Sodbrennen (Refluxkrankheit) – Ernährungstherapie

Prävention

Ein gesunder Lebensstil kann das Refluxrisiko deutlich reduzieren. Wer Normalgewicht hat, nicht raucht, sich moderat bewegt (>30 Minuten täglich), wenig Kaffee, Tee und Limonade (< 2 Tassen/ Gläser täglich) trinkt sowie sich ausgewogen mit wenig Zucker und rotem Fleisch ernährt, reduziert sein Risiko laut Mehta und Kollegen um etwa 50 % [Meh 2021]. Am stärksten präventiv wirkt dabei der Faktor Normalgewicht. Das Nichtrauchen hat von den genannten Faktoren den geringsten Einfluss.

Die Lebensstilfaktoren wurden mit dem Anti-Reflux-Lifestyle-Score erfasst. Diese wirken selbst dann noch präventiv, wenn die TeilnehmerInnen bereits mit Protonenpumpenhemmern behandelt wurden. Die Autoren der Studie geben als mögliche Mechanismen einen verminderten Tonus im unteren Schließmuskel der Speiseröhre, einen gesteigerten gastroösophagealen Druckgradienten und mechanische Faktoren an. Im Mittel ließen sich mit den genannten Maßnahmen etwa ein Drittel der Refluxfälle vermeiden, so die Autoren abschließend.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und Kostformen

Ernährungsziele

Das Ziel der Ernährungstherapie liegt vorrangig in der Identifizierung von Symptom-auslösenden bzw. -verstärkenden Nahrungsfaktoren. Des Weiteren werden eine Erhöhung des Muskeltonus des Speiseröhren-Schließmuskels, das Vermeiden des Auftretens von Obstipation (Verstopfungen) und Meteorismus (Blähungen) sowie der Abbau von vorhandenem Übergewicht angestrebt.

Kurzfristig:

  • bei Übergewicht: Gewichtsabnahme
  • Symptome reduzieren

Mittelfristig:

  • bei Übergewicht: Gewichtsabnahme und/oder -stabilisierung
  • Lebensqualität verbessern

Langfristig:

  • bei Übergewicht: Gewichtsstabilisierung
  • Risiko für Speiseröhrenkrebs senken
Diätetische Prinzipien

Da Refluxbeschwerden häufig postprandial auftreten, liegt ein Zusammenhang mit bestimmten Ernährungsfaktoren nahe. Aus verschiedenen Untersuchungen sowie Erfahrungsberichten sind zwar eine Reihe von Empfehlungen hervorgegangen, wie etwa die Vermeidung von fettreichen Speisen oder Schokolade. Klinische Untersuchungen zum Einfluss einzelner Diätmaßnahmen kommen hingegen zu unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Ergebnissen. Auch in der Ausbildung von Komplikationen und Folgeerkrankungen scheinen Ernährungsfaktoren nur eine untergeordnete Rolle zu spielen [Son 2011]. Dennoch kann das Meiden bestimmter Speisen die Beschwerden deutlich verbessern und dem Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen. Gängige Empfehlungen sollten daher individuell am Patienten getestet werden, um unverträgliche Speisen zu identifizieren. Stellt der Patient keine deutliche Besserung der Symptomatik fest, ist es nicht ratsam, ihn zu einer strengeren Einhaltung der Empfehlungen anzuhalten. Die nachfolgenden Empfehlungen sind unter diesem Gesichtspunkt nur als Vorschläge und nicht als Richtlinien zu sehen.

Mögliche auslösende Ernährungsfaktoren:

  • fettiges Essen
  • Alkohol und Kaffee
  • hyperosmolare Getränke wie zuckerreiche Softdrinks und Säfte
  • Schokolade
  • sehr kalte und sehr stark gewürzte Speisen
Kostformen

Als besonders geeignet scheint sich die mediterrane Ernährung herauszustellen. Aber auch andere Kostformen sind unter Beachtung verschiedener Nährstoff- und Lebensmittelaspekte erfolgversprechend.

Energie, Nahrungsinhaltsstoffe und Flüssigkeit

Bei Übergewicht ist eine energiereduzierte Kost angezeigt, ansonsten eine bedarfsgerechte Energiezufuhr. Für eine kalorienreduzierte Kost eignet sich bei stillem Reflux vor allem eine begrenzte Fettzufuhr.

Auch bei mäßigen bis starken Beschwerden ist eine fettarme Kost empfehlenswert. Dabei sollte das Nahrungsfett möglichst auf alle Mahlzeiten gleichmäßig verteilt werden.

Fettige Speisen gelten als Refluxverstärker, obwohl dies nicht bei allen Patienten der Fall sein muss. Fett wirkt einerseits tonussenkend auf den Schließmuskel. Andererseits erhöht die verzögerte Magenentleerung die Gefahr, dass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Da die bisherige Studienlage keine eindeutigen Rückschlüsse zulässt, sehen die meisten Autoren von einer generellen Empfehlung zu fettarmen Speisen bei der Refluxkrankheit ab [Pen 2000]; [Kal 2006].

Führen fettige Lebensmittel zu vermehrten Beschwerden, sollte auf eine hohe Fettqualität mit Bevorzugung von Omega-3-Fettsäuren-reichen Ölen geachtet und diese in kleinen Portionen auf die einzelnen Mahlzeiten verteilt werden. Speisen wie fettreiche Fleischsorten, Frittiertes und Gebratenes sollte auf Ausnahmen beschränkt werden.

Kohlenhydrate (→ Kohlenhydrate)

Komplexe Kohlenhydrate scheinen keine Auswirkungen auf die Refluxbeschwerden zu haben. Zucker sollte in Maßen genossen werden.

Zuckerreiche Speisen wie Süßwaren und insbesondere zuckerreiche, hyperosmolare Getränke wie Limonaden und Säfte verstärken bei einigen Patienten den Reflux. Allerdings existieren hierzu unterschiedliche Ergebnisse [Kal 2006].

Protein

Eiweißreiche Speisen können zur Milderung der Beschwerden hilfreich sein.

Proteine und Peptide der Nahrung führen zu einer Ausschüttung des Hormons Gastrin. Dieses erhöht den Tonus des Schließmuskels und fördert dessen Verschluss.

Alkohol (→ Alkohol)

Alkoholische Getränke sollten möglichst nur in kleinen Mengen und mit genügend Abbauzeit bis zum Schlafengehen konsumiert werden.

Alkoholische Getränke werden von vielen Patienten als Refluxverstärker genannt, wobei auch hier die individuelle Verträglichkeit entscheidend ist.

Alkohol erhöht die Säureproduktion im Magen, senkt die Muskelspannung des Schließmuskels und stört die Peristaltik der Speiseröhre [Buj 2000]. Dennoch ist dessen Einfluss auf den Reflux aus Studiensicht widersprüchlich [Kal 2006].

Da alkoholische Getränke vornehmlich in den Abendstunden genossen werden, kann diese Wirkung den nächtlichen Reflux verstärken.

Energie, Nahrungsinhaltsstoffe und Flüssigkeit

Säurearme Lebensmittel

Säurearmen Lebensmitteln ist der Vorzug zu geben (Cave: säurearme Lebensmittel ⫩ basisch wirkende Lebensmittel)

sehr sauer: kohlensäurehaltige Getränke, Säfte, Obst, einige fermentierte Milchprodukte, Essig

Einige Patienten berichten über vermehrte Beschwerden nach dem Genuss von säurereichem Gemüse oder Obst wie etwa Zitrusfrüchten und Tomaten sowie hieraus hergestellte Getränke. Säurearme Früchte wie Äpfel oder Bananen scheinen keinen Einfluss zu haben. Ob der Säuregehalt bei den Symptomen eine Rolle spielt ist unklar. Interessanterweise reagierten säureempfindliche Patienten auch auf Orangen- bzw. Tomatensaft, der vorher auf einen pH von 7 eingestellt wurde [Pri 1978].

Schokolade

Schokolade und kakaohaltige Produkte führen bei einer Reihe von Patienten zu vermehrten Beschwerden.

Hier spielen vermutlich nicht nur der hohe Zucker- und Fettgehalt, sondern auch die enthaltenen Methylxanthine (Theobromin, Theophyllin, Koffein) eine Rolle. Diese wirken sich entspannend auf den Ösophagusschließmuskel aus. Zum Zusammenhang von Schokoladenkonsum und Refluxerscheinungen existieren nur wenige Untersuchungen [Kal 2006], die beispielsweise einen geringeren Muskeltonus nach Konsum eines Schokoladensirups beobachteten [Wri 1975].

Stark gewürzte Speisen

Würzige Speisen wurden in einer Befragung von etwa 88% der Betroffenen als Auslöser von Sodbrennen genannt [Neb 1976]. Zu den Auswirkungen existieren nur wenige und meist widersprüchliche Untersuchungen [Kal 2006].

Kräuter und Gewürze

Eine Reihe von Patienten meiden Lebensmittel sowie Mundhygieneprodukte mit Pfeffer- bzw. Grüner Minze.

Deren Wirkung auf die Refluxkrankheit ist allerdings nur wenig untersucht [Kal 2006].

Kaffee/ Koffein

Bohnenkaffee kann die Säureproduktion im Magen und damit die Symptomatik verstärken [Wei 2007].

Portionsgrößen und Mahlzeiten

Völlegefühl verstärkt die Refluxbeschwerden. Anstatt großer Mahlzeiten ist es ratsam, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen bzw. auf Mehrgänge-Menüs zu verzichten.

Häufig kommt es durch die waagerechte Lage besonders in der Nacht zu Refluxbeschwerden. Der Verzicht auf größere und/ oder schwer verträgliche Mahlzeiten kann dem unter Umständen vorbeugen.

Auch eine Verdauungspause von etwa 3 Stunden zwischen der letzten Mahlzeit und dem Zubettgehen kann hilfreich sein. Bei manchen Patienten verringert zusätzlich eine leichte Erhöhung des Oberkörpers während des Schlafs, etwa durch einen verstellbaren Lattenrost, die Beschwerden.

Weitere Lebensstilfaktoren

Tabakkonsum

Tabakkonsum verstärkt auf verschiedene Weise die Refluxerscheinungen. In Studien war der regelmäßige Konsum mit einer Tonusverringerung des Ösophagussphinkters, mit abnehmendem pH-Wert sowie einer Verschlechterung der Beschwerden assoziiert [Kal 2006].

Erhöhte Bettlage

Entsprechend des Befundes der pHmetrie lassen sich weitere therapeutische Empfehlungen ableiten. Patienten die in Flachlage Refluxphasen haben und die üblicherweise auch in Flachlage schlafen rät man das Bett ab der Lendenwirbelsäule leicht anzustellen. Meist genügen 10 cm bzw. die erste Raste eines verstellbaren Lattenrostes. Aussenden sollte die letzte Mahlzeit mit möglichst großem Abstand zur Bettruhe eingenommen werden.

Refluxbeschwerden treten bei vielen Patienten insbesondere in waagerechter Position oder beim Bücken auf. Mahlzeiten sollten daher in aufrechter Körperhaltung und nicht etwa liegend vor dem Fernseher oder ähnlichem eingenommen werden. Auch nach dem Essen ist es ratsam, Tätigkeiten in aufrechter Haltung zu verrichten und solche mit vielem Bücken wie etwa Gartenarbeit zu vermeiden. Gerade nach größeren Mahlzeiten ist ein Verdauungsspaziergang anstelle eines Mittagsschlafs empfehlenswert.

Kaugummi kauen

Das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi oder auch von zuckerfreien Bonbons fördert den Speichelfluss und dessen neutralisierende Wirkung auf zurückfließenden Magensaft.

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Übergewicht und Adipositas

Übergewichtige Patienten sollten immer eine Gewichtsreduktion anstreben. Übergewicht erhöht den Druck im Bauchraum. Dadurch stimmt das Druckgefälle zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr stimmt und Magensaft kann angesaugt werden. Der Großteil der Refluxpatienten ist übergewichtig.

Übergewicht und insbesondere Adipositas sind häufig genannte Risikofaktoren der Refluxkrankheit. Ein epidemiologischer Beweis hierfür steht aufgrund der widersprüchlichen Studienergebnisse bislang aus. Während einige Studien einen deutlichen Zusammenhang fanden [Ham 2005]; [El- 2007], konnten andere diesen nicht bestätigen [Bea 1983]; [O’B 1980].

Über die genauen Zusammenhänge existieren bislang weitgehend nur Hypothesen. So soll eine ausgeprägte Ausbildung von abdominellem Bauchfett den intraabdominellen bzw. intragastralen Druck erhöhen und damit den Rückfluss begünstigen. In Untersuchungen stieg der intragastrale Druck um 0,3 mmHG pro steigender BMI-Einheit [Pan 2006]. Adipositas ist ein deutlicher Risikofaktor für das Auftreten von Hiatushernien, die ihrerseits mit einem vermehrten Reflux verbunden sind [Wil 1999]. In anderen Untersuchungen wurde bei Übergewichtigen zudem eine vermindere ösophageale Clearance beobachtet [Qui 2006]. Ein Abbau von deutlichem Übergewicht steht bei der Ernährungstherapie folglich an erster Stelle.

Eine Gewichtsabnahme kann die Symptome verbessern und vermag pH-metrische Daten günstig zu beeinflussen [Kal 2006]. Die beste Evidenz hierzu stammt (laut Leitlinie 2014] aus der HUNT-Studie. Demnach ist eine Gewichtsabnahme mit einer Verbesserung der Refluxsymptome und einer verbesserten Medikamentenwirksamkeit assoziiert [Nes 2013].

Schlafapnoe

Bei Patienten mit nächtlichem Reflux, die typischerweise am Morgen Beschwerden angeben und unregelmäßig Schnarchen besteht der Verdacht auf Vorliegen eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms (sog. OSA). Hierbei kommt es regelmäßig zu Verlegungen im Bereich der oberen Atemwege. In der Folge entsteht ein Unterdruck im Bereich des Brustkorbs, welcher schließlich einen Rückfluss von Magensaft fördern kann. Sollte ein OSA festgestellt werden behandelt man den Reflux nicht primär, sondern das Schlafapnoesyndrom.

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