Schwangerschaft und Stillzeit – Besondere Ernährungsaspekte

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen und in geringem Umfang auch der Energiebedarf. Der zusätzliche Energiebedarf für die gesamte Schwangerschaft beträgt 300 MJ (71700 kcal). Dieser Mehrbedarf sollte gleichmäßig über die Dauer der Schwangerschaft über Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte gedeckt werden. Hierzu zählen in erster Linie Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte, Fisch und Fleisch.

Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Zu Beginn der Schwangerschaft ist noch keine Energiezulage nötig, obwohl der mütterliche Organismus bereits etwas mehr Energie aufgrund der vermehrten Zellteilung verbraucht. Ab dem 4. Monat werden täglich 1,1 MJ (255 kcal) zusätzlich benötigt. Die Gewichtszunahme bis zur Geburt beträgt im Durchschnitt 14 kg, die sich in etwa wie folgt aufteilen lässt:

  • Kind: 3.500 g
  • Gebärmutter: 1.500 g
  • Nachgeburt: 500 g
  • Fruchtwasser: 1.000 g
  • Brüste: 500 g
  • zusätzliches Blutvolumen: 2.000 g
  • zusätzliches Gewebswasser: 3.000 g
  • Depotfett: 2.000 g

Auch für die vermehrte körperliche Arbeit, die durch die Gewichtszunahme begründet ist, benötigt eine werdende Mutter mehr Energie.

Die ideale Gewichtszunahme erfolgt abhängig vom Ausgangsgewicht. Frauen mit Übergewicht und einem BMI größer 26 kg/ m² sollten während der Schwangerschaft nur relativ wenig zunehmen (7 bis 11,5 kg), Frauen mit Untergewicht oder einem niedrigen BMI kleiner 19,8 kg/ m² dürfen im Schnitt 12,5 bis 18 kg zunehmen. Für Frauen mit einem mittleren BMI zwischen 19,8 und 26  kg/ m² wird eine Gewichtszunahme von 11,5 bis 16 kg empfohlen.

Da der Fötus seinen Energiebedarf überwiegend über Glukose deckt, ist es wichtig, dass sich entsprechend dem zusätzlichen Energiebedarf auch die Kohlenhydratmenge in der Schwangerschaft erhöht. Der prozentuale Anteil der empfohlenen Kohlenhydrataufnahme bleibt jedoch bei 40 bis 45 % der Gesamtenergieaufnahme. Von der sich im mütterlichen Blut befindlichen Glukose werden 40 % für die Plazenta benötigt.

Die Kohlenhydrate sollen überwiegend aus Polysacchariden bestehen, die eine moderate Insulinausschüttung bewirken. Laut Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) soll der Anteil an Mono- und Disacchariden (Einfach- und Zweifachzucker) 10 % (60 g Zucker) der Gesamtkohlenhydrataufnahme nicht überschreiten. Zur Deckung des Kohlenhydratbedarfs sind besonders faserreiche (ballaststoffreiche) Lebensmittel geeignet, die eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung lindern oder verhindern können. Hierzu ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 Litern täglich notwendig, da durch die Quellung der Ballaststoffe ein höheres Stuhlvolumen erreicht und somit die Verdauung beschleunigt wird. Die tägliche Ballaststoffaufnahme sollte >25 g betragen.

Einfache Kohlenhydrate (Einfach- und Zweifachzucker)

Einfach-/ und Zweifachzucker sind als Glukose und Saccharose in Lebensmitteln wie z. B. Zucker, Süßigkeiten und Honig enthalten. Diese sollten eher sparsam in den Speiseplan eingebaut werden, sind jedoch nicht verboten. Der Einfachzucker Fruchtzucker (Fruktose) ist in Früchten enthalten. Im besten Fall sollten täglich 1 bis 2 Portionen Obst konsumiert werden.

Komplexe Kohlenhydrate (Mehrfachzucker)

Komplexe Kohlehydrate sättigen etwas länger. Sie sind in Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukten – nicht jedoch auf Weizenbasis – (Vollkornbrot, ungeschälter Reis, Vollkornnudeln), Müsli und Hülsenfrüchten enthalten.

Stärke

Stärke ist ein verdaulicher Mehrfachzucker und z. B. in Getreide, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Gemüse und Vollkornbrot enthalten. Sie wird nicht wesentlich langsamer abgebaut und führt deshalb zu einer schnellen Insulinausschüttung. Daher ist es sinnvoll, Stärkeprodukte zu wählen, die einen hohen Ballaststoffanteil aufweisen, um die Insulinwirkung abzudämpfen.

Ballaststoffe sind im Gegensatz zur Stärke unverdauliche Zucker. Sie sind z. B. ebenfalls in Vollkornbrot aber auch in Mohrrüben, Haferflocken usw. enthalten. Sie regulieren die Verdauung. Durch die Volumenvergrößerung im Darm werden andere Nahrungsbestandteile verzögert verarbeitet.

Insgesamt fehlen über die klinischen Auswirkungen bestimmter Kohlenhydrate in der Schwangerschaft, wie Stärke oder Zweifachzucker, gesicherte Daten.

In der Schwangerschaft ist der Eiweißbedarf ab dem vierten Monat erhöht. Eine tägliche Zulage von etwa 10 g ist erforderlich. Dies entspricht bei einer 60 kg schweren Frau einem Gesamteiweißbedarf von etwa 82 g. Die benötigte tägliche Zufuhr beträgt 1,2 g Eiweiß/ kg Körpergewicht, zuzüglich eines Mehrbedarfs von 10 g für Wachstum von Plazenta und Fötus.

Eiweißreiche Nahrungsmittel sind beispielsweise:

  • Eier
  • Milchprodukte (Käse, Quark, Milch)
  • Fleisch
  • Fisch
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Kartoffeln (festkochend)

Weiterhin gelten die gleichen Ernährungsempfehlungen für die Eiweißzufuhr wie bei nicht-schwangeren Frauen.

Fette (gesamt)

Der Fettbedarf ist zwar nicht zwangsläufig erhöht, in der Schwangerschaft kann die Fettzufuhr aber auf über 35% der Gesamtenergieaufnahme angehoben werden.

Der Fettbedarf ist zwar nicht zwangsläufig erhöht, in der Schwangerschaft kann die Fettzufuhr aber auf über 35 % der Gesamtenergieaufnahme angehoben werden.

Der Verzehr von essentiellen, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren ist von besonderer Wichtigkeit. Diese können durch die Verwendung bestimmter pflanzlicher Öle (z. B. Rapsöl, Olivenöl, Leinöl, Walnussöl) und Kaltwasserfischen (Makrele, Thunfisch, Hering oder Lachs) aufgenommen werden. Leinöl ist zwar das Omega-3-Fettsäuren-reichste Öl, kann aber nur bedingt empfohlen werden, da es sehr luftempfindlich und dadurch auch im Kühlschrank nur sehr kurz haltbar ist.

Während des letzten Schwangerschaftsdrittels speichert das Gehirn des Fötus langkettige Fettsäuren, insbesondere Arachidon- (AA) und Docosahexaensäure (DHA). Für das Maß der Anreicherung ist der DHA-Status der Schwangeren entscheidend.

Omega-3-Fettsäuren können vom Körper nicht selbst gebildet werden. Aus der Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) werden hormonähnliche Substanzen gebildet, die Einfluss auf die Dauer der Schwangerschaft haben. DHA ist für Aufbau und Funktion von Hirn und Augen (z. B. Bildung von Neuronal-Membranen) wichtig.

Besonders Seefische wie Lachs, Sardelle, Sardine, Makrele oder Thunfisch liefern die beiden langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Langlebige Raubfische wie Thun- oder Schwertfisch weisen jedoch häufig einen relativ hohen Quecksilbergehalt auf. Sie sind für Schwangere daher wenig geeignet. Der Verzehr von rohem Fisch sollte vermieden werden. In Lein-, Hanf-, Walnuss- und Rapsöl ist die pflanzliche Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure enthalten, die bei unseren Ernährungsgewohnheiten nur unzureichend zu EPA und zu DHA umgewandelt wird.

In der Plazenta befindet sich ein Protein, das die Versorgung des heranwachsenden Kindes vor allem mit DHA sicherstellt – auf Kosten der Mutter. Ist die Versorgung der Mutter mit Omega-3 Fettsäuren besonders gut, dann tritt eine weniger hohe Frühgeburtswahrscheinlichkeit auf, die Schwangerschaftsdauer erhöht sich um durchschnittlich 1,6 bis 2,6 Tage, während das Risiko für eine Wochenbettdepression sinkt. Beim Kind fördert es die Entwicklung von Augen und Hirn (z. B. um 4 Punkte höherer Intelligenzquotient bei 4-jährigen). Deshalb wurden von den wesentlichen Fachgesellschaften neue Empfehlungen für Schwangere erarbeitet. Während der Schwangerschaft sollten mindestens 200 mg DHA/ Tag eingenommen werden, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bis 2,7 g/ Tag Omega-3 Fettsäuren in wissenschaftlichen Studien ohne bedeutende Nebenwirkungen vertragen wurden. Bereits früh in der Schwangerschaft sollten entsprechende Mängel in der Ernährung erkannt werden. Hierzu eignet sich der Omega-3-Index (Gehalt an Omega-3 Fettsäuren im Langzeitspeicher, den roten Blutkörperchen).

Vitamine allgemein

Für die meisten Vitamine, insbesondere für die Vitamine der B-Gruppe, liegt in der Schwangerschaft ein Mehrbedarf vor. Die Zufuhrempfehlungen sind für alle Vitamine mit Ausnahme von Vitamin C, Biotin und Pantothensäure höher angesetzt als bei nichtschwangeren Frauen.

Die häufig auftretende Unterversorgung an Folsäure ist neben Eisenmangel die Ursache für Schwangerschaftsanämien. Der Folsäurebedarf steigt bei schwangeren Frauen um mehr als 50 % an und liegt bei 600 µg. Es werden jährlich etwa 800 Kinder in Deutschland mit einem Neuralrohrdefekt geboren (wenn auch rückläufig). Um dem Auftreten von Neuralrohrdefekten bei Säuglingen vorzubeugen, wird während der gesamten Schwangerschaft eine Folsäuresubstitution von 400 µg täglich empfohlen. Diese sollte spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft erfolgen und mindestens während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden.

Bei einem Neuralrohrdefekt findet zu Beginn der Schwangerschaft (zwischen dem 15. und 28. postkonzeptionellen Tag) der Verschluss des Neuralrohrs nicht oder nur teilweise statt. Aus dieser Fehlbildung kann sich ein Spina bifida (offener Rücken) entwickeln, der sowohl körperliche als auch geistige Folgen haben kann. Bei Frauen, die in früheren Schwangerschaften schon einmal mit einem Neuralrohrdefekt belastet waren, wird eine Supplementierung mit Folsäure von 4 mg empfohlen. Bei Folsäuremangel kann es außerdem eher zu Fehlgeburten, Missbildungen und Entwicklungsstörungen aufgrund der mangelhaften DNA-Neubildung kommen.

Schwangere haben einen erhöhten Vitamin C-Bedarf. Vitamin C ist vor allem in Paprika, Zitrusfrüchten und Kartoffeln enthalten. Es wirkt als Antioxidans (Vitamin C fängt aggressive Sauerstoffverbindungen und freie Radikale ab), fördert die Eisen-Aufnahme und ist an vielen wichtigen Vorgängen auf Körperebene und Zellebene beteiligt.

Es ist in Vollgetreide, Schweinefleisch und Innereien enthalten, wobei der Verzehr von Innereien vermieden werden soll. Die Verluste durch die Zubereitung betragen zirka 30 %. Thiamin ist empfindlich gegenüber Hitze, Sauerstoff und einem alkalischen Milieu (pH >7).

Riboflavin ist in Milch, Milchprodukten, Vollkornprodukten und Leber (siehe Vitamin A) enthalten. Licht und Auslaugung aufgrund der Wasserlöslichkeit verringern den Vitamin B2-Gehalt der Nahrungsmittel. Die Verluste bei ordentlicher Lagerung und Verarbeitung liegen bei etwa 20 %.

In der Schwangerschaft ist die Neubildung von Niacin-Äquivalent (Nicotinsäure, Nicotinsäureamid) effizienter. Nur 18 mg Tryptophan sind nötig, um 1 mg Niacinäquivalent zu bilden. Fleisch und Fleischprodukte, Milch und Milchprodukte sind reich an Tryptophan. Niacin verträgt Hitze, Sauerstoff, Licht, Säuren und Basen, kann aber aufgrund seiner Wasserlöslichkeit ins Kochwasser ausgewaschen werden.

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Vitamin B6. Pyridoxin, Pyridoxal, Pyridoxamin und ihre phosphorylierte Formen sind in Fleisch, Getreide und Kartoffeln enthalten. Milch verliert nach kurzer Zeit einen großen Teil des Vitamin B6-Gehaltes, wenn diese Hitze oder direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. In pflanzlichen Lebensmitteln ist Vitamin B6 relativ stabil, in tierischen Lebensmitteln sind die Phosphate instabiler. Bei schonender Zubereitung betragen die Vitamin B6-Verluste bis zu 20 %, beim Braten von Fleisch beträgt der Verlust zirka 40 %.

Wichtige Quellen für Vitamin B12 sind Fleisch und Fisch. Innereien sollten in der Schwangerschaft möglichst nicht verzehrt werden. Vergorene Lebensmittel wie Bier und Sauerkraut enthalten ebenfalls geringe Vitamin B12-Mengen. Bei schonender Verarbeitung kann es zu Verlusten von durchschnittlich 12 % kommen.

In der Schwangerschaft ist der Vitamin A-Bedarf erhöht. Die tägliche Zufuhr sollte im Durchschnitt ein Drittel höher sein als bei Nicht-Schwangeren. Vitamin A spielt insbesondere im 2. und 3. Schwangerschaftsabschnitt für die Lungenentwicklung und -reifung des Fötus eine Rolle. In extrem hoher Dosis führt Vitamin A zu Nebenwirkungen, die akut zu Kopfschmerzen, chronisch zu Hautveränderungen, Gelbsucht, Leberzirrhose oder Skelettveränderungen führen können.

Insbesondere Vitamin A-reiche Lebensmittel wie Leber sind im ersten Schwangerschaftsdrittel zu meiden. Die Schwankungsbreite von Leber im Vitamin A-Gehalt ist sehr groß und kann zwischen 3.600 IE (1,1 mg) und 250.000 IE (75 mg) pro 100 g Leber variieren. Schwangere Frauen sollten Leber daher höchstens in einer kleinen Portionsgröße (50 bis 75 g) verzehren.

Vitamin E ist in pflanzlichen Ölen, Nüssen und Getreidekeimen enthalten. Während der Lebensmittelverarbeitung bleibt es stabil, nur wiederholtes Erhitzen, der Einfluss von Sauerstoff und Peroxiden sollte vermieden werden.

Mineralstoffe allgemein

Die Mineralstoffe Kalzium und Eisen haben während der Schwangerschaft eine besondere Bedeutung. Auch der Zink- und Jodbedarf sind erhöht.

Genussmittel

Zu Beginn der Schwangerschaft kann ein vermehrter Alkoholkonsum zu einem „fetalen Alkoholsyndrom“ oder einer „Alkoholembryopathie“ führen und den Fötus schädigen. Ethanol kann weiterhin zu folgenden negativen Auswirkungen für das Kind führen:

  • Verminderung der Körperlänge und des Kopfumfanges, des knöchernen Schädels und des Schädelinhaltes (intrauterine Wachstumsretardierung)
  • ungewöhnlich kleiner Oberkiefer
  • ungewöhnlich kleine Augen, kurze Lidspalten
  • Gliedmaßendefekte
  • Missbildungen im Bereich der Nieren, Harnwege und herznahen Blutgefäße
  • psychomotorische und geistige Retardierung (Zurückbleiben der Fähigkeiten)
  • breiter Nasenrücken
  • verstrichenes, hohes Philtrum (Rinne in der Mitte der Oberlippe) und schmales Lippenrot

Die Häufigkeit der Alkoholembryopathie wird in westlichen Industrieländern mit zirka 2% beziffert.

Auch gelegentlicher Alkoholkonsum (unter 50 g täglich), wie er beim Gelegenheitstrinken oder sozialem Trinken aufgenommen wird, kann das Zentralnervensystem des Ungeborenen schädigen. Die Folgen machen sich oft erst während der ersten Schuljahre in Form von Störungen in der Bewegung, sowie in Verhaltens- und Lernstörungen bemerkbar. Auch kleine Alkoholmengen sind während der Schwangerschaft zu meiden.

Die Wirkung von Koffein durch Kaffee, Colagetränke, schwarzen und grünen Tee, Kakao, Energiedrinks und Schokolade in der Schwangerschaft ist nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass ein hoher Koffeinkonsum zu Wachstumsstörungen führen kann. Daher ist es empfehlenswert, den Kaffeekonsum zumindest einzuschränken.

Das Geburtsgewicht Neugeborener von Frauen mit einem Koffeinkonsum >300 mg ist im Vergleich zum Geburtsgewicht Neugeborener von Frauen mit einem geringeren Koffein-Konsum zwischen 100 und 200 mg niedriger.

Nikotinkonsum

Das Rauchen in der Schwangerschaft schädigt nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern vor allem die des Fötus. Deshalb sollte die Mutter (möglichst auch der Vater und das weitere Umfeld) in der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten. Rauchen in der Schwangerschaft führt zu intrauterinen (in der Gebärmutter) Wachstumsverzögerungen. Neugeborene von Raucherinnen weisen ein erniedrigtes Geburtsgewicht auf.

Der plötzliche Kindstod wird mit dem Rauchen der Mutter in Verbindung gebracht. Bei Raucherinnen treten vermehrt Schwangerschafts- / und Geburtskomplikationen auf, die die Sterberate der Neugeborenen erhöhen. Rauchende Mütter weisen ein doppeltes Risiko für Fehlgeburten und ein deutlich erhöhtes Risiko für Früh- und Totgeburten auf. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen, leiden häufiger an einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) als Kinder von Nichtraucherinnen (16,5 % versus 4,6 %). Rauchen während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für ein späteres kindliches Asthma.

Beschwerden

Obstipation (Verstopfung) ist ein häufig vorkommendes Beschwerdebild während der Schwangerschaft. Die Einnahme von Eisenpräparaten, die im Laufe der Schwangerschaft bei Eisenmangelanämie notwendig sein kann, verstärkt die Beschwerden. Ursache ist eine verminderte Darmbewegung.

Empfehlenswert sind eine ballaststoffreiche Kost mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, sowie eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr. Eingeweichte Leinsamen und Trockenobst wie Pflaumen, wirken einer Verstopfung entgegen.

Übelkeit und Erbrechen

Viele Schwangere leiden unter frühmorgendlicher Übelkeit. Abhilfe kann ein kleiner Snack vor dem Aufstehen schaffen. Beim Erbrechen muss auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr (Mineralstoffe) geachtet werden. Dies geschieht am besten in Form von Fruchtsaftschorlen oder schwarzem Tee mit wenig Zucker und einer Prise Salz. Auch Gemüsebrühe ist geeignet.

Sodbrennen

In einigen Fällen helfen Mandeln, Nüsse oder Haferflocken gegen Sodbrennen.

Heißhungerattacken

Bei einigen Schwangeren ist der Appetit verändert. Es können Heißhungerattacken auftreten, die durch häufige, kleine Mahlzeiten in Grenzen gehalten werden können.

Zahnfleischentzündung und Parodontitis

Bei schlechter Mundhygiene kommt es in der Schwangerschaft zu einer großflächigen oder auf Zahngruppen begrenzten, derben, fibrösen Verdickung des Zahnfleisches (Gingivahyperplasie) mit Zahnfleischbluten. Im Anschluss daran kann es leicht zur Zahnfleischentzündung (Gingivitis), zur bakteriell bedingten Parodontitis und schließlich zur irreversiblen Zerstörung des Zahnhalteapparates kommen.

Als Fibrose oder fibröse Veränderung wird z.B. eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes in menschlichen Geweben und Organen bezeichnet, dessen Hauptbestandteil Kollagenfasern sind. Das Gewebe des betroffenen Organs wird verhärtet und es entstehen narbige Veränderungen, die im fortgeschrittenen Stadium zur Einschränkung der jeweiligen Organfunktion führen.

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Ödeme

Ödeme sind Schwellungen des Gewebes aufgrund einer Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem. Sie treten bei zirka jeder zweiten schwangeren Frau auf und entstehen durch den Anstieg der Hormonkonzentration im Körper (Östrogene). Ödeme sind unproblematisch für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes. In einigen Fällen und erblicher Veranlagung zu Ödemen und/ oder Krampfadern empfiehlt sich das Tragen von passgenauen Kompressionsstrümpfen.

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Stillzeit

Auch in der Stillzeit gibt es einige spezielle Ernährungsaspekte. Der Bedarf an Energie und Nährstoffen ist höher. Die Verträglichkeit bestimmter Speisen ist eingeschränkt. Zudem gibt es Besonderheiten beim Konsum von Genussmitteln zu beachten.

Für die ersten vier Monate wird für stillende Mütter eine zusätzliche Energieaufnahme von 2,7 MJ täglich (635 kcal täglich) empfohlen. Wird nach dem vierten Monat weiterhin gestillt, sinkt der zusätzliche Energiebedarf auf 2,2 MJ pro Tag (525 kcal pro Tag). Wird nur noch teilweise gestillt, sind lediglich zusätzlich 1,2 MJ täglich (285 kcal täglich) erforderlich.

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Die Kohlenhydrate sollen überwiegend aus Polysacchariden bestehen, die eine moderate Insulinausschüttung bewirken. Laut Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) soll der Anteil an Mono- und Disacchariden (Einfach- und Zweifachzucker) 10 % (60 g Zucker) der Gesamtkohlenhydrataufnahme nicht überschreiten. Zur Deckung des Kohlenhydratbedarfs sind besonders faserreiche (ballaststoffreiche) Lebensmittel geeignet, die eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung lindern oder verhindern können. Hierzu ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 Litern täglich notwendig, da durch die Quellung der Ballaststoffe ein höheres Stuhlvolumen erreicht und somit die Verdauung beschleunigt wird. Die tägliche Ballaststoffaufnahme sollte >25 g betragen.

Für die Synthese von 1 g Milchprotein sind 2 g verfügbares Nahrungseiweiß notwendig. Aus diesem Grund ist eine ausreichende Eiweißversorgung mit 63 g täglich wünschenswert.  Das entspricht einer täglichen Zulage von 15 g Eiweiß. Allerdings steigert eine erhöhte Eiweißzufuhr über die Nahrung nicht den Eiweißgehalt der Milch.

Fette (gesamt)

Der Richtwert für die Fettaufnahme während der Stillzeit beträgt 30 bis 40 % der Gesamtenergiezufuhr und liegt damit maximal 5 % über dem entsprechenden Wert für nicht schwangere Frauen. Insbesondere der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren ist in der Stillzeit erhöht. Zusätzlich sollten 0,25 g während des Stillens aufgenommen werden. Nur durch die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren, insbesondere Docosahexaensäure (DHA), ist während der Stillzeit der Bedarf zu decken.

Vitamine und Mineralstoffe

Der Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen liegt in der Stillzeit teilweise noch etwas höher als während der Schwangerschaft. Während der Vollstillzeit von vier bis sechs Monaten, sowie dem anschließenden schrittweisen Abstillen muss die Frau 50 g Kalzium zur Verfügung stellen. Eine durchgehende Kalziumaufnahme von 1000 mg täglich wird empfohlen. Stillende Frauen, die nicht älter als 19 Jahre sind, haben einen täglichen Kalziumbedarf von 1200 mg.

Zum Ausgleich der Eisenverluste während der Schwangerschaft und Geburt wird stillenden und nicht stillenden Frauen eine Eisenaufnahme von 20 mg täglich empfohlen. Um während der Stillzeit, die mit der Milch ausgeschiedene Iodmenge zu ersetzen, wird der Jodbedarf auf 260 µg täglich erhöht. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährungsweise mit reichlich Obst und Gemüse reicht aus, um den Vitaminbedarf zu decken. Der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht in jedem Fall erforderlich.

Genussmittel

Die Genussmittel Alkohol, Koffein und Nikotin sind auch während der Stillzeit zu meiden, da diese Stoffe über die Muttermilch in den kindlichen Organismus gelangen können.

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