum auf diätetische Maßnahmen an. Bevor dem Patienten folglich wahllos Empfehlungen unterbreitet werden, ist zunächst zu überprüfen, ob tatsächlich Ernährungsfehler vorliegen.

Krankheitsbild Obstipation im Überblick

Definition und Häufigkeit

Die im Volksmund häufig als Verstopfung bezeichnete Obstipation beschreibt ein Beschwerdebild, das durch eine niedrige Stuhlfrequenz gekennzeichnet ist. Typischerweise ist die Defäkation (Stuhlabgang) hier meist nur durch starkes Pressen möglich und die Stuhlkonsistenz durch die längere Verweildauer oftmals hart und klumpig.

Kriterien

Laut Leitlinie [DGVS 2021] liegt eine Obstipation vor, wenn folgende drei Kriterien aktuell seit mindestens 3 Monaten bestehen, wobei der initiale Beginn der Symptomatik wenigstens 6 Monate vor Diagnosestellung liegen sollte:

  • ≥2 der folgenden Symptome sollten vorhanden sein:
    • klumpiger oder harter Stuhl (Bristol Stool Form Scale 1-2) bei > 25 % der Stuhlentleerungen
    • starkes Pressen bei >25 % der Stuhlentleerungen
    • subjektiv unvollständige Entleerung bei >25 % der Stuhlentleerungen
    • subjektive Obstruktion bei >25 % der Stuhlentleerungen
    • manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation bei >25 % der Stuhlentleerungen (digitale Manipulation, Beckenbodenunterstützung)
    • <3 spontane Stuhlgänge pro Woche
  • Weiche Stühle kommen ohne die Einnahme von Laxantien nur selten vor.
  • Die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom sind nicht erfüllt [Lon 2006].

Grundlage hierfür ist die Rom IV-Klassifikation [Ser 2017]. Personen mit chronischer Obstipation haben zudem eine schlechtere Lebensqualität.

Inzidenz und Prävalenz sind sehr variabel und abhängig sowohl von der angewandten Definition als auch vom untersuchten Kollektiv. In Europa ist von einer mittleren Prävalenz von ca. 15 % (3-27 %) in der Allgemeinbevölkerung auszugehen. Frauen und ältere Menschen sind deutlich häufiger betroffen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl vermutlich weiter steigen.

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Zahl der selbstdiagnostizierten Obstipation aufgrund der unterschiedlichen Auslegung des Begriffes „Verstopfung“ in der Bevölkerung deutlich von der tatsächlichen Häufigkeit abweichen kann. Für ein realitätsgetreues Bild der Obstipationshäufigkeit wären systemische Befragungen breiter Bevölkerungsteile mit einheitlichen Kriterien notwendig. Derartige Befragungen fehlen (bislang).

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der Obstipation handelt es sich nicht, wie oftmals angenommen, um eine Zivilisationskrankheit der Neuzeit. Aufzeichnungen reichen bis in die Antike zurück und auch einige mittelalterliche Darstellungen weisen auf das Beschwerdebild hin.

Die Ursachen sind indes mannigfaltig, was die Diagnoseführung erschwert. Ein Zusammenhang zwischen chronischer Verstopfung und faserarmer Kost, verringerter Flüssigkeitsaufnahme, mangelnder Bewegung oder Unterdrückung des Defäkationsreizes sowie abrupter Änderungen der Lebensumstände wurden in der Literatur zwar vielfach beschrieben. Ein kausaler Zusammenhang ist jedoch nicht belegt [DGVS 2021].

Vielmehr kommen Erkrankungen (strukturelle intestinale Passagestörungen; neurologische, endokrine, und systemische Erkrankungen) oder Medikamente bzw. deren Nebenwirkungen in Betracht.

Erkrankungen

  • strukturelle intestinale Passagestörungen: Wucherungen, Operationen, Fehlbildungen etc.
  • neurologische Erkrankungen: Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, zerebrovaskuläre Erkrankungen (Apoplex, Demenz), autonome Neuropathie (Diabetes mellitus), Läsion vegetativer Nervengeflechte (Operationen im Becken-, Bauch- und Retroperitonealraum)
  • endokrine Erkrankungen: Hypothyreose, Hyperparathyreoidismus (Hyperkalzämie), Phäochromozytom
  • systemische Erkrankungen: systemische Sklerodermie, Amyloidose
  • psychologische Erkrankungen: Depressionen, Essstörungen

Medikamente

Opioide, Anticholinergika, Trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Monoaminooxidase-Hemmer, Antiepileptika, Antihistaminika, Kalziumhaltige Antazida, Antihypertensiva, Spasmolytika, Sympathomimetika, Diuretika, Colestyramin

Ernährung und Lebensstil

unzureichende Ballaststoff- und/oder Flüssigkeitsaufnahme; unzureichende Bewegung

Umwelt und Soziales

Unterdrückung des Defäkationsreizes; abrupt ändernde Lebensumstände (Reisen, etc.)

Konstitutionelle Faktoren

weibliches Geschlecht/ Schwangerschaft, hohes Alter


Obstipation: Schnelle diätetische Hilfe

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Formen

Die Obstipation lässt sich in eine primäre (idiopathische) und sekundäre Form einteilen. Bei der primären Form wird zusätzlich unterschieden zwischen:

  • idiopathische Form mit normaler Transitzeit
  • Slow-Transit-Obstipation
  • Defäkationsstörung

Die sekundäre Form wird meist durch Erkrankungen oder Medikamente ausgelöst (siehe Ursachen und Risikofaktoren).

Symptome

Die Symptome der Obstipation sind größtenteils subjektiver Natur und hängen stark von den Eigenempfindungen des Patienten ab. Typisch sind:

  • seltenerer Stuhlgang als gewohnt (welche Stuhlfrequenz als krankhaft anzusehen ist, hängt aufgrund der hohen Schwankungsbreite vom Patienten ab)
  • Darmentleerung ist mit Schmerzen und Anstrengung verbunden und erfordert starkes Pressen
  • harter, klumpiger Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung

In einigen Fällen können auch Blähungen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und ein Fröstelgefühl hinzukommen.

Häufige Begleit- und Folgeerkrankungen sowie Komplikationen

Eine Obstipation muss ernst genommen werden. Zum einen kann die Verstopfung Symptom einer organischen Erkrankung im Verdauungsbereich sein (z.B. ein Tumor). Zum anderen ist die Obstipation meist von einer Reihe unangenehmer und das Wohlbefinden sowie die Gesundheit beeinträchtigender Begleiterscheinungen begleitet.

Mögliche Komplikationen

  • Blähungen
  • seelische Belastungen
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Hautprobleme
  • Bildung von Kotsteinen (Koprolith)

Mögliche Folgeerkrankungen

  • Divertikulose/ Divertikulitis
  • Hämorrhoiden
  • Karzinome (Krebsgeschwulste) im Dickdarmbereich
  • Vorfall des Mastdarms (Rektumprolaps)
  • Stuhlinkontinenz
  • ungewolltes Einkoten bei Kindern (Retentive Enkopresis)
  • mechanischer Ileus durch Bildung von Kotballen (Skybala)
  • Megakolon

Diagnose und Diagnostik

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand der Rom IV-Kriterien (siehe Definition und Häufigkeit).

Die Basisdiagnostik basiert auf einer Anamnese mit Analyse des Stuhlverhaltens, der Medikamenteneinnahme, der Begleitsymptome und -erkrankungen sowie möglicher verursachender Erkrankungen. Ergänzt wird diese durch körperliche Untersuchungen (Anusinspektion, rektal-digitale Untersuchung mit Prüfung des Sphinkterruhetonus, des Kneifdrucks und des Defäkationsversuchs; Koloskopie) [DGVS 2021].

In der Verlaufsdiagnostik kommt der Verlauf der Obstipation ergänzend hinzu.

Ernährungsassessment

Die Verzehrsgewohnheiten (Ballaststoffe, Flüssigkeit) und zusammenhängende Faktoren sollten vorzugsweise in einem Ernährungs-Beschwerde-Tagebuch über 7 bis 14 Tage erhoben werden. Idealerweise werden hier Angaben gemacht zu [The 2022] [Azi 2020]:

  • Ess- und Trinkgewohnheiten (inkl. Uhrzeit)
  • Stuhlfrequenz und -konsistenz (mit der Bristol-Stuhl-Skala)
  • Symptome/ Beschwerden (Blähungen, Völlegefühl, Schmerzen etc.)
  • psychosoziale Einflüsse (z. B. Reisen, Meiden fremder Toiletten, Stress etc.)

Therapie

Die Therapie erfolgt nach einem Stufenschema [modifiziert nach DGVS 2021].

Tabelle 1: Stufenschema therapeutischer Maßnahmen

Ernährungsziele und diätetische Prinzipien

Ernährungsziele

Das Ziel der Ernährungstherapie bei chronisch funktioneller Obstipation ist es, die Darmentleerung so weit wie möglich mit natürlichen Mitteln zu unterstützen, um den Gebrauch von Laxanzien nach Möglichkeit zu vermeiden.

Nutzen einer Ernährungstherapie

Eine erfolgreiche Therapie ist nur möglich, wenn die zugrundeliegende Ursache bekannt ist. Gerade Darmverengungen, anorektale Fehlbildungen oder nervale Störungen sprechen kaum auf diätetische Maßnahmen an. Bevor dem Patienten folglich wahllos Empfehlungen unterbreitet werden, ist zunächst zu überprüfen, ob tatsächlich Ernährungsfehler vorliegen.

Diätetische Prinzipien

Hierzu eignet sich vorzugsweise ein Ernährungstagebuch über mindestens 7 Tage, in dem zusätzliche Angaben zu Beschwerden und zum Stuhlverhalten notiert werden. Gleichzeitig sollten sämtliche Medikamente erfasst werden, die der Patient einnimmt, um mögliche obstipationsfördernde Wirkstoffe zu identifizieren.

Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Ballaststoffe

Eine ballaststoffarme Ernährung spielt bei einem großen Teil der Patienten mit chronisch funktioneller Obstipation eine entscheidende Rolle. Eine Steigerung der Ballaststoffzufuhr auf das allgemein empfohlene Maß kann bei diesen Patienten zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Hierbei sind allerdings zwei Punkte zu beachten:

Wenn Patienten bereits eine ausreichende Ballaststoffzufuhr vorweisen (etwa 30 bis zu 50 g täglich), sollte diese nicht weiter erhöht werden, da hiervon keine Symptomverbesserung zu erwarten ist.

Lösliche und unlösliche Ballaststoffe unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf den Darm, was bei der Ernährungstherapie zu beachten ist. Besteht bereits eine ausreichend hohe Ballaststoffzufuhr, kann unter Umständen eine Umstellung der Quellen mit Bevorzugung von löslichen Ballaststoffen hilfreich sein.

Unlösliche Ballaststoffe wie Zellulose, Hemizellulosen und Lignine finden sich vor allem in Vollkornprodukten und Weizenkleie. Diese binden Wasser und erhöhen hierdurch das Stuhlvolumen. Da unlösliche Ballaststoffe von der Darmflora nur geringfügig abgebaut werden, bewahren diese ihre Quelleigenschaften und das Stuhlvolumen bleibt bis zum Rektum hoch. Bei Patienten mit geringer Ballaststoffzufuhr können diese in Kombination mit einer ausreichenden Trinkmenge bereits Linderung verschaffen. Bei Patienten, die beispielsweise infolge von Darmentzündungen, Tumorerkrankungen und Darmoperationen Darmverengungen vorweisen oder bei denen sich Kotsteine festgesetzt haben, kann ein hohes Stuhlvolumen hingegen zu einer Verschlechterung der Obstipation führen. Hier sind lösliche Ballaststoffe besser geeignet.

Lösliche Ballaststoffe wie Pektin kommen vor allem in Gemüse, Obst und der Samenschale von Lein- sowie Psylliumsamen vor. Diese binden weitaus mehr Wasser als unlösliche Ballaststoffe und bilden Gele, die dem Stuhl eine gute Gleitfähigkeit verleihen. Lösliche Ballaststoffe werden von der Darmflora allerdings fast vollständig abgebaut, verlieren dabei die Wasserbindungsfähigkeit und das Stuhlvolumen nimmt beim Durchlaufen des Dickdarms langsam wieder ab. Als Präbiotikum fördern diese das Wachstum der Darmflora, sodass sich das Stuhlvolumen ausgleichend durch eine vermehrte Biomasse erhöht. Zudem entstehen beim Abbau niedermolekulare Substanzen wie Essig- und Milchsäure sowie Kohlendioxid. Durch die Senkung des Darm-pH-Wertes wird die Darmtätigkeit angeregt und die Bildung von Fäulniserregern unterdrückt. Ferner erhöht sich hierdurch der osmotische Druck, Wasser strömt vermehrt in das Darmlumen ein und der Stuhl wird voluminöser.

Neben einem vermehrten Konsum von Gemüse (2-3 Portionen) und Obst (1-2 Portionen) können zur Unterstützung der Zufuhr löslicher Ballaststoffe bei Bedarf auch Präparate mit Flohsamenschalen oder Leinsamen eingesetzt werden, die einen hohen Anteil an Pektinen vorweisen. Hierbei ist allerdings dringend auf die notwendige Trinkmenge zu achten. Zudem besteht bei der Verwendung ballaststoffreicher Präparate wie Flohsamenschalen, Leinsamen, Weizen- oder Haferkleie durch die guten Bindungseigenschaften die Gefahr einer gestörten Resorption von Vitaminen und Mineralstoffen. Ballaststoffpräparate sollten folglich sparsam, mit einigen Stunden Abstand zu anderen Mahlzeiten und nach Möglichkeit nicht im Dauergebrauch eingenommen werden.

Wurden bisher regelmäßig Abführmittel verwendet, sollte die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung langsam erfolgen, da es zu Blähungen und Völlegefühl kommen kann. Mit der Zeit bessern sich diese Beschwerden wieder. Um die Akzeptanz der Ernährungsumstellung zu erhöhen, ist es ratsam, den Patienten vorher aufzuklären, dass der Darm Wochen bis Monate brauchen kann, bis er wieder zu einer normalen Tätigkeit übergeht und die anfänglichen Beschwerden mit der Zeit nachlassen.

Flüssigkeit

Eine geringe Trinkmenge wird neben einer ballaststoffarmen Kost insbesondere bei älteren Menschen als häufige Ursache für eine anhaltende Verstopfung angesehen. Welchen Einfluss die Flüssigkeitszufuhr als Ursache tatsächlich ausübt, ist allerdings unklar. Durch eine Steigerung der Trinkmenge kann eine bestehende Obstipation nicht beseitigt werden, wohl aber kann eine hohe Ballaststoffzufuhr bei gleichzeitig niedriger Trinkmenge eine Verstopfung begünstigen.

Eine hohe Trinkmenge ist insbesondere bei der Verwendung von ballaststoffreichen Präparaten wie Leinsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie erforderlich. Ohne ausreichende Flüssigkeitsmenge entziehen diese der Darmschleimhaut Wasser, die Gleitfähigkeit der Darmwand sinkt und die Obstipation wird gefördert. Zudem wird durch die Flüssigkeitsbindung weniger Wasser vom Körper resorbiert, wodurch bei geringer Trinkmenge die Gefahr einer Austrocknung besteht.

Um ihre Quelleigenschaften zu entfalten, benötigen Ballaststoffe eine entsprechend hohe Flüssigkeitsmenge. Falls diese noch nicht ausreichend ist, ist eine Trinkmenge von mindestens 1,5 bis 2 Litern anzustreben. Hierfür eignen sich besonders Mineralwasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Saftschorlen. Gerade ältere Patienten trinken aufgrund eines verminderten Durstgefühls und aus Angst vor nächtlichem Harndrang nur wenig. Hier kann es hilfreich sein, die gesamte Trinkmenge morgens bereitzustellen und diese in kleinen Mengen über den Tag zu sich zu nehmen.

Eine Trinkmenge über 3 Liter hat allerdings keinen weiteren Effekt auf die Stuhlkonsistenz und ist folglich auch nicht notwendig. Zudem gibt es keine Hinweise, dass durch alleinige Erhöhung der Trinkmenge eine bestehende Obstipation beseitigt werden kann.

Probiotika

Vereinzelt zeigen kleinere Studien positive Effekte von Probiotika auf Transitzeit, Stuhlfrequenz und -konsistenz. Aufgrund der Vielfalt an Bakterienstämmen und -spezies sowie Präparaten können bislang keine gesicherten Aussagen zur Wirksamkeit getroffen werden [Zha 2020]. Wird eine Anwendung in Betracht gezogen, sind sogenannte VSL#3-Präparate zu wählen [Ser 2019].

Lebensmittel, spezielle Produkte und Mahlzeitenmanagement

Milchsauer vergorene Lebensmittel

Milchsauer vergorene Lebensmittel können unter Umständen die Obstipationsbehandlung unterstützen. Sauermilchprodukte wie Naturjoghurt, Buttermilch und Kefir sowie Sauerkraut fördern die Ansiedlung von Milchsäure- und Bifidobakterien im Dickdarm. Hierdurch wird einerseits die Biomasse und folglich das Stuhlvolumen erhöht. Andererseits bilden diese die Grundlage zum Abbau löslicher Ballaststoffe.

Die enthaltene Milchsäure senkt den Darm-pH-Wert. Ein saurer pH-Wert fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien, unterdrückt die Vermehrung pathologischer Keime und stimuliert die Darmperistaltik.

Darüber hinaus enthalten Milchprodukte Laktose, die eine leicht abführende Wirkung hat. Für Patienten mit Laktoseintoleranz sind diese allerdings weniger geeignet.

Ob der Verzehr von milchsauer vergorenen Produkten ausreichend ist oder zusätzlich ein probiotisches Präparat aus der Apotheke sinnvoll ist, muss für den Einzelfall individuell entschieden werden. Von der Verwendung probiotischer Joghurts oder Drinks ist eher abzuraten, da diese neben hohen Zuckermengen häufig auch eine Reihe von Zusatzstoffen enthalten.

Stopfende und abführende Lebensmittel

Im Volkswissen ist eine Reihe von Lebensmitteln bekannt, die eine stopfende Wirkung haben. Diese können unter Umständen eine funktionelle Obstipation begünstigen, so dass deren sparsamer Verzehr ratsam ist. Im Gegenzug sind auch Lebensmittel bekannt, die als natürliche Abführmittel bereits in der Volksheilkunde eingesetzt wurden. Obwohl deren Wirkung nur spärlich wissenschaftlich untersucht ist, können diese möglicherweise zu einer Besserung der Beschwerden beitragen. Da bei Lebensmitteln unter gebräuchlicher Dosierung kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, dürfte sich zumindest ein Versuch durchaus lohnen.

Mischungen aus Tomaten-, Sauerkraut- und Karottensaft liefern Ballaststoffe, Milchsäure sowie Flüssigkeit und wirken sich folglich positiv auf die Darmtätigkeit aus.

Pflaumen: Pflaumen gelten als altes Hausmittel gegen Verstopfung. Zu Beginn sollte der Patient möglichst nur ein halbes Glas naturtrüben Pflaumensaft zum Frühstück trinken, da die Wirkung nicht sofort eintritt. Zeigt sich auch am nächsten Tag keine Verbesserung, kann die Menge erhöht werden.

Noch besser geeignet als Saft sind eingeweichte getrocknete Pflaumen. Hierfür werden 5 Dörrpflaumen über Nacht in Wasser eingeweicht. Am nächsten Morgen können die Pflaumen gegessen, das Einweichwasser getrunken oder alles zu einem Mus püriert zu sich genommen werden.

Weintrauben: Weintrauben mitsamt der Schale verzehrt wirken in Mengen ab etwa 300 Gramm ebenfalls abführend. Hierbei sollten möglichst Sorten mit Kernen gewählt werden, da kernlose Sorten auf einen hohen Zuckergehalt gezüchtet wurden.

Feigen: Getrocknete Feigen können ebenso wie Dörrpflaumen abführend wirken. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes sollten allerdings nicht mehr als 5 Pflaumen am Tag gegessen werden.

Kiwi: Gegen Verstopfung sind laut der überarbeiteten Leitlinie Backpflaumen und Flohsamenschalen probate Mittel. Eine kleine Studie zeigt zudem, dass auch Kiwis einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz bieten.

In der Studie wurden die Effekte von Backpflaumen (100 g täglich), Flohsamenschalen (12 g täglich) und Kiwis (2 Stück täglich) auf den Grad und Häufigkeit der Verstopfung miteinander verglichen [Che 2021]. Bei allen 3 Ansätzen stieg die Zahl der kompletten Darmentleerungen an. In der Backpflaumen- und in der Kiwi-Gruppe verbesserte sich zudem die Stuhlkonsistenz. In der Kiwi-Gruppe nahmen zusätzlich die Blähungen messbar ab.


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Obstipation: Schnelle diätetische Hilfe

Lebensstil und weitere Therapieoptionen

Bewegung und Sport

Körperliche Immobilität infolge von Unfällen oder Erkrankungen, die einer Bettruhe bedürfen, führen zu einer „akuten Darmruhe“. Welchen Einfluss ein Bewegungsmangel auf das Obstipationsrisiko hat, ist hingegen strittig. Obstipierten Patienten wird häufig eine vermehrte körperliche Bewegung nahegelegt, da diese bekanntermaßen beim gesunden Menschen die Darmentleerung fördert. Belege für die Wirksamkeit dieser Empfehlung bei chronischer Obstipation fehlen allerdings. Vielmehr unterscheiden sich ambulant behandelte Patienten in ihrem Bewegungsumfang oftmals nicht von gesunden Personen, sodass ihre Verstopfung nicht auf einen Bewegungsmangel zurückzuführen ist [Mül 2005].

Bei einigen Patienten kann auch eine gesteigerte Aktivität die Behandlung unterstützen, vor allem, wenn sich diese bisher im Alltag eher wenig bewegten. Besonders empfehlenswert sind gymnastische Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur, um den physiologischen Spannungszustand der Bauchdecke aufrechtzuerhalten.

Akuter und chronischer Stress

Eine Umstellung der Ernährung wie etwa auf Reisen, bei Diäten oder beim Fasten kann zu einer „akuten Darmträgheit“ führen. Stress, Hektik und psychische Probleme können eine Obstipation psychosomatisch begünstigen. Besonders Menschen mit wechselnden Tag-Nacht-Rhythmen oder die beruflich viel auf Reisen sind, klagen häufig über Verstopfung.

Psychologische Betreuung

In einigen Fällen wird eine Obstipation psychosomatisch durch problematische Lebensumstände, Stress und Hektik begünstigt oder gar ausgelöst. Hier kann eine psychologische Beratung zur Problemlösung bzw. zum besseren Umgang mit Stressoren hilfreich sein.

Bauchmassagen

Bauchmassagen können den Weitertransport des Stuhls unterstützen. Hierbei sollte vor dem Aufstehen der Bauch am äußeren Rand entlang im Uhrzeigersinn etwa 10 Minuten lang massiert werden.

Stuhltraining

Bei vielen Patienten ist es hilfreich, einen regelmäßigen Stuhlrhythmus zu erlernen, um den Stuhlgang anzukurbeln. Hierbei kann zum Beispiel direkt nach dem Frühstück die Toilette aufgesucht werden, um den Darm an diese feste Uhrzeit zu gewöhnen. Bei ausbleibender Entleerung sollte aber nicht länger als 5 Minuten gewartet werden. Wichtig ist zudem, einen einsetzenden Stuhldrang nicht über längere Zeit zu unterdrücken und möglichst zeitnah eine Toilette aufzusuchen.

Einläufe

Einläufe erfolgen meist vor rektalen Untersuchungen. Dabei wird mit einem Klistier Flüssigkeit (Salz- oder Zuckerlösung) über den After in den Dickdarm eingeführt. Der Dickdarm erweitert sich und es kommt rasch zum Stuhlgang (nach 5 bis 20 Minuten). Diese Methode kann eine Reizung der Analschleimhaut und Fissuren (= Risse in der Analschleimhaut oder im Afterkranz) sowie bei häufiger Anwendung eine Darmträgheit zur Folge haben.

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