Forschung aktuell: Gesundheit und Titandioxid (E171)

 Der Lebensmittelzusatzstoff E171 (Titandioxid) steht erneut in der Kritik. Aktuelle Studien deuten einmal mehr darauf hin, dass Titandioxid die Darmflora stören, Entzündungen fördern und die Entwicklung von chronischen Darmerkrankungen und Krebs begünstigen kann.

Titandioxid beeinflusst Mikroflora und Entzündungsstatus

Laut Forschern der University of Sydney School of Medicine [Pin 2019] interagiert E171 mit den Bakterien im Darm und beeinträchtigt deren Funktion bzw. Aktivität. In ihren Versuchen an Mäusen zeigte sich, dass

  • sich die Freisetzung bakterieller Stoffwechselprodukte veränderte
  • sich die Verteilung der Bakterien durch Erzeugen eines Biofilms veränderte
  • die Bildung von bestimmten Substanzen (Mucine) zum Erhalt der Darmschleimhaut verringert war
  • die Expression von Defensinen (wehren Bakterien ab) indes erhöht war
  • das Entzündungsgeschehen verstärkt war (erhöhte Anzahl an Immunzellen, Anstieg Entzündungsmediatoren)
  • die Zusammensetzung der Mikroflora aber kaum beeinflusst wurde.

Die Autoren schließen daraus, dass diese Effekte das Gleichgewicht von Mikrobiom und Darmgesundheit empfindlich stören und die Entwicklung von Darmerkrankungen fördern kann.

Bereits 2017 zeigten Studien, dass der Zusatzstoff infolge einer gestörten Darmbarriere ins Blut wandern und in der Milz abgelagert werden kann [Rui 2017]. Dies ist insbesondere für Patienten mit chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa relevant.

In drei weiteren Tierexperimenten bewiesen Forscher ebenfalls, dass Titandioxid die Darmbarriere durchbricht und die Nanopartikel ins Blut gelangen. E171 wirkte sich schädlich auf das Immunsystem aus und rief Darmentzündungen hervor [INR 2017] [Yaz2010]. Wurde der Stoff über 100 Tage verabreicht, entwickelten 40 % der Tiere sogar Tumore [Quelle].

Inwieweit sich diese Effekte aus Tierstudien auf den Menschen übertragen lassen, ist aber nach wie vor nicht klar und unter Experten strittig.

 

 

Der Zusatzstoff ist in immer mehr Lebensmitteln enthalten und wird vorzugsweise in Zahnpasta und Kaugummi, aber auch in Mozzarella oder Joghurts; in Sahne, Eiscreme und Kuchenglasur verwendet. Darüber hinaus ist E171 zum Färben von Arzneimitteln und Kosmetika zugelassen. Mindestens 36% der in Lebensmitteln enthaltenen TiO2-Partikel sind Nanopartikel mit einem Durchmesser von weniger als 100 nm [Wei 2012]. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzte im Jahr 2004 die tägliche Aufnahme von TiO2 über Nahrungsergänzungsmittel, Süßwaren und medizinische Produkte auf 1,28 mg pro kg Körpergewicht [Efsa 2005]. Andere Studien gehen von noch höheren Mengen aus [Lom 2004] [Wei 2012].

In Deutschland gilt E171 als unbedenklich und ist quantum satis, also ohne Mengenbeschränkung, in Lebensmitteln zugelassen. Da die langfristigen Auswirkungen von TiO2 in unserer Nahrung und medizinischen oder kosmetischen Produkten noch unzureichend erforscht sind, ist ein vorsichtiger Umgang mit dieser Substanz ratsam. TiO2-Nanopartikel könnten ein spezifisches Risiko für Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen darstellen. Wir empfehlen Betroffenen, die Zufuhr von Titandioxid möglichst zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. In Biolebensmitteln ist die Verwendung verboten. Weitere Informationen zur Verwendung sowie zu den Eigenschaften gibt es auf Zusatzstoffe-online.de.

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