Verfahren – Analyse des Vegetativen Nervensystems

Stress und Stresserkrankungen nehmen Statistiken zufolge immer weiter zu (Statista). Damit verbunden ist auch ein höherer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und somit für die häufigsten Todesursachen Herzinfarkt und Schlaganfall. Vor diesem Hintergrund suchen Wissenschaft und Wirtschaft nach einfachen und praktikablen Messinstrumenten, um negativen Stress und die damit verbundenen Folgen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ein sich immer größerer Beliebtheit erfreuendes Diagnose-Tool ist hier die Messung der Herzraten-Variabilität (HVR) bzw. die Analyse des Vegetativen Nervensystems (VNS). Die VNS Analyse zeigt einfach und schnell, wie unser vegetatives Nervensystem (VNS) reguliert wird und lässt Rückschlüsse auf die bei Stress eintretende Dysregulation und deren Fortschreiten zu.

 

Unser VNS besitzt als zentrales Steuerungssystem die beiden Achsen Sympathikus und Parasympathikus, die zusammen viele Körperfunktionen wie beispielsweise Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung sowie Verdauung und Stoffwechsel steuern. Anhand der VNS Analyse lässt sich die Balance von Sympathikus und Parasympathikus visualisieren, wobei der Sympathikus als eine Art inneres Gaspedal und der Parasympathikus als eine Art innere Bremse zu interpretieren ist. Dies zeigt sich durch ein dem Atem angepasstes Ansteigen und Abfallen der Herzfrequenz bei tiefer Atmung. Bei einer Dys- bzw. Fehlregulation des wichtigen Zentrums treten vielfältige Störungen auf, die in einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gipfeln können. Erste Anzeichen sind häufig klassische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, innere Unruhe, eine "dünne Haut" sowie ein verändertes Empfinden von Hunger und Sättigung.

Bei akutem Stress (z.B. Flucht, Angriff) reagiert der Körper daher mit erhöhtem Puls, Herzschlag und Blutdruck, um die Situation unter Kontrolle und den Körper in Alarmbereitschaft zu halten. Beim Entspannen ist es genau andersherum. Tritt Stress nun langfristig auf, verändert sich die Regulation hin zu einem überaktiven Sympathikus und einem hypoaktiven Parasympathikus selbst in in Ruhelage unseres Körpers. Dies führt zu einer geänderten Erregung des Herzens, wodurch die Herzfrequenzvariabilität (Zeitabstand zwischen den Herzschlägen) entsprechend verändert und somit messbar ist.

Methode

Das Herz steht als Mittelpunkt von Sympathikus und Parasympathikus auch im Fokus der VNS-Messung. Sympathikus und Parasympathikus ihrerseits verarbeiten innere und äußere Reize. Das Herz wiederum hält unseren Körper durch Anpassung der sympathischen (anspannenden) und parasympathischen (entspannenden) Impulse unsere Körperfunktionen im Gleichgewicht. Bei akutem Stress (z.B. Flucht, Angriff) reagiert unser Körper daher mit erhöhtem Puls, Herzschlag und Blutdruck, um die Situation unter Kontrolle und den Körper in Alarmbereitschaft zu halten. Beim Entspannen ist es genau andersherum. Tritt Stress nun langfristig auf, verändert sich die Regulation hin zu einem überaktiven Sympathikus und einem hypoaktiven Parasympathikus selbst in in Ruhelage unseres Körpers. Dies führt zu einer geänderten Erregung des Herzens, wodurch die Herzfrequenzvariabilität (Abstand von Herzschlag zu Herzschlag) entsprechend verändert und somit messbar ist. Es wird unterschieden in Kurzzeitmessung (Dauer 5-10 Minuten) und Langzeitmessung (Dauer 24 Stunden).

Bei der VNS-Analyse werden die Zeitabstände zwischen den Herzschlägen in Millisekunden mittels Brustgurt gemessen. Ähnlich wie beim Blutdruckmessen sollte die zu messende Person vor der Durchführung mindestens 10 Minuten ruhen. Die Messung erfolgt im Sitzen unter völliger Ruhe (nicht sprechen, bewegen) und ist abgeschlossen, sobald etwa 520 Herzschläge aufgezeichnet wurden. Die Messdauer richtet sich nach dem Puls der zu messenden Person – je niedriger dieser ist, desto länger dauert die Messung. 

Diagnostik Verfahren - Analyse des Vegetativen Nervensystems

Anwendungsfelder

Mit der VNS-Analyse lässt sich in erster Linie die Regulationsfähigkeit des VNS beurteilen. Prinzipiell macht die Analyse auch Krankheiten erkennbar, bei denen es zu Auswirkungen auf den Herzschlag kommt. Dabei sind Erkrankungen zu unterscheiden, die direkt das vegetative Nervensystem schädigen, und Krankheiten, die sich etwa über dauerhaft erhöhte Stoffwechselbeanspruchungen indirekt auf das vegetative Nervensystem auswirken. Die VNS-Analyse wird für eine Vielzahl an Erkrankungen, Störungsbildern, Symptomen sowie zur Prävention empfohlen. Inwieweit die Analyse bei allen genannten Indikationen wirklich gerechtfertigt ist, wird sich erst noch zeigen. Bei massiven Regulationsstörungen sollten in jedem Fall weiterführende differentialdiagnostische Untersuchungen durchgeführt werden.

Indikationen

  • diabetische Neuropathie
  • koronare Herzkrankheit
  • Asthma
  • Sepsis
  • Traumapatienten
[is-logout]Für Mitglieder: Zum Weiterlesen bitte einloggen.[/is-logout][is-login]Einschränkungen

Bei allen Vorzügen der Messung wie Einfachheit und Praktikabilität, dem niedrigen Preis und der Schmerzfreiheit, gibt es auch einige Punkte, die die Aussagekraft herabsetzen und bei einer Messung immer zu berücksichtigen sind.

So ist die Messung sehr anfällig für folgende Störfaktoren:

  1. Körperliche Bewegung selbst in kleinen Ausmaßen beeinflusst die Messung negativ. (Anstrengung vor Messung, Sportler)
  2. Bestimmte Uhr- bzw. Tageszeiten führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
  3. Die Nahrungsaufnahme verschlechtert oftmals die Messergebnisse.
  4. Bereits der Gedanke an eine stressende Situation kann das Ergebnis beeinflussen.
  5. Die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Beta-Blocker) führt zu veränderten Messergebnissen.

Ausschlusskriterien für HRV-Messung 

  • Patienten mit Vorhofflimmern –> Ergebnisse positiv verfälscht 
  • Patienten mit absoluter Arrhythmie –> Ergebnisse positiv verfälscht 
  • Patienten mit Herzschrittmacher

Diagnostische Beurteilung

Herzfrequenzvariabilität

  • große Variabilität 
    • Abstände zwischen den Herzschlägen unterschiedlich
    • gute Anpassungsfähigkeit des VNS auf innere und äußere Reize
    • viel Parasympathikus (Körperentspannung)

  • geringe Variabilität
    • Abstände zwischen den Herzschlägen kaum unterschiedlich
    • eingeschränkte Anpassungsfähigkeit des VNS auf innere und äußere Reize
    • Sympathikus (Körperspannung) überwiegt (–> Herz gibt "Vollgas", um leistungsfähig zu sein)

Alpha-1 – Qualität der Regulation

  • je höher der Alpha-1-Wert, desto mehr Kompensationsprozesse finden im Körper statt
  • je niedriger der Alpha-1-Wert, desto mehr "Chaos" ist im System (–> deutet auf ein Zusammenbrechen der Regelsysteme hin) 

SDNN – Standardabweichung/ Gesamtvariabilität

  • je höher SDNN, desto höher die Variabilität und Anpassungsfähigkeit des VNS (viel Parasympathikus/ Körperentspannung)
  • je niedriger SDNN, desto niedriger Variabilität und Anpassungsfähigkeit des VNS (wenig Parasympathikus/ Körperentspannung)

Beispiele

Diagnostik Verfahren - Analyse des Vegetativen Nervensystems

Lila = Ruhepuls, Grün = Alpha-1, Orange = SDNN, Rot = Sympathikus, Blau = Parasympathikus

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