Zertifizierung von Präventionskursen und Neuerungen im Handlungsleitfaden Prävention

Ernährungsfachkräfte können im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Präventionskurse für die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen anbieten. Dafür ist es notwendig, sich einerseits als Anbieter zu qualifizieren und andererseits ein zertifiziertes Kurskonzept anzubieten. Dafür wiederum ist die Zentrale Prüfstelle der Prävention (ZPP) zuständig.

Der wesentliche Vorteil besteht darin, als Anbieter in einer zentralen Kursdatenbank auf den Internetseiten der Krankenkassen gelistet zu sein und den Kurs potenziell 63 Millionen Versicherten anbieten zu können. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Präventionskurse anteilig oder vollständig.

Zentrale Prüfstelle der Prävention

Die ZPP prüft und zertifiziert Präventionskurse als einheitliche Bezuschussungsbasis für Krankenkassen. Die Krankenkassen haben sich zu einer Kooperationsgemeinschaft zusammengeschlossen. Ihr gehören an:

  • die Ersatzkassen
  • die Innungskrankenkassen
  • Betriebskrankenkassen
  • die Allgemeinen Ortskrankenkassen
  • die SVLFG
  • die Knappschaft

Die Kooperationsgemeinschaft prüft und zertifiziert Kurse kostenfrei und innerhalb von 10-14 Arbeitstagen. Die Prüfung erfolgt einmal zentral für alle gelisteten Krankenkassen. Sind alle Prüfkriterien erfüllt, erhält der Antragsteller das Prüfsiegel. Die Aufgaben umfassen im Einzelnen (Quelle):

  • einheitliche Prüfung von Präventionskursen deutschlandweit
  • Betreibung Onlineportal als Prüfplattform
  • einheitliche Anwendung von Prüfkriterien
  • Herstellung eines allgemein anerkannten Qualitätsstandards auf Basis des Leitfadens Prävention
  • fortlaufende Qualitätssicherung der Kurse durch Zertifizierungsdauer von 3 Jahren

Kursoptionen

Es können 2 Konzeptarten zertifiziert werden.

Kurskonzept

Dabei handelt es sich in der Regel um Präsenzkurse aus 8 bis 12 Einheiten à 45-90 Minuten.

IKT-basiertes Selbstlernprogramm

Dabei handelt es sich um einen Online-Kurs/ digitalen Kurs, der speziellen Kriterien und Nutzungsmöglichkeiten unterliegt. Weitere Informationen dazu finden sich auf den Seiten der ZPP.

Zudem kann zwischen 2 Nutzungsarten von Konzepten unterschieden werden.

eigenes Konzept

Hierfür wird ein eigenes Kurskonzept erstellt, eingereicht, geprüft und bei Erfüllung aller Kriterien zertifiziert.

standardisiertes Konzept

Die Ernährungsfachkraft nutzt ein bereits zertifiziertes/ standardisiertes Konzept einer Institution/ eines Verbandes. Die Anbieterqualifikation erfolgt separat. Zur Nutzung des Kurses fällt in der Regel eine Nutzungsgebühr an. Diese variiert von Kursanbieter zu Kursanbieter. Zudem muss eine Einweisung in das Kursprogramm nachgewiesen werden.

Des Weiteren stehen die Lebenswelten Kinder und Jugendliche, Erwachsene sowie Betriebliche Gesundheitsförderung optional zur Verfügung.

Es können Kurskonzepte für die Handlungsfelder Bewegung, Ernährung, Stress und Suchtprävention zertifiziert werden.

Im Handlungsfeld Ernährung können Kurse mit den Präventionszielen „Vermeiden von Mangel- und Fehlernährung“ sowie „Vermeiden und Reduktion von Übergewicht“ eingereicht werden.

Anforderungen an Kurskonzepte

Das zu zertifizierende Kurskonzept hat Ziele, Inhalte, Methodik und adressierte Zielgruppen der vorgesehenen Maßnahme eindeutig zu benennen.

Stundenverlaufspläne und Teilnehmerunterlagen

Die Darstellung der einzelnen Kurseinheiten erfolgt anhand einer Zeitschiene. Darin lassen sich Einstieg, Hauptteil und Abschluss mit dem jeweiligen zeitlichen und inhaltlichen Schwerpunkt des Kurses erkennen. Falls die zeitliche Struktur immer identisch ist, ist es ausreichend, wenn die erste Kurseinheit mit einer Zeiteinteilung versehen ist und ein entsprechender Hinweis für die weiteren Kurseinheiten erfolgt.

Mit Hilfe der Stundenverlaufspläne werden die zu vermittelnden Hintergrundinformationen der zu erlernenden Methode strukturiert dargestellt. Folgende Aspekte sind in diesem Zusammenhang detailliert in den Stundenverlaufsplänen zu nennen.

  • allgemeine Informationen zu den Inhalten des jeweiligen Handlungsfeldes (z. B. Einflussfaktoren der Gewichtsregulation)
  • spezifisches Hintergrundwissen zur Maßnahme/ Methode (Beschreibung und Erläuterung des Einflussfaktors, Anwendungs- bzw. Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis)

Zu jedem Thema einer Kurseinheit ist spezifisches Hintergrundwissen zu vermitteln. Die Informationen können dabei in einer separaten Informationsphase und/oder Praxisphase vermittelt werden.

Eine Vorlage steht auf der Internetseite des ZPP zur Verfügung.

Zudem sind die für die Kursteilnehmenden vorgesehenen Teilnehmerunterlagen sind dem Kurskonzept beizufügen. Sie sollen die Inhalte des Kurses widerspiegeln und zum selbstständigen Anwenden des Gelernten dienen.

Abweichungen von den DGE-Empfehlungen

Sollten sich für die Nährstoff- und Lebensmittelempfehlungen Abweichungen zu den DGE-Ernährungsstandards ergeben, so sind diese zwar grundsätzlich möglich, unterliegen aber folgenden Kriterien:

  • Die angestrebte Nährstoffrelation ist anzugeben.
  • Eine ausreichende Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, mehrfach ungesättigten Fettsäuren) ist sicherzustellen.
  • Getreideprodukte sind größtenteils in der Vollkornvariante zu sich zu nehmen.
  • Wenn eine erhöhte Proteinzufuhr empfohlen wird, erfolgt diese hauptsächlich durch pflanzliche und nicht durch tierische Lebensmittel.
  • Wenn eine erhöhte Fettzufuhr empfohlen wird, darf es nicht zu einer gesteigerten Zufuhr an gesättigten oder Trans-Fettsäuren kommen.

Zudem bedarf es einer umfassenden wissenschaftlichen Begründung mit dem Nachweis der Wirksamkeit:

  • Es muss sich um eine Vollerhebung der Maßnahme (aller Teilnehmenden eines Kurses) mit drei Messpunkten handeln.
  • Die Messpunkte müssen am Beginn, am Ende und sechs Monate nach der Maßnahme liegen.
  • Es müssen mindestens 36 Personen alle Fragen der Evaluation vollständig und auswertbar beantwortet haben.
  • Die Erhebung der Evaluationsdaten muss anonymisiert und freiwillig erfolgen.
  • Die Evaluation muss auf die Ziele des der Maßnahme zugrundeliegenden Handlungsfeldes und Präventionsprinzips ausgerichtet sein.

Evaluationskriterien (Angaben laut ZPP)

  • Der Kurs verfolgt eine klare Zielsetzung.
  • Die Zielsetzung wird vor dem Hintergrund der Zielgruppe und Kursinhalte wissenschaftlich begründet.
  • Die Teilnehmenden wurden befähigt und motiviert, das erworbene Wissen selbständig anzuwenden und in ihren Alltag zu integrieren.
  • Der allgemeine Gesundheitszustand der Teilnehmenden hat sich verbessert.
  • Die Auswertung muss ein positives Ergebnis in Bezug auf die Zielsetzung des Präventionsprinzips aufweisen (langfristige Gewichtsabnahme, gesundheitsförderliche Veränderung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens)

Anbieterqualifikation (Angaben im Original laut ZPP)

Grundqualifikation

Für den Nachweis der Qualifikation der Kursleitenden sind Unterlagen über eine für das jeweilige Handlungsfeld und Präventionsprinzip geforderte staatlich anerkannte Grundqualifikation vorzulegen. Hierbei kann es sich um einen Studienabschluss oder eine staatlich anerkannte Berufsausbildung handeln.

Hierfür gab es in diesem Jahr eine umfassende Änderung. Die Übergangsfrist endet am 30.09.2020.

Studienabschluss (bis zum 30.09.2020 gültig)

Um den Nachweis des staatlich anerkannten Studienabschlusses zu erbringen, muss die Abschlussurkunde eingereicht werden, aus welcher die Verleihung des akademischen Grades im jeweiligen Fachgebiet hervorgeht. Bei Verlust der Abschlussurkunde ist eine beglaubigte Zweitschrift einzureichen.

Bei Verleihung des akademischen Grades Magister Artium (M.A.) ist zudem darzulegen, welche Fächer als Haupt- und Nebenfach belegt wurden (z. B. Nachweis über das Zeugnis). Grundsätzlich ist es möglich, ein Nebenfach eines staatlich anerkannten Studienabschlusses für eine Grundqualifikation aus dem Leitfaden Prävention anzuerkennen und die Inhalte zu berücksichtigen. Die Möglichkeit der Anerkennung wird durch die gesetzliche Krankenkasse bzw. durch die Zentrale Prüfstelle Prävention geprüft.

Berufsabschluss (bis zum 30.09.2020 gültig)

Um den Nachweis eines staatlich anerkannten Berufsabschlusses zu erbringen, ist stets die Abschlussurkunde bzw. – sofern diese nicht vorhanden ist – das Abschlusszeugnis vorzulegen, aus welchem die erlangte Berufsbezeichnung hervorgeht. Geht aus den eingereichten Unterlagen die erlangte Berufsbezeichnung nicht hervor, so ist ein zusätzlicher Nachweis einzureichen (z. B. in Form eines Bestätigungsschreibens).

Studienabschluss/ Berufsabschluss (ab dem 01.10.2020 erforderlich)

Ein staatlich anerkannter handlungsfeldbezogener Berufs- oder Studienabschluss mit Nachweis der Mindeststandards in Bezug auf fachwissenschaftliche, fachpraktische und fachübergreifende Kompetenzen für das jeweilige Handlungsfeld/Präventionsprinzip ist Voraussetzung. Ein staatlich anerkannter Berufs-/Studienabschluss liegt vor, wenn dieser

  • im Bundesanzeiger eingesehen werden kann oder
  • in der Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Einstufung formaler Qualifizierungen in den Deutschen Qualifikationsrahmen unter www.dqr.de gelistet ist oder
  • über das Berufsbildungsgesetz (BBiG, §53), die Handwerksordnung (HWO) oder spezifische Landesgesetze (z. B. Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz der Länder) geregelt ist oder
  • die staatliche Anerkennung aus der Abschlussurkunde ersichtlich ist

Alle erforderlichen Fachkompetenzen einschließlich Programmeinweisungen und Weiterbildungen zu Inhalten/ Verfahren sind anhand aussagefähiger Unterlagen (Curricula, Studienbücher, Urkunden mit Inhalten und Umfängen, Leistungsnachweise etc.) nachzuweisen.

Anerkennung von im Ausland erworbenen Grund-qualifikationen

Inhaber ausländischer Berufs- oder Studienabschlüsse haben eine Gleichstellungsanerkennung durch die zuständigen (behördlichen) Stellen vorzulegen (Informationen z.B. über www.anabin.kmk.org). Liegt ein Berufs- oder Studienabschluss aus dem Ausland vor, sind folgende Unterlagen zur Prüfung einzureichen:

  • Originalurkunde
  • Beglaubigte Übersetzung
  • Nachweis über die Gleichstellung mit einem Abschluss aus Deutschland

Bei den auf europäischer Ebene erworbenen Bachelor- und Masterabschlüssen „Psychology“ und „Sport Science“ werden keine Gleichstellungsanerkennungen benötigt.

Zusatzqualifikation

Für den Nachweis der Qualifikation der Kursanbietenden sind Unterlagen zur Zusatzqualifikation im jeweiligen Bereich sowie ggf. zur Einweisung in das durchzuführende Programm vorzulegen. Zusatzqualifikationen sind spezifische in der Fachwelt anerkannte Fortbildungen. Eine Zusatzqualifikation kann in der Grundqualifikation enthalten sein; dies ist durch aussagefähige Unterlagen nachzuweisen. Zusatzqualifikationen können aber eine fehlende Grundqualifikation nicht ersetzen.

Supervision wird im Rahmen der Zusatzqualifikation anerkannt, wenn sie fester Bestandteil der Ausbildung ist.

Die Einweisung in das durchzuführende Programm kann in der Zusatzqualifikation enthalten sein; dies ist durch aussagekräftige Unterlagen zu belegen.

Die Zusatzqualifikation und die Einweisung in das durchzuführende Programm sind in Präsenzunterricht zu absolvieren. Eine Fern-, Selbst- oder Onlineschulung wird im Rahmen der Zusatzqualifikation sowie der Einweisung in das Programm nicht anerkannt.

Themenbezogene Zusatzqualifikation

Mit dem Leitfaden Prävention in der Fassung vom 10. Dezember 2014 wurde die zuvor strikte Forderung nach einer Zusatzqualifikation von einer im Leitfaden genannten Fachgesellschaft gelockert und erweitert. So können neben Zusatzqualifikationen einer im Leitfaden genannten Fachgesellschaft, wie z.B. DGE, VDOE, UGB, VFED, VDD oder QUETHEB auch Fortbildungsnachweise anderer Anbieter zur Prüfung eingereicht werden. Das bedeutet, themenbezogene Zusatzqualifikationen können bei verschiedenen Anbietern, innerhalb der staatlich anerkannten Ausbildung (Grundqualifikation) oder im Rahmen von Fort-/ Weiterbildungen modulartig erworben werden.

Mit dem Leitfaden Prävention in der Fassung vom 10. Dezember 2014 wurde die zuvor strikte Forderung nach einer Zusatzqualifikation von einer im Leitfaden genannten Fachgesellschaft gelockert und erweitert. So können neben Zusatzqualifikationen einer im Leitfaden genannten Fachgesellschaft, wie z.B. DGE, VDOE, UGB, VFED, VDD oder QUETHEB auch Fortbildungsnachweise anderer Anbieter zur Prüfung eingereicht werden. Das bedeutet, themenbezogene Zusatzqualifikationen können bei verschiedenen Anbietern, innerhalb der staatlich anerkannten Ausbildung (Grundqualifikation) oder im Rahmen von Fort-/ Weiterbildungen modulartig erworben werden.

Die Anerkennung themenbezogener Zusatzqualifikationen unterliegt einer Definition von Mindestanforderungen. Um die über die Fachgesellschaften etablierten Qualitätsstandards beizubehalten, wurden wesentliche inhaltliche Mindestanforderungen für eine qualitätsorientierte Ernährungsberatung festgelegt. Als Referenz wurden die Qualitätsstandards der Ernährungsberatung der im Leitfaden Prävention 2014 genannten Fachgesellschaften und Institutionen herangezogen.

Hierzu wurden Grundlagenwissen und fachspezifische Themen der Ernährungsberatung festgelegt, die als essentiell für die komplexen Zusammenhänge in der Ernährungsberatung erachtet werden. Neben der Konzeption einer nachhaltigen Ernährungsweise, die Kenntnis über Lebensmittelgruppen, Warenkunde etc. sind auch methodische und praktische Kompetenzen von Bedeutung. Daraus ergibt sich für die themenbezogenen Zusatzqualifikationen ein Mindestumfang von 84 UE.

Die einzelnen Kompetenzbausteine können bei verschiedenen Anbietern erworben werden. Alle erforderlichen Inhalte müssen der Zentrale Prüfstelle Prävention nachvollziehbar und anhand aussagekräftiger Unterlagen dargelegt werden. Nur wenn alle Inhalte plausibel nachgewiesen werden konnten (z.B. durch nähere inhaltliche Angaben der Fort-/ Ausbildung, Modulkataloge etc.), kann eine abschließende Prüfung erfolgen.

Eine Kursleiterbefähigung (z.B. Ernährungsberater/in) muss bei themenbezogenen Zusatzqualifikationen nicht explizit ausgewiesen werden, da diese durch den Nachweis von Modulen aus dem Bereich Kommunikation & Methodik/Didaktik abgedeckt wird.

Für die Aktualisierung und Vertiefung von fachwissenschaftlichen Erkenntnissen wird eine regelmäßige Fortbildung auch in Hinblick auf die Beratung nach aktuellen Standards erwartet. Hierzu sind bei abgelaufenen Gültigkeiten der Zertifikate bzw. bei Fort- und Weiterbildungen, die länger zurückliegen, für die letzten drei Jahre Fortbildungsnachweise im Umfang von 24 UE in Summe vorzulegen. Das laufende Kalenderjahr kann mit eingerechnet werden.

Der geforderte Mindestumfang von 84 UE setzt sich im Detail aus folgenden Inhalten zusammen.

Handlungsfeldbezogene Inhalte

Kernpunkte, die für eine qualitative Ernährungsberatung essentiell sind mit insgesamt mindestens 36 UE:

  • Ernährungslehre und -physiologie (mindestens 20 UE)
  • Angewandte Ernährung/ Nährwerte/ Ernährungsstatus/ Nährwertberechnung (mindestens 8 UE)
  • Grundlagen der Lebensmittelverarbeitung (mindestens 4 UE)
  • Ernährungsassoziierte Erkrankungen und Prävention (mindestens 4 UE

Methodik und Didaktik in der Gruppenberatung Kommunikation und Gesprächsführung

Es müssen im Rahmen einer Fort-/Ausbildung Kompetenzen im Umfang von mindestens 32 UE erlangt und entsprechend nachgewiesen werden.

Praktische Kompetenzen

mindestens 16 UE

Hinweis zum Bestandsschutz (Newsletter ZPP)

Kursleitungen, die am 30. September 2020 mit einem oder mehreren Kursen als „zertifiziert“ im System der Zentrale Prüfstelle Prävention geführt werden, erhalten von der Kooperationsgemeinschaft der Krankenkassen einen unbefristeten Bestandsschutz auf die Qualifikation im entsprechenden Handlungsfeld bzw. Präventionsprinzip. Der Bestandsschutz leitet sich unmittelbar aus der Zertifizierung eines Kurses zum Stichtag ab und bedeutet, dass die hier positiv geprüfte Qualifikation dauerhaft anerkannt bleibt.

Eine Kursleitung kann auch Bestandsschutz in mehreren Handlungsfeldern bzw. Präventionsprinzipien erhalten, sofern am 30.09.2020 Präventionskurse in mehreren Präventionsprinzipien mit dem Status „zertifiziert“ in der Datenbank gelistet sind.

Voraussetzung für diesen Bestandsschutz ist, dass die Zertifizierung materiell rechtmäßig erfolgt ist und dass zum Zeitpunkt der Zertifizierung die durch den Leitfaden Prävention in der zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung gestellten Anforderungen an die Grund- sowie die Zusatzqualifikation objektiv erfüllt waren.

Mindeststandards für das Handlungsfeld Ernährung

Die nachfolgend genannten Fachkompetenzen müssen zu mindestens 60 % in einer staatlich anerkannten Berufsausbildung oder einem wissenschaftlichen Studium an einer Universität oder Fachhochschule mit Abschluss erworben worden sein. Sie können bis zu 40 % durch weitere Qualifizierungsmaßnahmen ergänzt werden.

Anerkennungsfähig sind weitere Qualifizierungsmaßnahmen von Institutionen der Aus-, Fort- und Weiterbildung, die staatlich anerkannte Berufs- oder Studienabschlüsse vergeben bzw. die staatlich anerkannt sind sowie von Berufs- und Fachverbänden. 1 ECTS entspricht 30 Stunden.

Fachwissenschaftliche Kompetenz

Ernährung (≥360 Stunden oder 12 ECTS)

  • Ernährungslehre und -physiologie
  • Angewandte Ernährung/ Nährwerte/ Nährwertberechnung/ Ernährungsempfehlungen/ Referenzwerte
  • Ernährungsphysiologische Beurteilung von Nahrungsmitteln, ernährungsbedingte Erkrankungen und Prävention
  • Gesundheitsfördernde, vollwertige Ernährung, Lebensstilfaktoren, Vermeiden von Risikofaktoren
  • Analyse des Ernährungsstatus, Vermeiden von Mangel- und Fehlernährung
  • Nachhaltige Verbesserung der individuellen Ernährungsweise und des Ernährungsverhaltens, ggf. Lösen von Ernährungsproblemen
  • altersspezifische Ernährung
  • Ernährungskultur, Kultur des Essens, kulturspezifische Gegebenheiten im Ernährungsverhalten
  • Fasten

Medizin, Ernährungsmedizin (≥360 Stunden oder 12 ECTS)

  • Anatomie (Aufbau Zellsystem, menschlicher Organismus, Gastrointestinaltrakt, Herz-Kreislauf-System)
  • Physiologie (Zellphysiologie, Verdauung, Resorption; Ernährungsphysiologie; Regulation der Nahrungsaufnahme, Wasser- und Elektrolythaushalt)
  • Biochemie (Grundlagen biochemischer Prozesse und Reaktionen; Intermediärstoffwechsel, Energiegewinnung aus Nährstoffen, Säure-Base-Haushalt)
  • Pathobiochemie
  • Ernährungsrelevante Pathologie, pathophysiologische Mechanismen
  • Ernährungs-(mit)-bedingte Erkrankungen, chronische Erkrankungen
  • Angeborene und erworbene Stoffwechselerkrankungen
  • allgemeine Therapie und Ernährungstherapie bei Übergewicht und Adipositas
  • Prävention und Therapie von ernährungs-(mit)bedingten bzw. abhängigen Erkrankungen, z. B. des Gefäß- und Kreislaufsystems, des Muskel- und Skelettsystems, für bestimmte Krebserkrankungen, bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Grundlagen der Diätetik; Diätkostformen; angewandte Diätetik; ernährungsrelevante Richt-/Leitlinien, Standards und Empfehlungen zu bedarfsgerechten Ernährung entsprechender Patienten(gruppen)
  • Klinische Ernährung

Pädagogik/Psychologie (≥450 Stunden oder 15 ECTS)

  • Grundlagen kommunikativen Handelns
  • Methodisch-didaktische Grundlagen für die Gesprächsführung und in der Beratung bzw. Schulung, insbesondere für verschiedene Zielgruppen (z.B. Kleinkinder/Kinder, Erwachsene, Schwangere/Stillende, Senioren, Sportler)
  • Gruppenschulung/Gruppenberatungen; Sozialformen
  • Beratungsansätze, -modell, -prozesse; Clincial Reasoning
  • Unterstützung in Entscheidungsfähigkeit und Handlungskompetenz; Verhaltensintervention
  • Geistes-, verhaltens-, sozialwissenschaftliche Kenntnisse
  • psychologisch grundlegende Prinzipien
  • Gesundheitspsychologie und Verhaltensorientierung, Motivationsgefüge
  • Einflüsse auf das Ernährungsverhalten, Ernährungserziehung, Ernährungsverhalten/ Ernährungsaufklärung/ Ernährungsbildung/ Ernährungsinformation
  • Professionelles Kommunizieren und Präsentieren
  • Planung, Vorbereitung, Durchführung und Evaluation von Einzel- und Gruppenberatungen
  • Ernährungskommunikation
  • Sozialer, psychischer und biologischer Kontext in der Beratung
  • Systemisch-methodische Kompetenzen
  • Veränderungsmanagement
  • Selbstwirksamkeit; Selbstwahrnehmung/Selbstakzeptanz
  • Konstruktivistische, ethische, motivationale Beratungskompetenz
  • Strategien zur Selbstmotivation, Kommunikation und Methodik zur Formulierung von realistischen und umsetzbare Zielformulierungen unter Berücksichtigung des Settings und der individuellen Lebenssituation

Fachpraktische Kompetenz

Theorie und Praxis der Lebensmittel- und Warenkunde (≥ 450 Stunden oder 15 ECTS)

  • Lebensmittelkunde
  • Lebensmittelproduktion
  • Grundlagen des Lebensmittelrechts und des Verbraucherschutzes
  • Lebensmittelchemie
  • Kriterien zur Beurteilung von Lebensmittelqualität
  • Grundlagen der Gemeinschaftsverpflegung (Sicherheits-/Hygienerichtlinien, Beschaffung, Lagerung, Zubereitung, Konservierung und Ausgabe von Lebensmitteln und Speisen)
  • Verpflegungssysteme
  • Nährstoffschonende Zubereitung von Speisen und Mahlzeiten, Koch- und Küchentechnik
  • Grundlagen des Küchenmanagements

Fachübergreifende Kompetenz

Grundlagen der Prävention und Gesundheitsförderung (≥ 30 Stunden oder 1 ECTS)

  • Gesundheitsförderung/Salutogenese
  • Bedeutung sozialer Settings für die Prävention
  • Grundlagen Prävention (primär, sekundär, tertiär) in Lebensphasen und -welten
  • Präventionsgesetz
  • Angebote von Gesundheitsleistungen
  • Modelle des Gesundheitsverhaltens, Verhaltensinterventionen, Ernährungsverhalten
  • Public Health, Lebensstilfaktoren
  • Grundlagen zu rechtlichen Formalitäten (z.B. Vertragswesen, Urheberrecht, Heilmittelwerbegesetz, Markenrecht, Homepage/Telemediengesetz)

Frei wählbar

aus den o.g. Inhalten 1-5 (150 Std. oder 5 ECTS)

  • vertiefte Kompetenzen in einzelnen ausgewiesenen Bereichen