Osteoporose – Ernährungstherapie und Prävention

Eine spezielle Osteoporose-Diät gibt es nicht. Die grundsätzlichen Ernährungsempfehlungen entsprechen denen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Der Prävention der Osteoporose kommt damit der größte Stellenwert zu. Spezielle Faktoren können den Verlauf einer bestehenden Erkrankung jedoch zusätzlich positiv beeinflussen.

Hinweis für Ernährungsfachkräfte: Angaben zum ernährungstherapeutischen Assessment sind im Handout „Osteoporose – Ernährungstherapie“ enthalten.

Ziele

Das Osteoporose-Risiko korreliert mit Alter und Gewicht. Daher steht insbesondere mit zunehmendem Alter die Gewichtsstabilisierung im Fokus. Eine unerwünschte Gewichtsabnahme gilt es zu verhindern. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch eine ausreichende Muskelkraft

Während eine abnehmende Knochendichte erst einmal nicht spürbar ist, gehen bereits erlittene und bestehende Frakturen mit Schmerzen und Einschränkungen in der Lebensqualität einher. Diese können mit entsprechenden Maßnahmen abgemildert bzw. gelindert werden.

Die ausreichende Versorgung mit essenziellen Nährstoffen, besonders mit Schwerpunkt auf Knochenaufbau bzw. -erhalt fördernde Substanzen, ist die Basis ernährungstherapeutischer Maßnahmen.

Diätetische Prinzipien

  • bedarfsdeckende Zufuhr an Kalzium, mindestens 1000 mg pro Tag
  • ausreichende Zufuhr an Vitamin D von 10 µg/Tag bzw. ausreichende Gewährleistung der Vitamin D-Bildung in der Haut, alternativ Supplementation
  • bedarfsdeckende Zufuhr an Protein
  • bedarfsdeckende Zufuhr an Energie, Vermeiden von Untergewicht bzw. unerwünschter Gewichtsabnahme oder Erreichen Normalgewicht
  • zusätzlich optimale Bedarfsdeckung von Vitamin K

Aspekte zur Nährstoffzufuhr und mögliche Ernährungsdiagnosen

Prävention: Nährstoffe mit Funktionen auf den Knochen

Einige Nährstoffe wirken sich positiv auf die Erhaltung und die Funktion der Knochen aus. Diese sind damit zentraler Bestandteil zur Prävention osteoporotischer Veränderungen im Knochen. Für diese wurden Health Claims (Gesundheitsaussagen auf Lebensmitteln) zugelassen.

Therapie: Evidenzbasierte Empfehlungen

Es gibt eine Evidenz für die Effekte einer ausreichenden Einnahme von Kalzium und Vitamin D hinsichtlich der Reduktion des Risikos für Frakturen. Die Sicherstellung einer ausreichenden Zufuhr wird daher empfohlen. Eine bedarfsdeckende Zufuhr an Protein wird empfohlen, um einer (ungewollten) Gewichtsabnahme vorzubeugen bzw. Normalgewicht zu erreichen.

Für Vitamin B12, Folsäure und Vitamin K gibt es laut Leitlinienkommission entgegen früherer Annahmen keine eindeutigen Wirksamkeitsnachweise, die den Status „evidenzbasiert“ rechtfertigen würden. Diese Faktoren werden in der Ernährungstherapie nun den möglichen unterstützenden Maßnahmen zugeordnet.

Energie

Da das Körpergewicht in der Prävention und Therapie einen entscheidenden Faktor darstellt, ist auf eine ausreichende Energiezufuhr zu achten. Untergewicht sollte vermieden; das Erreichen des Normalgewichts angestrebt werden. Insbesondere bei älteren Menschen, bei denen die Knochendichte altersbedingt immer weiter abnimmt, besteht potenziell die Gefahr eines ungewollten Gewichtsverlustes.

Protein

Eine Unterversorgung mit Protein führt zu Verlusten an Muskelmasse, was eine abnehmende Stabilität und in Kombination mit abnehmenden Bewegungsmöglichkeiten zu einer zunehmenden Immobilisation führt.

Während eine geringe Eiweißversorgung im Kindesalter mit einer geringeren „peak bone mass“ einhergeht, kann eine sehr hohe Eiweißzufuhr die Ausscheidung von Kalzium mit dem Urin fördern. Eine normalisierte Proteinaufnahme vor allem bei älteren Menschen führt zu einer verstärkten Wirkung von Kalzium und Vitamin D [Sch 1998]; [Daw 2002].

Einige Aminosäuren wie Lysin und Arginin unterstützen den Knochenstoffwechsel auf verschiedene Weise.

Mineralstoffe: Kalzium

Umso besser die Kalziumversorgung vor allem in jungen Jahren ist, umso niedriger ist das Osteoporoserisiko im höheren Alter. Eine ausreichende Zufuhr senkt bei Patienten die Häufigkeit von Knochenbrüchen – insbesondere von Oberschenkelhalsbrüchen.

Um eine ausreichende Zufuhr zu gewährleisten und die Kalziumbilanz zu verbessern, gibt es verschiedene Möglichkeiten (siehe: Kalzium).

Während die Leitlinienkommission die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D als therapeutischen Goldstandard für wissenschaftlich erwiesen hält, äußern sich Kritiker immer wieder mit Studienergebnissen, nach denen die alleinige Nährstoffgabe von Kalzium und Vitamin D nicht ausreicht, um das Frakturrisiko zu senken [Jac 2007]. Hier können eventuell ergänzende Maßnahmen unterstützend wirken.

Vitamine: Vitamin D

Eine adäquate Versorgung mit Vitamin D über die Nahrung sicherzustellen, gilt heute als überholt. Zahlreiche andere Faktoren beeinflussen den Versorgungsstatus. Ein bestehendes Defizit wird daher in erster Linie über die Supplementation und/oder Modifikation des Lebensstils (Aufenthalt im Freien, Sonnenbaden) behoben (siehe: Vitamin D).

Hinweis für Ernährungsfachkräfte: Angaben möglichen Ernährungsdiagnosen, deren Ursachen und Indikatoren sind im Handout „Osteoporose – Ernährungstherapie“ enthalten.

Unterstützende Empfehlungen

Vitamine: Folsäure

Die Relevanz der zusätzlichen Folsäurezufuhr für osteoporotische Frakturen ist unklar. Eine bedarfsdeckende Zufuhr ist sicherzustellen. Bei erhöhten Homocysteinwerten (Risikofaktor für Osteoporose) im Blut empfiehlt sich die diagnostische Überprüfung des Folsäure-Status.

Vitamine: Vitamin B12

Wissenschaftler stellten fest, dass das Knochenbruch-Risiko umgekehrt proportional zur gemessenen Vitamin B12- (Cobalamin- und HoloTC-II-Werte im Blut) kontinuierlich anstieg [Lew 2014]. Über die tatsächliche Relevanz in der Praxis besteht derzeit noch Uneinigkeit. Zumindest eine bedarfsdeckende Zufuhr über die Nahrung ist sicherzustellen. Bei erhöhten Homocysteinwerten (Risikofaktor für Osteoporose) im Blut empfiehlt sich die diagnostische Überprüfung des B12-Status.

Vitamine: Vitamin K

Vitamin K ist an der Synthese verschiedener Knochenproteine wie Osteocalcin beteiligt [Tsu 2007]. Osteocalcin beispielsweise stimuliert den Einbau von Kalziumsalzen in die Knochen. Zudem fördert Vitamin K die Synthese der Gamma-Carboxyl-Glutaminsäure, die unter anderem Bestandteil des Osteocalcins ist. In Studien korrelierte die Menge an uncarboxyliertem Osteocalcin und Vitamin K mit einer verminderten Knochendichte bzw. einem erhöhten Frakturrisiko [Büg 2008], [Hei 2008].

Vorliegende Studienergebnisse über den Nutzen einer zusätzlichen Zufuhr sind jedoch insgesamt inkonsistent. Auch hier ist zumindest eine bedarfsdeckende Zufuhr über die Nahrung sicherzustellen.

Mineralstoffe: Fluorid

Laut Metaanalysen lässt sich durch eine Fluoridsupplementation zwar die Knochendichte leicht erhöhen, dies bleibt jedoch ohne Auswirkungen auf das Risiko vertebraler Frakturen [Hag 2000], [Ves 2008]. Hingegen stieg die Häufigkeit non-vertebraler Frakturen nach langjähriger Substitution signifikant an. Infolge chronischer Überdosierung steigt das Risiko einer Skelettfluorose sowie einer Osteosklerose. Zudem treten Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden auf [Nie 2005]. Untersuchungen über die Wirkung verschiedener Fluoridgehalte im Trinkwasser blieben ohne Ergebnis. Fluorid in der Nahrung ist daher vermutlich von untergeordneter Bedeutung.

Mineralstoffe: Silizium

Die Mechanismen von Silizium im menschlichen Knochen sind bislang nicht ganz geklärt. Es wird angenommen, dass Silizium in der Synthese und/oder Stabilisation von Kollagen involviert ist [Jug 2007]. Kollagen ist maßgeblich für die Architektur und die Elastizität von Knochen sowie Bindegeweben verantwortlich. Es fehlt jedoch an aussagekräftigen Studien, die den Einfluss von Silizium auf Knochendichte und Frakturrisiko untersuchen.

Vorliegende Studienergebnisse sind jedoch insgesamt inkonsistent. Auch hier ist zumindest eine bedarfsdeckende Zufuhr über die Nahrung sicherzustellen. Silizium in der Nahrung ist vermutlich von untergeordneter Bedeutung.

Bioaktive Substanzen: Alkohol

Alkohol kann in geringen Mengen eine östrogenähnliche Wirkung entfalten und den Knochenstoffwechsel damit leicht positiv unterstützen. Dieser Effekt kehrt sich bei zunehmendem Konsum jedoch schnell ins Gegenteil um [Bar 2001]. In großen Mengen stört Alkohol den Knochenstoffwechsel. Chronischer Alkoholmissbrauch ist eine Risikofaktor für eine abnehmende Knochendichte und osteoporotische Frakturen.

Aspekte zu speziellen Produkten/Lebensmitteln

Einige Lebensmittel sowie Nahrungsergänzungsmittel werden gern damit beworben, vor Osteoporose zu schützen oder den Knochenabbau zu stoppen. Aus wissenschaftlicher Sicht steht der Nachweis für den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln für die meisten Substanzen (noch) aus. Hingegen ist gegen einen moderaten Konsum der meisten Inhaltsstoffe über natürliche Lebensmittel nichts einzuwenden.

getrocknete Pflaumen

In Studien konnte der regelmäßige Verzehr getrockneter Pflaumen die Knochendichte erhöhen [Hoo 2011], [Hoo 2014], [Hoo 2016]. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind noch unklar. Vermutet wird ein Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen Mangan und Vitamin K, die in Pflaumen in nennenswerten Mengen enthalten sind und eine Funktion auf den Knochen ausüben. Empfohlen werden etwa 50 g täglich (4-5 Stück).

Kaffee

Kaffee kann in hohen Mengen die Kalziumausscheidung erhöhen. Ein negativer Einfluss ist jedoch – wenn überhaupt – nur bei einer gleichzeitig schlechten Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Vitamin K sowie beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren zu erwarten [Hig 2006]. Auch fehlt in entsprechenden Untersuchungen die Unterscheidung zwischen Kaffee und koffeinhaltigen Getränken sowie der Qualität einzelner Kaffeegetränke.

Soja/-produkte bzw. Phytöstrogene

Substanzen wie Genistein oder Daidzein aus Soja gehören chemisch zur Gruppe der Phytoöstrogene bzw. Phytosterole. Diese Substanzklasse kann sowohl östrogene als auch antiöstrogene Wirkungen entfalten. Da die weiblichen Sexualhormone effektive Knochenprotektoren sind, lag die Vermutung nahe, dass auch Phytoöstrogene hier positive Wirkungen entfalten könnten.

Bislang ist jedoch nicht klar, inwieweit westeuropäische Bevölkerungsgruppen Phytoöstrogene in aktive Metaboliten verstoffwechseln können, da hierzu widersprüchliche Studienergebnisse vorliegen [Wea 2005]. So zeigte sich in Humanstudien bei Frauen vor der Menopause kein Effekt [Mig 2003], während die Ergebnisse bei Frauen nach der Menopause unterschiedlich ausfielen [Pou 2008]. Die uneingeschränkte Empfehlung einer Substitution ist also nicht angezeigt.

Phosphate (E338-343, E442-452, E1410-1414)

Entgegen früherer Annahmen scheint der Phosphatgehalt der Nahrung nur eine untergeordnete Rolle für Osteoporose zu spielen. Ein negativer Einfluss ist maximal bei einer gleichzeitigen Unterversorgung mit Kalzium gegeben. Zwar zeigen Studien, dass eine hohe Phosphataufnahme die Kalziumausscheidung fördert, der hierdurch erwartete Knochensubstanzverlust blieb jedoch aus. Das früher angestrebte Verhältnis von Kalzium zu Phosphor 1:1 wurde daher wieder aufgehoben. Dies gilt ebenso für Phosphate in Form von Lebensmittelzusatzstoffen.

Weitere Therapieoptionen

Bewegungstherapie

Krafttraining unterstützt und kräftigt die Muskulatur und trägt damit zur Stabilität des gesamten Körpers bei. Koordinationstraining wiederum fördert die Mobilität im Alltag, insbesondere bei älteren Menschen.

Psychotherapie

Psychotherapeutische Maßnahmen können zur Unterstützung bei schweren Ängsten, z. B. Bewegung im Alltag (insbesondere bei älteren Menschen mit Gangunsicherheit etc.) hilfreich sein.