Schlankheitsmittel – große Versprechen, wenig Wirkung

Eine Adipositastherapie ist oft langwierig und verlangt ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Die zur Gewichtsreduktion erforderliche negative Energiebilanz bedeutet für den Betroffenen meist eine deutliche Änderung eingefahrener Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Es ist folglich nachvollziehbar, dass der Gedanke, schnell und leicht mithilfe von Medikamenten abzunehmen, für Übergewichtige eine verlockende Option ist.

Gleichzeitig stellt der Markt der Schlankheitsmittel für die Pharmaindustrie eine interessante Einnahmequelle dar. Denn neben gesundheitlichen Faktoren sind Betroffene auch aufgrund kosmetischer Aspekte motiviert, unterstützende Mittel zur Gewichtsreduktion zu verwenden. Seit vielen Jahrzehnten werden immer wieder neue Medikamente mit unterschiedlichsten Wirkmechanismen eingeführt, in der Hoffnung, die „Wunderpille“ zum Abnehmen entdeckt zu haben. Viele der Substanzen verschwinden allerdings aufgrund erheblicher Nebenwirkungen schnell wieder vom Markt oder erweisen sich als wenig wirksam.

Obwohl das Stufenmodell der Adipositastherapie nach dem Versagen der drei Grundsäulen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie als nächsten Schritt eine pharmakologische Intervention vorsieht, sind die verfügbaren Mittel insgesamt eher als „zweifelhaft“ einzustufen.

Übersicht verschreibungspflichtiger Medikamente zur Adipositastherapie
WirkstoffHandelsnamenWirkprinzipBemerkung nach Arznei-Telegramm
(atd 2014)
Amfepramon-HClRegenon®

Tenuatev

Appetitzügler
    • Zweifelhaftes Therapieprinzip zur Therapieunterstützung
    • aufgrund eines negativen Nutzen-Schaden-Verhältnisses von 2001-2003 außer Handel, da Gefahr von Lungenhochdruck und Abhängigkeit besteht
    • Zulassungsentzug 2003 aufgrund von Formfehlern wieder aufgehoben
CarboxymethylstärkeQuellmittel
    • Zweifelhaftes Therapieprinzip
    • bei Überschreiten der maximalen Anwendungsdauer von 4 Wochen besteht erhöhtes Risiko für Obstruktionen
D-Norpseudoephedrin-HClAlvalin®Appetitzügler
    • Zweifelhaftes Therapieprinzip
    • aufgrund eines negativen Nutzen-Schaden-Verhältnisses Entzug der Zulassung 2001
    • Rücknahme des Beschlusses 2002 aus formellen Gründen
    • Zurzeit ramdom. doppelblinde plazebokontrollierte Studie zur Langzeitwirkung in Arbeit
OrlistatOrlistat®

Xenicalv

Alli®

Lipasehemmer
    • Zweifelhaftes Therapieprinzip
    • erhöhtes Risiko für erhebliche gastrointestinale Nebenwirkungen wie Blähungen und Stuhlinkontinenz
Phenylpropanolamin-HClBoxogetten®

Recatol®

Antiadipositum®

Appetitzügler
    • Zweifelhaftes Therapieprinzip
    • negatives Nutzen-Schaden-Verhältnisses
    • erhöhtes Risiko für Blutdruckerhöhungen (insbesondere bei gleichzeitiger Koffeineinnahme) und  zentralnervöse Beschwerden wie Angst, Desorientierung, Herzrhythmusstörungen usw.

Im freien Handel ist eine große Produktpalette an Abnehmpräparaten erhältlich, die in der Regel nur mit begleitender Ernährungsumstellung und vermehrtem Bewegungsumfang Erfolge erbringen. Mitunter ist der Sinn einiger Produkte anzuzweifeln, da der Kostenfaktor teilweise in keinem Verhältnis zur Wirksamkeit steht. Besonders kritisch sind Präparate aus dem Ausland, die nur über das Internet bezogen werden können. Hierbei kann es sich unter Umständen um Wirkstoffe handeln, die aufgrund von schweren Nebenwirkungen in Deutschland verboten sind.

Unabhängig davon, ob ein Patient eines der zugelassenen Medikamente verschrieben bekommt oder ob er sich für ein freiverkäufliches Präparat aus der Apotheke bzw. der Drogerie entscheidet, sollte er sich immer im Klaren darüber sein, dass dieses keine Wunder bewirkt. Eine erfolgreiche und dauerhafte Gewichtsreduktion ist langfristig nur mit einer Veränderung bestimmter Ess- und Bewegungsgewohnheiten möglich.

Appetitzügler

Pharmazeutische Appetitzügler modulieren die Nahrungsaufnahme über eine Hemmung hungerinduzierender Neuronen oder über eine Stimulation des Sättigungszentrums. Dabei erhöhen diese in erster Linie die Konzentration bestimmter Botenstoffe wie der Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin oder wirken an Rezeptoren und Neuronen im Zentralnervensystem.

Amphetaminderivate wie Norpseudoephedrin oder Phenylpropanolamin versetzen den Körper in eine künstliche „Stresssituation“, so dass der Stoffwechsel erhöht und der Appetit gehemmt wird. Gleichzeitig vermitteln die Substanzen ein euphorisches Hochgefühl, was die Appetitminderung ebenfalls begünstigt, aber auf Dauer zu einer Abhängigkeit führen kann. Neben der direkten Beeinflussung der Hunger-Sättigungs-Regulation wirken einige Substanzen zudem sympathomimetisch und erhöhen den Grundumsatz.

Nutzen und Wirksamkeit

Die Wirksamkeit verschreibungspflichtiger Appetitzügler ist seit vielen Jahren bekannt und belegt. Allerdings sind diese durch ihren weitreichenden Eingriff in nervale Regelprozesse teilweise mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Obwohl sich viele Substanzen als potente Appetithemmer bewährten, führten die beobachteten Komplikationen bei vielen Medikamenten zum Zulassungsentzug. Derzeit sind in Deutschland nur noch 3 Wirkstoffe als Appetithemmer zugelassen.

Nebenwirkungen

Je nach verwendetem Wirkstoff treten:

  • Abhängigkeit
  • Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • paranoider Wahn, vitale Depression bei Absetzen und Suizidalität
  • Herz-Kreislauf-Komplikationen
  • lebensbedrohlicher Lungenhochdruck mit Rechtsherzversagen
  • Hirnblutungen mit Todesfolge
  • schwere gastrointestinale Symptome (Durchfall, Stuhlinkontinenz, Meteorismus)

auf. Bei den serotoninergen Substanzen (z.B. Sibutramin) stehen immunogene, fibrosierende Erkrankungen mit Lungenhochdruck und Fibrosen der Herzklappen im Vordergrund.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Die Einnahme von Appetitzüglern ist riskant und nebenwirkungsreich. Eine Verwendung sollte wenn überhaupt nur als kurzzeitige Begleitmaßnahme unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Akzeptabel sind lediglich appetithemmende Medikamente, die vom Arzt verschrieben wurden. Von einer Selbstmedikation insbesondere mit Appetitzüglern, die über das Internet erworben wurden, ist dringend abzuraten. Gerade Schlankheitsmittel aus dem asiatischen Raum enthalten mitunter synthetische Substanzen, die in Deutschland aufgrund ihrer massiven Nebenwirkungen nicht zugelassen sind.

Fatburner

Sogenannte Fatburner sollen den Stoffwechsel und damit den Energieumsatz oder auch die Fettverbrennung direkt anregen. Dabei fallen unter diese Kategorie eine ganze Reihe Substanzen mit unterschiedlichster, teilweise fragwürdiger Wirkmechanismen.

Der Energieumsatz und die Fettverbrennung sind hormonell gesteuerte Prozesse. Daraus resultiert die Annahme, dass die zusätzliche Aufnahme von stoffwechselanregenden Hormonen den Energieverbrauch und den Abbau von Energiereserven steigert. Es speilen vor allem drei Hormone eine Rolle:

Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin)

Mechanismus

Schilddrüsenhormone regen verschiedene katabole Stoffwechselprozesse an und steigern den Grundumsatz des Körpers. Thyroxin wird zur Behandlung einer Hypothyreose eingesetzt, bei der es unter anderem oft zu einer Gewichtszunahme kommt. Unseriöse Quellen bieten L-Thyroxin auch zur Gewichtsreduktion an, sicher auch aus der Beobachtung, dass Menschen mit Hyperthyreose und erhöhten Hormonspiegeln zumeist sehr schlank sind.

Nebenwirkungen

Die Einnahme von Thyroxin bei normaler Schilddrüsenfunktion kann den Hormonregelkreis empfindlich stören. Bei Überdosierungen besteht die Gefahr von Herz-Kreislaus-Störungen wie Bluthochdruck, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. Zudem kann es zu thyreotoxischen periodischen Paralysen (Muskelschwächen und Lähmungen) und zu lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen (thyreotoxische Krise) kommen [Aki 2011]. Todesfälle aufgrund der Einnahme von Thyroxin als Schlankheitsmittel wurden in der Literatur beschrieben [Har 2010].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Von der Einnahme ohne entsprechende medizinische Indikation ist dringend abzuraten.

Humanes Choriongonadotropin (HCG)

Mechanismus

HCG wird während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet. Geringdosiertes HCG soll die Wirkung kalorienreduzierter Diäten verstärken und die Adipositastherapie unterstützen. Dabei soll der Körper unter dem Einfluss des Hormons angeregt werden, bevorzugt Fettreserven abzubauen. Gleichzeitig soll das Hormon die Sättigung verstärken und so das Durchhaltevermögen für eine veranschlagte 500 kcal-Diät begünstigen [Yen 2012].

Nebenwirkungen

Als akute Nebenwirkungen wurden Hypotonie, Hypoglykämie, Verstopfung und verstärkte Müdigkeit beschrieben [Ste 1976].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Verschiedene Untersuchungen zur Wirkung von HCG konnten keinen Vorteil gegenüber der Einnahme eines Placebos belegen [Ste 1976Bos 1990]. Vielmehr schien der erreichte Gewichtsverlust allein auf die niedrigkalorische Diät zurückzugehen. Da die Einnahme von Hormonen ohne medizinische Indikation immer ein unkalkulierbares Risiko birgt, ist aufgrund der unzureichend belegten Wirkung vom Gebrauch abzuraten.

Enzyme

In einigen Ratgebern wird nach wie vor die fettstoffwechselankurbelnde Wirkung einiger Enzyme aus Südfrüchten angepriesen. Dabei werden vor allem das Bromelain aus der Ananas sowie Papain, Chymopapain, Lysozyme und Lipasen aus der Papaya genannt.

Enzyme sind Proteine, die wie andere Eiweißverbindungen im Magen denaturiert und verdaut werden. Eine Wirksamkeit im Darm ist folglich nicht mehr gegeben. Zudem bleibt der Einfluss eiweißspaltender Enzyme wie Bromelain und Papain auf die Fettverbrennung fragwürdig.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Die Zufuhr von Enzymen oder den entsprechenden Obstsorten zur Gewichtsreduktion ist unsinnig. Vielmehr sollte beachtet werden, dass die Südfrüchte aufgrund des hohen Zuckergehalts während einer Diät nur mäßig verzehrt werden sollten.

Carnitin

Carnitin ist eine Aminoverbindung aus Methionin und Lysin, die im Energiestoffwechsel der Zellen eine Rolle spielt. Die Substanz fungiert als Transporter für langkettige Fettsäuren durch die Mitochondrienmembran, so dass diese zur Energiegewinnung abgebaut werden können.

Durch die Notwendigkeit von L-Carnitin für den Fettabbau entstand die Annahme, dass eine zusätzliche Zufuhr die Konzentration im Muskel und damit die Fettverbrennung besonders nach Sport erhöht. Sorgfältig durchgeführte Studien konnten allerdings nicht belegen, dass sich durch die orale Zufuhr die Konzentration im Muskel wesentlich verändert [Bar 1994Vuk 1994]. Berechnungen anhand der Enzymkinetik ergaben zudem, dass der ruhende Muskel über ausreichende Carnitinkonzentrationen verfügt, damit das für die Fettverbrennung notwendige Enzym Carnitin-Palmitoyltransferase 1 seine maximale Aktivität entfaltet. Eine Gewichtsreduktion mithilfe von exogen zugeführtem L-Carnitin ist insbesondere ohne Sport folglich unmöglich [Jeu 2011].

Neuere Untersuchungen weisen zwar darauf hin, dass L-Carnitin in Kombination mit einer hohen Kohlenhydratzufuhr im Training doch zu einer verbesserten Fettverbrennung führt. Diese Erkenntnis dürfte allerdings nur für Leistungssportler von Bedeutung sein. Für einen Gewichtsverlust ist die Zufuhr hoher Kohlenhydratmengen eher kontraproduktiv [Jeu 2011].

Bewertung als Schlankheitsmittel

L-Carnitin ist in hohen Konzentrationen vor allem in Fleisch enthalten und wird bei einer abwechslungsreichen Kost in ausreichenden Mengen zugeführt. Für eine zusätzliche Supplementation zur Gewichtsreduktion gibt es derzeit keine wissenschaftliche Begründung.

Arginin, Lysin, Ornithin

Die Aminosäuren Arginin, Lysin und Ornithin sind an der Freisetzung des Wachstumshormons (Somatotropin) beteiligt. Da dieses die Fettsynthese hemmt und die Proteinsynthese stimuliert, argumentieren einige Ratgeber, dass durch die Zufuhr der drei Aminosäuren Muskelaufbau und Fettabbau verbessert werden.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Aminosäuren sind Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung und werden in Deutschland in ausreichendem Maße über Nahrungsmittel zugeführt. Der Sinn einer zusätzlichen Supplementierung ist folglich fraglich.

Taurin

Die Aminosulfonsäure Taurin ist ein Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin. Die exogene Zufuhr soll angeblich den Fettstoffwechsel steigern und so eine Gewichtsreduktion begünstigen. Dabei wird besonders unter Sportlern eine verbesserte Fettverbrennung durch Einnahme von Taurin vor dem Training diskutiert. Eindeutige Beweise für diesen Effekt fehlen allerdings bislang [Jeu 2011]. Hinweise, dass Taurin auch ohne sportliche Betätigung zu einem Gewichtsverlust beiträgt, gibt es zudem nicht.

Koffein

Koffein stimuliert das sympathische Nervensystem und fördert indirekt über eine vermehrte Adrenalinfreisetzung den Fettabbau. Zudem hat es einen leicht thermogenen Effekt. Die einmalige Verabreichung von 100 mg Koffein (entspricht etwa dem Gehalt in 125 ml Filterkaffee) führte in einem Experiment bei normal- und leicht übergewichtigen Personen zu einer Steigerung des Grundumsatzes von 3-4%. Die wiederholte Gabe von 100 mg Koffein alle 2 Stunden über eine Dauer von 12 Stunden erhöhte den Grundumsatz um 8-11%. Dies entsprach einer Nettoerhöhung des täglichen Energieverbrauchs um etwa 150 kcal bei schlanken und 79 kcal bei übergewichtigen Personen [Dul 1989]. Weitere Studien konnten keinen größeren Gewichtsverlust gegenüber einem Placebo nachweisen bzw. die Unterschiede waren nicht von klinischer Relevanz [Ast 1992]; [Wes 2005].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Die Effekte von Koffein auf den Energiestoffwechsel sind zu gering, um für die Praxis von klinischer Bedeutung zu sein. Gegen den Konsum von Kaffee im Rahmen der normalen Ernährung gibt es keine Einwände. Die zusätzliche Einnahme von Koffeinsupplementen zur Gewichtsreduktion ist hingegen wenig sinnvoll.

Konjungierte Linolsäure (CLA)

Konjungierte Linolsäure ist ein Isomer der Omega-6-Fettsäure Linolsäure, das vor allem über das Fleisch von Wiederkäuern sowie über Milchprodukte aufgenommen wird. In Nagetieren erhöhte die Gabe von CLA den Energieumsatz und verringerte die Fettmasse. Am Menschen konnte dies bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Ein leichter Verlust an Fettmasse kann möglicherweise durch eine langfristige Einnahme von etwa 3 g CLA/ Tag erreicht werden [Jeu 2011]. Allerdings reduzierte CLA bei übergewichtigen Männern die Insulinresistenz um 15% [Ris 2004].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Die positive Wirkung von CLA auf das Körpergewicht und die Körperzusammensetzung wurde in erster Linie in Tierversuchen belegt. Humanstudien zeigten bislang nur geringe Effekte. Für eine endgültige Empfehlung ist die Studienlage noch zu dürftig.

Chrom

Chrom ist ein essenzielles Spurenelement, das laut Werbeaussagen von Präparate-Anbietern den Muskelaufbau fördert und die Fettverbrennung ankurbelt. Jedoch konnte in sorgfältig durchgeführten Studien kein Einfluss auf die Magermasse festgestellt werden [Cla 1994]; [Hal 1996]. Unter kontrollierter Kalorienzufuhr bewirkte die Gabe von Chrom auch keine Veränderung des Körpergewichts oder der Körperzusammensetzung [Luk 2007].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Angesichts der fehlenden Belege zur Wirksamkeit als Schlankheitsmittel ist von einer Supplementation zur Gewichtsabnahme abzuraten.

Ephedra (Ma Huang)

Präparate mit Ephedrakraut enthalten zur Unterstützung meist Koffein oder Guarana. In dieser Kombination konnten gute Ergebnisse bezüglich eines kurzfristigen Gewichts- und Fettgewebeverlustes erzielt werden [Boo 2001]; [She 2003], weswegen entsprechende Produkte in vielen Ländern lange Zeit als Schlankheitsmittel gefragt waren. Aufgrund der schweren, teilweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen wurden Ephedra-Präparate mittlerweile in zahlreichen westlichen Ländern verboten. In Deutschland sind Ephedrin-haltige Mittel seit 2006 verschreibungspflichtig.

Zu den Nebenwirkungen zählen unter anderem Störungen der Herztätigkeit, die zu Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, Myokardinfarkt und plötzlichem Tod führen können. Diese Phänomene können auch bei Patienten ohne kardiovaskuläre Grundleiden auftreten [Sam 2002].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Die Einnahme von Ephedra-haltigen Schlankheitsmitteln ist aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen.

Forskolin

Forskolin ist ein Diterpen aus dem Harfenstrauch Coleus forskolii . Dieses steigerte die Lipolyse im Fettgewebe von Ratten. Bislang existiert nur eine Humanstudie, bei der 30 übergewichtige Männer für 12 Wochen ein Forskolinextrakt bekamen. In der Folge reduzierte sich die Fettmasse um knapp 11%, unter Placebo lediglich um 2%. Der Energieverbrauch war laut Autoren in beiden Gruppen gleich [God 2005].

Bewertung als Schlankheitsmittel

Für eine Empfehlung von Forskolin zur Gewichtsreduktion ist die bisherige Datenlange zu dürftig. Weder ist die positive Wirkung durch mehrere Studien belegt, noch gibt es Daten zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit.

Laxantien

Abführmittel, auch Laxantien genannt, sind pharmazeutische Präparate, die die Stuhlentleerung beschleunigen. Therapeutisch werden diese bei Verstopfung eingesetzt. Dabei greifen 3 verschiedene Mechanismen.

  1. volumensteigernde Abführmittel
  2. motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel
  3. Gleitmittel

Durch den schnellen Weitertransport des Stuhls wird die Resorptionszeit und daraus resultierend die Nährstoffaufnahme deutlich eingeschränkt. Bei längerfristiger Anwendung tritt dabei ein Gewichtsverlust auf, wie er beispielsweise auch bei Durchfallerkrankungen wie Reizdarm beobachtet wird. Einige Übergewichtige, insbesondere Frauen, nutzen diesen Effekt missbräuchlich, um ihr Gewicht zu reduzieren. Da zahlreiche Laxantien rezeptfrei in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich sind, ist ein Missbrauch mit diesen Substanzen leicht möglich.

Volumensteigernde Abführmittel

Diese Art der Abführmittel wirkt über eine Vergrößerung des Stuhlvolumens. Hierdurch erhöht sich der Druck auf die Darmwand und stimuliert die Darmperistaltik, wodurch der Speisebrei schnell weitertransportiert wird. Diese Volumenzunahme wird durc

  • Füll- und Quellstoffe, z.B.:
    • Leinsamen
    • Indische Flohsamenschalen
    • Weizenkleie
  • osmotisch wirkende Substanzen, z.B.:
    • Salze wie Glaubersalz, Bittersalz, Passagesalz
  • Zucker und Zuckeralkohole wie Laktose, Laktulose, Sorbit, Mannitol
  • gasbildende Substanzen, z.B.:
    • Natriumhydrogencarbonat

erreicht.

Motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel

Diese Laxantien stimulieren die Darmbewegungen und bewirken einen schnelleren Transport. Hierdurch wird dem Darminhalt weniger Wasser entzogen. Beispiele hierfür sind

  • pflanzliche anthranoidhaltige Substanzen (z.B. Rizinus, Aloe, Faulbaum, Rhabarber, Senna)
  • synthetische Triarylmethan-Derivate (Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Natriumdioctylsulfosuccinat und Phenolphthalein)

Gleitmittel verleihen dem Stuhl eine weichere Konsistenz und machen diesen gleitfähig. Derartige Produkte werden insbesondere bei Verletzungen oder Erkrankungen im Analbereich wie bei Hämorrhoiden und Analfissuren eingesetzt. Als Gleitmittel werden in erster Linie

  • Glyzerol und
  • dickflüssiges Paraffin

verwendet.

Nutzen und Bewertung

Abführmittel sind nur bei Verstopfungen und nicht zur Gewichtsreduktion geeignet. Diese bewirken in den meisten Fällen nur einen kurzzeitigen Gewichtsverlust. Da die meisten Laxantien erst im Dickdarm wirken, wo kaum noch eine Nährstoffresorption stattfindet, resultieren die auf der Waage ersichtlichen Gewichtsverluste in erster Linie aus dem geringeren Darminhalt und dem erhöhten Flüssigkeitsverlust.

Durch die verminderte Resorption wird zwar ein Teil der zugeführten Fette und Kohlenhydrate ungenutzt wieder ausgeschieden, was einer negativen Energiebilanz theoretisch zugutekommt. Gleichzeitig wird allerdings auch die Aufnahme von Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigt, was bei längerfristiger Anwendung zu einer Mangelernährung führen kann. Der Konsum löst zudem eine Gewöhnung des Darms und damit eine Art Abhängigkeit aus.

Nebenwirkungen

Abführmittel sollten prinzipiell nicht länger als 1-2 Wochen eingenommen werden. Ballaststoffreiche Füllstoffe bzw. Zucker und Zuckeralkohole werden im Dickdarm bakteriell verstoffwechselt und können zu starken Blähungen und Bauchkrämpfen führen. Insbesondere osmotisch wirksame Abführmittel bewirken eine vermehrte Wasserausscheidung, die gleichzeitig mit erhöhten Verlusten an wichtigen Elektrolyten einhergeht. Typisch für einen Laxantienmissbrauch ist vor allem eine Hypokaliämie , die zu Herz-Rhythmusstörungen, Blutdruckabfall und Muskelschwäche führen kann. In extremen Fällen sind Harnblasen- und Leberstörungen möglich. Bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum tritt schnell ein Gewöhnungseffekt auf. Eine Stuhlentleerung ohne Abführmittel ist dann nicht oder nur noch schwer möglich. Dies geht auch mit der Konsequenz einher, dass immer höhere Dosen benötigt werden, um überhaupt noch eine abführende Wirkung zu erzielen. Werden die Mittel abgesetzt, arbeitet der Darm über einen längeren Zeitraum nur noch eingeschränkt.

Bei der Einnahme quellender Laxantien ist besonders auf die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit zu achten, da es sonst zu Verengungen der Speiseröhre oder des Darms kommen kann . In einigen wenigen bekannten Fällen führte die Anwendung von sogenannten Quellschwämmchen bis hin zu tödlichen Darmobstruktionen.

Gleitmittel können ölige Stühle verursachen. Zudem binden diese fettlösliche Vitamine und verringern deren Resorption.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Vom Gebrauch von Abführmitteln zur Gewichtsreduktion ist abzuraten, da kein Verlust an Fettgewebe stattfindet. Der Konsum von leicht abführenden Nahrungsmitteln (Heidelbeeren, Walderdbeeren, Feigen, Sauerkraut, Rettich, Grapefruits, Gerstenbrei), Säften (Beerensäfte, Sauerkrautsaft) oder Tees (Kamille. Wegwarte, Johanniskraut, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Schafgarbe, Engelwurz) ist hingegen als unbedenklich einzustufen.

Sättigungsverstärker, Quell- und Füllmittel

Zur Gruppe der Sättigungsverstärker lässt sich ein breites Spektrum an Substanzen zuordnen, die über verschiedenste Mechanismen zu einem erhöhten Sättigungsgefühl beitragen sollen. Die Zuordnung überschneidet sich teilweise mit anderen Kategorien der Schlankheitsmittel.

Sättigungsverstärker wirken auf unterschiedliche Weise:

  • verstärkte Magenfüllung (Quell- und Füllstoffe)
  • neuronale Stimulation des Sättigungsgefühls (z.B. Sibutramin)

Der Großteil der Sättigungsverstärker wirkt über eine vermehrte Magenfüllung, da das Sättigungsgefühl in erster Linie durch die Magendehnung stimuliert wird. Bei den Quell- und Füllstoffen handelt es sich zumeist um Pflanzenfasern, die Flüssigkeit stark binden. Diese werden 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen und beginnen im Magen zu quellen. Durch die Volumenzunahme tritt bereits eine leichte Magendehnung auf, so dass sich bei der folgenden Mahlzeit das Sättigungsgefühl schneller einstellt. Hierdurch soll die Speisenmenge und folglich die Kalorienzufuhr reduziert werden.

Daneben wirken einige Appetitzügler, wie das in Deutschland mittlerweile verbotene Sibutramin, direkt auf das Sättigungszentrum im Gehirn.

Nutzen und Wirkung

Der Nutzen der einzelnen Substanzen ist durch wissenschaftliche Untersuchungen kaum oder nicht belegt. Weitere Informationen zu bereits aufgeführten Substanzen sind in den jeweiligen Kapiteln zu finden.

Nebenwirkungen

Quell- und Füllstoffe können verschiedene Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen:

  • Magen-/ Darmschmerzen, Krämpfe
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Sodbrennen, Aufstoßen
  • Übelkeit

Bei unzureichender Trinkmenge besteht die Gefahr von zum Teil lebensbedrohlichen Verengungen (Obstruktionen) der Speiseröhre oder des Darms. Einige früher in der Adipositastherapie verwendete Medikamente mit lyophilisiertem Kollagen (Matricur®) oder vernetzter Zellulose (CM3®, Jogun®) wurden aus diesem Grund bereits vom Markt genommen.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Viele Präparate nutzen die Quelleigenschaften von Ballaststoffen aus. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Gemüse und Vollkornprodukte können das Sättigungsgefühl genauso unterstützen und sind ein wesentlicher Bestandteil einer Ernährungsumstellung. Es ist folglich fraglich, wie groß der Nutzen zusätzlich zugeführter Quell- und Füllstoffe für die Adipositastherapie ist. Auf Grundlage des momentanen Kenntnisstandes können diese möglicherweise zu Beginn einer Gewichtsreduzierung hilfreich sein. Im Verlauf der Therapie und im Zuge einer Ernährungsumstellung sind diese allerdings durch ballaststoffeiche Nahrungsmittel zu ersetzen. Aufgrund der Obstruktionsgefahr ist dringend auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Ebenso sind die Herstellerangaben bezüglich Einnahme, Dosierung und Dauer einzuhalten.

Zentral wirkende Sättigungsverstärker wie Sibutramin sind aufgrund erheblicher Gesundheitsrisiken in Deutschland derzeit nicht legal erhältlich. Von der Einnahme ist abzuraten.

Diuretika

Diuretika wirken harntreibend und sorgen für eine vermehrte Ausscheidung von Wasser aus dem Körper. Kurzfristig führen derartige Präparate durch den Flüssigkeitsverlust zu einer geringen Gewichtsabnahme. Fett wird hierbei nicht abgebaut.

Medikamentöse Diuretika werden in erster Linie zur Behandlung von Ödemen und Hypertonie eingesetzt. Die derzeit erhältlichen Mittel sind ausnahmslos verschreibungspflichtig, so dass ein Missbrauch zu Gewichtsreduktionszwecken eher die Ausnahme ist.

Daneben sind im Handel einige freiverkäufliche pflanzliche Entwässerungsmittel erhältlich, die oft als „Entschlackungsmittel“ beworben werden. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Brennnesseltee
  • Brennnesseldragees (z.B. von Kneipp)
  • Birkenblättertee
  • Birkenblätterdragees (z.B. von Sanhelios)
  • andere Kräutertees (Goldrute, Habichtskraut, Steinklee, Katzenbart)
  • Kombinationen aus Birkenblättern, Hauhechwurzel und Gartenbohnenhülsen (z.B. Biofax®)
  • Pu-Erh-Tee (Qingmao-Teebaum)

Auch einige Nahrungsmittel wie Reis, Spargel, Erdbeeren, Artischocken oder Zitronen wirken leicht entwässernd.

Nutzen und Wirksamkeit

Da Diuretika Fettgewebe nicht abbauen und die beobachtete Gewichtsreduktion lediglich das Ergebnis eines Flüssigkeitsverlustes ist, sind derartige Mittel für die Adipositastherapie völlig ungeeignet.

Nebenwirkungen

Bei missbräuchlicher Anwendung besteht langfristig die Gefahr von Elektrolytverlusten, die sich schlimmstenfalls in Herz-Rhythmus-Störungen wiederspiegeln. Ein Kaliummangel kann zudem zu Übelkeit und Erbrechen führen. Langfristig führt die Einnahme von hochkonzentrierten Entwässerungsmitteln zu einem Blutdruckabfall. Akute Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt.

Bewertung als Schlankheitsmittel

Diuretika sollten nur bei vom Arzt diagnostizierten Wassereinlagerungen (Ödemen) über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden. Das Trinken von Kräutertees (Brennnessel, Birkenblätter) bzw. der Verzehr von Nahrungsmitteln mit leicht entwässernder Wirkung ist hingegen als unbedenklich einzustufen.

Checkliste

Die folgende Checkliste soll helfen, aus dem doch sehr unüberschaubaren Angebot an Schlankheitsmitteln diejenigen Produkte herauszubekommen, deren Nutzen und Wirksamkeit infrage gestellt werden kann.

Hersteller und Vertrieb
Fehlende Angaben zum Hersteller (Firmenname, Adresse, Unternehmensform)
Adresse im Ausland oder nur Angabe eines Postfachs
Vertrieb lediglich im Direktverkauf (z.B. Online-Vertrieb, Telefonverkauf)
Zahlung nur per Vorkasse oder Nachnahme möglich
Kauf nur mit langfristigem Vertragsabschluss möglich
Keine Zusicherung des Rückgaberechts
Produkt enthält Wirkstoffe, die ansonsten nicht in deutschen Apotheken erhältlich sind
Produktmerkmale
Fehlende Angaben zur Verkehrsbezeichnung, zu Prüfsiegeln oder Zertifikaten
Keine eindeutige Benennung des Wirkstoffs
Keine Angaben zu Zutaten und/ oder Mengenangaben
Keine Aussagen zur genauen Wirkweise
Unseriöse Betitelungen wie „Wundermittel“
Angabe unrealistisch schneller Gewichtsabnahmen
Garantierter Erfolg ohne eigenes Zutun
Fehlende Angaben zu Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Risiken, Wechselwirkungen
Fehlende Angaben zu Dosierung und Einnahmevorschriften
Bewerbung des Produkts, Studienlage zu den Wirkungen
Fehlende Literaturangaben und Studien zur Wirkung bzw. Unbedenklichkeit
Vorher-Nachher-Bilder
Übertriebene/ reißerische Werbeaussagen 

 

Downloads

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Praktische Diätetik Schlankheitsmittel - große Versprechen, wenig Wirkung  Fachinfo Adipositas 3 - Schlankheitsmittel
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