Ernährung bei Psoriasis

Eine Psoriasis-Diät, die jedem Betroffenen hilft, gibt es nicht. Vielmehr gestaltet sich die Ernährungstherapie oftmals als eine „Suche“ nach Lebensmitteln bzw. Lebensmittelgruppen, die das Beschwerdebild beeinflussen. Bei manchen Patienten wird die Schuppenflechte durch bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe getriggert. Welche das sind, kann nur durch individuelles Austesten ergründet werden.

Therapeuten, die sich auf die Behandlung von Psoriasis spezialisiert haben, folgen in punkto Ernährungsempfehlungen keinem einheitlichen Leitfaden. Das Spektrum an Ratschlägen, die oft aus den langjährigen Erfahrungen der Therapeuten resultieren, ist breit gefächert und ein deutliches Zeichen, dass Patienten unterschiedlich auf Ernährungsveränderungen reagieren. Einige häufig ausgesprochene Empfehlungen, die den Betroffenen helfen können sind:

  • weitgehender Verzicht auf Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel wie Süßwaren, Würzsoßen oder gesüßte Limonaden
  • weitgehender Verzicht auf Weißmehlprodukte wie helle Brötchen, Weißbrot, Kuchen und Gebäck sowie stärkereiche Produkte wie Instantpulver, Fertigsoßen und Fertiggerichte
  • eingeschränkter Verzehr von Fleisch, Geflügel, fetten Milchprodukten und tierischen Fetten zur weitgehenden Vermeidung von Arachidonsäure; Bevorzugen von pflanzlichen Fett- und Eiweißquellen wie Pflanzenölen, Avocado, Nüssen und Hülsenfrüchten
  • verstärkte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren über Seefische und Pflanzenöle (z.B. Lein-, Raps- und Walnussöl)
  • Bevorzugen von Gemüse und ballaststoffreichen Lebensmitteln
  • evtl. Umstieg auf eine weitgehend vegetarische Ernährungsweise
  • evtl. allgemein fettarme Ernährung (sowohl tierische als auch pflanzliche Fettquellen)
  • evtl. Kost zur gezielten Förderung der Darmflora und der Darmgesundheit
  • ggf. Verzicht auf Kuhmilch-, Weizen- und/ oder glutenhaltige Produkte
  • ggf. Reduktion von pharmakologisch aktiven Substanzen wie Koffein (Kaffee, Schwarztee), Farb- und Konservierungsstoffen, biogenen Aminen
  • ggf. Einschränkung scharfer bzw. reizender Gewürze wie Chili, Pfeffer und Paprika
  • Reduktion des Alkoholkonsums auf ein moderates Maß; ggf. Verzicht auf Alkohol

Teilweise können auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien vorliegen, die das Beschwerdebild der Psoriasis verstärken.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit verschiedener Empfehlungen, lassen sich oft nur schwer finden. Ein Grund hierfür ist, dass Interventionen, die nur bei einem Teil der Patienten Wirkung zeigen, statistisch gesehen als „nicht signifikant“ und damit als „nicht wirksam“ gewertet werden. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass einzelne Patienten von diesen profitieren können.

Gewichtsreduktion

Psoriasis und starkes Übergewicht stehen in einem engen Zusammenhang. Sowohl die Entstehung wie auch die Schwere der Hauterkrankung werden durch einen hohen Body Mass Index (BMI) getriggert. Ein BMI jenseits von 30 kg/m2 reduziert die Möglichkeit der Betroffenen, vom gesamten Potenzial einer Psoriasis-Therapie zu profitieren [Deb 2014]. Zum einen verschlechtert sich durch einen hohen Fettanteil die Wirkstoffverteilung im Körper. Zum anderen verstärkt die Adipozyten-eigene Produktion von proinflammatorischen Botenstoffen den systemischen Entzündungsstatus im Körper des Betroffenen.

In verschiedenen Studien verbesserte sich die Schwere der Psoriasis unter einer kalorienreduzierten Diät (~800-1.000 kcal/ Tag) und einem damit verbundenen Gewichtsverlust deutlich. Sowohl in übergewichtigen wie auch adipösen Patienten reduzierte sich die Konzentration an proinflammatorischen Zytokinen [Deb 2014]. Zur Unterstützung der medikamentösen Therapie sollte bei entsprechenden Patienten möglichst auch ein Gewichtsverlust angestrebt werden.

Ernährungsfaktoren

Fettsäuremuster

Die in tierischen Fetten vorkommende Arachidonsäure wirkt entzündungsfördernd, während Omega-3-Fettsäuren die Vorstufen für entzündungshemmende Botenstoffe bilden. Viele Psoriasis-Experten empfehlen daher eine vorwiegend vegetabile Kost mit einem eingeschränkten Konsum von Fleisch, Eiern sowie Käse und das Bevorzugen von hochwertigen Pflanzenölen sowie Kaltwasserfisch. Der Nutzen von zusätzlich zugeführten Omega-3-Fettsäuren ist allerdings mehr als unklar. Die hierzu verfügbare Datenlage ist weitgehend widersprüchlich [Wol 2006].

Vitamin D

Die Therapie mit Vitamin D3 und dessen Analoga hat sich mittlerweile als wichtige Säule der Psoriasistherapie etabliert [Nas 2011]. Die Wirkform des Vitaminhormons greift unter anderem in den Entzündungsprozess ein und führt zu einer erhöhten Bildung anti-inflammatorischer sowie zu einer verringerten Produktion proinflammatorischer Zytokine [Hös 2008]. Gleichzeitig hemmt es die Teilung epidermaler Keratinozyten und fördert deren Ausreifung [Smi 1986]. Hierdurch wird die Verhornung der Haut gemildert.

Die Autoren der Leitlinie kommen bei ihrer Auswertung von 27 Studien zu dem Ergebnis, dass ein Teil der Patienten von einer Therapie mit Vitamin D-Analoga profitieren können. Etwa 30-50% der Betroffenen mit leichter bis mittelgradiger Psoriasis vulgaris zeigten unter Behandlung mit Calcipotriol bereits nach wenigen Wochen eine deutliche Besserung des Hautbildes. Die Kombination mit topischen Kortikoiden verstärkt die Wirksamkeit der Vitamin D-Analoga [Nas 2011].

Gluten

Eine glutenfreie Diät kann bei einigen Psoriasispatienten, bei denen sich Gliadin-Antikörper (AGA) nachweisen lassen, zu einer Reduktion des Schweregrads beitragen [Bha 2014]. In einer kleinen Studie mit 33 Patienten mit und 6 Patienten ohne Antikörpernachweis, führte eine 3-monatige glutenfreie Diät bei ca. 75% der AGA-positiven Patienten zu einer Verbesserung des PASI. Zudem verringerte sich bei einem Großteil von ihnen die Konzentration an Gliadin-Antikörpern. Interessanterweise war die Dünndarmbiopsie bei 16 Patienten, deren Krankheitsbild sich unter der Diät besserte, vorab unauffällig. Eine glutenfreie Diät scheint daher nicht nur Psoriasispatienten mit nachgewiesener Zöliakie zu helfen, sondern auch denen, die lediglich Gliadin-Antikörper aufweisen. Bei Patienten ohne AGA-Nachweis trat hingegen keine merkliche Veränderung des Beschwerdebildes auf [Mic 2000].

Auch in anderen Studien konnte eine glutenfreie Diät einigen aber nicht allen Psoriasispatienten mit positiven Antikörpernachweis helfen. Die hierfür verfügbaren Untersuchungen sind aufgrund der kleinen Teilnehmerzahlen allerdings nur begrenzt aussagekräftig [Bha 2014].

Alkohol

Erhebungen aus Großbritannien fanden unter Psoriasispatienten im Vergleich zu Betroffenen anderer chronischer Erkrankungen einen deutlich erhöhten Anteil an Patienten mit hohem Alkoholkonsum. Es wird vermutet, dass viele Betroffene versuchen, die hohe seelische Belastung und die Angst vor sozialer Stigmatisierung durch den Konsum von Alkohol zu dämpfen.

Alkohol gilt als Risikofaktor für die Entstehung einer Psoriasis und kann diese im weiteren Krankheitsverlauf fördern. Da Alkoholmissbrauch selbst Entzündungsprozesse fördert, zu einer schlechten körperlichen Gesamtverfassung führt und oft mit anderen ungünstigen Lebensbedingungen wie Rauchen oder einer mangelnden Compliance einhergeht, entsteht ein Teufelskreis, der die Ausprägung der Psoriasis weiter verschlechtert [Ada 2013].

Der Konsum von Alkohol sollte daher bei der Therapie berücksichtigt und der Betroffene über die Auswirkungen auf das Beschwerdebild aufgeklärt werden.

Antioxidantien

Bei einer Entzündungsreaktion entstehen im Körper freie Radikale, die das Gewebe schädigen. Oxidativer Stress ist mit einer Verschlechterung der Psoriasis verbunden [Bjo 1988]. Antioxidantien wie die Vitamine C und E, Beta-Carotin und antioxidativ-wirksame sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse können dem möglicherweise entgegenwirken.

Gewürze

Auf bestimmte Gewürze (Pfeffer, Muskatnuss) sollten Patienten mit schwerer Psoriasis besser verzichten. Der Grund hierfür können die enthaltenen ätherischen Öle sein. Manche Gewürze fördern die Durchblutung, weshalb die erkrankte Haut irritiert ist. Daraufhin verschlechtert sich das Krankheitsbild. Auch auf vorgewürzte Lebensmittel sollte besser verzichtet werden ebenso wie auf Gewürznelken (häufig in Ketchup enthalten). Obwohl Paprika für einen an Psoriasis erkrankten Menschen kein Problem darstellt, sollte auf Paprikagewürze ebenso verzichtet werden.

Nahrungsergänzungsmittel

Um ihr Krankheitsbild zu verbessern greifen einige Betroffene zunehmend zu Nahrungsergänzungsmitteln, die das Hautbild positiv beeinflussen sollen. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der einzelnen Substanzen sind allerdings dürftig. In den meisten Fällen fehlen größere Studien, die einen Nutzen bestätigen können.

Fischöl

Fischöl steuert aufgrund des hohen Gehaltes an Omega-3-Fettsäuren den entzündlichen Vorgängen entgegen und kann so das Krankheitsbild verbessern. Von den 15 derzeit verfügbaren Studien zu diesem Sachverhalt konnten 12 (Patientenzahlen zwischen 9 und 76) eine leichte klinische Verbesserung der Psoriasis durch die Verwendung von Fischöl nachweisen. Die 3 verbleibenden Studien (Patientenzahlen zwischen 23 und 145) konnten diesen Effekt hingegen nicht bestätigen [Mil 2014].

Fischöl kann bei einigen Patienten möglicherweise zu einer Verbesserung beitragen. Für die Einschätzung der bislang verfügbaren Studien muss allerdings angemerkt werden, dass die Aussagekraft neben der geringen Teilnehmerzahl auch durch die fehlende Gegenüberstellung einer Kontrollgruppe bei etwa der Hälfte der Untersuchungen limitiert wird.

Vitamin B12

Psoriasispatienten weisen im Vergleich zu Nicht-Betroffenen niedrigere Vitamin B12-Spiegel auf [Bra 2010]. Inwieweit eine Verbesserung des Vitaminstatus das Beschwerdebild beeinflusst, wurde bislang kaum untersucht. In einer Studie führte die intramuskuläre Gabe von 1.000 g/ cm3 Vitamin B12 an 10 aufeinanderfolgenden Tagen bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer deutlichen Besserung des Hautbildes, bei einem weiteren Drittel verschwanden die Beschwerden nahezu [Rud 1954]. Eine weitere doppelt-verblindete, kontrollierte Studie an 73 Patienten mit intramuskulären Injektionen von 1.000 µg des Vitamins über 3 Wochen fand hingegen keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe [Bak 1962].

Selen

Selen ist ein Spurenelement mit einer antiproliferativen und immunregulierenden Wirkung. Wissenschaftler beobachteten, dass eine Unterversorgung mit Selen mit einer stärkeren Ausprägung der Krankheit einherging [Ser 2002]. Der Einsatz von Selenpräparaten erbrachte in verschiedenen Studien jedoch widersprüchliche Ergebnisse [Mil 2014].

Ernährung zur Prävention und Therapie von Begleiterkrankungen

Psoriasispatienten neigen in einem erhöhten Maße zu kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen [Sal 2014]. Neben einer Verbesserung der primären Hautsymptome sollte die Ernährungstherapie folglich auch das Vorbeugen von Stoffwechselveränderungen berücksichtigen. Analog zu Stoffwechselerkrankten ohne Psoriasis sind die wesentlichen Eckpunkte:

  • Normalisierung bzw. Stabilisierung des Körpergewichts
  • d.as Bevorzugen von frischen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln sowie Reduktion von hochverarbeiteten Produkten einschließlich Weißmehlprodukten und Wurstwaren
  • (ggf. Förderung der Kochkompetenz)
  • das verstärkte Berücksichtigen der Qualität der zugeführten Fette
  • das Bevorzugen von ballaststoffreichen, zucker-/stärkearmen Kohlenhydratquellen
  • Minimierung der Salzzufuhr über verarbeitete Produkte
  • Motivation zu vermehrter körperlicher Aktivität
  • Verzicht auf Tabak
  • Reduktion des Alkoholkonsums auf eine moderates Maß

Downloads

Unseren Mitgliedern stehen PDF-Downloads zum Thema kostenfrei als Download zur Verfügung. Diese sind auch in unserem Medienshop erhältlich.

  Fachinfo Psoriasis
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.