Zöliakie – Ernährungstherapie und Prävention

Bei einer Zöliakie ist eine lebenslange glutenfreie Diät wichtigster Bestandteil der Ernährungstherapie. Wird diese Ernährung nicht konsequent eingehalten, kann es zu Komplikationen, Nährstoffmängeln und Folgeschäden kommen. Daher ist die ausreichende Versorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsbestandteilen die zweite wichtige Therapieziele. Damit lassen sich Symptome vermeiden und die Lebensqualität erhalten.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und Kostformen

Ernährungsziele

Kurzfristig steht das Abmildern bestehender Beschwerden bzw. das Erreichen von Beschwerdefreiheit im Fokus der Therapie. Mittel- und langfristig ist die bedarfsdeckende Versorgung mit lebensnotwendigen und kritischen Nährstoffen zu gewährleisten. So lassen sich Komplikationen und Folgeerkrankungen bzw. -schäden vermeiden.

Diätetische Prinzipien
  1. bedarfsdeckende Energie- und Nährstoffzufuhr
  2. konsequente lebenslange streng glutenarme/glutenfreie Ernährung
  3. ballaststoffreiche Ernährung

Relevante Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Therapie

Bei einer Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung lebenslang und konsequent durchzuführen. Gluten ist das Klebereiweiß des Weizens, ebenso sind entsprechende Eiweiße in anderen Mehlgetreidesorten wie Roggen, Gerste und Hafer zu meiden. Unverträglich sind dabei die sogenannten Prolamine (Gliadin im Weizen, Secalin im Roggen, Hordein in der Gerste und teilweise Avenin im Hafer). Erlaubt sind hingegen Hirse-, Reis-, Mais- und Kartoffelmehl.

Unter einer strikten glutenfreien Diät bessern sich die Beschwerden meist innerhalb eines Monats. Zudem fallen die Antikörpertests innerhalb eines Jahres meist negativ aus. Die Dünndarmschleimhaut in der Biopsie normalisiert sich erst innerhalb von 2 Jahren [Wah 2002]. Bei Kindern kann der Heilungsprozess schneller erfolgen.

Eine glutenfreie Diät sollte nie vor einer sicheren Diagnose begonnen werden, da ansonsten die Antikörpertests nicht sicher verwertbar sind und ebenso das Ergebnis der Biopsie nicht eindeutig ausfällt.

Prävention

Bislang gibt es nur wenig allgemein akzeptierte Ansätze zur Prävention der Zöliakie. Unter anderem wird erforscht, ob und wie effektiv eine frühzeitige Gabe hoher Glutenmengen die Zöliakieprävalenz bei Kindern senkt oder erhöht.

Die Auswertung von 1.000 Kleinkindern zeigte, dass eine frühe Glutenexposition (hier durchschnittlich 2,66 g Gluten/ Woche) das Risiko für eine Zöliakie-Erkrankung nicht erhöhte. Die Erkrankungsrate lag sogar niedriger als bei einer durchschnittlichen Aufnahme von 0,49 g Gluten pro Woche [Log 2020].

Inwiefern dies verallgemeinert oder gar als präventiver Ansatz verstanden werden kann, ist noch nicht abschätzbar. Die AutorInnen der Studie selbst fordern weitere randomisiert-kontrollierte Studien, um den Zusammenhang genauer zu untersuchen.

Durch die Darmveränderungen kann es zu einer (vorübergehenden) Unverträglichkeit gegenüber Laktose kommen.

In besonders schweren Fällen ist die Verwendung von Spezialfetten, sogenannten MCTs, anzuraten.

Weitere Nährstoffe

Entzündungsprozesse und eine Atrophie der Zotten sowie der Verlust des Bürstensaums können zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut führen. Das kann aufgrund einer verminderten Aufnahmefähigkeit zu einem Mangel an Eisen, Folsäure, Vitamin K und D, Kalzium, Phosphat, Zink oder Magnesium führen.

Relevante Lebensmittel und spezielle Produkte

Blähende Lebensmittel

Auch auf blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohlsorten, Zwiebeln und frisches glutenfreies Hefegebäck sollte am Anfang der Therapie verzichtet werden.

Weitere Lebensstilaspekte und Therapieoptionen

Medikamentöse Therapie

Es werden derzeit einige medikamentöse Therapieformen wie beispielsweise die enzymatische Therapie zur Degradierung immunologisch aktiver Epitope des Gliadins [Sha 2002] oder die Stabilisierung der Darmdurchlässigkeit mit AT-1001 [Pat 2007] getestet. Bislang brachte jedoch keine Therapieform einen nachweislichen klinischen Erfolg.

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Symptome

Anämie

Eine Blutarmut kann durch einen Eisen-, Folsäure-, Vitamin B12-, Vitamin B6-Mangel (verminderte Aufnahme durch Zottenatrophie) auftreten.

Autoimmun-erkrankungen

Auch die Assoziation von Autoimmunerkrankungen mit der Zöliakie ist bekannt. In etwa 3 bis 5 % der Fälle treten die Autoimmunthyreoiditis, der Diabetes mellitus Typ I sowie die rheumatoide Arthritis zusammen mit einer Zöliakie auf. Die Prävalenz von Autoimmunerkrankungen nimmt mit der Dauer der Glutenexposition zu [Ven 1999]. Als Ursachen für das verstärkte Auftreten einer Zöliakie bei Autoimmunerkrankungen werden gemeinsame genetische Faktoren und eine gestörte Immunregulation vermutet [Jae 2001].

Eine besonders hohe Erkrankungshäufigkeit ist bei PatientInnen mit selektivem IgA-Mangel zu verzeichnen. Diese weisen im Gegensatz zur Normalbevölkerung eine 10 bis 15-fach höhere Wahrscheinlichkeit auf, eine Zöliakie zu entwickeln. Infolge der Schädigung der Darmschleimhaut kommt es zu einer mangelhaften Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung.

Dermatitis herpetiformis Duhring

Hier treten häufig symmetrisch juckende Bläschen vor allem an Ellenbogen, Knien und Gesäß auf. Mikroskopisch sind granuläre IgA-Ablagerungen im Bereich des dermo-epidermalen Übergangs sichtbar. Ursache ist vermutlich ein Autoantigen – die mit der Gewebetransglutaminase eng verwandte epidermale Transglutaminase [Sár 2002]. Die Hauterscheinungen sind unter einer gliadinfreien Diät reversibel [Koo 2000].

Einige ZöliakiepatientInnen leiden durch die Schädigungen der Dünndarmschleimhaut zusätzlich an einem Laktasemangel. Das Verdauungsenzym Laktase ist für die Spaltung von Laktose in Glukose und Galaktose verantwortlich und löst bei einer unzureichender Produktion eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) aus.

Der anfänglich aufgrund der Zottenatrophie auftretende Laktasemangel kann sich innerhalb eines Jahres wieder normalisieren [Oje 2008]. Eine strenge laktosefreie Diät ist daher bei Einhalten der glutenfreien Diät in den meisten Fällen nicht notwendig.

Malabsorption

Je nach Ausmaß der Zottenatrophie ist die gestörte Aufnahme von Mikro- und Makronährstoffen aus dem Dünndarm (Malabsorption) mehr oder weniger stark ausgeprägt. Die Symptome sind vom Alter des Betroffenen bei Erkrankungsbeginn und von der Erkrankungsdauer abhängig. Sie treten meist nicht gleichzeitig auf und sind oft relativ unspezifisch.

Lymphome

Bei einer sehr späten Diagnose oder gravierenden Diätfehlern können sich Lymphome entwickeln [Cat 2002]. Bei etwas weniger als 2 % entsteht ein diätrefraktärer Verlauf, der mit einem stark erhöhten Lymphomrisiko assoziiert ist.

Aus noch unbekannter Ursache entwickeln einige Morbus Crohn-PatientInnen eine Glutenunverträglichkeit. Analog zur Zöliakiebehandlung erfordert diese Folgeerscheinung eine lebenslange Abstinenz von glutenhaltigen Lebensmitteln.

Osteoporose und Lymphome

ZöliakiepatientInnen weisen häufig eine verminderte Knochendichte auf [Wal 1995]. Nach der Behandlung kommt es wieder zur Annäherung an die Normalwerte, insbesondere bei Kindern [Ard 2003]. Das Frakturrisiko ist nur moderat erhöht [Tho 2003]. Eine unbehandelte Zöliakie hingegen führt zur Reduktion der Knochendichte [Mus 1999].

Durch die verminderte Kalziumaufnahme entsteht ein sekundärer Hyperparathyreoidismus. Dieser führt zur Stimulation des Enzyms 1alpha-Hydroxylase, aus deren Reaktion das aktive Vitamin D3 resultiert. Trifft Vitamin D3 auf defekte Enterozyten mit deaktiviertem Vitamin D3-Rezeptor und reduzierter Expression von Vitamin D-Transportproteinen kommt es zum katabolen Knochenstoffwechsel [Car 1988].

Auch wenn eine Zöliakie ausgeschlossen wurde, verbessern sich in der Praxis bei einer Vielzahl der ReizdarmpatientInnen die Symptome unter einer glutenarmen Diät. Einige Patienten verspüren bereits durch das Meiden von Back- und Teigwaren eine deutliche Besserung der Beschwerden. Entsprechende Ergebnisse konnten auch in einer kleinen placebokontrollierten, doppelverblindeten, randomisierten Studie nachgewiesen werden. Hierbei hielten die TeilnehmerInnen über 6 Wochen eine glutenfreie Diät ein und bekamen zusätzlich eine Scheibe glutenhaltiges oder glutenfreies Brot und einen entsprechenden Muffin [Bie 2011]. Die zugrundeliegenden pathologischen Prozesse sind allerdings weitgehend unbekannt.

Weitere Unverträglichkeiten

Bei diversen Glutenunverträglichkeiten kann ein vorübergehender Verzicht auf glutenreiche Produkte zur Linderung der Beschwerden beitragen. Ein lebenslanger konsequenter Verzicht ist meist nicht notwendig.

Infografiken Zöliakie

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