Ernährung bei Verstopfung (Obstipation)

Eine erfolgreiche Therapie ist nur möglich, wenn die zugrundeliegende Ursache bekannt ist. Gerade Darmverengungen, anorektale Fehlbildungen oder nervale Störungen sprechen kaum auf diätetische Maßnahmen an. Bevor dem Patienten folglich wahllos Empfehlungen unterbreitet werden, ist zunächst zu überprüfen, ob tatsächlich Ernährungsfehler vorliegen.

Hierzu eignet sich vorzugsweise ein Ernährungstagebuch über mindestens 7 Tage, in dem zusätzlich Angaben zu Beschwerden und zum Stuhlverhalten notiert werden. Gleichzeitig sollten sämtliche Medikamente erfasst werden, die der Patient einnimmt, um mögliche obstipationsfördernde Wirkstoffe zu identifizieren.

Das Ziel der Ernährungstherapie bei chronisch funktioneller Obstipation ist es, die Darmentleerung soweit wie möglich mit natürlichen Mitteln zu unterstützen, um den Gebrauch von Laxanzien nach Möglichkeit zu vermeiden.

Ballaststoffe

Eine ballaststoffarme Ernährung spielt bei einem großen Teil der Patienten mit chronisch funktioneller Obstipation eine entscheidende Rolle. Eine Steigerung der Ballaststoffzufuhr auf das allgemein empfohlene Maß kann bei diesen Patienten zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Hierbei sind allerdings zwei Punkte zu beachten:

Wenn Patienten bereits eine ausreichende Ballaststoffzufuhr vorweisen (etwa 30 bis zu 50 g täglich), sollte diese nicht weiter erhöht werden, da hiervon keine Symptomverbesserung zu erwarten ist.

Lösliche und unlösliche Ballaststoffe unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf den Darm, was bei der Ernährungstherapie zu beachten ist. Besteht bereits eine ausreichend hohe Ballaststoffzufuhr, kann unter Umständen eine Umstellung der Quellen mit Bevorzugung von löslichen Ballaststoffen hilfreich sein.

Unlösliche Ballaststoffe wie Zellulose, Hemizellulosen und Lignine finden sich vor allem in Vollkornprodukten und Weizenkleie. Diese binden Wasser und erhöhen hierdurch das Stuhlvolumen. Da unlösliche Ballaststoffe von der Darmflora nur geringfügig abgebaut werden, bewahren diese ihre Quelleigenschaften und das Stuhlvolumen bleibt bis zum Rektum hoch. Bei Patienten mit geringer Ballaststoffzufuhr können diese in Kombination mit einer ausreichenden Trinkmenge bereits Linderung verschaffen. Bei Patienten, die beispielsweise infolge von Darmentzündungen, Tumorerkrankungen und Darmoperationen Darmverengungen vorweisen oder bei denen sich Kotsteine festgesetzt haben, kann ein hohes Stuhlvolumen hingegen zu einer Verschlechterung der Obstipation führen. Hier sind lösliche Ballaststoffe besser geeignet.

Lösliche Ballaststoffe wie Pektin kommen vor allem in Gemüse, Obst und der Samenschale von Lein- sowie Psylliumsamen vor. Diese binden weitaus mehr Wasser als unlösliche Ballaststoffe und bilden Gele, die dem Stuhl eine gute Gleitfähigkeit verleihen. Lösliche Ballaststoffe werden von der Darmflora allerdings fast vollständig abgebaut, verlieren dabei die Wasserbindungsfähigkeit und das Stuhlvolumen nimmt beim Durchlaufen des Dickdarms langsam wieder ab. Als Präbiotikum fördern diese das Wachstum der Darmflora, so dass sich das Stuhlvolumen ausgleichend durch eine vermehrte Biomasse erhöht. Zudem entstehen beim Abbau niedermolekulare Substanzen wie Essig- und Milchsäure sowie Kohlendioxid. Durch die Senkung des Darm-pH-Wertes wird die Darmtätigkeit angeregt und die Bildung von Fäulniserregern unterdrückt. Ferner erhöht sich hierdurch der osmotische Druck, Wasser strömt vermehrt in das Darmlumen ein und der Stuhl wird voluminöser.

Neben einem vermehrten Konsum von Gemüse (2-3 Portionen) und Obst (1-2 Portionen) können zur Unterstützung der Zufuhr löslicher Ballaststoffe bei Bedarf auch Präparate mit Flohsamenschalen oder Leinsamen eingesetzt werden, die einen hohen Anteil an Pektinen vorweisen. Hierbei ist allerdings dringend auf die notwendige Trinkmenge zu achten. Zudem besteht bei der Verwendung ballaststoffreicher Präparate wie Flohsamenschalen, Leinsamen, Weizen- oder Haferkleie durch die guten Bindungseigenschaften die Gefahr einer gestörten Resorption von Vitaminen und Mineralstoffen. Ballaststoffpräparate sollten folglich sparsam, mit einigen Stunden Abstand zu anderen Mahlzeiten und nach Möglichkeit nicht im Dauergebrauch eingenommen werden.

Wurden bisher regelmäßig Abführmittel verwendet, sollte die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung langsam erfolgen, da es zu Blähungen und Völlegefühl kommen kann. Mit der Zeit bessern sich diese Beschwerden wieder. Um die Akzeptanz der Ernährungsumstellung zu erhöhen, ist es ratsam, den Patienten vorher aufzuklären, dass der Darm Wochen bis Monate brauchen kann, bis er wieder zu einer normalen Tätigkeit übergeht und die anfänglichen Beschwerden mit der Zeit nachlassen.

Um ihre Quelleigenschaften zu entfalten, benötigen Ballaststoffe eine entsprechend hohe Flüssigkeitsmenge. Falls diese noch nicht ausreichend ist, ist eine Trinkmenge von mindestens 1,5 bis 2 Litern anzustreben. Hierfür eignen sich besonders Mineralwasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Saftschorlen. Gerade ältere Patienten trinken aufgrund eines verminderten Durstgefühls und aus Angst vor nächtlichem Harndrang nur wenig. Hier kann es hilfreich sein, die gesamte Trinkmenge morgens bereitzustellen und diese in kleinen Mengen über den Tag zu sich zu nehmen.

Eine hohe Trinkmenge ist insbesondere bei der Verwendung von ballaststoffreichen Präparaten wie Leinsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie erforderlich. Ohne ausreichende Flüssigkeitsmenge entziehen diese der Darmschleimhaut Wasser, die Gleitfähigkeit der Darmwand sinkt und die Obstipation wird gefördert. Zudem wird durch die Flüssigkeitsbindung weniger Wasser vom Körper resorbiert, wodurch bei geringer Trinkmenge die Gefahr einer Austrocknung besteht.
Eine Trinkmenge über 3 Liter hat allerdings keinen weiteren Effekt auf die Stuhlkonsistenz und ist folglich auch nicht notwendig. Zudem gibt es keine Hinweise, dass durch alleinige Erhöhung der Trinkmenge eine bestehende Obstipation beseitigt werden kann.

Milchsauer vergorene Lebensmittel

Milchsauer vergorene Lebensmittel können unter Umständen die Obstipationsbehandlung unterstützen. Sauermilchprodukte wie Naturjoghurt, Buttermilch und Kefir sowie Sauerkraut fördern die Ansiedlung von Milchsäure- und Bifidobakterien im Dickdarm. Hierdurch wird einerseits die Biomasse und folglich das Stuhlvolumen erhöht. Andererseits bilden diese die Grundlage zum Abbau löslicher Ballaststoffe.
Die enthaltene Milchsäure senkt den Darm-pH-Wert. Ein saurer pH-Wert fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien, unterdrückt die Vermehrung pathologischer Keime und stimuliert die Darmperistaltik.

Darüber hinaus enthalten Milchprodukte Laktose, die eine leicht abführende Wirkung hat. Für Patienten mit Laktoseintoleranz sind diese allerdings weniger geeignet.
Ob der Verzehr von milchsauervergorenen Produkten ausreichend ist oder zusätzlich ein probiotisches Präparat aus der Apotheke sinnvoll ist, muss für den Einzelfall individuell entschieden werden. Von der Verwendung probiotischer Joghurts oder Drinks ist eher abzuraten, da diese neben hohen Zuckermengen häufig auch eine Reihe von Zusatzstoffen enthalten.

Stopfende und abführende Lebensmittel

Im Volkswissen ist eine Reihe von Lebensmitteln bekannt, die eine stopfende Wirkung haben. Diese können unter Umständen eine funktionelle Obstipation begünstigen, so dass deren sparsamer Verzehr ratsam ist. Im Gegenzug sind auch Lebensmittel bekannt, die als natürliche Abführmittel bereits in der Volksheilkunde eingesetzt wurden. Obwohl deren Wirkung nur spärlich wissenschaftlich untersucht ist, können diese möglicherweise zu einer Besserung der Beschwerden beitragen. Da bei Lebensmitteln unter gebräuchlicher Dosierung kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, dürfte sich zumindest ein Versuch durchaus lohnen.

Pflaumen gelten als altes Hausmittel gegen Verstopfung. Zu Beginn sollte der Patient möglichst nur ein halbes Glas naturtrüben Pflaumensaft zum Frühstück trinken, da die Wirkung nicht sofort eintritt. Zeigt sich auch am nächsten Tag keine Verbesserung, kann die Menge erhöht werden.

Noch besser geeignet als Saft sind eingeweichte getrocknete Pflaumen. Hierfür werden 5 Dörrpflaumen über Nacht in Wasser eingeweicht. Am nächsten Morgen können die Pflaumen gegessen, das Einweichwasser getrunken oder alles zu einem Mus püriert zu sich genommen werden.

Getrocknete Feigen können ebenso wie Dörrpflaumen abführend wirken. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes sollten allerdings nicht mehr als 5 Pflaumen am Tag gegessen werden.

Weintrauben mitsamt der Schale verzehrt wirken in Mengen ab etwa 300 Gramm ebenfalls abführend. Hierbei sollten möglichst Sorten mit Kernen gewählt werden, da kernlose Sorten auf einen hohen Zuckergehalt gezüchtet wurden.

Mischungen aus Tomaten-, Sauerkraut- und Karottensaft liefern Ballaststoffe, Milchsäure sowie Flüssigkeit und wirken sich folglich positiv auf die Darmtätigkeit aus.

Unterstützende Maßnahmen

Mahlzeitenfrequenz

Eine Aufteilung der täglichen Kost auf drei Hauptmahlzeiten mit ein bis zwei Zwischenmahlzeiten kann für einige Patienten von Vorteil sein. Hierdurch fallen die Nahrungsmengen zu einer Mahlzeit geringer aus, wodurch der Darm weniger belastet wird.

Bewegung

Bei einigen Patienten kann auch eine gesteigerte Aktivität die Behandlung unterstützen, vor allem, wenn sich diese bisher im Alltag eher wenig bewegten. Besonders empfehlenswert sind gymnastische Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur, um den physiologischen Spannungszustand der Bauchdecke aufrechtzuerhalten.

Psychologische Betreuung

In einigen Fällen wird eine Obstipation psychosomatisch durch problematische Lebensumstände, Stress und Hektik begünstigt oder gar ausgelöst. Hier kann eine psychologische Beratung zur Problemlösung bzw. zum besseren Umgang mit Stressoren hilfreich sein.

Bauchmassagen

Bauchmassagen können den Weitertransport des Stuhls unterstützen. Hierbei sollte vor dem Aufstehen der Bauch am äußeren Rand entlang im Uhrzeigersinn etwa 10 Minuten lang massiert werden.

Stuhltraining

Bei vielen Patienten ist es hilfreich, einen regelmäßigen Stuhlrhythmus zu erlernen, um den Stuhlgang anzukurbeln. Hierbei kann zum Beispiel direkt nach dem Frühstück die Toilette aufgesucht werden, um den Darm an diese feste Uhrzeit zu gewöhnen. Bei ausbleibender Entleerung sollte aber nicht länger als 5 Minuten gewartet werden. Wichtig ist zudem, einen einsetzenden Stuhldrang nicht über längere Zeit zu unterdrücken und möglichst zeitnah eine Toilette aufzusuchen.

Einläufe

Einläufe erfolgen meist vor rektalen Untersuchungen. Dabei wird mit einem Klistier Flüssigkeit (Salz- oder Zuckerlösung) über den After in den Dickdarm eingeführt. Der Dickdarm erweitert sich und es kommt rasch zum Stuhlgang (nach 5 bis 20 Minuten). Diese Methode kann eine Reizung der Analschleimhaut und Fissuren (= Risse in der Analschleimhaut oder im Afterkranz) sowie bei häufiger Anwendung eine Darmträgheit zur Folge haben.

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