Oligoantigene Diät

Die Oligoantigene Diät beruht auf der Annahme, dass die Auffälligkeiten bei ADHS, ähnlich wie bei einer Allergie, Ausdruck einer Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelinhaltsstoffe sind. Interessanterweise erkranken Betroffene dieser neurologischen Störung weit häufiger an Asthma, Magenbeschwerden und Ohrinfektionen.

Laut Schnoll und ihren Mitarbeitern liegt beispielsweise die Allergiehäufigkeit der gesamten US-amerikanischen Bevölkerung etwa bei 15 bis 20%, während unter den ADHS-Patienten etwa 70% betroffen sind . Ein Zusammenhang zwischen Allergien und ADHS ist daher durchaus vorstellbar. Egger und seine Mitarbeiter testeten 1985 eine oligoantigene Diät an 76 hyperaktiven Kindern, wobei 82% daraufhin weniger Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Anschließend wurden die potenziellen Auslöser einzeln der täglichen Kost wieder hinzugefügt, um diejenigen zu ermitteln, die erneut zu Verhaltensänderungen führen. Anhand der Ergebnisse stellte Egger folgende Rangliste möglicher Auslöser vor [Egg 1985].

Mögliche Auslöser für Verhaltensauffälligkeiten
Nahrungsmittel bzw. – Inhaltsstoff ermittelte Häufigkeit der Empfindlichkeit Nahrungsmittel bzw. – Inhaltsstoff ermittelte Häufigkeit der Empfindlichkeit
Farbstoffe und Konservierungsmittel 79% Schinken/ Speck 20%
Soja 73% Ananas 19%
Kuhmilch 64% Zucker 16%
Schokolade 59% Rinderfleisch 16%
Weintrauben 50% Bohnen 15%
Weizen 49% Erbsen 15%
Orangen 45% Malz 15%
Kuhmilchkäse 40% Äpfel 13%
Hühnereier 39% Schweinefleisch 13%
Erdnüsse 32% Birne 12%
Mais 29% Hühnchen 11%
Fisch 23% Kartoffeln 11%
Hafer 23% Tee 10%
Melone 21% Kaffee 10%
Tomaten 20% andere Nüsse 10%

In den häufigsten Fällen reagierten die Kinder empfindlich auf die Kombination des Konservierungsstoffs Benzoesäure (E210) sowie des Azofarbstoffs Tartrazin (E102). Einige Kinder reagierten zusätzlich auch auf Nicht-Lebensmittel wie Pollen, Hausstaub und Parfum. Zudem bekamen einige Patienten zusätzliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, wenn das unverträgliche Nahrungsmittel wieder in die tägliche Kost eingeführt wurde. Ließen sie diese erneut weg, verschwanden auch die Symptome wieder.

Prinzip

Bei der oligoantigenen Diät wird das betroffene Kind etwa 3 bis 4 Wochen mit einer Grundnahrung versorgt, die aus wenig allergenen Nahrungsmitteln besteht. Tritt in diesem Zeitraum eine Besserung des Krankheitsbildes auf, ist dies ein Indiz, dass das Kind tatsächlich empfindlich auf Nahrungsmittel reagiert. Im Anschluss erfolgt die Wiedereinführungsphase, in der die tägliche Kost wöchentlich um ein Nahrungsmittel erweitert wird. Treten dabei erneut Verhaltensauffälligkeiten auf, wird das entsprechende Nahrungsmittel wieder eliminiert. Verschwinden daraufhin die Symptome, ist ein potenzieller Auslöser gefunden und sollte zukünftig gemieden werden.

Grundernährung für die ersten Wochen:

  • zwei Fleischsorten (Lamm, Hühnchen, Pute, Truthahn)
  • zwei Kohlehydratquellen (Kartoffeln und Reis)
  • zwei Früchte (Apfel, Birne, Banane, Pfirsich, Aprikose, Trauben, Ananas)
  • Gemüse (Kohl, Blumenkohl, Rosenkohl, Auberginen, Spargel, Möhren, Sellerie, Gurke, Melone, Zwiebel, Lauch)
  • Getränke (Wasser, Kräutertee, Fruchtsäfte aus den oben genannten Obstsorten)
  • Gewürze (Salz, Pfeffer, Kräuter)
  • Kalzium (300 mg/ d)
  • Multivitamingaben

Für aussagekräftige Ergebnisse ist eine konsequente Umsetzung der Diät nötig. Diese sollte daher nicht gegen den Willen des Kindes oder Jugendlichen erfolgen.

Bewertung

In einer Reihe von kontrollierten Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass eine oligoantigene Diät bei einem großen Teil der ADHS-Betroffenen Wirkung zeigt. Uhlig und seine Mitarbeiter zeigten mittels EEG-Messungen zudem, dass die Beta-Aktivität des Gehirns nach Provokation mit zuvor ermittelten Auslösern stieg. Die Beta-Wellen werden unter anderem mit Stress und Aufregung in Verbindung gebracht [Uhl 1997].

Im Gegensatz zu Ernährungsformen, die pauschal Nahrungsmittel verbieten, wie etwa die Feingold- oder die Hafer-Diät, brauchen hier letztlich nur nachgewiesene Auslöser vermieden werden. Das Nahrungsmittelangebot ist so weniger beschränkt und Nährstoffmängel unwahrscheinlich. Die oligoantigene Diät ist wenig kostenintensiv, jedoch sehr langwierig (etwa 3 bis 6 Monate). Besonders empfehlenswert ist diese bei ADHS-Patienten, die zusätzlich über typische Unverträglichkeitsbeschwerden klagen wie:

  • Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Verstopfung,
  • Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Erbrechen
  • Hautveränderungen, Neurodermitis, Blässe, Augenringe, rote Ohren
  • chronischer Schnupfen
  • Schlafstörungen
  • Mundgeschwüre