Vitamin B6 (Pyridoxin)

Unter der Bezeichnung Vitamin B6 werden die Substanzen Pyridoxin, Pyridoxamin und Pyridoxal zusammengefasst. Vitamin B6 beteiligt sich an enzymatischen Reaktionen vor allem des Eiweiß- und Homocysteinstoffwechsels. Steigt der Homocysteinspiegel im Blut, können Gefäßerkrankungen in Kombination mit weiteren Risikofaktoren (Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus) die Folge sein. Weitere Funktionen übt Pyridoxin im Nervensystem, in der Immunabwehr und bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin aus.

Funktionen und Wirkungsweisen

Blutbildung

Die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin findet unter Beteiligung von Pyridoxin statt. Bei der Hämsynthese wird die Delta-Aminolävulinsäure in den Mitochondrien aus Succinyl-CoA und Glycin mithilfe der Aminolävulinsäure-Synthase gebildet, wobei PALP als Coenzym fungiert.

Gehirn und Nervensystem

PALP ist wichtig für die Synthese des Neurotransmitters Gammaaminobuttersäure (GABA). Bei der Bildung von GABA aus Glutamat übernimmt das PALP-abhängige Enzym Glutamatdecarboxylase den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt. GABA ist ein wichtiger inhibitorischer Neurotransmitter im ZNS. Eine unzureichende Synthese von GABA führt zu Enthemmung der Zentren und somit zu epileptischen Krämpfen.

Vitamin B6 unterstützt das Wachstum und die Entwicklung von Bausteinen des Immunsystems (Lymphozyten, Antikörper).

Kohlenhydratstoffwechsel

Im Glykogenstoffwechsel ist B6 das Coenzym der Glykogenphosphorylase.

Proteinstoffwechsel

Vitamin B6 ist vor allem an Aminosäuren-verstoffwechselnden Enzymen beteiligt:

  • Transaminasen
  • Decarboxylasen
  • Dehydratasen

Vorkommen und Bedarf

Vorkommen

Vitamin B6 kommt in Hühner- und Schweinefleisch, Fisch, einigen Gemüsearten (Kohl, grüne Bohnen, Feldsalat), Kartoffeln und Bananen vor. Weitere gute Quellen sind Vollkornprodukte (auf Roggenbasis) und Weizenkeime.

Bedarf

Der tägliche Vitamin B6-Bedarf liegt bei etwa 1,6 mg für Männer und 1,4 mg für Frauen. Ein erhöhter Bedarf ist während der Schwangerschaft (1,5-1,8 mg) und der Stillzeit (1,6 mg) gegeben [DACH-Referenzwerte].

Der Pyridoxin-Gehalt der Mutter steigt rund 40 Tage nach der Geburt an. Ist die Pyridoxin-Konzentration in der Muttermilch zu dieser Zeit nicht ausreichend, kann es zur Störungen der Gehirnreifung beim Säugling kommen.

Der tägliche Pyridoxaminbedarf hängt vom Eiweißgehalt der Nahrung ab. Infolge der Einnahme bestimmter Medikamente wie Antikonvulsiva (bei Epilepsie) und Tuberkulostatika (bei Tuberkulose) steigt der Tagesbedarf.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft ist die Vitamin B6-Versorgung oftmals verschlechtert. Um die Verluste auszugleichen, besteht für Schwangere und für Stillende ein täglicher Mehrbedarf. Die normalen Körperbestände reichen unter normalen Bedingungen jedoch für etwa 2 bis 6 Wochen aus. Auch bei einer hohen Eiweißzufuhr sollte die Aufnahme von B6 erhöht werden.

Über- und Unterversorgung

Mangelerscheinungen

Ursachen

Mangelerscheinungen sind selten und treten meist im Zusammenhang mit einer Eiweiß-Energie-Mangelernährung auf (speziell in Entwicklungsländern) Ein Mangel liegt vor. wenn eine der folgenden Bedingung zutrifft:

  • Pyridoxal-5-Phosphat-Plasmaspiegel <30 nmol/L
  • Gesamt-Pyridoxin-Plasmaspiegel <40 nmol/L

Symptome/ Folgen

Zu den ausgeprägten Mangelsymptomen zählen Ekzeme im Augen- und Nasen-/ Mund-Bereich, eine Eisen-resistente Blutarmut sowie neurologische Störungen.

Risikogruppen/ -situationen

  • chronischer Alkoholmissbrauch
  • HochleistungssportlerInnen
  • Schwangere und Stillende
Toxizität

Ursachen

Das Risiko für eine akute Vergiftung durch Pyridoxin ist gering. Erst bei einer täglichen Zufuhr von 500 mg pro Tag kann eine reversible sensible Neuropathie auftreten. Die häufigste Ursache ist eine Überdosierung.

Symptome/ Folgen

Bei einer täglichen Aufnahme von 50 bis 500 Milligramm über einen längeren Zeitraum (3 bis 6 Monate) wurden unter anderem Störungen des Nervensystems, vor allem an den Gliedmaßen, beschrieben.

  • Krämpfe (gestörte GABA-Synthese)
  • Ekzeme im Augen- und Nasen-/ Mund-Bereich
  • eisenresistente Blutarmut
  • neurologische Störungen
  • Erbrechen, Durchfall

Bei einer Dosierung von über 500 mg täglich kann nach einigen Monaten eine periphere sensorische Neuropathie mit folgenden Symptomen auftreten:

  • ataktische Gangstörung
  • Reflexausfälle
  • Störungen des Tast-, Temperatur- und Vibrationsempfindens

Bioverfügbarkeit und Interaktionen

Allgemeines

Bei der Zubereitung Vitamin B6-haltiger Nahrungsmittel treten Verluste infolge Hitzeeinwirkung und direkter Sonnenbestrahlung auf. Beispiel hierfür ist die Sterilisation oder der Trocknungsprozess von Milch. Generell sind die Verluste der in tierischen Nahrungsmitteln vorliegenden Verbindung (Pyridoxal) höher als die in Pflanzen vorherrschenden (Pyridoxamin und Pyridoxin).

Bei schonender Zubereitung gehen durchschnittlich 20 % des enthaltenen Pyridoxins verloren. Eine unzureichende Versorgungssituation äußert sich durch eine verminderte Ausscheidung von 4-Pyridoxinsäure sowie einer geringeren Pyridoxalphosphat-Konzentration im Blut.

Bioverfügbarkeit
  • enterale Synthese durch Darmbakterien
Bioverfügbarkeit ↓
  • Lebensmittel-Verarbeitung/ -Zubereitung/ -Lagerung
  • Kochen
  • Hitzesterilisation Milch (Pyridoxal wird zu Pyridoxamin)
  • Hitze, UV, Feuchtigkeit
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Diurese
  • Antagonisten
  • Medikamente (Antikonvulsiva, Tuberkulostatika)

Infografik Vitamin B6

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