Blitzlicht: Seife essen? (Gastbeitrag)

In meiner Schulzeit galt das Verspeisen von Seife als probates Mittel zur Erzeugung von Fieber bei Schulmüdigkeit. Ich kenne übrigens niemanden, der das jemals ausprobiert hat. Es hätte auch nichts genutzt. Fieberschübe nach dem Genuss von Seife sind ein Märchen. Was allerdings nicht bedeutet, dass Eltern von kleinen Kindern oder Betreuer von Hochbetagten ihre Schutzbefohlenen nicht an der Verkostung von Seife und Spülmitteln hindern sollten. Der Schaum, der dabei im Magen entsteht, könnte beim Erbrechen in die Lunge aspiriert werden. Besser wäre – wenn es denn passiert ist – ein Glas Wasser oder etwas Tee trinken zu lassen. Größere Flüssigkeitsmengen sollten vermieden werden, um das Erbrechen nicht unnötig zu provozieren. In solchen Fällen bleibt man – auch wenn es schwer fällt – am besten gelassen und vertraut auf den herkömmlichen Ausscheidungsweg.

In der Regel verspeisen wir keine Seife. Oder doch? Wenn der Salat oder andere Gemüse bitter schmecken oder die Bohnen beim Einweichen schäumen, dann sind die darin enthaltenen Saponine daran schuld. Sie gehören zu der Gruppe der Glykoside und kommen in vielen Pflanzen vor. Ihren Namen verdanken sie dem lateinischen Sapo, zu deutsch: Seife. Saponinreiche Pflanzen, wie zum Beispiel die indischen Waschnüsse, werden zur Zeit als ökologisches Waschmittel wieder entdeckt.

Nicht nur für den Wasch- und Putztag ist die große Stoffgruppe der Saponine von Bedeutung. Als sekundäre Pflanzenstoffe kommen sie in unterschiedlicher Konzentration besonders in Hülsenfrüchten und Sojabohnen, aber auch in Spinat, Roter Bete, Kartoffeln, Erbsen, Tomaten und Spargel vor. Sie schützen Pflanzen vor Pilzsporen, Mikrobenbefall  und Insektenfraß. Auf Insekten und Kaltblüter wirken die Saponine toxisch.

Aufgrund ihrer komplexen Struktur und ihrer chemischen Vielfalt können Saponine unterschiedliche pharmakologische Effekte auslösen, die nicht vollständig geklärt sind. So wird vermutet, dass sie das menschliche Immunsystem stimulieren, antibiotisch wirken und krebsfördernde Substanzen im Darm reduzieren. Bei Menschen mit Neigung zu Darmentzündungen könnten sie allerdings die Darmwand durchlässig machen und auf diese Weise in die Blutbahn gelangen. Dort gehören die Saponine auf keinen Fall hin. Sie können schon in geringen Mengen hämolytisch wirken. Auch das Glycyrrhizin, das in Lakritze enthaltene Saponin, hat nicht nur Vorteile. Es steigert den Blutdruck und sollte bei Bluthochdruck und Schwangerschaft mit Vorsicht genossen werden.

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