Urolithiasis (Harnsteine) – Ernährungstherapie

Als Urolithiasis wird die Steinbildung in den Nieren bzw. den ableitenden Harnwegen bezeichnet. Einige Steine bleiben dabei lange Zeit unbemerkt. Andere aber lösen plötzliche Nierenkoliken mit starken Schmerzzuständen und einem gefährlichen Harnstau aus. Die Ernährungstherapie soll insbesondere die erneute Bildung von Harnsteinen verhindern.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und Kostformen

Ernährungsziele

Die Ernährungstherapie soll insbesondere die Bildung weiterer Steine (Harnsteinrezidiv) verhindern. Eine ausreichende Harndilution zu erreichen, ist dabei das wichtigste Ziel [Sie 2003].

Diätetische Prinzipien

Grundsäule der Ernährungstherapie ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von >2,5-3 Litern pro Tag (Diurese ≥2-2,5 Liter/Tag) mit der richtigen Auswahl an Getränken (z. B. alkalisierend, zitratreich).

Zudem wird eine ausgewogene, ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung empfohlen. Von einer übermäßigen Eiweißzufuhr (insbesondere über Fleisch und Wurst) ist abzusehen. Die Zufuhr an Kalzium und Magnesium sollte bedarfsdeckend sein.

Zudem sind moderate körperliche Bewegung und Gewichtsnormalisierung Bestandteile der Empfehlungen.

Steinspezifisches Vorgehen (Quelle: via medici)

Kalziumoxalatsteine
  • Therapie der Grunderkrankung
  • Thiazide (renale Kalziumausscheidung ↓)
  • oxalatarme Diät: Spinat, dunkle Schokolade, Rhabarber, rote Beete meiden
  • ggf. Gabe von Magnesium und Citrat
Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine
  • Therapie der Harnwegsinfektion
  • Ansäuern des Harns (Urin-pH: 5,6–6,2) mit Methionin
  • Voraussetzungen: Steinfreiheit, Infektfreiheit, freier Harnabfluss
Harnsäurestein
  • Harnalkalisierung (Kaliumnatriumhydrogencitrat)
  • purin- und proteinarme Diät
  • Gabe von Allopurinol
Kalziumphosphatsteine
  • Therapie der Grunderkrankung
  • Gabe von Thiaziden, Citrat
Zystinsteine
  • proteinarme Mischkost
  • Harnalkalisierung auf pH-Werte zwischen 7,5 und 8
  • Steigerung der Urinmenge auf >3,5 Litern pro Tag bei Erwachsenen
  • bei rezidivierender Steinbildung trotz Trinkmengensteigerung und Alkalisierung Einnahme von Chelatbildnern
  • Gabe von Vitamin-C-Brausetabletten (überführt das schlecht lösliche Zystin in das besser lösliche Zystein)

Energie, Nahrungsinhaltsstoffe und Flüssigkeit

Flüssigkeit

Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist die wichtigste therapeutische Maßnahme, unabhängig von Steinart/-zusammensetzung und Ursache [DGU 2018].

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr steigert das Harnvolumen und senkt das Risiko einer (erneuten) Steinbildung. Der Anteil der steinbildenden Bestandteile nimmt prozentual ab, eine Übersättigung wird verhindert [Pak 1980]. Zudem reduziert das häufigere „Harnlassen“ durch das erhöhte Harnvolumen die Kontakt- und Transitzeit des Urins, was die Steinbildung erschwert und die Ausscheidung der steinbildenden Substanzen fördert [Sie 2003] [Bor 2006].

Ein Harnvolumen von >2 Litern pro Tag ging beispielsweise mit einer messbar geringeren Rezidivrate von Kalziumoxalatsteinen einher [Bor 1996] [Sar 2006]. Allein eine Erhöhung der bisherigen Flüssigkeitszufuhr übt einen präventiven Effekt aus [Fin 2013]. Es empfiehlt sich daher eine genaue Protokollierung der Trinkmenge bei gleichzeitiger Bestimmung des spezifischen Harngewichts im 24 Stunden-Sammelurin [Sie 2016].

Ob die Flüssigkeitszufuhr ausreichend ist, lässt sich durch einfache Bestimmung der Harndichte mittels Teststreifen oder einer Harnspindel prüfen.

In Abhängigkeit der Umgebungstemperatur und körperlicher Aktivität werden mindestens 2,5-3 Liter pro Tag, bei Zystinsteinen >3,5 Liter pro Tag empfohlen. Um Konzentrationsspitzen zu vermeiden, ist die Flüssigkeitsaufnahme gleichmäßig über den Tag zu verteilen und vor dem Zubettgehen auf ausreichendes Trinken zu achten.

Oxalsäure (→ Oxalsäure)

Oxalsäure im Harn verbindet sich mit vorhandenen Kalziumionen zu unlöslichen Komplexen. Wird eine Sättigungsschwelle überschritten, fallen die Komplexe aus und können zu Kalziumoxalatsteinen heranwachsen.

70–75 % aller Harnsteine bestehen aus Kalziumoxalat. Eine Hyperoxalurie (>0,5 mmol/d Oxalsäure im Urin) gilt als ein Hauptrisikofaktor für deren Entstehung. Sehr selten liegt ein genetisch bedingter Enzymdefekt, eine primäre Hyperoxalurie, vor. In den meisten Fällen ist die Aufnahme von Oxalsäure im Darm erhöht. Mögliche Ursachen sind eine erhöhte Zufuhr oder Erkrankungen. In vielen Fällen ist die Ursache unklar [Wei 2009].

Bei Kalziumoxalatsteinen empfiehlt sich eine oxalsäurearme Kost, idealerweise bei gleichzeitig steigendem pH-Wert des Harns und größerem Harnvolumen.

Bei Adipositas/Übergewicht ist eine energiereduzierte Kost zur Gewichtsabnahme empfehlenswert. Bei Normalgewicht auf eine adäquate Energiezufuhr zu achten.

Protein

Die Proteinzufuhr sollte bei Neigung zu Harnsteinen auf 1,0 g pro kg Körpergewicht begrenzt werden. Große Eiweißmengen können den Urin ansäuern, dessen pH-Wert senken und damit die (erneute) Steinbildung fördern. Bei Neigung zu Harnsäuresteinen sollten zudem tierische Eiweißquellen nur moderat verzehrt werden [DGU 2018].

Ballaststoffe (→ Ballaststoffe)

Ballaststoffe aus Vollkorngetreide sowie Obst und Gemüse hingegen reduzieren die Aufnahme von steinbildenden Substanzen wie Oxalsäure aus dem Darm.

Purine

Purine werden im Körper zu Harnsäure verstoffwechselt, was die Bildung von Harnsäuresteinen fördern kann. Das Ausfällen von Harnsäuren wird durch einen niedrigen pH-Wert des Harns und ein geringes Harnvolumen verstärkt [Cam 2007]. Eine Steigerung des Harn-pH-Wertes auf 7,0-7,2 kann in 90 % der Fälle die Auflösung der Steine bewirken [Rod 1984]. Erstrebenswert ist zumindest ein pH-Wert zwischen 6,5 und 6,8 [DGU 2018]. Dann ist eine purinarme Kost nicht zwingend notwendig. Aus Vorsorgegründen empfiehlt sich dennoch eine ovo-laktovegetabile, moderat purinarme Kost [Sie 2003]. Die praktische Handhabung, tierische Eiweißquellen zu begrenzen, reicht hier zumeist aus.

Zitrat

Im Harn bildet Zitrat mit Kalzium(-ionen) leicht lösliche Komplexe und reduziert die Bildung sowie das Wachstum von Kalziumoxalatsteinen, da weniger Kalzium zur Bindung mit Oxalsäure zur Verfügung steht [Bon 1999] [Kok 1986]. Ein hoher pH-Wert des Urins vermindert die Reabsorption von Zitrat in den Nieren und verstärkt dessen Ausscheidung mit dem Harn [Ham 2002].

Hydrogencarbonat

Hydrogencarbonat erhöht maßgeblich den pH-Wert des Harns und die renale Ausscheidung von Zitrat. Es steigert die Pufferkapazität im Körper und hat eine stark alkalisierende Wirkung. Auf diese Weise reduziert oder verzögert oral zugeführtes Hydrogencarbonat die (erneute) Steinbildung [Sie 2016].

Kalzium (→ Kalzium)

Kalzium und Magnesium vermögen Oxalsäure im Darm zu binden und dessen Ausscheidung über die Nieren zu vermindern. Andererseits kann eine zu hohe Aufnahme an Kalzium die Bildung fördern. Daher liegt die optimale Kalziumzufuhr zwischen 1,0 und 1,2 g täglich.

Natrium (Speisesalz)

Bei kalziumhaltigen Steinen werden maximal 6 g Speisesalz täglich empfohlen [Fin 2013].

Lebensmittel, spezielle Produkte und Mahlzeiten

Die Auswahl der Getränke nimmt Einfluss auf den pH-Wert des Harns. Die Steinbildung wird durch einen niedrigen pH-Wert gefördert, da hierdurch die Löslichkeit von Harnsäure und Zystin abnimmt (und die Kristallisation zunimmt). Eine Alkalisierung des Harns kann neben alkalisierenden Medikamenten auch durch entsprechende Getränke gefördert werden.

Bei einer autosomal rezessiv vererbbaren tubulären Transportstörung kann die Ausscheidung von Zystin mit dem Harn deutlich erhöht sein. Als schwer lösliche Substanz kann es in der Folge zur Bildung von Zystinsteinen kommen. Eine Zystinurie ist hier lebenslang zu vermeiden (hoher pH-Wert des Harns >7,5; hohes Harnvolumen).

Die Menge hängt dabei vom vorliegenden Harn-pH-Wert ab, der durch die Patient*innen regelmäßig kontrolliert wird.

Fruchtsäfte

Fruchtsäfte aus Zitrusfrüchten sind besonders zitratreich und oxalsäurearm. Die orale Aufnahme kann zumindest theoretisch den pH-Wert des Harns steigern und der Steinbildung entgegenwirken. Studien hierzu lieferten jedoch widersprüchliche Ergebnisse [Sie 2016]. Die Zufuhr sollte sich daher an den Vorlieben der Patient*innen orientieren.

Um die Energie- und Zuckerzufuhr zu begrenzen, ist es ratsam, statt Fruchtsäften Fruchtsaftschorlen zu trinken.

Cranberrysaft hat keine präventive Wirkung [med 2017].

Wasser (→ Wasser (Getränk))

Mineral- und Heilwässer enthalten natürliches Hydrogencarbonat und können den pH-Wert des Harns erhöhen und die Ausscheidung von Zitrat fördern [Sie 2004]. Das Trinken von etwa 1,5 Litern hydrogencarbonatreichen Wassers an drei aufeinander folgenden Tagen konnte bereits die Bildung von Kalziumoxalatsteinen messbar reduzieren [Kar 2007].

Der Effekt ist dabei durchaus vergleichbar mit der Gabe alkalisierender Medikamente [Pin 2013]. Ein weiterer Vorteil: Das Trinken von Wasser erhöht gleichzeitig das Harnvolumen und die Harndilution. Zudem wird hierdurch die Bindung von Oxalsäure mit Kalzium im Darm gefördert, was die Ausscheidung von Oxalsäure mit dem Harn reduziert [Lie 2000] [Unr 2004].

Tee/Kaffee (→ Kaffee/Koffein)

Früchte- und Kräutertees eignen sich zur Harnsteinprophylaxe. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt die begrenzte Aufnahme von schwarzem sowie grünem Tee. Diese enthalten ebenso wie koffeinhaltiger Kaffee nennenswerte Mengen an Oxalsäure.

Die Studienlage hierzu ist jedoch widersprüchlich. Laut Medix Schweiz ist das Meiden dieser Getränke bei moderatem Konsum nicht nötig. Diese könnten sogar steinprophylaktisch wirken [med 2017] [Cur 1998] [Cur 1996].

Softdrinks

Zuckergesüßte Softdrinks können das Risiko zur Steinbildung erhöhen [Fer 2013]. Vom regelmäßigen Konsum ist daher abzuraten.

Alkoholische Getränke

Alkoholische Getränke sind zur Rezidivprophylaxe ungeeignet.

Nahrungsergänzungsmittel (→ Nahrungsergänzungs-mittel)

Eine Substitution von Kalzium und/oder Magnesium mit dem Ziel, Oxalsäure aus der Nahrung im Darm zu binden, kann im Einzelfall sinnvoll sein [Fin 2009] [DGU 2018].

Weitere Lebensstilfaktoren

Bewegung

Bei Neigung zur Urolithiasis ist eine regelmäßige, aber moderate körperliche Aktivität empfehlenswert. Stark schweißtreibender Sport mit hohen Flüssigkeitsverlusten ist zu vermeiden. Dennoch auftretende Verluste sollten zügig ausgeglichen werden.

Saunieren und Sonnenbäder

Hohe Flüssigkeitsverluste durch Saunieren und Sonnenbäder sind ebenfalls möglichst zu vermeiden.

Infografiken zur Urolithiasis (Harnsteine)

Produkt zum Warenkorb hinzugefügt!
0 Artikel - 0,00