Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

 

Zur Ernährung bei Erkrankungen der Schilddrüse gibt es viele widersprüchliche Informationen im Internet. Grundsätzlich bedarf es einer Reihe an spezifischen Nährstoffen, damit die Schilddrüse optimal arbeiten und die gebildeten Hormone bestmöglich wirken können (siehe Schilddrüse Teil 1). Das lässt sich über eine nährstoffreiche Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln durchaus bewerkstelligen. Zwar enthalten einige Lebensmittel Inhaltsstoffe, die die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen können. Diese müssen aber – entgegen einiger Empfehlungen im Internet – meist nicht komplett gemieden werden.

Auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis oder dem Morbus Basedow gibt es keine starren Ernährungsregeln. Möglich ist eine Reihe an Optionen, die jeder Betroffene für sich ausprobieren sollte. Dies kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen – dem einen hilft es, dem anderen nicht. Daher gibt es wenig wissenschaftlichen Konsens zu den einzelnen Stellschrauben. Es sei hier jedem Betroffenen und jedem Berater wärmstens ans Herz gelegt, dass die richtige Ernährung bei Schilddrüsenerkrankungen sehr individuell ist und unter Umständen viel Geduld erfordert, bis eine spürbare Besserung eintritt.

Wir stellen im Folgenden die einzelnen Stellschrauben vor und zeigen mögliche Optionen auf, mit denen sich Symptome und Beschwerden abmildern sowie Nebenwirkungen beheben lassen können.

Energiebedarf und Makronährstoffe

Unsere Schilddrüse beeinflusst maßgeblich unseren Stoffwechsel. Energiebedarf und Energieverbrauch werden über die Mitochondrien reguliert, auf die die Schilddrüsenhormone einwirken. Ist die Schilddrüse gesund und produziert ausreichend die Hormone T3 und T4, kann unser Körper die aufgenommenen energieliefernden Nährstoffe entsprechend verwerten.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse hingegen ist der Energieumsatz in den Zellen vermindert. Folglich sinken der Grundumsatz und damit der Energiebedarf. Eine unerklärliche, teils schnelle Gewichtszunahme ist häufig das erste spürbare Symptom bei Betroffenen. Patienten sollten nach der Diagnosestellung vorübergehend kalorienreduziert essen, bis sie medikamentös gut eingestellt sind oder die Ursache der Unterfunktion behoben ist. Geeignet sind kalorienarme bis -moderate und nährstoffreiche Lebensmittel, die möglichst wenig verarbeitet sind. Für eine optimale und langanhaltende Sättigung sind eiweißreiche Nahrungsmittel besonders empfehlenswert. Als unterstützende Methode eignet sich das Intermittierende Fasten.

Bei einer Überfunktion verhält es sich umgekehrt. Der Energiebedarf steigt durch den erhöhten Grundumsatz. Betroffene kompensieren dies meist gut über einen gesteigerten Appetit. Auch hier ist die Basisempfehlung eine nährstoffreiche Ernährung mit kalorienmoderaten bis -reichen Nahrungsmitteln. Durch den erhöhten Substratumsatz ist der Bedarf an Eiweiß teilweise deutlich erhöht.

Empfehlung bei Hypothyreose

energiereduzierte bis -moderate Kost; nährstoffreiche Lebensmittel; eiweißreiche Kost
Empfehlung bei Hyperthyreose

energiemoderate bis -reiche Kost; nährstoffreiche Lebensmittel; eiweißreiche Kost

Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen

Unsere Schilddrüse braucht Jod, Selen und Eisen

Jod ist essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone

Eine unzureichende Jodaufnahme der Bevölkerung sorgte in den vergangenen Jahrhunderten für das gehäufte Auftreten sogenannter Jodmangelstrumen. Durch die gezielte Jodanreicherung von Lebensmitteln wie Speisesalz – und damit verbunden von Brot und Backwaren – oder von Futtermitteln für Milchkühe verbesserte sich die Jodzufuhr in Deutschland deutlich. Weitere wichtige Nahrungsquellen sind Milchprodukte, Eier sowie Seefisch.

Eine zusätzliche Aufnahme von Jod über Tabletten sowie der Verzehr sehr jodhaltiger Lebensmittel in Form von Algen und einigen jodreichen Seefischen ist im Falle der Hashimoto-Thyreoiditis zu vermeiden, da der Entzündungsprozess der Schilddrüse hierdurch gefördert wird. Gleiches gilt für Betroffene mit einer Schilddrüsenüberfunktion.

Empfehlung bei Hypothyreose

Jodmangel-bedingte Hypothyreose: jodreich
Hashimoto-Thyreoiditis: Verzicht auf Algen, Jodkonzentrate und -tabletten sowie sehr jodreiche Fische

Empfehlung bei Hyperthyreose

Verzicht auf Algen, Jodkonzentrate und -tabletten

Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen

Selen wird für die Umwandlung von T4 in T3 benötigt

Selen ist Bestandteil der Jod-spaltenden Enzyme (Dejodasen) und damit für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in das hochwirksame T3 verantwortlich. Bei einem Mangel wird folglich weniger T3 gebildet, was eine Unterfunktion fördern oder verstärken kann [Lio2017]. Selen wirkt zudem antioxidativ und vermindert den oxidativen Stress in den Zellen bei erhöhtem Energieumsatz.

Die Gabe von Selen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln führt allerdings nicht automatisch zu einer Besserung der Symptome bei bestehender Unterfunktion. Ein Selenmangel ist häufig ein Begleitsymptom, aber nicht die Ursache. Daher ist auch nur bei einer unzureichenden Versorgung eine spürbare Wirkung zu erwarten.

Empfehlung bei Hypothyreose

selenreiche Lebensmittel (Meeresfrüchte und Fisch, Fleisch sowie Innereien, Milch und Eier; Getreide und Hülsenfrüchte)

Empfehlung bei Hyperthyreose

selenreiche Lebensmittel (Meeresfrüchte und Fisch, Fleisch sowie Innereien, Milch und Eier; Getreide und Hülsenfrüchte)

Bei Schilddrüsenfunktionsstörungen tritt häufig ein Eisenmangel auf

Bei etwa 60% der Hypothyreose-Patienten lässt sich ein Eisenmangel diagnostizieren [Kaw2015]. Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des Enzyms Schilddrüsen-Peroxidase (TPO). Die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist also nicht nur von Jod, sondern auch von Eisen abhängig. Auch hier kann eine Unterversorgung eine Hypothyreose fördern oder verstärken. Gleichzeitig ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion die Aufnahme von Eisen verschlechtert. Bei Frauen mit Eisenmangelanämie besserte die Gabe von Eisen nicht nur die Anämie, sondern normalisierte auch die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut sowie die Körpertemperatur [Bea1990].

Eisen ist auch an der Energiegewinnung in den Zellen – im Fachjargon als mitochondriale Atmungskette bezeichnet – beteiligt. Hier ist es Bestandteil wichtiger Enzyme und sorgt mit den Schilddrüsenhormonen dafür, dass weniger Radikale gebildet werden.

Empfehlung bei Hypothyreose

eisenreiche Lebensmittel (Fleisch, Innereien, grüne Gemüse, Beeren)
Tipp: Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird vom Körper besser aufgenommen als aus pflanzlichen Quellen. Eine Kombination verbessert bereits den Eisenstatus.

Empfehlung bei Hyperthyreose

eisenreiche Lebensmittel (Fleisch, Innereien, grüne Gemüse, Beeren)
Tipp: Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird vom Körper besser aufgenommen als aus pflanzlichen Quellen. Eine Kombination verbessert bereits den Eisenstatus.

Bei Schilddrüsenerkrankungen ist der Bedarf an einigen Nährstoffen erhöht

Kalzium und Vitamin D

Vitamin D entfaltet eine immunmodulierende Wirkung auf Autoimmunerkrankungen und kann so unter Umständen das Fortschreiten einer Hashimoto-Thyreoiditis oder einem Morbus Basedow hemmen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse ist durch den erhöhten Substrat- und Energieumsatz auch der Knochenstoffwechsel erhöht. Dadurch steigt der Bedarf an Kalzium sowie Vitamin D. Dieser lässt sich insbesondere für Vitamin D nicht allein über die Nahrung decken, so dass regelmäßiges, kurzes Sonnenbaden sowie Spaziergänge an der frischen Luft nötig sind. Menschen, deren Haut nur wenig Tageslicht abbekommt, sollten ihren Vitamin D-Status testen lassen und gegebenenfalls ein Supplement einnehmen.

Empfehlung bei Hypothyreose

reich an Vitamin D (Milchprodukte, Butter, Pilze; wichtiger: Sonne tanken und Aufenthalt im Freien)

Empfehlung bei Hyperthyreose

reich an Vitamin D (Milchprodukte, Butter, Pilze; wichtiger: Sonne tanken und Aufenthalt im Freien) sowie Kalzium (Mineralwasser, Gemüse, Nüsse, fermentierte Milchprodukte sowie Käse)

Antioxidantien wirken dem oxidativen Stress entgegen

Besonders im Rahmen autoimmunologischer Entzündungsprozesse entsteht oxidativer Stress, der das Schilddrüsengewebe weiter zerstört. Durch eine nährstoffreiche Lebensmittelauswahl werden antioxidativ wirkende Substanzen wie die Vitamine A, C und E sowie diverse sekundäre Pflanzenstoffe zugeführt, die Radikal-bildenden Prozessen entgegenwirken. So ist das Hypothyreose-Risiko bei einem Jodmangel um ein Vielfaches höher, wenn gleichzeitig ein Vitamin A-Mangel vorliegt [Zim2007].

Empfehlung bei Hypothyreose

Hashimoto-Thyreoiditis: reich an Antioxidantien Vitamin A (Innereien, Karotten), Vitamin C (Paprika, Zitrusfrüchte) sowie Vitamin E (Nüsse, Pflanzenöle) sowie reich an sekundären Pflanzenstoffen (Obst und Gemüse)

Empfehlung bei Hyperthyreose

reich an Antioxidantien Vitamin A (Innereien, Karotten), Vitamin C (Paprika, Zitrusfrüchte) sowie Vitamin E (Nüsse, Pflanzenöle) sowie reich an sekundären Pflanzenstoffen (Obst und Gemüse)

Omega-3-Fettsäuren können Entzündungsprozesse eindämmen

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und sind in der Lage Autoimmunprozesse zu dämpfen. Die besten Quellen hierfür sind fette Seefische, die daneben noch weitere antioxidative Substanzen enthalten. Linolensäure-reiche Öle wie Lein-, Walnuss- und Rapsöl eignen sich ebenfalls als Lieferanten.

Empfehlung bei Hypothyreose

Hashimoto-Thyreoiditis: reich an Omega-3-Fettsäuren (fette Seefische wie Lachs, Thunfisch, Makrele und Hering; Walnussöl und Walnüsse, Leinöl, Hanföl)

Empfehlung bei Hyperthyreose

Morbus Basedow: reich an Omega-3-Fettsäuren (fette Seefische wie Lachs, Thunfisch, Makrele und Hering; Walnussöl und Walnüsse, Leinöl, Hanföl)

Einige Nahrungsfaktoren stören den Schilddrüsenstoffwechsel

Goitrogene beeinträchtigen den Jodstoffwechsel

Auf verschiedenen Seiten im Internet ist häufig nachzulesen, dass auf Kohlgemüse, Zwiebeln, Meerrettich oder Mandeln verzichtet werden sollte. Grund hierfür sind die sogenannten Goitrogene. Dabei handelt es sich um Substanzen, die im Verdacht stehen, den Schilddrüsenstoffwechsel zu stören und das Organ zu vergrößern. Hierzu zählen beispielsweise

  • schwefelhaltige Glykoside in Kreuzblütengewächsen (z.B. Kohl, Senf, Radieschen, Meerrettich)
  • Polyphenole (z.B. in Früchten, rotem Gemüse)
  • cyanogene Glykoside (z.B. in Mandeln, Hirse, Leinsamen, Bambussprossen, Mais)
  • Disulfide (z.B. Zwiebeln, Knoblauch)
  • Nitrate und Fluoride

Die Wirkungsweise sowie Wirkstärke der einzelnen Substanzen ist sehr unterschiedlich. Einige hemmen die Bindung von Jod an die Aminosäure Tyrosin und verhindern so die Bildung der Schilddrüsenhormone. Andere hemmen die Jodaufnahme in die Schilddrüse.

Ein grundsätzlicher Verzicht auf diese Lebensmittel ist aber nicht notwendig. Durch Kochen wird die goitrogene Aktivität dieser Substanzen deutlich reduziert. Hypothyreose-Patienten sollten lediglich darauf achten, den Konsum roher Goitrogen-reicher Lebensmittel einzuschränken [Kaw2015]. Bei Hyperthyreose-Patienten führt ein vermehrter Konsum der genannten Lebensmittel nicht zu einer Besserung der Symptome.

Empfehlung bei Hypothyreose

Verzehr roher Goitrogen-reicher Lebensmittel einschränken (Chinakohl, Kohlrabi, Zwiebeln, Mandeln, Radieschen)

Empfehlung bei Hyperthyreose

Sojaprodukte können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen

Ähnlich verhält es sich mit Sojabohnen und Sojaprodukten. Auch wenn eine klare wissenschaftliche Bewertung anhand der derzeit verfügbaren Studien nicht möglich ist, bleibt ein Restrisiko. Einige Inhaltsstoffe (z.B. die Phytoöstrogene Genistein und Daidzein) können die Aktivität der Schilddrüsen-Peroxidase, die Jodaufnahme in die Schilddrüse sowie den Transport der Schilddrüsenhormone im Körper empfindlich stören [Div1997]. Auch reduzieren Sojaprodukte die intestinale Aufnahme synthetischer Schilddrüsenhormone, also von Levothyroxin. Hypothyreose-Patienten mit einer sojareichen Ernährungsweise benötigen häufig höhere Hormondosen.

Der vollständige Verzicht auf Sojaprodukte ist nur selten nötig. Von der Aufnahme von Phytoöstrogenen in isolierter oder angereicherter Form, z.B. zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, ist aber definitiv abzuraten. Menschen mit Erkrankungen der Schilddrüse sollten auf den umfassenden Ersatz von Fleisch, Wurst und Milchprodukten durch Sojaprodukte besser verzichten.

Empfehlung bei Hypothyreose

Verzicht auf große Mengen an Sojabohnen und Sojaprodukten (Sojajoghurt, Tofu etc.)

Empfehlung bei Hyperthyreose

Verzicht auf große Mengen an Sojabohnen und Sojaprodukten (Sojajoghurt, Tofu etc.)

Gluten und Antifraßstoffe können bestehende Darmprobleme auslösen und verstärken

Während Gesunde nur selten von einer glutenarmen oder -freien Kost profitieren, kann diese bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse von Vorteil sein. Durch die chronisch-entzündlichen Prozesse und eine verschlechterte Darmbarriere infolge eines Mangels an Schilddrüsenhormonen treten bei Betroffenen häufig Verstopfungen oder Durchfall, Blähungen und zahlreiche Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf. Der Verzicht auf Gluten kann hier Linderung verschaffen und die Symptome abmildern. Ebenso können verschiedene Antifraßstoffe wie Lektine (rohes Getreide, Hülsenfrüchte) oder Phytinsäure (Getreide etc.) sowie Alkaloide (rohe Kartoffeln und Paprika sowie Tomaten) bestehende Beschwerden verstärken. Das aber ist unbedingt individuell auszutesten und nicht für jeden Betroffenen zutreffend. Häufig reicht bereits eine entsprechende Zubereitung der Lebensmittel wie eine lange Sauerteigführung bei Brot oder das lange Einweichen von Hülsenfrüchten und Nüssen, um die Konzentration der Antifraßstoffe deutlich zu reduzieren. Bei schweren und stark einschränkenden Unverträglichkeiten sowie akuten Entzündungsschüben kann eine Ernährung nach dem sogenannten Autoimmunprotokoll günstig sein.

Empfehlung bei Hypothyreose

Hashimoto-Thyreoiditis: eingeschränkter Verzehr von Gluten, Lektinen (Getreide, Hülsenfrüchte), Phytinsäure (Getreide) und Alkaloide (rohe Kartoffeln, Tomaten und Paprika) bzw. eine gezielte Zubereitung der Lebensmittel; bei schweren Symptomen vorübergehende Ernährung nach dem Autoimmunprotokoll austesten

Empfehlung bei Hyperthyreose

Morbus Basedow: eingeschränkter Verzehr von Gluten, Lektinen (Getreide, Hülsenfrüchte), Phytinsäure (Getreide) und Alkaloide (rohe Kartoffeln, Tomaten und Paprika) bzw. eine gezielte Zubereitung der Lebensmittel; bei schweren Symptomen vorübergehende Ernährung nach dem Autoimmunprotokoll austesten

Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen

Hypothyreose: Vorsicht vor Medikamenten-Lebensmittel-Interaktionen

Das A und O bei der Behandlung einer Hypothyreose ist die medikamentöse Therapie mit Levothyroxin. Entgegen einiger Behauptungen im Internet ist die Hashimoto-Thyreoiditis nicht grundsätzlich heilbar, so dass die Einnahme der Medikamente lebenslang notwendig ist.

Die Einnahme wiederum ist an verschiedene Bedingungen geknüpft, um eine optimale Wirkung zu gewährleisten. Die Aufnahme und Wirkung von Levothyroxin wird durch verschiedene Nahrungsmittel beeinflusst und abgeschwächt. Das hat schwankende Hormonkonzentrationen zur Folge, die verschiedene Symptome auslösen und verstärken können. Grundsätzlich wird daher die nüchterne Einnahme mit einem Abstand von mindestens 30 Minuten zur nächsten Nahrungsaufnahme mit einem halben Glas Wasser empfohlen.

Interaktion mit Levothyroxin

Nahrungsquellen

Kalzium

kalziumreiche Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte und Mineralwasser

Eisen

Fleisch, grünes Gemüse, Beeren, Eisen-angereicherte Lebensmittel

Ballaststoffe

Gemüse, Pilze, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte

Koffein

Kaffee, Energy-Drinks, Guaranaprodukte

Soja

Sojabohnen, Tofu, Sojamilch, Sojajoghurt

Säfte

Grapefruitsaft, Orangensaft

 

Schilddrüsen-freundlicher Lebensstil verringert Erkrankungsrisiko

In den meisten Fällen einer Schilddrüsenvergrößerung ist die Ursache auf eine unzureichende Aufnahme von Jod zurückzuführen. Das lässt sich durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz sowie dem Konsum von Käse, Eiern und Seefisch in den meisten Fällen verhindern und beheben. Schwieriger ist es bei den Autoimmunerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow. Diese basieren auf entzündlichen Prozessen, die sich gegen körpereigene Strukturen und Verbindungen richten. Zu verstehen ist das als eine Art fehlgeleitetes Immunsystem. Während genetische Gegebenheiten das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen, entscheidet schlussendlich auch unser Lebensstil, ob wir tatsächlich erkranken oder nicht.

Neben der Ernährung gehören vor allem ausreichend Bewegung, der Verzicht auf Tabak sowie der mäßige Konsum von Koffein und Alkohol zu einer Schilddrüsen-freundlichen Lebensweise. Auch im Falle einer Hyperthyreose sollte bei bestehenden Symptomen auf anregende Substanzen wie Koffein und Alkohol besser verzichtet werden. Daneben gilt unsere Stresskompetenz als einer der wichtigsten Schalthebel im Krankheitsgeschehen. Interne und äußere Stressoren können das Erkrankungsrisiko um ein Vielfaches erhöhen. Somit gehören Entspannungstechniken und eine hohe Resilienz bzw. Stresskompetenz zur Grundausstattung genetisch-bedingter Risikopatienten.

Schlussendlich bergen auch Medikamente, Röntgenstrahlen und Umweltgifte ein zusätzliches Risiko. Zu letzterem gehören beispielsweise polychlorierte Biphenyle (verwendet u.a. als Kühlmittel), bestimmte Pflanzenschutzmittel, polybromierte Diphenylether (Flammschutzstoffe), Perchlorate (Zigarettenrauch, Düngemittel), Bisphenol-A (in Plastikflaschen) und Triclosan (antibakterieller Bestandteil mancher Seifen) [Bre2010]. Umweltfaktoren lassen sich nur mit großem Zeit- und Informationsaufwand aus dem Alltag verbannen, so dass bei sehr schweren Krankheitsverläufen die Konsultation eines Spezialisten angeraten ist.

Empfehlung bei Hypothyreose

Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining zum Aufbau der Muskulatur und zur Steigerung des Grundumsatzes, Erlernen von Methoden zur Stresskompetenz; Nikotinverzicht

Empfehlung bei Hyperthyreose

gezieltes Krafttraining zur Erhaltung der Muskulatur, Erlernen von Methoden zur Stresskompetenz; Verzicht auf anregende Substanzen wie Koffein und Alkohol; Nikotinverzicht

Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen

Downloads

Unseren Mitgliedern steht zu diesem Thema eine umfassende Beraterpräsentation im Powerpoint-Format zum Download zur Verfügung. Nähere Details hierzu finden Sie auch in der Produktbeschreibung im Medienshop.

Ernährungstherapien Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen  Präsentation Schilddrüse und Erkrankungen
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.

 

9 thoughts on “Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen”

  1. Guten Tag,

    prima Zusammenfassung! Sehr gelungen!
    Einzig fehlt mir die Interaktionen zum Mediakment “Thyroxin” , insbesondere bei Haferkonsum über 24 h.
    LG DKN

  2. Hallo Frau Kluthe-Neis,

    vielen Dank für Ihr Feedback. Wir werden das bei Gelegenheit recherchieren und ergänzen.

    Beste Grüße,
    Irina Baumbach

  3. Sehr gelungen! Danke für die tolle Zusammenfassung. Besonders hilfreich finde ich die Tabelle zu den Wechselwirkungen, sowie die Übersichten (Basis der Ernährung + speziellen Ernährungsfaktoren.)

    LG, IL

  4. Guten Tag, Sie schreiben, bei Hyperthyreose solle man Seefisch zu sich nehmen.
    Aber enthält dieser nicht große Mengen an Jod, was für die Überfunktion/M. Basedow äußerst kontraproduktiv ist?
    Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
    Omega-3 kann man ja auch aus anderen Quellen aufnehmen.

    MfG
    PN

  5. Hallo Frau Neumeier, da haben Sie natürlich recht: Seefisch ist jodreich. Generell wird jedoch selbst bei einer Hyperthyreose nicht gänzlich vom Konsum von Seefisch abgeraten. 2 Portionen in der Woche werden als empfehlenswert angesehen. Die hier enthaltenen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) sind für den Körper wesentlich nützlicher und effizienter aufzunehmen als pflanzliche Omega-3-Fettsäuren (ALA). Insofern überwiegt hier der Nutzen. Es wird jedoch vom häufigen Konsum von Algen und jodiertem Speisesalz sowie geräuchertem Fisch abgeraten. Beste Grüße, Irina Baumbach

  6. Hallo Irina,
    Vielen Dank für deinen gleichermaßen fundierten sowie verständlich geschriebenen Artikel, ist eher selten ;-)!

    Kennst du Ashwagandha? Das kann nämlich bei SD-Unterfunktion helfen, darauf deuten zumindest mehrere Studien hin:

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4296437/
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9811169
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28829155

    In dem Artikel https://www.ashwagandha-infos.de/schilddruesenunterfunktion-natuerlich-behandeln/ auf meiner Seite habe ich über den Einsatz von Ashwagandha bei Hypothyrose (und weiteren Mitteln zur Unterstützung der SD-Funktion) detaillierter beschrieben.

    Viele Grüße, Andreas

  7. Hallo Andreas, das kenne ich tatsächlich noch nicht. Vielen Dank für den Hinweis – das werde ich bei nächster Gelegenheit mal genauer unter die Lupe nehmen und ggf. im Artikel ergänzen/ erwähnen. Vielen Dank auch für die schöne Rückmeldung.

    Beste Grüße
    Irina

  8. Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Artikel.
    Ich bin vor fünf Jahren an Morbus Basedow und Schilddrücenkrebs erkrankt und habe mir all die Informationen, die hier klasse zusammengefasst sind mühsam aus verschiedenen Quellen zusammengesucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.