Ernährung bei Rheumatoider Arthritis

Die Ernährungstherapie stellt einen wichtigen Punkt der Behandlung dar, da es sowohl aufgrund der Erkrankung selbst als auch infolge der Langzeitmedikation zur Unterversorgung an Nährstoffen kommen kann. Zudem kann eine geeignete Lebensmittelwahl mit besonderem Augenmerk auf die Fettsäurezusammensetzung in vielen Fällen die entzündungsmindernde Wirkung von Medikamenten und anderen Schmerztherapien unterstützen.

Besondere Diätformen

Im Rahmen der Ernährungstherapie werden für rheumatische Erkrankungen eine Reihe von Diätformen empfohlen, die dem Patienten Schmerzlinderung verschaffen sollen. Sowohl Fastenkuren, vegane bzw. vegetarische Ernährung sowie eine mediterrane Diät zielen auf eine Reduktion der besonders in tierischen Fetten vorkommenden entzündungsfördernden Arachidonsäure ab. Eliminationsdiäten, analog zu denen bei einer Lebensmittelunverträglichkeit, suchen hingegen gezielt nach Lebensmitteln, die eventuell einen entzündlichen Schub begünstigen.

Bisher konnte allerdings keine dieser Diätformen gänzlich überzeugen, um diese als Standardernährung bei rheumatischen Erkrankungen zu empfehlen. Zwar berichten Patienten besonders unter einer vegetarischen und mediterranen Ernährung von einer Schmerzlinderung. Anhand von klinisch erfassbaren Parametern konnte dies allerdings meist nicht nachgewiesen werden [Hag 2009]; [Sme 2010]. Die Wahl einer diätetischen Begleittherapie sollte daher von den Wünschen des Patienten abhängig gemacht werden, da die Erhaltung der Lebensqualität an erster Stelle steht. Zudem besteht bei sehr strengen und einseitigen Diätformen wie dem Fasten die Gefahr, dass eine bereits vorhandene Unterversorgung sich verschlimmert.

In einzelnen Fällen berichten Patienten von bestimmten Lebensmitteln, nach deren Genuss besonders häufig Beschwerden auftreten. Dies sind vor allem bestimmte Fischarten, Rotwein, Schokolade, Erdbeeren und Zitrusfrüchte. Da diese einen hohen Gehalt an Histamin aufweisen bzw. die Histaminfreisetzung fördern, wäre ein Einfluss auf die Autoimmunreaktion bzw. die Entzündungsreaktion denkbar. Zwar reichen die widersprüchlichen Studienergebnisse nicht aus, Eliminationsdiäten bei rheumatischen Beschwerden regulär durchzuführen. Allerdings sollten Hinweise des Patienten auf mögliche Auslöser ernst genommen werden.

Entzündungen vermindern

Im Zuge von Entzündungsprozessen entstehen aus der Fettsäure Arachidonsäure verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe wie Prostaglandine der 2. Serie und Leukotriene. Arachidonsäure wird entweder mit der Nahrung direkt aufgenommen oder im Körper aus Linolsäure gebildet. Omega-3-Fettsäuren fördern hingegen die Bildung entzündungshemmender Stoffe wie Prostaglandine der 3. Serie. Die Ernährungsempfehlungen bei rheumatoider Arthritis beruhen daher auf dem Grundgedanken arachidon- und linolsäurereiche Lebensmittel zu reduzieren und Omega-3-Fettsäuren-reiche Lebensmittel als Fettlieferanten zu bevorzugen.

Arachidonsäurezufuhr senken

Die Hauptlieferanten für Arachidonsäure sind tierische Fette vor allem aus fettigem Fleisch, Geflügel sowie hieraus gewonnenes Bratenfett wie Schweine- oder Gänseschmalz. Rheumatikern wird empfohlen, derartige Fette weitgehend zu meiden. Wer auf Fleisch nicht gänzlich verzichten möchte, sollte seinen Fleischkonsum auf kleine Portionen bzw. eine Fleischmahlzeit pro Woche beschränken und magere Fleischstücke bevorzugen. Besonders Wildfleisch und Fleisch von Weidetieren enthält aufgrund der natürlichen Fütterung höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren. Auch Eier sollten aufgrund des hohen Arachidonsäuregehaltes sparsam verwendet werden. Fleischmahlzeiten können vorzugsweise durch Fischmahlzeiten ersetzt werden.

Linolsäurezufuhr senken, Omega-3-Fettsäurenzufuhr erhöhen

Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure wie auch die Omega-3-Fetttsäuren Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind essenzielle Fettsäuren, die dem Körper über die Nahrung zugeführt werden müssen. Während aus Linolsäure über Gamma-Linolensäure sowohl die entzündungshemmende Dihomo-gamma-Linolensäure als auch Arachidonsäure entstehen, wird aus Alpha-Linolsäure EPA und DHA gebildet. Für den ersten Schritt beider Synthesewege ist das Enzym Delta-6-Desaturase verantwortlich. Zwar wandelt dieses bevorzugt Alpha-Linolensäure um. Bei einer hohen Zufuhr an Linolsäure, wie es für eine westliche Ernährung typisch ist, wird allerdings deren Umbauweg favorisiert (Literatur in [Sim 2008]). So lassen sich bei einem hohen Omega-6-/ Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis im Plasma höhere Gehalte an entzündungsfördernden Botenstoffen finden, während bei einem niedrigen Verhältnis entzündungshemmende Botenstoffe überwiegen [Fer 2006].

Die Hauptlieferanten für Omega-3-Fettsäuren sind fettige Seefische und verschiedene Öle. Sehr hohe Gehalte finden sich in Thunfisch und Makrelen, die allerdings aufgrund des hohen Arachidonsäuregehaltes nur in kleinen Portionen und nicht in Kombination mit anderen arachidonsäurereichen Lebensmitteln verzehrt werden sollten. Lachse und Heringe sind ebenfalls gute Lieferanten. Unter den Ölen sticht vor allem Leinöl heraus. Raps- und Walnussöl eignen sich besonders für den alltäglichen Gebrauch in der Küche. Sonnenblumen-, Maiskeim-, Distel und Erdnussöl sind aufgrund des hohen Linolsäuregehaltes nicht empfehlenswert. Das ölsäurereiche Olivenöl hat hingegen kaum eine Auswirkung auf die Bildung entzündungshemmender oder -fördernder Prostaglandine.

Unterernährung vermeiden

Anhaltende Schmerzen begünstigen Appetitlosigkeit, was häufig zu einer geringeren Nahrungsaufnahme führt. Hierbei kann nicht nur eine Unterversorgung an bestimmten Nährstoffen, sondern auch eine allgemein zu geringe Energieaufnahme auftreten. Entzündliche Prozesse fördern – besonders in Kombination mit einer schmerzbedingten Bewegungsarmut – den Abbau von Muskelgewebe, wodurch es bei vielen Patienten zu einer Verschiebung der Körperzusammensetzung auf Seiten des Fettgewebes kommt.

In einer Untersuchung an 60 stationär behandelten Patienten konnte mit Hilfe der Bestimmung des Fettfreie-Masse-Index bei 52% der Frauen und 30% der Männer eine Abnahme der fettfreien Masse ermittelt werden, was auf eine Unterversorgung der Betroffenen schließen ließ. Allerdings wies nur ein geringer Teil der Patienten einen Body-Mass-Index unter 18,5 kg/m2 auf, was diesen Parameter für wenig geeignet erscheinen lässt, eine Unterernährung bei rheumatoider Arthritis festzustellen [Elk 2008]. Eine regelmäßige Bestimmung der Körperzusammensetzung scheint daher sinnvoll zu sein.

Besonders bei Patienten in fortgeschrittenen Stadien sollte eine Begleitung durch eine erfahrene Ernährungsfachkraft stattfinden, um eine lebenszeitverkürzende Unterernährung zu vermeiden.

Osteoporoserisiko senken

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko an Osteoporose zu erkranken. Die anhaltenden Entzündungen, die Bewegungsarmut und die durch eine Langzeittherapie mit Steroidmedikamenten bedingte verringerte Knochenneubildung tragen gleichermaßen zum Knochenschwund bei. Neben der Gabe von Kalzium- und Vitamin D-Präparaten sollte Wert auf eine osteoporosevorbeugende Lebensweise gelegt werden. Milch- und Milchprodukte sind die Hauptkalziumlieferanten in der Nahrung. Aufgrund der enthaltenen Arachidonsäure sollten möglichst fettärmere Sorten bevorzugt werden wie Halbfettmilch, Molke und Magerquark. Als alternative Kalziumquellen eignen sich beispielsweise kalziumreiches Mineralwasser (mit wenig Sulfat), grüne Gemüse wie Fenchel, Spinat und Grünkohl sowie Sesam (bzw. hieraus selbst hergestellte Sesammilch). Forelle, Lachs, Champignons und (in Maßen) Eier tragen zur Versorgung an Vitamin D bei. Um die körpereigene Vitamin D-Produktion zu fördern, sollten Patienten besonders in den sonnenreichen Monaten zu Aktivitäten im Freien ermuntert werden. Zudem ist sowohl im Hinblick auf die Rheumabeschwerden als auch auf die Erhaltung der Knochensubstanz der Verzicht auf Zigaretten von Vorteil.

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  Fachinfo Rheumatoide Arthritis
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