Omega-3-Fettsäuren

Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (n-3) erhielten ihren Namen durch die erste Doppelbindung am 3. Kohlenstoffatom. Hierunter werden die Fettsäuren Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) zusammengefasst. Diese sind wesentliche Bestandteile der Membranphospholipide.

Sie beeinflussen deren Fluidität, deren Bindungsfähigkeit und damit die Wirksamkeit von Zytokinen, Enzymen, Rezeptoren oder Liganden. ALA zählt zu den essenziellen Fettsäuren. Zunehmend werden von einigen Fachgesellschaften jedoch auch EPA und DHA als lebensnotwendig eingestuft.

Struktur

Die essenzielle Fettsäure Alpha-Linolensäure kommt vor allem in Pflanzenölen vor und kann im Organismus zu einem gewissen Teil in Eicosapentaensäure (zu 10-15%) und anschließend in Docosahexaensäure (etwa 4%) umgewandelt werden.

Biosynthese in Pflanzen

Pflanzen verfügen über leistungsfähige Enzyme (Desaturasen), die Doppelbindungen in n-3 und n-6-Stellung einfügen können. Die beteiligten Enzyme sind im Stroma und in der Membran der Plastiden lokalisiert. Nach der Umwandlung in Ölsäure wird Stearinsäure zu Alpha-Linolensäure umgewandelt. Aus Alpha-Linolensäure wiederum können die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA entstehen. N-3 dienen den Pflanzen in erster Linie als Kälteschutz. Dies gilt vor allem für Algen und Phytoplankton, die beträchtliche Gehalte an Omega-3-Fettsäuren aufweisen können.

Biosynthese in Tieren und Menschen

Kaltwasserfische nehmen diese Fettsäuren über die Nahrungskette auf – auch hier zum Schutz vor Kälte. Ihre Zellen zeichnen sich durch eine besondere Flexibilität und Fluidität aus. Sowohl Tiere als auch Menschen können aus ALA die langkettigen Familienmitglieder aufbauen. Beim Menschen ist die Synthese von ALA zu EPA jedoch limitiert und wird mit etwa 10 bis 15% angegeben. Die Synthese läuft im endoplasmatischen Retikulum und in den Peroxisomen ab.

Bei Tieren verläuft dieser Stoffwechsel effizienter als beim Menschen. Die Reaktionsfolge schließt Desaturierungen und Elongationen ein. Die erste Desaturierung am 6. C-Atom durch die Delta6-Desaturase ist der geschwindigkeitsbestimmende Schritt. Alle ungesättigten Fettsäurefamilien (n-3, n-6, n-9) konkurrieren dabei um die gleichen Enzyme. Sowohl die Linolsäure (LA) als auch ALA sind Substrate der Delta6-Desaturase. Die Syntheserate schwankt zudem in Abhängigkeit der Organe. Dabei gilt:

Die Verfügbarkeit von n-3 im Gehirn hängt von der Leberleistung ab. Die Produktion in der Leber wiederum unterliegt verschiedenen hormonellen und physiologischen Bedingungen. So wird die Synthese durch Insulin und Thyroxin gefördert; durch Glukagon, Epinephrin, ACTH, Glukokortikoide sowie das Alter hingegen gehemmt.

Funktionen und Aufgaben

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind wichtige Bausteine der Zellmembran und beeinflussen deren Funktion maßgeblich. Zudem sind sie Ausgangssubstanzen für zahlreiche Gewebehormone (Eicosanoide wie Leukotriene, Thromboxane und Prostaglandine), die lebensnotwendige Abläufe im Körper regulieren. Die positiven Wirkungen der Omega-3-Fettsäuren sind vielfach untersucht und belegt.

Omega-3-Fettsäuren werden in die Zellmembranen eingebaut, sorgen für Elastizität bzw. Flexibilität der Zellen und verändern die Viskosität und Permeabilität der Membranen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der Einbau in die Erythrozyten, wodurch der Blutfluss gefördert wird. Sie spielen eine wichtige Rolle für Enzyme, Rezeptoren und Transportproteine in der Zellwand. Als Botenstoffe im Entzündungsgeschehen beteiligt oder als Signalstoffe für Zellreaktionen beeinflussen n-3 intrazelluläre Signale, die Expression spezifischer Membranrezeptoren und greifen in das System von second messengern ein. Der wichtigste Unterschied zwischen EPA und DHA besteht darin, dass DHA die Expression der Proteinkinase C hemmt, EPA hingegen stimuliert die Aktivierung des Enzyms. Somit könnte DHA über die Proliferationshemmung das Wachstum pathologischer Zellen hemmen. Für die Entwicklung von Frühgeborenen und Säuglingen sind n-3 essenziell: sie werden für die Entwicklung von Gehirn, Nervenzellen und der Netzhaut des Auges benötigt und sind außerdem wichtige Bestandteile der Keimdrüsen.

Einflussfaktoren auf die Wirksamkeit

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden nach und nach in die Zellmembranen eingebaut. Für die biologische Wirksamkeit ist eine kontinuierliche Zufuhr von etwa 2 Monaten notwendig. Bleibt die Zufuhr über die Nahrung aus, werden die Fettsäuren auch nicht mehr in die Zellmembranen eingebaut. Maximale Spiegel lassen sich in Plasma und Gewebe nach etwa 6 Wochen (EPA) bzw. etwa 18 Wochen (DHA) nachweisen. Der langsame Einbau begründet unter anderem das geringe Auftreten von Nebenwirkungen (Gewöhnungseffekt). Bei einer gleichzeitig zu hohen Zufuhr an Omega-6-Fettsäuren verlieren Omega-3-Fettsäuren jedoch ihre Wirkung. Der Körper kann ein Gleichgewicht zwischen den beiden Fettsäuregruppen nicht selbst regeln, da Omega-6- nicht in Omega-3-Fettsäuren umgewandelt werden können.

Gehirnentwicklung

Eine These besagt, dass die Gehirnentwicklung und damit auch die Intelligenz der Menschen in der Evolutionsgeschichte auf die Zufuhr von Kaltwasserfischen zurückzuführen ist. Englische Forscher konnten nachweisen, dass den Urmenschen an den Ufern des Rift Valley große Mengen Kaltwasserfische als Nahrungsquelle zur Verfügung standen, aus denen sich später der Homo sapiens entwickelte. Die Tatsache, dass die Fettsäuren EPA und DHA überwiegend im Nervengewebe, in den Keimdrüsen, in den Nebennieren und in den Augen enthalten sind, unterstützt diese Theorie.

Weiteren Untersuchungen zufolge lassen sich Gehirnentwicklung, Intelligenz, Sehschärfe und Lernfähigkeit im Säuglingsalter durch die Gabe von Omega-3-Fettsäuren verbessern bzw. beschleunigen. Die Versorgung mit diesen Fettsäuren während der Schwangerschaft und im Neugeborenenalter beeinflusst sowohl die Erkrankungshäufigkeit als auch die Sterblichkeit [Hor 1995]. Schätzungen zufolge reichen 0,5% DHA in der Muttermilch für eine normale Gehirnentwicklung aus. Das Gehirn benötigt einen schnellen Umsatz der Omega-3-Fettsäuren für verschiedene Transportmechanismen. Darauf ist auch die Anreicherung von Omega-3-Fettsäuren in Säuglingsmilchnahrungen zurückzuführen.  Eine im Jahr 2007 veröffentlichte Studie im Lancet brachte hervor, dass günstige Effekte bei einem wöchentlichen Verzehr von mehr als 340 g Fisch und Meeresfrüchten auftreten. Eine geringe oder fehlende Aufnahme an n-3 hingegen ging signifikant mit einem höheren Risiko für einen niedrigen verbalen Intelligenzquotienten beziehungsweise suboptimale Werte hinsichtlich der Feinmotorik, Kommunikation und der sozialen Entwicklung einher [Hib 2007].

Einfluss auf Störungen der Hirnfunktion

Der Einfluss auf Störungen der Hirnfunktion ist noch nicht vollständig geklärt. Bei psychiatrischen Krankheitsbildern lassen sich häufig niedrige DHA-Konzentrationen in den Zellmembranen des ZNS nachweisen. Die entzündungsfördernde Substanz Interleukin- 1 löste beispielsweise bei Ratten Stress und Angstzustände aus, wobei durch EPA diese Verhaltensänderungen rückläufig waren.

Andererseits können entzündungsfördernde Fettsäuren (z.B. Arachidonsäure) mit einer Reihe von psychischen Störungen in Verbindung gebracht werden. Einer Hypothese zufolge wirkt EPA dieser Fettsäure entgegen. Ebenso verhinderte EPA die gefäßverengende Wirkung von Arachidonsäure und erhöhte dadurch den Blutfluss im Gehirn.

Bislang besteht kein Konsens bezüglich der optimalen Dosierung zur günstigen Beeinflussung der Hirnfunktion und es ist auch noch unklar, welche Patientengruppen am ehesten von einer Therapie mit Omega-3-Fettsäuren profitieren könnten. Dabei könnte die Bestimmung des individuellen Fettsäureprofils zu Therapiebeginn hilfreich sein.

Stimulation des Immunsystems

N-3 beeinflussen die Blutplättchen, vaskuläre Endothelzellen, Neutrophile und Monozyten. Die Fettsäuren reduzieren die Bildung zellschädigender Mediatoren der Arachidonsäurekaskade (PGE2, IL-1, TNF oder PAF) oder hemmen deren Wirkung durch Bildung meist antagonistisch oder schwächer wirkender Eicosanoide wie TxA3 oder LTB5. Damit wirken diese antithrombotisch, immunmodulatorisch und entzündungshemmend. Darüber hinaus verändern sie die B-Zell-Aktivität und hemmen die Antigenpräsentation sowie -expression. In entzündlichen Reaktionen unterstützen sich DHA und EPA gegenseitig. Die beiden Fettsäuren hemmen TNF-alpha und IL-1 sowie deren Genexpression.

Folgende positive Wirkungen werden derzeit genauer untersucht:

  • positive Wirkung auf Carrageen-induzierte Colitis
  • Zytoprotektivität auf Magenschleimhaut
  • Anreicherung von 15-Lipoxyderivaten in der Epidermis -> positive Effekte bei Neurodermitis oder Psoriasis
  • hemmende Wirkung auf die autoimmune Nephritis
  • verbesserte Ischämie bei Nierenversagen
  • reduzierte Proteinurie
  • hemmende Wirkung auf Ciclosporin-induzierte Nierentoxizität und Verbesserung der Creatininclearance

Eicosanoid-vermittelte Entzündungshemmung

Die Eicosanoid-vermittelte Wirkung zählt zu den essenziellen Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren. Von besonderem Wert ist hierbei das Wechselspiel der von den Omega-3-Fettsäuren gebildeten Thromboxane und Prostazykline. Blutplättchen bilden aus EPA anstelle des Plättchenaggregators und des Vasokonstriktors Thromboxan A2 (TxA2) das inaktivere Thromboxan A3 (TxA3). In den vaskulären Endothelzellen werden aus EPA die aggregationshemmend und vasodilatatorisch wirkenden Prostaglandine I2 (PGI2) und I3 (PGI3) gebildet. Aus diesen Reaktionen resultiert eine Verschiebung des Gleichgewichtes in Richtung verminderte Plättchenaggregation, verlängerte Blutungszeit und vaskuläre Dilatation [Dre 1992]. Die Aktivität von PDGF (platelet derived growth factor) wird gehemmt, die von EDRF (endothelium derived relaxing factor) sowie von NO (Stickstoffmonoxid) stimuliert [Cha 1994]. Die Verschiebung der Lipoxygenaseprodukte zugunsten der schwächer wirkenden Leukotriene B5 (LTB5) und C5 (LTC5) wirkt ebenso entzündungshemmend.

Omega-3-Fettsäuren modulieren Entzündungsprozesse indirekt über die Zytokinsynthese. Möglich ist zudem eine Beeinflussung der Expression von Adhäsionsmolekülen und weiteren inflammatorischen Genen (z. B. Gene der Cyclooxygenase-2). In der Summe bewirken Omega-3-Fettsäuren somit eine positive Beeinflussung von Entzündungsreaktionen und werden daher gemeinhin als „antiinflammatorisch“ bezeichnet.

Einfluss auf die Blutlipide und Fettstoffwechsel

N-3 senken die Triglyzeride im Plasma, wobei dieser Effekte dosisabhängig ist. Untersuchungen lassen vermuten, dass EPA verstärkt auf die Triglyzeride, DHA hingegen auf das Gesamtcholesterin wirkt. DHA scheint zudem zu einem Anstieg von HDL beizutragen. Die Wirkungen beruhen auf einer Hemmung von Synthese und Abgabe der Triglyzeride aus der Leber sowie auf einem erhöhten Cholesterinefflux aus den Endothelzellen. Die Effekte sind dosisabhängig, wobei die Senkung der Triglyzeride am stärksten ausgeprägt ist. Maximale Effekte ließen sich in Studien bei einer täglichen Gesamtaufnahme von 5 bis 10 Gramm, minimale bei knapp 1 Gramm EPA und DHA nachweisen.

N-3 wirken antiarteriosklerotisch und antiarrhythmisch, indem sie die Fettsäuresynthase hemmen, die Peroxisomenproliferation erhöhen und die Transkription von Genen für lipogene Enzyme regulieren [Tzi 2007].

Einfluss auf Blutdruck und Gefäßstabilität

Omega-3-Fettsäuren wirkten in Tierversuchen gefäßschützend und -stabilisierend und können

  • der Intimahyperplasie sowie der Entwicklung einer Arteriosklerose in den Arterien vorbeugen
  • die Bildung arteriosklerotischer Plaques verzögern bzw. antiatherogen wirken
  • die Proliferation von Endothelzellen und die Ablagerung von oxidiertem LDL-Cholesterin verringern
  • eine Relaxation der Arterien bewirken
  • möglicherweise Lp(a)-Spiegel senken und die Synthese von ApoB vermindern
  • antiarrhythmisch wirken, die ventrikuläre Fibrillation und damit einen Herzstillstand hemmen und
  • die vaskuläre Thrombenbildung sowie Gefäßläsionen vermindern.

In Studien zeigte sich häufiger auch eine Absenkung des Blutdrucks, möglicherwiese bewirkt durch

  • verminderte Fibrinogenspiegel
  • eine verminderte Blutviskosität
  • eine erhöhte Erythrozytenflexibilität
  • eine verminderte vasokonstriktorische Wirkung und
  • Beeinflussung des Kalziumstoffwechsels.

Die Effekte sind bei einer bestehenden Koronarerkrankung bzw. Hypertonie ausgeprägt, bei Gesunden sind die Ergebnisse hingegen nicht einheitlich bzw. unterliegen großen Schwankungen.

Mangelerscheinungen und Toxizität

Eine fehlende Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren resultierte in Studien in Wachstumsverzögerungen, entzündlichen Hautveränderungen bis hin zu Geschwüren. Des Weiteren wurden Konzentrationsstörungen, Verhaltens-, Lern- und Schlafprobleme bei unzureichender Zufuhr von DHA und EPA beobachtet. Ein akuter Mangel beeinträchtigte in Tierversuchen an Ratten das Wachstum, das Lernverhalten und die Sehfähigkeit.

Des Weiteren führte eine unzureichende Zufuhr zu schweren strukturellen und metabolischen Störungen. Auch beim Menschen gibt es Hinweise auf Mangelerscheinungen durch eine unzureichende Aufnahme an Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung. Diese äußerten sich in erster Linie durch

  • eine verminderte Lernfähigkeit
  • ein abnormales Elektroretinogramm
  • eingeschränktes Sehvermögen
  • Polydipsie (gesteigertes Durstempfinden)
  • verminderte Konzentrationen an Alpha-Linolensäure (ALA) und Docosahexaensäure (DHA)
  • erhöhte Konzentration an Vertretern der n-9 Reihe (wenn Omega-6-Fettsäuren niedrig).

Die Toxizität für Fischöl und Lebertran ist schwierig zu beurteilen, da diese in ihrer Zusammensetzung stark variieren. Die Ergebnisse können zudem durch Gehalte an Vitamin D, E oder Pestizide sowie Schwermetalle verfälscht werden. Außerdem ist vorliegende Anzahl an Toxizitätsstudien gering und beziehen sich meist auf hochgereinigte DHA, EPA sowie synthetische Ethylester. So sprechen die bislang vorliegenden Ergebnisse für ein eher geringes toxisches Potenzial. Der NOEL (no observed effect level) liegt bei 0,1 g pro kg Körpergewicht. Bei einer täglichen Zufuhr von bis zu 3 g an längerkettigen Omega-3-Fettsäuren sind keine unerwünschten Nebenwirkungen zu erwarten. Nach wie vor nicht geklärt ist jedoch die Tatsache, ob sich DHA und EPA in der Toxizität unterscheiden.

N-3 beeinflussen in höheren Dosen die Blutrheologie und Hämostase. Bereits Dosen von 3 bis 3,6 g führten zu einer verlängerten Blutungszeit um 10 bis 12% (erhöhtes Blutungsrisiko) und zu einer reduzierten Plättchenaggregation (um 53 bis 67%). Dabei hielt der Effekt auch noch einige Wochen nach der Gabe von Omega-3-Fettsäuren an. Daher ist bei Personen mit erhöhter Blutungsneigung Vorsicht gegeben (Blut verdünnende Arzneimittel). Bei der Aufnahme größerer Mengen können zudem Übelkeit und Erbrechen auftreten, bei 18 g täglich traten zudem Diarrhoe und Steatorrhoe auf [Haw 1990]. Unter bestimmten Bedingungen können Herzrhythmusstörungen gefördert werden. Histopathologische Untersuchungen ergaben hingegen keine Befunde. Bei Schwangeren bewirken Omega-3-Fettsäuren eine verlängerte Gravidität, die mit einem erhöhten Geburtsgewicht korreliert. Vereinzelt wurden bei Neugeborenen eine eingeschränkte Clearancerate und ein erhöhtes Risiko für Kernikterus beobachtet.

Nicht zuletzt ist ein Defizit bzw. eine Unterversorgung an Vitamin E möglich, was bei einer Supplementation berücksichtigt werden sollte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Polyenfettsäuren bei verminderter Antioxidantienkapazität zellschädigende Radikale und peroxidierte Polymere wie Lipofuscin bilden können. Studien belegten weiterhin, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Lipidperoxidation steigern können. Es wurden erhöhte Konzentrationen an oxidierten Lipiden und geringere Konzentrationen an Glutathion gemessen. Bei gleichzeitiger Gabe von Vitamin E stieg dessen Plasmakonzentration. Allerdings sind n-3 weniger empfindlich, als ihr Ungesättigtheitsgrad vermuten lässt.

Vorkommen

Die wichtigsten Nahrungsmittellieferanten für Alpha-Linolensäure sind Walnüsse, Leinsamen, Walnussöl, (Wachtel-)Fleisch, Sojaöl, Weizenkeimöl, Grünkohl und Pfifferlinge. EPA und DHA hingegen kommen vorwiegend on Thunfisch, Lachs, Makrele, Hering, Sprotten, Flunder, Bückling, Walfleisch und Lebertran vor.

Die Gehalte an EPA und DHA variieren in Abhängigkeit des Lebensraumes der Fische. Umso kälter die Umgebungstemperatur, umso höher sind auch die Gehalte. Bei Zuchtfischen liegen die Konzentrationen jedoch deutlich niedriger, da das Futter deutlich weniger Alpha-Linolensäure enthält. Denn Fische nehmen alpha-Linolensäure mit dem Phytoplankton auf und bilden daraus die längerkettigen Fettsäuren EPA und DHA. Daher sollte beim Fischkauf auf die Herkunft geachtet werden. Originäres Fischöl ist in seiner Zusammensetzung ein stark schwankendes und oxidationsempfindliches Öl. Es besitzt variable Anteile an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Je nach Fanggebiet und Jahreszeit schwankt der Anteil an Omega-3-Fettsäuren in Fisch erheblich.

Auch ökologische Fleisch- und Milchprodukte enthalten aufgrund der Fütterung der Nutztiere höhere Mengen als konventionell produzierte Nahrungsmittel.

Zufuhrempfehlungen und Ist-Zufuhr

Der tägliche Bedarf an Linolsäure wird mit etwa 6-8 Gramm angegeben. Für die Omega-3-Fettsäuren wird der Minimalbedarf nach aktuellen Kenntnissen für ALA mit 0,3-0,4 Gramm, für EPA und DHA mit 0,1-0,3 Gramm pro Tag angegeben. Dies entspricht in etwa 2 bis 3 Fischmahlzeiten pro Woche. Als optimal gelten in etwa die doppelten Mengen.

Für Alpha-Linolensäure entspricht dies in etwa 0,5-1% der täglichen Energiezufuhr, für EPA und DHA 0,4%. Wesentlich wichtiger als die Gesamtzufuhr ist jedoch das Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu n-3 in der Nahrung. Dieses ist entscheidend für den Gehalt an n-3 in den Nervenzellmembranen.

Da Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren nach der Nahrungsaufnahme im Körper für die Resorption um die gleichen Enzyme konkurrieren, kann sich ein einseitiger Verzehr von Omega-6-Fettsäuren negativ auswirken. Obwohl alle Befunde darauf hindeuten, dass sowohl Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren mit der Nahrung zur Aufrechterhaltung normaler Körperfunktionen zugeführt werden müssen, gibt es widersprüchliche Angaben zur günstigsten Relation beider Fettsäureklassen. Nach dem heutigen Kenntnisstand ist ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Vertretern von 3-5:1 in der Nahrung das günstigste Verhältnis. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass unsere Vorfahren Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in einem Verhältnis von 2-3:1 aufnahmen. Heute ist aufgrund des zunehmenden Verarbeitungsgrades von Lebensmitteln sowie der Kraft- und Maissilage-Fütterung von Nutztieren die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren mit natürlichen Lebensmitteln zu gering. Derzeit wird von einer Aufnahme von Omega-6- zu Omega-3-Vertretern im Verhältnis von 25-50:1 ausgegangen. Dies hat weitreichende Konsequenzen. So variiert das Herzinfarktrisiko in Abhängigkeit des Verhältnisses beider Fettsäureklassen um ein Vielfaches.

Die tatsächliche Aufnahme dagegen ist nur schwer zu kalkulieren. Die MRIFT-Studie der USA ermittelte für 26% keinen Fischkonsum und für 41% einen geringen Fischverzehr (100 g/ Woche). Wird dies auf die europäische Bevölkerung mit ähnlichem Ernährungsverhalten übertragen, kann zumindest von einer Unterversorgung von einem Großteil der deutschen Bürger ausgegangen werden. Der Bedarf an diesen essenziellen Wirkstoffen ist jedoch bei bestimmten Erkrankungen um ein Vielfaches erhöht. Diagnostisch ermitteln lässt sich dies über die jeweiligen Konzentrationen in Blutfetten und -zellen. Auf der anderen Seite steigen indes die Konzentrationen für Omega-6-Fettsäuren in diesen Parametern.

Ein Konsens zum Mischverhältnis von EPA zu DHA steht noch aus. Die Datenlage deutet darauf hin, dass EPA alleine oder in Kombination mit DHA (wie in Fischölen) wirksamer ist als DHA allein. Für die Primärprävention scheinen bereits 250 mg EPA und DHA täglich ausreichend zu sein [Moz 2006]. Da n-3-Fettsäuren für mehrere Wochen in Gewebemembranen gespeichert werden, können diese Angaben auf eine wöchentliche Aufnahme von ungefähr 1.500–2.000 mg übersetzt werden. Für frittierte Fischmahlzeiten von Fast-Food-Restaurants oder Gefrierabteilungen in Supermärkten werden meist Weißfischarten mit geringem Gehalt an n-3-Fettsäuren verwendet. Die Zubereitung erfolgt häufig mit Frittierölen, die größere Mengen von gesundheitlich bedenklichen Transfettsäuren enthalten können.

Quecksilberbelastung in Fisch

Durch die Quecksilberbelastung in Fischen und Meeresfrüchten bedarf die Zufuhrempfehlung einer differenzierten Risiko-Nutzenbewertung des Fischkonsums. Experten und Organisationen kommen jedoch zu dem Schluss, dass der Benefit von moderatem Fischkonsum größer ist als das potenzielle Risiko durch Umweltkontaminanten. Gefährdete Personengruppen hingegen, wie zum Beispiel Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch, schwangere und stillende Frauen und Kleinkinder, sollten stärker belastete Fischsorten wie Schwertfisch, Haifisch, Albacore-Thunfisch, Ziegelbarsch und Königsmakrelen vermeiden oder nur eingeschränkt konsumieren. Der österreichische Alpenlachs nimmt hier eine Sonderposition ein, da er einen besonders hohen Gehalt an EPA und DHA aufweist und zugleich nahezu frei von Umweltkontaminanten ist.

Ist-Zufuhr

Die durchschnittliche Zufuhr an Alpha-Linolensäure beträgt 1 bis 2 Gramm; die für EPA 0,1 bis 0,2 Gramm täglich. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren liegt bei etwa 15:1 [San 2000].

Assoziierte Erkrankungen

Omega-3-Fettsäuren werden mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Zum einen sollten diese bei Depressionen und Stimmungsschwankungen helfen. Zum anderen wird ein fördernder Einfluss bei Fettstoffwechselstörungen, entzündungsassoziierten Erkrankungen und Krebs diskutiert.

Omega-3-Fettsäuren und Einfluss auf Erkrankungen

  • Depressionen
  • Metabolisches Syndrom
  • Koronare Herzerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • ADHS

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