Phytoalexine: antimikrobielle Vertreter in Bohnen, Erbsen oder Weintrauben

Phytoalexine sind antimikrobiell wirkende Substanzen, die Pflanzen als Abwehrstoffe nach Infektionen durch Mirkoorganismen bilden. Phytoalexine können von der Pflanze aber auch durch andere Stressfaktoren wie z.B. mechanische Verletzungen, UV-Strahlen oder Kälte gebildet werden. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern phyton = Pflanze und alexein = abwehren ab.

Chemisch leiten sich Phytoalexine von verschiedenen Stoffgruppen ab, wie z.B. den Isoflavonoiden, Terpenoiden, Polyacetylenen und Dihydrophenanthrenen. Häufig leiten sie sich jedoch von Phenolen, Phenolvorstufen oder Proteinen ab und lagern sich durch äußere Einwirkungen zusammen.

Funktionen

Phytoalexine sind antimikrobiell wirksam. In der Pflanze stärken sie deren Abwehrsystem. Es konnte jedoch für den tierischen Organismus auch die Auflösung von Erythrozyten und bei Hühnerembryonen embryotoxische Wirkungen festgestellt.

Vorkommen

Phytoalexine kommen allgemein in Obst und Gemüse vor. Das Phytoalexin Phaseolin findet sich so z.B. vor allem in grünen Bohnen. Allerdings muss unterschieden werden zwischen biologisch angebautem Obst und Gemüse und konventionell angebautem Obst und Gemüse, da letzteres mit Fungiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt wird und ihr Gehalt an Phytoalexinen in der Regel geringer ist, da die Pflanze eine geringere Notwendigkeit mehr hat, Phytoalexine als „Abwehrsubstanzen“ herzustellen.

Klassifizierung

Phytoalexine können in verschiedene Stoffgruppen unterteilt werden.

Phaseolin

Phaseolin gehört zur Gruppe der Phytoalexine und ist ein Vertreter der Pterocarpane, die sich von den Isoflavonen ableiten. Es gilt unter anderem als „Kohlenhydratblocker“, da es das stärkespaltende Enzym Alpha-Amylase hemmt. Das Phytoalexin Phaseolin kommt in Leguminosen (Hülsenfrüchten) wie z.B. Kidneybohnen oder der Kuhbohne (Augenbohne) vor. Vor allem aber ist es in grünen Bohnen enthalten.

Pisatin

Pisatin ist ein Vertreter der Pterocarpane, die sich von den Isoflavonen ableiten. Wie die anderen Phytoalexine wird auch Pisatin bei hohem Stress oder bei Schadstoff- und Krankheitsbefall von den Pflanzen gebildet (d.h. es ist ein sog. Stressmetabolit). Es ist schlecht löslich in Wasser, aber gut löslich in organischen Lösungsmitteln. Des Weiteren ist es säurelabil. Pisatin wirkt antimykotisch und kommt vor allem in Leguminosen (Hülsenfrüchten) wie z.B. der Erbse und im Rotklee vor.

Resveratrol

Das Phytoalexin Resveratrol gehört zur Gruppe der Polyphenole und ist sowohl wasser- als auch fettlöslich. Es wird bei hohem Stress oder bei Schadstoff- und Krankheitsbefall von Pflanzen gebildet. Chemisch gesehen ist es ein trans-3,5,4’-Trihydroxy-Stilben und ist chemisch mit den Östrogenen verwandt.

In der Pflanze stärkt Resveratrol deren Abwehrsystem gegenüber Schadstoffen und Krankheiten. Beim Menschen wirkt Resveratrol antioxidativ, indem es Peroxyl-Radikale fängt und die Lipoproteine geringer Dichte (LDL) vor Oxidation schützt. Außerdem unterstützt das Herz-Kreislauf-System, den Fettstoffwechsel (Senkung des LDL-Cholesterins, Erhöhung des HDL-Cholesterins) und stärkt ebenfalls das Immunsystem, indem es z.B. antiinflammatorisch wirkt oder einige Pilze und Herpes-Viren hemmt. Resveratrol kann möglicherweise antimutagen und antikanzerogen wirken, indem es auf Prozesse einwirkt, die die Tumorinitiation und –promotion hemmen können (z.B. Cyclooxygenase, verminderte Prostaglandinbildung, verringerte Nitrooxidsynthase). Die antikanzerogene Wirkung wurde vor allem bei Brustkrebs in Experimenten nachgewiesen und ist vermutlich darin zu begründen, dass Resveratrol ähnlich wie ein Phytoöstrogen wirkt, das die Entwicklung der Krebszellen hemmt. Es kann jedoch auch vor Darm-, Haut-, Lungen- und Prostatakrebs sowie vor Leukämie schützen.

Resveratrol kommt v.a. in den Schalen von Weintrauben sowie im Rotwein vor. Ebenso ist Resveratrol z.B. auch in Erdnüssen oder Erdnussprodukten, einigen Kräutern, Beeren und in Cranberries enthalten. Generell hat Rotwein einen höheren Resveratrolgehalt als Weißwein, da beim Rotwein die Maische länger beim abgepressten Saft bleibt. Da Resveratrol des Weiteren gut in Alkohol löslich ist, enthält Wein auch mehr Resveratrol als Traubensaft.